Ach man, ey. Es hatte sich ja schon angebahnt. Nachdem ich noch vor dem Start der fünften und letzten Staffel von The Boys mir die ersten sechs Folgen davon ansehen durfte, war meine Angst groß: Geht einer meiner liebsten TV-Serien auf der Zielgeraden wirklich die Puste aus?
Und nicht nur ich hatte, beziehungsweise habe deswegen Bauchschmerzen. Die Enttäuschung der Fans ist groß und auf so gut wie allen Plattformen spürbar. Egal, ob bei Reddit, auf X oder IMDb – überall hagelt es vernichtende Reviews zum Finale von The Boys.
Etwa, dass die halbe fünfte Staffel gefühlt nur als Werbung für das Prequel Vought Rising dient, sich die restliche Geschichte immens im Kreis dreht oder dass der Humor immer platter und damit ermüdender ausfällt …
Und um es explizit zu betonen: Ab dieser Stelle gibt es gravierende Story-Spoiler!
Nein, das Finale von The Boys ist nicht komplett misslungen
Ist aber wirklich alles missraten? Nein, das wäre übertrieben. Denn Staffel 5 schafft es immer noch, ein paar echte Highlights zu liefern.
So reißen Karl Urban und Antony Starr mit ihren Performances als Billy Butcher und Homelander viel raus und auch die Enden ihrer jeweiligen Character-Arcs sind absolut stimmig. Dasselbe lässt sich ebenso von A-Train (Jessie Usher), The Deep (Chace Crawford), MM (Laz Alonso) und Kimiko (Karen Fukuhara) behaupten.
Fairerweise sehe ich wiederum den Abschluss der Geschichte von Hughie (Jack Quaid) und Starlight (Erin Moriarty) kritischer, das ist aber nochmal eine andere Geschichte …
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The Boys: Der offizielle Trailer zur fünften und letzten Staffel
Warum das Finale von The Boys aber auch schwer enttäuscht
Hier geht es mir erstmal um einen ganz anderen Kritikpunkt. Nachdem Folge 8 von Staffel 5 am 20. Mai 2026 bei Prime Video erschienen ist, muss ich mir wirklich die Frage stellen: Wo zur Hölle ist das ganze Budget hin?
Denn nachdem sich die vorangegangenen sieben Folgen fast ausschließlich in engen Räumen oder zumindest in überschaubaren Set-Pieces abspielten, hatte ich die Hoffnung, dass es zumindest in der finalen Folge dann knallt. Verbrannte Erde
eben, wie uns Butcher und Homelander über fünf Staffeln und sieben Jahre hinweg in Aussicht gestellt haben.
Hier nur ein paar Beispiele, warum sich die letzte Folge von The Boys wahrlich unterwältigend anfühlt:
- Die Gen-V-Kids dürfen sich aufgrund einer recht fadenscheinigen Logik nicht an dem finalen Showdown beteiligen. Und das, obwohl mit Marie Moreau (Jaz Sinclair) und Jordan Li (London Thor/Derek Luh) ein paar echte Supe-Schwergewichte am Start wären. Sie werden aber einfach nur nach Kanada abgeschoben.
- Stattdessen nehmen es Butcher, Starlight, Kimiko, Hughie und MM selbst in die Hand – fünf Personen, von denen zwei über keinerlei Kräfte verfügen.
- Ihr Plan: ins Weiße Haus zu spazieren und Homelander mit
Soldier BoysKimikosEntkräftigungs-Laser
eine zu verpassen. Mehr Taktik braucht es offenbar nicht. - Zu ihrem Glück hat sich Oh, Father (Daveed Diggs) eh nicht um große Sicherheitsvorkehrungen bemüht: Nachdem es Butchers Team durch einen Flur mit Lautsprechern und einer Handvoll Sicherheitskräfte geschafft hat, ist das Weiße Haus so gut wie leer. Keine Supe-Verstärkung, kaum Personal, nur The Deep, den niemand hier haben will.
- Starlight schleift The Deep zu einem leeren Strand und prügelt sich dort mit ihm, obwohl er dort eigentlich in seinem Element sein müsste. (Starlight weiß ja nicht, dass es sich The Deep mit den Meeresbewohnern verscherzt hat.)
- Die geeinten Kräfte von Butcher, Kimiko und Ryan (Cameron Crovetti), der sich spontan dazu gesellt, reichen dann tatsächlich aus, um einen mit V1 gedopten Homelander in die Knie zu zwingen. Die mächtigste Dosis des Superhelden-Serum hat also keinen nennenswerten Unterschied gemacht.
Das Finale von The Boys ist zu gehetzt und bietet zu wenig Schauwerte
Und wie bereits erwähnt, habe ich absolut kein Problem mit Homelanders erbärmlichem Ende – das hat er nicht nur verdient, es passt vollkommen zu seinem Charakter. Viel eher störe ich mich an der schwachen Inszenierung und daran, wie gehetzt die letzte Folge ausfällt, nachdem die fünfte Staffel zuvor so lange auf der Stelle trat.
Dieselbe Kritik passt übrigens auch zu Butchers Wandlung zum Schurken in letzter Sekunde. Diese Entwicklung passt grundsätzlich auch zu der Figur, wird aber so sehr gehetzt, dass kaum Luft zum Atmen bleibt. Das tragische Ende von Billy Butcher hätte mehr als nur ein paar Minuten verdient, sondern mindestens eine eigene Folge.
Habe ich zu viel erwartet? Die Comics habe ich schon vor Jahren gelesen und der finale Showdown ist ein echtes Highlight – mehr Infos dazu bekommt ihr hier. Denn dort kommt es zu einem ausufernden Konflikt zwischen Homelanders Supe-Armee und dem US-Militär. Eine logische Eskalation, nachdem ein Supermensch den amtierenden Präsidenten ermordet und sich selbst über Gott und Gesetz stellt.
Und fairerweise hat Amazon selbst vergleichbare Szenarien angeteast: Auf dem offiziellen Promo-Material liegt nicht nur der Vought Tower in Schutt und Asche, sondern eine ganze Nation, während Homelander mit einer Supe-Armee über dem Weißen Haus schwebt.
Ich will realistisch bleiben. Natürlich ist mir bewusst, dass derartige Szenen selbst in der modernen TV-Landschaft nur schwer möglich sind. Doch vergleiche ich Staffel 5 von The Boys mit den vorangegangenen Staffeln, wurden sowohl die Action, als auch aufwändigere Set-Pieces drastisch reduziert.
So war kaum spürbar, wie die normale Bevölkerung oder der Rest der USA auf einen Konflikt so gewaltigen Ausmaßes reagiert. Wie die Nachwehen von Homelanders gefallenem Regime für seine Getreuen und Verbündeten aussehen, bleibt ebenso abstrakt und ungreifbar.
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