The Day Before war für kurze Zeit erhältlich und hat so ziemlich alle Hoffnungen, die Spielerinnen und Spieler in das Survivalspiel gesetzt hatten, zerschmettert. Inzwischen kann das Spiel nicht mehr auf Steam gekauft werden und bei ehemaligen Fans ist von irreführender Werbung und sogar Betrug die Rede.
Wie die Rechtslage aussieht, und was ihr jetzt tun könnt, wenn ihr The Day Before gekauft habt, haben wir uns vom Anwalt Kai Bodensiek erklären lassen.
- Kann ich das Spiel zurückgeben?
- Liegt irreführende Werbung oder sogar Betrug vor?
- Was ist mit angeblich gestohlenen Assets?
- Verdient Fntastic Geld mit The Day Before?
Über den Experten
Kai Bodensiek ist Rechtsanwalt und Partner in der Medienkanzlei Brehm & v. Moers. Spezialisiert ist er auf die Beratung von Publishern und Entwicklern von Computerspielen in Fragen des Vertrags- und Lizenzrechts, des Urheber- und Wettbewerbsrechts und des Gesellschaftsrechts. Darüber hinaus unterrichtet er regelmäßig Studenten mit den Fachbereichen Producing und Game Design in Urheberrecht und Projektfinanzierung an der Games Academy und der Mediadesign Hochschule.
Die wichtigsten Fragen beantwortet
Unserem Interview mit Kai Bodensiek könnt ihr auch im neuesten GameStar-Talk lauschen. Falls ihr aber nur eine Antwort auf die wichtigsten Fragen wollt, werdet ihr direkt hier fündig.
Kann ich das Spiel zurückgeben?
Solltet ihr The Day Before weniger als zwei Stunden gespielt haben, könnt ihr es ohne Angabe von Gründen 14 Tage lang zurückgeben. Wie genau eine Rückerstattung bei Steam funktioniert, lest ihr hier.
Allerdings habt ihr auch dann gute Chancen, wenn ihr das Spiel länger gespielt habt. Laut Bodensiek liegen bei The Day Before ziemlich offensichtlich mehrere Gründe dafür vor, dass ihr Gewährleistungsansprüche einfordern könnt:
- Seit einigen Jahren muss gekaufte Software über einen erwartbaren Zeitraum mit Updates versorgt werden. Da The Day Before als Early-Access-Spiel noch weiterentwickelt werden soll, das zuständige Studio jetzt aber schließt, kann diese Anforderung nicht erfüllt werden.
- Vor dem Release wurde das Spiel als Open-World-MMO beworben. Das veröffentlichte Produkt weist allerdings nicht die Qualitäten auf, die gemeinhin diesem Genre zugeordnet werden. Es liegt höchstwahrscheinlich also ein Mangel vor.
Bodensiek glaubt allerdings, dass enttäuschte Käufer sich gar nicht unbedingt selbst bemühen müssen: Nachdem Steam das Spiel bereits aus dem Verkauf genommen hat, geht der Anwalt auch davon aus, dass die Plattform selbst tätig wird und die Käufe erstattet - oder die Rückerstattung zumindest grundsätzlich ermöglicht.
Auch Entwickler Fntastic hat bereits angekündigt, allen Spielerinnen und Spielern unabhängig von ihrer Spielzeit die Erstattung zu ermöglichen.
Liegt irreführende Werbung oder sogar Betrug vor?
Laut Bodensiek kann man im Fall von The Day Before höchstwahrscheinlich von irreführender Werbung sprechen. Zwar seien in der Werbung übertriebene Aussagen durchaus legitim, doch sobald es um konkrete Versprechen gehe, müssen diese auch eingehalten werden.
Vor dieser Verpflichtung schützt auch der Status eines Early-Access-Spiels nicht: Solange nicht eindeutig kommuniziert wird, welche Spielfunktionen und -Inhalte erst später hinzugefügt werden, müssen diese auch zum Early-Access-Release vorhanden sein.
Wie bereits oben erwähnt, wurde - und wird - The Day Before etwa auf Steam als Open-World-MMO beworben, scheint aber eher ein Extraction-Shooter zu sein. Von irreführender Werbung zu sprechen, trifft wohl also zu. Verbraucherschutzverbände könnten in diesem Fall eine Abmahnung erwirken.
Bei dem Begriff Betrug
ist Bodensiek etwas vorsichtiger: Rechtlich kann nur davon die Rede sein, wenn den Entwicklern von The Day Before nachgewiesen wird, dass sie absichtlich die Verbraucher täuschen und finanziell schädigen wollten.
Was ist mit angeblich gestohlenen Assets?
Mit den Vorwürfen gegen The Day Before hört es hier allerdings noch nicht auf. So haben die Entwickler die meisten im Spiel verwendeten Assets (etwa Gebäude, Gegenstände oder das Nutzerinterface) wohl im Unreal-Store gekauft und angeblich teilweise sogar aus anderen Spielen wie The Division kopiert.
Falls Letzteres zutrifft, muss allerdings der Rechteinhaber, in diesem Fall also Ubisoft, tätig werden. Dieser, so erklärt Bodensiek, hätte einen Anspruch auf das Unterlassen der Verwendung kopierter Assets und könnte das Spiel von Steam nehmen lassen. Ähnliches gilt, wenn Fntastic Assets aus anderen Spielen bearbeitet und dann in The Day Before eingebaut hat.
Da das Survivalspiel aber ohnehin schon nicht mehr gekauft werden kann, wird hier wahrscheinlich nichts mehr passieren.
Verdient Fntastic Geld mit The Day Before?
Auch wenn The Day Before zum Release einige Male verkauft wurde - zum Release waren etwa 38.000 Spielerinnen und Spieler gleichzeitig online - werden die Entwickler wohl kaum etwas mit dem Spiel verdienen. Denn Steam bezahlt Entwickler erst zum Monatsende aus und hat das Spiel bereits aus dem Verkauf entnommen.
Bis zum Januar werden wahrscheinlich die meisten Verkäufe rückerstattet werden, auch wenn im Moment noch einige hundert ausdauernde Fans weiterspielen. Falls aber die Server im Dezember doch noch abgeschaltet und alle Käufe grundsätzlich zurückerstattet werden, sieht Fntastic keinen einzigen Cent.
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