Wolfenstein 3 - Entwickler wollen mit dem Spielprinzip experimentieren, mehr spielerische Freiheit

MachineGames möchten bei einem möglichen Nachfolger zu Wolfenstein 2: The New Colossus mit der bekannten Formel spielen. Ist das ein Hinweis auf Open-World?

von Christian Just,
01.06.2018 15:09 Uhr

Wolfenstein 2 war ein kolossaler Erfolg, ein möglicher dritter Teil soll Experimente wagen.Wolfenstein 2 war ein kolossaler Erfolg, ein möglicher dritter Teil soll Experimente wagen.

In einer Rede beim polnischen Videospiel-Panel Digital Dragons 2018 blickte der Senior Game Designer bei MachineGames, Andreas Öjerfors, auf die Stärken und Schwächen von Wolfenstein 2: The New Colossus zurück und wirft im Interview mit Eurogamer auch einen Blick in die Zukunft. Dabei geht er darauf ein, was ein Wolfenstein 3 anders machen könnte.

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Wolfensteins Schwächen

So habe der Gameplay-Aspekt Stealth, also Heimlichkeit, nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen. Ursprünglich sollte das Spiel drei Bereiche bedienen: Chaos, Taktik und Stealth. Allerdings war es dem Spieler oft nicht möglich, den leisen Weg zu beschreiten, weil Gegner häufig zu schnell auf ihn aufmerksam wurden. Öjerfors räumt ein, dass in der Entwicklung nicht genügend Ressourcen auf diesen Aspekt konzentriert waren.

Auch das Sturmgewehr, eine prima Allround-Waffe in Wolfenstein 2, war seiner Ansicht nach nicht perfekt mit den anderen Waffen des Spiels ausbalanciert. Mit einem voll aufgerüsteten Sturmgewehr bestünde keine Notwendigkeit, jemals wieder eine andere Waffe im Spiel zu gebrauchen. Das sei schade, da mehr Vielfalt gleich mehr Spaß bedeute.

Der fiese Laserhund, ein Robotergegner in Wolfenstein 2: The New Colossus, habe ebenfalls unter Balancing-Problemen gelitten. Als Grund nennt der Game Designer den Umstand, dass der Laserhund nachträglich auf Basis des Standard-Roboterhundes implementiert wurde. Er lief also nicht, anders als die sonstigen Gegner im Spiel, durch eine Vorproduktionsphase, in der ein solides Balancing ausgetüftelt wurde. Dadurch wurde er im Vergleich zu anderen Widersachern schlichtweg zu stark.

Auf Erfahrung aus Wolfenstein: The New Order aufbauend habe MachineGames aber auch Verbesserungen am zweiten Teil vorgenommen. So wurde diesmal auf einen Riesen-Gegner Marke »London Monitor« verzichtet, weil es schwierig sei, spaßige Gameplayszenen mit derart riesigen Gegnern zu produzieren.

Wir haben MachineGames ebenfalls interviewt, hier die englische Originalversion

Wolfenstein 2: The New Colossus - Screenshots ansehen

Das Ende von BJ Blazkowicz?

Der Kollege von Eurogamer wollte dann mehr über die Zukunft des Wolfenstein-Franchise erfahren und fragte, ob es für MachineGames nicht an der Zeit wäre, sich vom altgedienten Protagonisten BJ Blazkowicz zu verabschieden.

"Ich kann das nicht beantworten, ohne zu sagen, was wir [derzeit] tun."

Laut Öjerfors sei es für Gespräche über Wolfenstein 3 noch viel zu früh. Man würde sich das für eine E3 in zwei Jahren aufheben, so denn man etwas in der Richtung unternehmen wolle. Wenn es aber dazu kommt, wolle der Game Designer mit dem Spielprinzip von Wolfenstein experimentieren.

"Spielerische Freiheit ist für mich als Spieler und Entwickler sehr interessant. [...] Wenn wir diesen Weg gehen, würden wir ein wenig mit dem Format spielen."

Ob man diese Aussagen als Hinweis für ein mögliches Open-World-Wolfenstein deuten möchte, überlassen wir an dieser Stelle anderen. Sicher ist, dass Entwickler erfolgreicher Franchises immer wieder neue Wege beschreiten müssen, auch um sich verändernden Spieler-Erwartungen gerecht zu werden. Jedoch bedeutet laut Öjerfors »Experimentieren mit der Formel« nicht, dass MachineGames dem Ego-Shooter-Format den Rücken kehren.

"Wir sind ein Ego-Shooter-Studio. Das ist einer unserer Kernwerte. [...] Was auch immer wir tun, selbst wenn wir Tetris 2 machten, wäre es ein Ego-Shooter."

Wolfenstein 2: The New Colossus - Testvideo: Der beste Solo-Shooter des Jahres 7:27 Wolfenstein 2: The New Colossus - Testvideo: Der beste Solo-Shooter des Jahres

Lob für Bethesda

MachineGames' Game Designer Öferfors spricht sich positiv über die Zusammenarbeit mit Publisher Bethesda aus. Weder würden sie ein drittes Wolfenstein erzwingen, noch die Entwickler zu auf den Profit ausgerichteten Entscheidungen drängen. Vielmehr sei Bethesda der Überzeugung, dass sich ein gutes Spiel auch gut verkauft.

Am Setting von Wolfenstein soll sich auch mit einem möglichen dritten Teil nichts ändern. Obgleich MachineGames nach Wolfenstein-Releases mitunter mit Kritik überschüttet werden, wollen sie nicht vom verwendeten Nazi-Thema abweichen.

"»Wenn wir negatives Feedback von Nazis und Rassisten erhalten, ist uns das nicht wirklich wichtig. Wir haben das nicht getan, um umstritten zu sein. [...] Dass es heute umstritten ist, ist einfach nur traurig.«"

Wollt ihr euch ein eigenes Bild von dem Titel machen? Hier findet ihr unseren Test zu Wolfenstein 2: The New Colossus. Die meisten dürften den allerdings schon kennen, schließlich hat die GameStar-Community Wolfenstein 2 zum besten Shooter 2017 gekürt und damit das Phänomen PUBG in die Schranken gewiesen.

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