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Angespielt: Thymesia ist das vielleicht beste Soulslike 2022, das nicht Elden Ring heißt

Elden Ring ohne Open-World? Thymesia ist von alten Souls-Teilen inspiriert, ohne diese einfach zu kopieren

von Rémy Bournizel,
04.05.2022 19:00 Uhr

Enge Gassen, fiese Fallen, ein düsteres Mittelalter-Fantasy-Setting und ein Kampfsystem, welches mir alles abverlangt. Ihr habt richtig geraten, die Rede ist vom unvergleichlichen… Thymesia!

Was zuerst nach schnöden Abklatsch klingt, entpuppt sich beim mehrstündigen Ausprobieren als eigenständiges Spiel mit vielen eigenen Facetten. Dass ich gerade nach Elden Ring bei Thymesia vor Freude im Dreieck springe, liegt zum Teil auch an dem kompakten Level-Design. Es ist ja nicht so, als hätte ich mich noch vor kurzem über Elden Ring ausgelassen …

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Meinung

Elden Ring ist großartig, aber die Welt braucht Dark Souls 4

Und siehe da: Kaum nörgele ich über die Open World von Elden Ring, zaubert mir GameStar-Leser Gabe Newell Thymesia in meine Steam-Bibliothek. Ich konnte mich vorab schon durch die ersten zwei Areale prügeln und verrate euch, warum ich kaum etwas zu meckern habe.

Rémy Bournizel
Rémy Bournizel

Es gibt kein Soulslike, das Rémy während der vielen Jahre ausgelassen hat. Denn nicht nur die großen Geschwister von From Software sind für ihn die Speerspitze des Spielspaßes. Auch kleinere Projekte wie Mortal Shell und Ashen haben ihn gnadenlos in den Bann gezogen. Da sich die Open World von Elden Ring für ihn gegen Ende etwas abgenutzt hat, freut er sich umso mehr auf Thymesia und seine Schlauchlevel.

Ein Pestdoktor im surrealen Mittelalter

Wir spielen Corvus, einen Pestdoktor im Mittelalter, der alles daran setzt, die Welt von der Krankheit zu heilen. Das ist zumindest das, was sich mir in den ersten Spielstunden erschlossen hat. Zwischensequenzen sind kurz und rar gesät und die Notizen, die man überall findet, bleiben wie für das Genre üblich stets kryptisch. Dafür kann Thymesia aber auch wie sein großer Bruder bei World-Building und Atmosphäre punkten.

Das bodenständige Mittelalter-Setting, welches bisher nicht zu sehr in Fantasy abschweift, weiß direkt zu gefallen, da es herrlich unverbraucht daher kommt. Auch wenn im ersten Areal alles in dichten gelben Nebel gehüllt ist, was die Sicht auf die gesamte Kulisse bisher noch verhindert: Atmosphäre kommt allemal auf. Glaubt ihr nicht? Dann schaut euch dieses Video an und werdet eines Besseren belehrt:

Düster, düsterer, Thymesia! Das Action-Rollenspiel verrät den Release-Termin 1:29 Düster, düsterer, Thymesia! Das Action-Rollenspiel verrät den Release-Termin

Zudem ist anscheinend ein Zirkus in der Stadt, der die Schauplätze in ein noch surrealeres Licht taucht. Bei den Kreaturen, die sich uns in den Weg stellen, handelt es sich bisher aber nur um besessene Menschen. Auch wenn manche von ihnen leicht bizarr wirken, würde ich im weiteren Spielverlauf groteskere Kreaturen begrüßen, welche perfekt in das düstere Szenario passen würden.

Das zweite Areal erinnert stark an Schandstadt aus Dark Souls 1. Aber keine Sorge: So biestig ist dieses Gebiet zum Glück noch nicht! Das zweite Areal erinnert stark an Schandstadt aus Dark Souls 1. Aber keine Sorge: So biestig ist dieses Gebiet zum Glück noch nicht!

Ein wilder Mix aus From Softwares Werken

Keine Open World, keine Nebenaufgaben, kein Firlefanz: In Thymesia geht es wie bei Dark Souls lediglich darum, heil von A nach B zu kommen, um sich am Ende eines Areals einem fiesen Bossgegner zu stellen. Für mich wirkte das bisherige Design der Areale vertraut und doch erfrischend. Denn wie im Vorbild gibt es einige versteckte Wege zu besonderen Items oder wertvollen Abkürzungen, welche sich logisch ins Gesamtbild einfügen.

Doch wie kommen wir überhaupt durch die Massen an Gegnern, die sich uns in den Weg stellen? Richtig, mit einem belohnenden Kampfsystem, welches stark an Bloodborne erinnert. Zwar gibt es eine Fähigkeit, die es euch erlaubt, Angriffe zu blocken, jedoch sollte man das nur im Notfall anwenden, da immer etwas Schaden durchkommt. Vielmehr geht es darum, schnelle Treffer zu landen und punktgenau auszuweichen.

Die vielen Pestbäulen legen einen gelben Schleier um das komplette erste und zweite Areal. Trailer haben aber glücklicherweise schon angedeutet, dass sich das nicht durch das komplette Spiel zieht. Die vielen Pestbäulen legen einen gelben Schleier um das komplette erste und zweite Areal. Trailer haben aber glücklicherweise schon angedeutet, dass sich das nicht durch das komplette Spiel zieht.

Auch wenn man im Soulslike-Genre nie komplett sicher sein kann, glaube ich alles in der Thymesia-Demo erforscht zu haben, um jedes Item in mein Inventar verstauen zu können. Bisher habe ich aber weder andere Waffen-Gattungen noch Rüstungen gefunden, welche meinen Kampfstil grundlegend ändern könnten. Das wiederum ähnelt stark Sekiro. Ich schätze, ihr erkennt das Muster. Thymesia kombiniert Aspekte aus verschiedensten From Software Titeln, ohne aber wie ein billiger Abklatsch zu wirken. Und das liegt vor allem an den vielen Eigenheiten, mit denen Thymesia sich von anderen Soulslikes abhebt.

Thymesias Fähigkeiten peppeln das Gameplay gehörig auf. Neben den Standardangriffen gibt es nämlich unglaublich viele Manöver, welche wir noch erlernen können. Thymesias Fähigkeiten peppeln das Gameplay gehörig auf. Neben den Standardangriffen gibt es nämlich unglaublich viele Manöver, welche wir noch erlernen können.

Die vielen eigene Facetten ergeben ein rundes Bild

Schon bei den Waffen haben sich die Entwickler ihren ersten Kniff überlegt. Davon haben wir nämlich gleich zwei zur Auswahl. Unser Säbel ist dafür da, normalen Schaden an Gegnern anzurichten. Die Angriffe damit führen aber auch immer zu einem Blutungs-Debuff auf der gegnerischen Lebensleiste. Hauen wir diese nicht in kurzer Zeit mit unserer zweiten Waffe runter, heilt sich der betroffene Gegner wieder hoch. Gerade bei Mini-Bossen und Endgegnern kommen wir ohne diese Taktik nicht  weiter, weshalb Thymesia euch dazu zwingt, den Spielstil zu lernen.

Der größte Unterschied zu Dark Souls und Elden Ring sind jedoch die jederzeit wechselbaren Fähigkeiten. Von üblichen Verdächtigen wie Attacke XY macht mehr Schaden bis hin zu komplett neuen Moves ist alles dabei. Von den neuen Angriffen, Blocks und Pariermöglichkeiten gibt es auch ganz schön viele. Ein bisschen fühlte ich mich dadurch wie damals bei Tekken, als ich erstmal die ganzen Tastenkombinationen auswendig lernen musste, bis ich jemanden ernsthaft ausknocken konnte. So schlimm ist es in Thymesia zwar nicht, jedoch werdet auch ihr eine Weile benötigen, um euch all die Moves einzuprägen.

Das Lagerfeuer von Thymesia ist ein ergonomischer Stuhl aus glühenden Wurzen, wo ihr aufleveln- und eure Fähigkeiten ändern könnt. Das Lagerfeuer von Thymesia ist ein ergonomischer Stuhl aus glühenden Wurzen, wo ihr aufleveln- und eure Fähigkeiten ändern könnt.

Was mich besonders freut: Die Entscheidung, Fähigkeiten jederzeit ändern zu können, ist Gold wert und bringt mich dazu, fröhlich herumzuprobieren, ob nicht für Gegner XY eine andere Attacke mehr Sinn ergibt. Außer die Überkopf-Attacke. Die ist immer in meinem Arsenal, weil sie einfach überaus cool aussieht! Und wir alle wissen: Cool aussehen ist in solchen Titeln die halbe Miete, Stichwort: Fashion Souls. Doch bevor ihr noch ganz hysterisch werdet, gibt es zum Abschluss noch einen kleinen Dämpfer. Ich habe ja schließlich einen Ruf als Meckerer vom Dienst zu verlieren!

Gegner und Bosse sind bisher noch relativ menschlich gehalten. Zwar haben einige auch übernatürliche Fähigkeiten, grausige Kreaturen lassen aber bislang auf sich warten. Gegner und Bosse sind bisher noch relativ menschlich gehalten. Zwar haben einige auch übernatürliche Fähigkeiten, grausige Kreaturen lassen aber bislang auf sich warten.

Ein Soulslike mit wenigen Ecken und Kanten

Zugegeben, viel ist es bisher nicht, was mich an Thymesia stört. Doch eine Sache treibt mich vor allem bei den äußerst agilen Bossen in den Wahnsinn: das Ausweichen. Eine Ausdauerleiste gibt es in Thymesia nämlich nicht. Damit Spieler Angriffe und Ausweichmanöver nicht spammen können, haben die Entwickler eine kleine Pause eingebaut, welche nach einzelnen Manövern automatisch einsetzt. Dies fühlt sich aber in vielen Momenten sehr unresponsiv an, da Corvus einfach nicht auf meinen Input reagiert. Durch den eher kleinen Weg, den man mit dem Seitwärtsschritt zurücklegt, ist es umso ärgerlicher, nicht die volle Kontrolle haben zu können. Deshalb würde ich mir eine Sache viel lieber wünschen: Gebt mir meine Ausdauerleiste zurück, um meine Attacken und Ausweichmanöver selbst managen zu können!

In den ersten Arealen ist mir zudem der schwankende Schwierigkeitsgrad ins Auge gestochen. Normale Gegner haue ich nach den ersten Upgrades mit nur einem Schlag und dem Finisher aus den Latschen. In den Leveln sind aber anscheinend überall Mini-Bosse verteilt, welche auf einmal mehrere Minuten in Anspruch nehmen und euch meist mit zwei Treffern erledigen. Diese kommen auch relativ oft vor, weshalb der Flow in einem Level öfters unterbrochen wird. Auch die ersten richtigen Bosse verlangen einem einiges ab und fordern von euch, dass ihr das gesamte Arsenal an Kombos abfeuert. Eine etwas linearer ansteigende Schwierigkeitsgradskurve würde besser in das spielerische Gesamtbild passen.

Wenn ihr euch aber jetzt denkt Von dem alten Souls-Boomer lass ich mir gar nichts sagen!!1!, habe ich überragende Neuigkeiten für euch! Bis zum 9. Mai 2022 könnt ihr euch eine Demo von Thymesia auf Steam herunterladen und es selber ausprobieren. Alle anderen müssen sich bis zum 9. August gedulden, um herauszufinden, ob Thymesia in der fertigen Version das hohe Niveau halten kann.

Nun seid ihr dran! Verratet mir doch in den Kommentaren, ob Thymesia euer Interesse geweckt hat und ihr die Demo ausprobieren werdet.

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