Was bedeutet das Coronavirus für Spiele & Filme?

Kinofilme werden verschoben, Messen abgesagt, die E3 fällt aus. Wir listen auf, wie die Entertainment-Welt auf den Coronavirus reagiert.

von Michael Herold,
05.03.2020 15:15 Uhr

Wegen dem Coronavirus kommt James Bond später und PUBG-Turniere müssen ausfallen. Was für Effekte hat die Krankheit noch? Wegen dem Coronavirus kommt James Bond später und PUBG-Turniere müssen ausfallen. Was für Effekte hat die Krankheit noch?

Der Coronavirus, auch Covid-19 genannt, verbreitet sich aktuell auf der Welt. Zigtausend Menschen haben sich bereits infiziert, und auch die Opferzahlen in Folge der Krankheit steigen täglich weiter an. Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, passen sich viele Länder der Welt den neuen Umständen an.

Welche Auswirkungen der Coronavirus sonst noch auf die Welt der Videospiele, Filme und der allgemeinen Technik- und Entertainment-Branche hat, listen wir euch in diesem Artikel auf.

Konkrete Zahlen: Wie weit ist der Coronavirus aktuell verbreitet?
Seit dem Ausbruch der Viruserkrankung im Dezember 2019 haben sich weltweit bereits knapp 95.000 Menschen infiziert, allein in China sind bereits über 3.000 Menschen durch den Virus ums Leben gekommen. In Deutschland meldet das Robert Koch-Institut (das ist die für Infektionskrankheiten zuständige Bundesoberbehörde) bereits 349 gemeldete Infektionen, aber keine Toten. Stand: 5. März 2020

Videospiele: Beeinflusst der Coronavirus Releases?

Bislang hatte der Coronavirus scheinbar noch keinen direkten Einfluss auf Videospiele und deren Releases. Die Verschiebung von Cyberpunk 2077 zum Beispiel hatte laut CD Projekt nichts mit der Krankheit zu tun, sondern soll ausschließlich mehr Zeit für die Entwicklung liefern.

Zwar mussten zahlreiche Publisher ihre Pläne anpassen, weil sie nicht auf Spielemessen auftreten (dazu weiter unten mehr). Aber aktuell haben wir noch keine Kenntnis davon, dass Spiele wegen dem Coronavirus später rauskommen sollen.

Plague Inc ist sozusagen der spielbare Seuchensimulator und durch den Coronavirus wurde das Strategiespiel mehr denn je gezockt. Plague Inc ist sozusagen der spielbare Seuchensimulator und durch den Coronavirus wurde das Strategiespiel mehr denn je gezockt.

Im Gegenzug profitieren einige Spiele sogar von der Krankheit. Zum Beispiel kletterte nach dem Ausbruch von Covid-19 das Strategiespiel Plague Inc. auf den Spitzenplatz der Steam Verkaufs-Charts.

Das Crowdfunding-Spiel Foldit soll Wissenschaftlern sogar beim Kampf gegen die Krankheit helfen. Und in China steigt sowohl die Zahl der Streaming-Zuschauer, als auch der Online-Spieler rasant an. Einige Spiele werden sogar zu Free2Play-Varianten umgebaut.

Messen: E3 fällt aus

Bei vielen Events rund um die Themen Videospiele und Technik ziehen immer mehr Publisher und Aussteller ihre Auftritte zurück. Hier ein kleiner Überblick über die wichtigsten Messen:

  • E3 fällt aus: Die größte und wichtigste Messe der Spielebranche fällt aus. 2020 müssen wir also erstmals seit 25 Jahren ohne die Electronic Entertainment Expo auskommen.
  • Gamescom: Nach der E3-Absage sorgen sich jetzt viele Spieler auch um die gamescom. In unserem Überblick erklären wir alles zur aktuellen Situation & Ticketvorverkauf der gaamescom 2020.
  • Minecraft Festival auf 2021 verschoben: Eigentlich hätte dieses Jahr die MineCon mit neuem Format und neuem Namen wiederauferstehen sollen. Daraus wird nun vorerst nichts: Das Event in Florida wurde auf nächstes Jahr verlegt. Minecraft Live findet aber weiterhin statt.
  • GDC auf Sommer verschoben: Die Game Developer Conference sollte ursprünglich im März stattfinden, nun haben die Veranstalter beschlossen, dass sie irgendwann im Sommer nachgeholt werden soll. Zuvor hatten zahlreiche Branchengrößen wie Sony, EA, Activision Blizzard Square Enix ihre Teilnahme an der GDC abgesagt. Wie und wann genau es weitergeht, steht noch nicht fest.
  • Google-Konferenz I/O gestrichen: Internetriese Google sagte ebenfalls seine Konferenz I/O in Kalifornien ab und erstattet gekaufte Tickets zurück. Man habe auf entsprechende Hinweise der WHO reagiert, heißt es.
  • Nvidia verlegt GTC 2020 ins Netz: Neuigkeiten zu Grafikkarten und die Vorstellung von Nvidias Ampere bekommen wir nicht bei der GPU Technology Conference vor Live-Publikum zu sehen. Stattdessen hat Nvidia angekündigt, dass sie die wichtige Keynote zu ihren Neuerungen am 23. März einfach streamen werden.
  • Facebook sagt F8-Konferenz ab: Auch Facebook sollte eigentlich am 5. und 6. Mai die hauseigene und alljährlich stattfindende Konferenz namens F8 veranstalten. Ende Februar wurde der Termin für dieses Jahr aber gestrichen.
  • Unreal Fest Europe fällt aus: Wegen der Verbreitung von Covid-19 sagte Epic seine hauseigene Entwicklerkonferenz in Europa ab. Einige Auftritte sollen trotzdem stattfinden, nur eben virtuell.
  • TwitchCon findet nicht statt: Wie man über den offiziellen Twitter-Auftritt bekannt gibt, wird auch die TwitchCon Amsterdam ausfallen. Man habe diese schwere Entscheidung aus Rücksicht auf die Sicherheit und Gesundheit der Community und Arbeitnehmer getroffen, heißt es.

E-Sport: Turniere auf der ganzen Welt fallen aus

Der Coronavirus betrifft nicht nur Messen, sondern auch andere Gaming-Events, allen voran E-Sports-Turniere. Die müssen teilweise abgesagt werden oder finden kurzerhand in leeren Arenen satt. Auch hier ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen:

  • Das CS:GO-Finale in Katowice vor leerem Stadion: "Wenn ihr ein Ticket für die IEM 2020 gekauft habt, kommt bitte nicht zu dem Event!" Mit diesen ausdrücklichen Worten haben die Veranstalter des Counter-Strike-Turniers alle Fans gewarnt, nicht vor Ort vorbeizukommen. Weil die Arena aber schon bezahlt war, sind die Profis trotzdem auf der Bühne aufgetreten und so haben am 1. März eben über 1.000.000 Zuschauer im Stream zugeschaut.
  • PUBG-Turnier in Berlin verschoben: Im April sollte in Berlin die Global Series von Playerunknown's Battlegrounds ausgetragen werden, daraus wird nun aber vorerst nichts. Wann die Veranstalter das Event nachholen wollen, steht noch nicht fest.
  • Overwatch-Liga in China ausgesetzt: Im Februar und März sollte die aktuelle Season der E-Sport-Liga von Overwatch in China Station machen. Bis auf weiteres hat die Overwatch League diese Matches aber erstmal abgesagt.
  • Profi-Liga von League of Legend ausgesetzt: Genau wie bei Overwatch muss auch der Frühjahrs-Split der LoL-Liga (LPL) in China warten. Das Turnier hatte sogar schon im Januar begonnen, nach einer Pause zum chinesischen Neujahr, wird es nun aber erstmal nicht fortgesetzt.

Kino: 007 weicht dem Coronavirus aus

Die Filmwelt beginnt gerade erst damit, sich an den Coronavirus anzupassen. Der neue James Bond "No Time to Die" läuft nun nicht im April in den Kinos an, sondern erst im November.

Offiziell begründet die Productionsfirma hinter dem neuen 007-Film die Verschiebung zwar nicht mit dem Coronavirus, sondern mit der Situation des "globalen Filmtheatermarkts", aber die Vermutung liegt Nahe, dass damit direkte Auswirklungen des Coronavirus gemeint sind.

Denn allein in China sind über 70.000 Kinos geschlossen, damit fällt aktuell der zweitgrößte Kinomarkt der Welt flach. Klar, dass einige Filme nicht auf die Einnahmen aus dem asiatischen Raum verzichten wollen und daher lieber ihren Kinostart verschieben.

Andere Filmstudios wie zum Beispiel Disney oder Warner Bros. rücken bislang noch nicht von ihren geplanten Terminen ab. So sollen laut der amerikanischen Film-Fachseite Deadline.com nach wie vor zum Beispiel Black Widow am 30. April, Fast and Furious 9 am 21. Mai und Wonder Woman 1984 am 4. Juni in die Kinos kommen.

Hardware: Hersteller erwarten Lieferengpässe

Viele PC-Komponenten werden in China hergestellt, Auswirkungen auf die Hardware-Branche sind daher kaum zu vermeiden. So hat Apple beispielsweise aufgrund von Lieferengpässen bei iPhones bereits die Umsatzprognose für das aktuelle Quartal gesenkt.

Aber auch andere Länder wie Südkorea sind inzwischen betroffen: Dort findet ein großer Teil der weltweiten Produktion von DRAM und 3D-NAND statt, was Folgen für die Kosten und die Lieferbarkeit von Arbeitsspeicher und SSD haben könnte, die laut Prognosen ohnehin in diesem Jahr teurer werden sollen.

Allgemein Aussagen darüber, ob und wenn ja wann welche Komponenten schlechter lieferbar und/oder teurer sein werden, sind aber kaum möglich. Einerseits, da nicht jede Produktionsstätte gleichermaßen betroffen ist. Andererseits, da der weitere Verlauf der Epidemie und ihrer Folgen kaum vorhersehbar ist.

Unter Tech-Youtubern gibt es aktuell Diskussionen darüber, ob man deswegen möglichst jetzt noch PC-Hardware kaufen sollte oder nicht. Wir halten das aber nur dann für sinnvoll, wenn der Kauf ohnehin bereits fest eingeplant war.

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