Unreal Engine 5: Die PS5 ist dem PC weit voraus - und das ist gut so

Die beeindruckende Technik-Demo zur Unreal Engine 5 lief auf der PlayStation 5, aber auch PC-Spieler können sich darüber freuen, findet unser Hardware-Redakteur Nils Raettig.

von Nils Raettig,
17.05.2020 08:32 Uhr

Die Ende 2020 erwartete PlayStation 5 hat im Vergleich mit dem PC bei den Datenraten klar die Nase vorn. Unser Hardware-Redakteur Nils Raettig meint, dass langfristig auch PC-Spieler davon profitieren könnten. Die Ende 2020 erwartete PlayStation 5 hat im Vergleich mit dem PC bei den Datenraten klar die Nase vorn. Unser Hardware-Redakteur Nils Raettig meint, dass langfristig auch PC-Spieler davon profitieren könnten.

Wenn es um die Entwicklung der Spielegrafik geht, begleiten uns zwei Dinge seit langer Zeit: Das Streben nach dem viel zitierten »Fotorealismus« - und Technik-Demos, die genau dieses Streben bedienen.

Die Ansprüche an den vermeintlichen Fotorealismus sind mit der Zeit gestiegen, aber was die jüngst veröffentlichte Demo zu der neuen Unreal Engine 5 optisch zu bieten hat, kann sich dennoch mehr als sehen lassen.

Unreal Engine 5 enthüllt: Echtzeit-Techdemo auf PS5 zeigt fantastische NextGen-Grafik 9:03 Unreal Engine 5 enthüllt: Echtzeit-Techdemo auf PS5 zeigt fantastische NextGen-Grafik

Welche Hardware braucht man, um diese Optik in Echtzeit flüssig darzustellen? So lautet die wohl wichtigste Frage in diesem Zusammenhang. Bislang hat man bei passenden Antworten vor allem an die Leistung von Grafikkarten und Prozessoren gedacht. Spätestens mit der Demo zu der Unreal Engine 5 rücken dagegen SSDs stark in den Fokus.

Genauer gesagt geht es um den schnellstmöglichen Zugriff auf die Daten von Spielen, die auf der SSD gespeichert sind. Schließlich braucht so ein großer Detailreichtum auch den entsprechenden Platz, und den können Arbeits- und Videospeicher aktuell nicht bieten.

Genau in diesem Punkt ist die PlayStation 5 sowohl dem PC als auch der Xbox Series X klar voraus, wie der folgende Vergleich zeigt.

PS5 vs. PC: SSDs und Datenraten im Vergleich

PlayStation 5

• 825 GByte NVMe-SSD

• 5,5 GByte/s (unkomprimiert), 8-9 GByte/s (komprimiert)

Xbox Series X

• 1.000 GByte NVMe-SSD

• 2,4 GByte/s (unkomprimiert), 4,8 GByte/s (komprimiert)

PC

• typische Kapazitäten einzelner Datenträger zwischen 240 und 2.000 GByte

PCIe 4.0 (SSD): ca. bis zu 5,0 GByte/s (Lesen) / 4,4 GByte/s (Schreiben)

PCIe 3.0 (SSD): ca. bis zu 2,5 GByte/s (Lesen) / 1,5 GByte/s (Lesen)

SATA 3 (SSD): ca. bis zu 0,5 GByte/s (Lesen/Schreiben)

SATA 3 (HDD): ca. bis zu 0,2 GByte/s (Lesen/Schreiben)

Mit Blick auf die reine Datenrate kann zwar auch eine SSD in einem PC mit der noch seltenen Schnittstelle PCI Express 4.0 in der Theorie sehr hohe Werte im Bereich von 5,0 GByte pro Sekunde erreichen. Die Frage ist allerdings, wie viel davon in der (Spiele-)Praxis am Ende wirklich übrig bleibt.

Außerdem kommt es nicht nur auf die maximale Datenrate der SSD selbst an, sondern auch auf die Kommunikation im gesamten System. So kann die PlayStation 5 unter anderem bestimmte Daten in sechs Stufen eingeteilt mit unterschiedlicher Priorität behandeln, um das Wichtigste zuerst zu laden.

In Zukunft sollen auf dem PC DirectX 12 Ultimate mit Techniken wie dem Sampler Feedback zum möglichst effizienten Laden von Texturen und der Direct-Storage-Ansatz von der Xbox Series X für Verbesserungen sorgen (siehe auch das Glossar der Xbox Series X). Wie weitreichend sie sein werden, bleibt aber abzuwarten.

Der Autor:
Eine der ersten Amtshandlungen unseres Hardware-Redakteurs Nils Raettig war die Mitarbeit an den Tests zur PlayStation 4 und zur Xbox One. Seitdem beschäftigt er sich immer wieder mit den Konsolen, wenn es um neue Hardware geht. Die Grafik von Spielen kann ihm dabei gar nicht hübsch genug sein - ganz egal, auf welcher Plattform der passende Titel läuft. Wenn er privat als junger Vater von Zwillingstöchtern mal zum Spielen kommt, dann geht es mit League of Legends grafisch zwar nicht gerade anspruchsvoll zu. Aber vielleicht erfahren wir ja eines Tages noch, wie das Spiel von Riot in der Unreal Engine 5 aussehen würde.

PCI-Express-SSDs sind auf dem PC eine Nische: Im Vergleich zwischen der PlayStation 5 und dem PC ist noch ein anderer Faktor entscheidend. Ein Großteil der Spiele-PCs setzt maximal auf SSDs mit SATA3-Anbindung, die nur deutlich langsamere Datenraten im Bereich von 0,5 GByte pro Sekunde erreichen.

Damit dürfte ein Detailgrad, wie ihn die Demo zu der Unreal Engine 5 ohne jedes sichtbare Nachladen von Elementen bei Bewegung zeigt, schlicht nicht realisierbar sein. Dennoch sind die neuen Konsolen mit ihren schnellen SSDs in meinen Augen eine gute Nachricht für PC-Spieler, grade in Anbetracht der schicken UE5-Demo.

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Warum auch PC-Spieler von den neuen Konsolen profitieren

Die geringe Zahl an PCs, die über vergleichsweise schnell per PCI-Express angebundene SSDs verfügen, sind sicher kein Anreiz für Entwickler, in ihren Spielen Vorteile daraus zu ziehen. Schließlich könnten die meisten Spieler sie ohnehin nie zu Gesicht bekommen.

Anders sieht es aus, wenn bald zwei neue Konsolen mit sehr flotten SSDs erscheinen, zumal man bei einer bestimmten Konsole immer genau weiß, welche Hardware vorhanden ist. Im PC-Umfeld kommt dagegen stark unterschiedliche Hardware von langsamen HDDs über SATA3-SSDs bis hin zu PCIe-4.0-SSDs zum Einsatz.

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Viele Entwickler haben sehr erfreut auf die schnellen Datenraten der neuen Konsolen reagiert. Dieser Umstand legt genau wie die Tech-Demo zur Unreal Engine 5 nahe, dass die Spieleentwicklung dadurch in einem Maß voranschreiten könnte, wie es dies seit Jahren nicht mehr gegeben hat. Und das ist grundsätzlich auch für PC-Spieler eine gute Nachricht.

Es gibt einen großen Haken

Man darf sich aber ganz unabhängig von der persönlich bevorzugten Plattform keine falschen Hoffnungen machen. Bis eine größere Zahl an Spielen eine Optik auf dem Niveau der Demo zur Unreal Engine 5 liefern kann, werden wohl noch einige Jahre vergehen - falls es überhaupt in halbwegs absehbarer Zeit dazu kommt.

Eines ist schließlich nicht zu vergessen: Eine auf Hochglanz polierte und vergleichsweise kurze Tech Demo zur Veranschaulichung der Möglichkeiten einer Engine bedeutet noch lange nicht, dass genügend Entwickler über die Ressourcen verfügen, um so etwas für komplette Spiele umzusetzen. Unser Devplay-Video über das Spannungsfeld zwischen Spiele-Entwicklern und Engine-Anbietern liefert euch hier sehr schöne Einblicke:

Devplay: »Als Entwickler sind wir Engine-Anbietern ausgeliefert!« PLUS 23:28 Devplay: »Als Entwickler sind wir Engine-Anbietern ausgeliefert!«

Außerdem gilt auch im Konsolenumfeld, dass viele Spieler in Zukunft noch mit Hardware unterwegs sein werden, die nicht die hohen Datenraten einer PlayStation 5 oder Xbox Series X erreicht. Der kleinste gemeinsame Nenner stellt für Spieleentwickler also weiterhin eine ernst zunehmende Einschränkung dar, wenn ihr Spielt nicht nur auf der PlayStation 5 (oder Xbox Series X) erscheinen soll.

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Ich finde es aber dennoch sehr gut, dass die neuen Konsolen in bestimmten Bereichen wie eben beim Datenspeicher oder auch bei den verwendeten CPU-Kernen einen großen Schritt nach vorne machen.

Damit Spiele dem besagten Fotorealismus immer näher kommen können, braucht es auch die passende Hardware, und je mehr Plattformen sie liefern können, desto besser.

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