Unternehmen und Politik sind gefordert
Nicht alle Unternehmen sind so sensibilisiert für das Thema wie Bytro Labs. Das ist ein Problem, denn: Dem von außerhalb beizukommen ist schwierig. »Auf nationaler Ebene lässt sich kaum etwas ausrichten, vor allem, weil die meisten Unternehmen ja ihren Firmensitz und die Gerichtsbarkeit ganz woanders haben«, meint Felix Zimmermann von der Bundeszentrale für politische Bildung.
»Die EU hat jetzt mit dem Digital Services Act einen wichtigen ersten Schritt unternommen zur Regulierung der großen Konzerne, aber das muss sich erst noch zeigen, wie gut das umgesetzt wird.«
Der Digital Services Act soll etwa auch helfen, die bislang sehr intransparenten und vagen Nutzungs- und Verhaltensrichtlinien von Anbietern wie Steam zu normieren. »Da wird gerade auch viel dazu geforscht«, erzählt Zimmermann.
»Welche Begrifflichkeiten werden da überhaupt genutzt und wie? Um es mal so zu sagen: Da steht ja oft viel Wischiwaschi, von wegen man solle sich eben benehmen und das war es schon.« Unscharfe Verhaltensrichtlinien würden aber auch unscharf ausgelegt. Das erschwere die Moderation zusätzlich. Wenn Inhalte gemeldet werden, werde – wenn überhaupt – spät reagiert.
Es dauerte ein Jahr, bis das »Halle-Attentat-Spiel« von Roblox entfernt wurde. Auch Steam zeigt bislang wenig Interesse an der Ahndung rechtsextremer Inhalte. »Dass wirklich Accounts gesperrt werden, das erleben wir so gut wie nie«, erzählt Mick Prinz von der Amadeu Antonio Stiftung.
Zivilcourage spielen
Jörg Friedrich und sein Team vom Berliner Studio Paintbucket Games machen die Spielenden in antifaschistischen Titeln wie dem vielfach ausgezeichneten Through The Darkest of Times, Beholder 3 und The Darkest Files zu Widerstandskämpfern und Ermittlerinnen gegen Nazi-Verbrechen.
Die politische Botschaft ist dabei gewollt, wie Friedrich uns im Interview berichtet: »Sebastian [Schulz] und ich haben das Studio 2018 gegründet, weil wir sehr politische Menschen sind. Wir wollten uns politisch engagieren, aber mit anderen Mitteln als in einem politischen Verein. Und da fanden wir Spiele als großartiges Mittel, um etwas auszudrücken, was uns wichtig ist.«
Als Paintbucket Games an Through The Darkest of Times (Release 2020) arbeiten, gibt es noch kaum Vorbilder für diese Art Spiel. »Wir haben uns gefragt, wie wir denn in unserem Spiel überhaupt angemessen mit dem Thema umgehen können«, erzählt Friedrich. Sie hätten sich dann viel mit Gedenkstättenpädagogik beschäftigt, neue Netzwerke geschlossen und seien in den Austausch gegangen.
Am Ende wurden die Entwickler zu Pionieren bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie das ernste Thema des Holocausts und des Nazi-Terrors in Spielen umgesetzt werden kann. Mit dem eben angelaufenen Programm MasterClass Game-Entwicklung will die Bundeszentrale für politische Bildung solche Entwickler künftig stärker unterstützen. Felix Zimmermann erklärt:
»Wir wollen damit eine Leerstelle füllen und zwar ausdrücklich Spieleentwickler:innen in den Blick nehmen. Dafür haben wir jetzt das Format MasterClass Game-Entwicklung geschaffen. Es gibt zwar schon einzelne Personen, Jörg Friedrich etwa, die sich bereits engagieren. Aber wir wollen insgesamt die Frage stellen: Was können Entwickler:innen gegen Rechtsextremismus tun?«
Das Programm ist modular aufgebaut und soll auch deutlich machen, dass Rechtsextremismus keine Randerscheinung ist, sondern in der Mitte der Gesellschaft immer mehr normalisiert wird. Die Teilnehmenden erarbeiten gemeinsam Themen wie inklusive Studiokultur, Accessibility-Design und proaktives Community-Management.
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Through the Darkest of Times: Teaser zum Anti-Nazi-Strategiespiel
Das Ziel laut Zimmermann: »Wir wollen Informationen liefern und dann vor allem ins Handeln kommen.« Von Juni 2024 bis Frühjahr 2025 läuft das Programm, dann wird aus den gemeinsam erarbeiteten Ergebnissen ein öffentliches Wiki erstellt.
Community-Experte Conor McGinley hat schon jetzt einen deutlichen Rat an Spieleunternehmen, was Rechtsextremismus angeht: »Null Toleranz.« Die Botschaft müsse sein: »Wenn du solche Inhalte verbreiten willst, dann bieten wir dir dafür keine Plattform.« Das Problem, so McGinley, löse sich dann früher oder später von selbst:
»Wenn das genug Unternehmen machen würden, gäbe es bald keinen Ort mehr für Rechtsextremismus in Spielen.«
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