World of Warcraft Classic - Exklusivinterview: Was hat die Entwickler dazu gebracht?

Blizzard hat auf der BlizzCon Classic Server für World of Warcraft angekündigt. Wir haben im Exklusivinterview mit Executive Producer J. Allen Brack über das "WoW-Remaster" gesprochen.

von Sandro Odak,
03.11.2017 20:10 Uhr

Blizzard liefert uns mit den Classic-Servern eine Art World of Warcraft Remaster.Blizzard liefert uns mit den Classic-Servern eine Art World of Warcraft Remaster.

Auf der Blizzcon in Anaheim hat Blizzard am Freitagabend angekündigt, dass World of Warcraft Classic Server bekommt. J. Allen Brack, der Executive Producer von WoW, arbeitet gemeinsam mit seinem Team bei Blizzard bereits seit Längerem an dem Projekt, wie er uns im Exklusivinterview verrät:

"Auch wenn wir noch kein konkretes Releasedatum haben und viele Details wie Preismodell und technische Fragen noch unbeantwortet sind: Classic WoW ist schon seit einer ganzen Weile in Produktion."

Wie lang genau will er zwar nicht verraten, aber definitiv schon so lang, dass die Erfahrungen, die Blizzard mit dem StarCraft Remaster gemacht hat, keine Rolle in der Entscheidung spielte. Denn im Endeffekt sind WoW Classic-Server genau das: World of Warcraft Remastered!

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In der Vergangenheit nur Schattengeschäft

Das Vorhaben kommt nicht von ungefähr: 2016 erzwang der Publisher noch, dass der private Classic-Server Nostalrius offline genommen wird. Doch über 150.000 aktive Spieler wollte Blizzard auch nicht vergräulen. Noch im selben Jahr setzte man sich mit den Machern hinter dem größten Classic-Server in einem Round-Table-Meeting zusammen.

"Es liegt nicht an mir, diese Gespräche nach außen zu tragen. Das haben die Nostalrius-Leute eh schon besser gemacht. Wir haben aber größten Respekt vor diesen Jungs. Was sie geleistet haben, ist der Wahnsinn. Es war einfach schön, mit Leuten zusammenzusitzen, die so eine große Leidenschaft für unser Spiel haben."

J. Allen Brack ist der Executive Producer von World of Warcraft.J. Allen Brack ist der Executive Producer von World of Warcraft.

Besonders fasziniert hat Blizzard die Art und Weise, wie Nostalrius seinen Classic-Server gebaut und eigene Inhalte entwickelt hat.

"Sie hatten ja nicht die Original-Spieldateien. Sie mussten also ständig improvisieren, um die Originalwerte der Mobs und Bosse wiederherzustellen. Wie sie das gemacht haben? Indem sie wochenlang alte YouTube-Videos geschaut haben und anhand der Schadenswerte die Statistiken der alten Gegner ermittelt haben. Faszinierend!"

Diesen Umweg müssen die Originalentwickler natürlich nicht machen. Mitarbeiter von Nostalrius oder dem Nachfolgeprojekt Elysium sind auch gar nicht an Bord. Sie wurden nicht mal darüber informiert, dass Blizzard bald selbst in dem Geschäft mitmischt, das sie "erfunden" haben.

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Warum braucht es überhaupt ein Remaster?

Für J. Allen Brack ist diese Frage leicht zu beantworten: Weil es das Spiel in der Form schlicht nicht mehr zu spielen gibt:

"Bei vielen Spielen kann ich einfach eine Version kaufen und zu diesem Spielgefühl von damals zurückkehren. Aber das Classic WoW kann man heute nicht mehr spielen. Es gibt keinen [legalen, Anm. d. Red.] Weg, das Spiel zurückzuholen. Und das ist nicht cool!"

Nur: wer soll das eigentlich alles spielen? Technische Fragen, etwa ob Classic WoW im Abo enthalten ist oder wie die Server aussehen, konnte uns J. Allen Brack trotz der langen Entwicklungszeit noch nicht beantworten. Die seien auch intern noch nicht final beantwortet. Aber eine Zielgruppe sieht er auf jeden Fall, selbst wenn davon auszugehen ist, dass einige der Classic-Server-Spieler auch auf privaten Servern spielten, weil die kostenlos sind:

"Das Spiel endet ab einem bestimmten Zeitpunkt ja theoretisch. MMOs sind lebendige Welten, in deren DNS Stillstand eigentlich nicht vorkommt. Aber Im Mittelpunkt steht ein Content-Set, das jeder bereits gut kennt. Wir wissen bereits, dass Spieler damit richtig Spaß hatten. Wir brauchen also nur eine Community, die genau diese Inhalte liebt und mit Leben füllt. Das hält ein MMO viel mehr zusammen als das reine Hinzufügen von neuen Inhalten und Features. Wenn man sich die Historie der MMOs anschaut, sind da verrückte, super-langlebige Spiele dabei. Ultima Online und Everquest sind zirka 20 Jahre alt und leben immer noch durch ihre tollen Communities."

"Nostalrius wird sich freuen"

Als Konkurrenten der P-Server-Anbieter sehen sie sich aber nicht unbedingt. Auf die Frage, welche Reaktion man sich denn erwarte, jetzt ein Spiel anzubieten, das man in der Form 2016 noch von Anwälten abschalten ließ, ist J. Allen Brack ganz zuversichtlich:

"Wir hoffen auf die Zustimmung und Unterstützung unserer Fans. Wir hoffen, dass wir die Leute erreichen, die schon seit Jahren WoW Classic in der gewohnten Blizzard-Qualität wollen. Und ich glaube auch, dass die Nostalrius-Leute sich freuen werden. Das ist am Ende ja alles, was sie von uns wollten. 'Wenn wir es nicht machen können, dann macht ihr es doch bitte.' Für Spieler, die das damals nicht miterlebt haben oder einfach das moderne WoW bevorzugen, ist das aber bestimmt nichts. Das wissen wir."

Interessiert ihr euch für World of Warcraft Classic Realms? Was haltet ihr von der Entwicklung? Falls ihr Fragen habt oder uns eure Meinung dazu sagen wollt, schreibt uns in den Kommentaren. GameStar ist noch bis Sonntag auf der Blizzcon in Anaheim und kann den WoW-Entwicklern eure Fragen stellen.

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