CoD Warzone: Neuer Anti-Cheat wird sich tief in euer System graben

Call of Duty: Warzone und Vanguard sollen bald mit einem neuen Anti-Cheat-System vor Betrügern geschützt werden. Wir sammeln alle Infos.

von Stephanie Schlottag, Vali Aschenbrenner,
15.10.2021 08:51 Uhr

Call of Duty: Warzone fährt jetzt harte Geschütze auf im Kampf gegen die scheinbar unermüdlichen Cheater. Noch vor Ende des Jahres soll »Ricochet«, das neue Anti-Cheat-System, den Betrügern endgültig die Tür vor der Nase zuhauen. Doch dafür setzt es auf einen Kernel-Treiber – eine Maßnahme, die schon bei Spielen wie Valorant für heftige Diskussionen sorgte.

Wir beantworten euch die wichtigsten Fragen zu Anti-Cheat. Wann kommt er, was kann er und was genau macht der Kernel-Treiber eigentlich auf eurem PC?

Alle Infos zum Anti-Cheat von Call of Duty

Was ist Ricochet?

Das neue Anti-Cheat-System soll Call of Duty in Zukunft vor Cheatern schützen, indem es euren PC nach verdächtigen Programmen durchsucht und gegebenenfalls sperrt. Es wurde bereits vor einigen Monaten angekündigt und am 13. Oktober 2021 enthüllt.

Wann erscheint der Anti-Cheat?

Das System wird zeitgleich mit dem Update zur neuen Pazifik-Map Teil von Warzone. Noch gibt‘s dafür kein konkretes Release-Datum, es soll aber noch 2021 soweit sein. Leaks sprechen vom 23. November, allerdings ist das bisher unbestätigt. In Vanguard wird Ricochet ebenfalls eingebaut, allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt.

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Wie funktioniert der Anti-Cheat genau?

Ricochet installiert einen Kernel-Treiber auf eurem PC, der weitreichende Zugriffsberechtigungen hat und sozusagen nach Cheat-Programmen Ausschau hält. Mehr dazu lest ihr im Info-Kasten!

Was ist eigentlich ein Kernel-Treiber? Windows ist im Grunde in mehreren Ebenen aufgebaut, auf die Programme und Treiber zugreifen können. Je tiefer die Ebene, umso mehr Zugriffsrechte haben sie auf das System. Ein Kernel-Treiber darf auf die tiefste Ebene 0 zugreifen, muss dafür aber auch bombenfest programmiert sein, da selbst die kleinste Fehlfunktion das gesamte System zum Absturz bringt. Außerdem ist es natürlich auch eine Frage der Sicherheit, welcher Treiber derart tief ins Betriebssystem vordringen darf.

Das Problem ist, dass viele Cheat-Programme sich ebenfalls weitreichenden Zugriff auf einen PC verschaffen und dann mehr Rechte haben als ein Anti-Cheat, der nur auf höhere Ebenen zugreifen kann. Daher setzen solche Abwehrsysteme oft auf Kernel-Treiber.

Was ist mit dem Datenschutz?

Activision Blizzard betont, dass der Datenschutz sehr wichtig sei und man eventuelle Bedenken der Spieler ernst nehme. Der Kernel-Treiber soll nur aktiv sein, solange ihr Warzone spielt. Wenn ihr das Spiel beendet, dann geht auch Ricochet schlafen. Außerdem soll der Treiber nur solche Programme auf eurem PC durchsuchen, die mit Warzone in Verbindung stehen.

Kann ich den Anti-Cheat deinstallieren?

Ricochet wird ab Veröffentlichung ein integraler Bestandteil von Warzone. Das bedeutet, ihr könnt das System nicht einzeln deinstallieren - das würde den Anti-Cheat ja auch obsolet machen. Wenn ihr Ricochet loswerden wollt, müsst ihr das gesamte Spiel von eurer Festplatte werfen. Für Vanguard wird später das gleiche gelten – und wenn sich das System bewährt, wahrscheinlich auch für kommende CoDs.

Wirkt sich das auf die Stabilität aus?

Ricochet soll eurem PC nicht mehr abverlangen, als es die aktuelle Warzone-Version jetzt schon tut. Laut Activision wurden zahlreiche verschiedene PC-Konfigurationen mit dem Anti-Cheat getestet und die Stabilität soll nicht darunter leiden. Allerdings zeigen sich solche Probleme manchmal ja erst nach Release, wir informieren euch auf jeden Fall.

Gibt es noch weitere Maßnahmen gegen Cheater?

Ja, das System besteht aus mehr als nur dem Kernel-Treiber. Auch Maschinelles Lernen soll helfen, verdächtiges Verhalten zu erkennen – Details verrät Activision dazu nicht. Und weiterhin sollen Spieler sich selbst schützen, indem sie Zwei-Faktor-Authentifikation für ihren Account aktivieren und Cheater im Spiel melden.

Erscheint Ricochet auch auf Konsolen?

Nein, es handelt sich um ein System, das ausschließlich zur PC-Version von Warzone hinzugefügt wird. Konsolenspieler sollen trotzdem auch davon profitieren, indem Cheater am Crossplay gehindert werden.

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Spieler haben Hoffnung, aber auch Bedenken

Seit der Ankündigungen summt es in den Foren und Reddits von Call of Duty. Fans warten schon seit langer Zeit auf wirksame Hilfe gegen die Cheater, die vor allem in Warzone zu einem extremen Problem geworden sind. Die meisten begrüßen den Anti-Cheat, auch wenn Kernel-Treiber grundsätzlich eher skeptisch betrachtet werden. Entwickler Riot sorgte zum Beispiel mit seinem System für Valorant für laute Kritik.

Doch eine andere Sorge scheint in der CoD-Community gerade viel größer zu sein: Wirkt der Anti-Cheat überhaupt? Selbst Activision gibt sich da vorsichtig und betont, es gebe keine perfekte Einzellösung für das massive Problem.

Grundsätzlich ist so ein starkes Abwehrsystem natürlich eine zusätzliche, nicht zu unterschätzende Hürde, allerdings gibt es auf der anderen Seite zahlreiche Cheat-Seller, die mit ihren illegalen Programmen viel Geld verdienen und das sicher auch weiterhin versuchen werden. Cheats entwickeln sich weiter, manche setzen sogar schon auf den Einsatz von KI – mehr darüber lest ihr in unserem großen Report.

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Ricochets Kernel-Treiber angeblich an Cheat-Hersteller geleakt

Update vom 15. Oktober 2021: Laut einem Bericht von ModernWarzone könnte der Kernel-Treiber von Ricochet an Cheat-Hersteller geleakt sein. Das möchte das Call-of-Duty-Portal erfahren haben, nachdem sich darum Gerüchte in diversen Cheater-Foren häuften. Mittlerweile sollen die Daten zum Kernel-Treiber von Ricochet nicht nur in privaten Gruppen, sondern auch in öffentlichen Cheater-Foren geteilt worden sein.

Was bedeutet das nun für den neuen Anti-Cheat von Warzone? ModernWarzone zufolge könnte das durchaus ein Problem darstellen, aber nicht unbedingt das vorzeitige Ende von Ricochet bedeuten. Immerhin stellt der Kernel-Treiber nur einen teil von Activision Blizzards neuen Bemühungen gegen das Cheater-Problem dar. Ebenso dürfte es sich zweifelsohne um eine ältere Version des Kernel-Treibers handeln, der längst nicht mehr aktuell ist.

ModernWarzone stellt außerdem die Theorie auf, dass es sich bei dem Leak um ein trojanisches Pferd handelt. Also dass eine nicht-authentische Version von Ricochet absichtlich geleakt sei, um Cheat-Hersteller in die Irre zu führen und mit einer falschen Version des Kernel-Treibers zu arbeiten. Natürlich lässt sich dies nicht bestätigen und ist zum aktuellen Zeitpunkt bloße Spekulation.

Ob und wie sich Activision Blizzard öffentlich zu dem angeblichen Leak des Kernel-Treibers von Ricochet äußert, bleibt abzuwarten. Wir aktualisieren diesen Artikel natürlich so schnell wie möglich, sobald es neue Entwicklungen zu dem Thema gibt.

Was haltet ihr von Anti-Cheat mit Kernel-Treiber?

Was ist eure Meinung zu dem ganzen Thema? Findet ihr die Maßnahme okay oder greift euch der Anti-Cheat zu tief in euer System ein? Teilt uns doch kurz eure Meinung per Umfrage mit:

Wir bleiben natürlich für euch dran und beobachten, ob sich die Lage in Warzone tatsächlich verbessert! Bis dahin könnt ihr nicht nur abstimmen, sondern auch eure Meinung in den Kommentaren kundtun: Geht euch ein Anti-Cheat mit Kernel-Treiber zu weit oder findet ihr es akzeptabel, wenn Betrüger dadurch abgewehrt werden?

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