CoD: Modern Warfare - Season 2: Fan-Service allein reicht nicht!

Meinung: Call of Duty: Modern Warfare massiert die eigenen Fans für Season 2 mit Fan-Service. Altbekannte Klassiker als neue Maps, der legendäre Ghost als Operator. Doch das allein genügt auf Dauer nicht.

von Dimitry Halley,
10.02.2020 15:52 Uhr

Call of Duty: Modern Warfare liefert in Season 2 viel Fan-Service. Aber leider fast ausschließlich das. Call of Duty: Modern Warfare liefert in Season 2 viel Fan-Service. Aber leider fast ausschließlich das.

Ich will hier gar nicht wie der Meckeronkel rüberkommen. Dass Call of Duty: Modern Warfare in Season 2 vier neue Karten und Ghost als neuen Operator bekommt, ist ja eine tolle Sache. Kostenloser neuer Content geht immer - herzlichen Dank! Laut Kollege Phil Elsner gehört Rust ja sogar zu den besten CoD-Maps aller Zeiten. Aber lasst mich dennoch mal des Teufels Advokat spielen und die Frage aufwerfen: Sind Retro-Inhalte wirklich der beste Weg für das neue Modern Warfare?

Fast alle neuen Inhalte stammen aus älteren Serienteilen. In Season 1 erlebten die Karten Crash und Vacant aus Call of Duty 4 ein Revival, in Season 2 sind es nun Rush und Scrapyard aus Modern Warfare 2. Oh, und der neue Atlas Superstore ist technisch gesehen zwar neu, allerdings recycelt Modern Warfare hier eben seinen eigenen SpecOps-Koop.

Lediglich der kleine 2v2- sowie der riesige Ground-War-Modus bekommen wirklich frische Updates, doch da halte ich es wie unsere GameStar-Community: Mich interessieren vor allem die Bread-and-Butter-Modi von Call of Duty, also neue Inhalte für Team Deathmatch, Domination, Hardpoint und so weiter. An seiner wichtigsten Front wärmt Modern Warfare seit Release bloß altbewährte Gerichte auf. Die schmecken zwar, aber eine gute Küche lebt doch von neuen Kreationen!

Der Autor: Dimi hat sehr viel Freude mit dem neuen Call of Duty, spielt es fast jeden Feierabend und will umso mehr, dass sich das neue Season-Modell für Infinity Ward und die Spieler auszahlt. Schon bei Battlefront dauerte es über ein Jahr, bevor die DLC-Politik wirklich Früchte trug - nur wird Modern Warfare durch den jährlichen Release-Rhythmus eben maximal ein Jahr haben, seine Pferdestärken auf die Straße zu bringen. Und die sollten nicht nur in der Vergangenheit liegen.

Nostalgie reicht nicht

Im Internet sorgt Modern Warfare für viele Diskussionen. Neben der wohlgesonnen Community finden sich unzählige Kritiker, die das neue Call of Duty für sein verschenktes Potenzial tadeln. Auch große CoD-YouTuber wie etwa Haptic schütteln den Kopf darüber, wie wenig Modern Warfare aus seinem tollen Gunplay und seiner vielversprechenden Grundlage rausholt:

Derlei Beschwerden als stumpfes Bashing abzutun, greift viel zu kurz. Denn auch wenn ich persönlich viel Spaß mit dem neuen Call of Duty habe, unterschreibe ich doch den Kern der Kritik: Modern Warfare ist eigentlich viel zu gut, um bloß von Nostalgie zu leben. Für eine echte Langlebigkeit benötigt das Spiel in seinen wichtigsten Modi dringend bessere und mehr wirklich neue Maps!

Seit Release leidet das Mapdesign von Modern Warfare unter Gleichförmigkeit. Ich drehe mit Freunden fast täglich meine Runden in Domination & Co., doch bei aller Freude spielen sich die meisten Matches ähnlich: Auf Euphrates Bridge gewinnt das Team mit den besten Snipern, auf Gun Runner zerklatscht man sich bei der Güterlore, auf Piccadilly klaue ich den Feinden auf die immer gleiche Weise »A« unterm Hintern weg.

Gebt mir Breite oder Tiefe

Im Prinzip geht's hier um mangelnde Vielfalt. Insgesamt bietet Modern Warfare eine unglaublich breite Palette an Features - Kampagne, SpecOps-Koop, 2v2, 32v32 und klassische Modi -, doch innerhalb seiner wichtigsten Kerndisziplin, innerhalb seines PvP-Run&Gun-Multiplayers fehlt derzeit eine spannende Dynamik.

Nun sind neue Maps ja nicht der einzige Weg, für mehr Vielfalt zu sorgen. So lieferte Infinity Ward einige tolle Modi wie etwa Capture the Flag, in denen altbekannte Karten sich plötzlich ganz anders spielten: Hier konnte ich mit meinem Team endlich mal koordiniert spielen und eine kleine Eingreiftruppe aus Schild-Spezialist (Johannes Rohe) und Flaggendieben bilden. In Capture the Flag bekamen unorganisierte Teams zuverlässig auf die Mütze. Wunderbar!

Doch diese Auflockerungen bilden eher die Ausnahme als die Regel. Nach dem Start von Season 1 wurde lediglich eine weitere Waffe ins Spiel gepatcht - die Armbrust, die das Meta kaum verändert, weil niemand das Ding benutzt. Vielleicht wirbeln die neue Season-2-Waffen die Matches ordentlich auf, sorgen für mehr Tiefe. Wer weiß?

Die neue Armbrust sieht man recht selten in Multiplayer-Matches. Die neue Armbrust sieht man recht selten in Multiplayer-Matches.

Viel Zeit bleibt nicht mehr

Aber ich persönlich wünsche mir vor allem neue spannende Maps. Modern Warfare ist das bisher schönste Call of Duty, ich mag die Kampagne sowie deren Story-Grundlage für den Multiplayer und fände deshalb neue Einsatzorte ganz hervorragend. Da Ende 2020 ein komplett neues Call of Duty erscheint, stehen Infinity Ward maximal vier bis fünf Seasons zur Verfügung. Wir befinden uns also fast in der Halbzeit - es wird allmählich Zeit für wirklich frischen Content!

Und falls ihr jetzt denkt »Der Dimi redet Käse, wofür brauche ich neue Maps, wenn ich Klassiker haben kann?«, dann klickt rüber zum Kollegen Phil Elsner, der genau das als Gegenmeinung formuliert.


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