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Seite 4: Cyberpunk 2077 im Test: Ein Rollenspiel, das ihr nicht vergessen werdet

Schwachpunkt Loot und Crafting

Mein V sieht aus wie ein 90er-Kleiderkreisel. Türkise Stiefel, Polizeihelm, neon-orangene Weste, rot-schillerndes Unterhemd, goldene Hose. Und nein, dahinter steckt kein bunter Mode-Quirk, sondern Cyberpunks verqueres Ausrüstungssystem. Alle paar Missionen findet V neue Klamotten mit besseren Panzerungswerten. Weil die gerade auf dem Schwierigkeitsgrad »Hart« lebensnotwendig sind, habt ihr keine andere Wahl, als euch wie eine laufende Geschmacksverirrung zu kleiden. Transmogrifikation wie in Assassin's Creed: Odyssey oder Diablo 3, mit dem ihr die Werte behalten, aber das Aussehen ändern könnt, fehlt in Cyberpunk 2077 unverständlicherweise - angesichts des Szenarios wäre es selbst aus Storysicht ein Leichtes gewesen, dies einzubauen.

Beim Schneider könnt ihr euch zumindest stilistisch passende Outfits kaufen, doch das behebt das Problem nur kurzfristig, weil ihr dann halt hinter der nächsten Ecke prompt eine stärkere Weste in neon-pink findet. Das Klamotten-Sammeln macht in Cyberpunk 2077 einfach keinen Spaß. Und auch abseits davon findet V unglaublich viel Schrott, den ihr fürs Crafting zerlegen müsst. Dosen, Schachteln, Stacheldildos, zehn Versionen derselben Waffe. Das Crafting wiederum besteht aus dem üblichen »Ich sammle Komponenten für eine beliebige seltene oder epische Waffe«.

Blöd nur: Ihr müsst viel zu viele Attributspunkte investieren, um überhaupt mal epische Waffen craften zu können. Und dann noch die dafür seltenen Komponenten herankarren. In Night City selbst findet ihr aber häufig epische Waffen, also warum überhaupt die Arbeit reinstecken? Es gibt so viele andere Skills, die mehr Spaß bescheren - das Sammeln, Zerlegen, Craften und Looten bringt zum jetzigen Zeitpunkt eher Mühe als Kurzweil.

Das Crafting-Menü ist der unoriginellste Teil von Cyberpunk: Blaupause anklicken, Komponenten sammeln, Waffe produzieren - und dann zehn Minuten später doch eine bessere in der Open World finden. Das Crafting-Menü ist der unoriginellste Teil von Cyberpunk: Blaupause anklicken, Komponenten sammeln, Waffe produzieren - und dann zehn Minuten später doch eine bessere in der Open World finden.

Diese Open World …

Ich ahne, was ihr jetzt denkt. »Was verkauft uns der Halley denn Cyberpunk 2077 hier als eines der besten Spiele überhaupt, wenn er dann doch so viele Kritikpunkt hat.« Verrate ich euch: Weil die Macken im Lootsystem, der fehlende Feinschliff im Schießen, Schleichen, Kloppen, im Balancing, weil all diese Dinge viel, viel weniger Gewicht haben als das, was diese sagenhafte Open World mit euch macht. Night City ist ein Meisterwerk der Open-World-Kunst. In jeder erdenklichen Kategorie.

Die Technik spielt da natürlich eine Rolle. Mit eingeschaltetem Raytracing durchs nächtliche Night City zu cruisen (das Fahren macht übrigens erstaunlich viel Spaß), den fantastischen New-Retro-Soundtrack im Ohr, während der Regen die Nacht in ein Lichtmeer aus Neonreklamen und Scheinwerferlichtern verwandelt - so etwas bekommt ihr in keinem anderen Spiel. Die Szenerien, Lichteffekte, Gebäude und Texturen sind allesamt eine Augenweite.

Night City lebt, pulsiert und bietet auch ohne Raytracing so viel Beeindruckendes zu sehen. Selbst auf dem Beifahrersitz habe ich die Autofahrten während einer Quest kein einziges Mal übersprungen, weil es einfach so viel zu gucken gibt.

Raytracing an Raytracing an
Raytracing aus Raytracing aus

Die geballte Ladung RaytracingCyberpunk 2077 ist extrem ambitioniert, nicht nur spielerisch, sondern auch technisch. Während andere Spiele Raytracing für einen einzelnen Aspekt wie die Beleuchtung, Reflexionen oder Schatten einsetzen, schnappt sich CD Projekt Red einfach alle drei dieser Bereiche und wertet sie mit Raytracing auf.

Im Detail wird die Render-Technik für diese Funktionen genutzt: Schatten, Reflexionen, Globale Beleuchtung, Diffuse Beleuchtung, Umgebungsverdeckung. Das sorgt unter anderem für realistische und genaue Spiegelungen in Wasserpfützen, Schaufenstern oder auf Oberflächen von Autos, was vor allem nachts deutlich sichtbar zum Tragen kommt und viel zur Cyberpunk-Atmosphäre beiträgt (siehe auch den obigen Vergleich). Cyberpunk 2077 sieht dadurch mit Raytracing klar realistischer aus, was allerdings nicht in jeder Szene gleichermaßen stark zum Tragen kommt. Zudem nimmt nicht jeder diese optische Aufwertung im selben Maß positiv wahr.

Genaue Performance-Daten konnten wir mit unserer Version wie bereits erwähnt noch nicht erfassen. Es gilt allerdings erwartungsgemäß, dass Raytracing viel Leistung kostet. Um das abzufangen, bietet das Spiel Nvidias DLSS. Den verschiedenen Raytracing-Stufen und DLSS-Optionen sowie dem Einfluss auf die Performance werden wir uns anhand der Release-Version noch ausführlicher widmen. Zwei Dinge lassen sich aber jetzt schon sagen: So umfassend wie in Cyberpunk kam Raytracing bislang noch in keinem anderen Title zum Einsatz. Und mit AMDs neuen Grafikkarten der RX-6000-Reihe ist es zum Release nicht aktivierbar. Das soll sich aber mit einem späteren Patch noch ändern.

In Pacifica zerlegen Helikopter mit Gatling Gun ein Gang-Nest im 20. Stockwerk, in der Ferne belagern Gauner einen verlassenen Freizeitpark, während V einen Markt der Hackerbande Vodoo Boys erkundet - ein Konglomerat aus Bretterbuden, Planen, skeptischen Menschen und allerlei Geschrei und Geplapper. In Westbrook erleben wir das genaue Gegenteil: Ruhm, Prunk, High-Tech-Gebäude und sündhaft teure Hollywood-Villen. Aber selbst in den völlig heruntergekommenen Industrievororten von Santo Domingo gibt es so viel Leben, Kultur und Story-Hintergrund zu entdecken.

Night City fühlt sich so viel größer an als mein eigenes Abenteuer. Wer den Fernsehübertragungen lauscht, die Myriaden von Notizen, Artikeln und Logs wälzt, im Internet surft oder einfach nur den Leuten lauscht, kann sich völlig in Cyberpunk 2077 verlieren. Wenn euch ein The Witcher 3, ein Skyrim oder Gothic in ihre Welt gezogen haben, dann seid euch sicher: Hier findet ihr genau das. Dank der tollen Aktivitäten, der dichten Atmosphäre und der sagenhaft schönen Stadtkulisse hat Cyberpunk 2077 einfach einen unheimlich guten Open-World-Rhythmus.

Wir lassen uns beim Spielen auch gerne einfach mal in der Open World treiben, fahren durch die von Neonlicht durchflutete Stadt und saugen die Umgebung auf. Wir lassen uns beim Spielen auch gerne einfach mal in der Open World treiben, fahren durch die von Neonlicht durchflutete Stadt und saugen die Umgebung auf.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Cyberpunk 2077 ist kein perfektes Spiel, kein glatt polierter Open-World-Messias, an dem sich nichts und niemand stoßen kann. Das Spiel stolpert immer wieder über kleinere Balancing-Probleme, über sein nerviges Loot- und Klamottensystem - und es gab auch schon bessere Shooter, Stealth-Spiele und Nahkampf-Prügler. Aber es gab noch nie so ein Gesamterlebnis.

CD Projekt erschafft hier ein Ausnahmespiel, über das die Leute noch lange sprechen werden. Ihr findet dort Geschichten, über die ihr in der Kaffeepause quatschen wollt. »Hey, wusstest du, dass der da auch sterben kann?« »Hast du das verkohlte Paar Schuhe in der Wüste gefunden?« »Habt ihr auch diese Quest gefunden mit dem Clown, der in der Innenstadt Bomben zündet?« »Wie hast du dich denn am Ende entschieden? Was, echt? Niemals! Das geht?«

Stellt euch selbst die richtigen Fragen: Wie wichtig ist mir eine gute Geschichte? Wie sehr will ich mich in einer Open World verlieren, Details aufsaugen, mich nach Night City träumen? Wie sehr reizen mich Quests, die auch mal sprachlos machen, mir Bauchschmerzen bereiten, Grenzen austesten? Wie essentiell ist für mich Atmosphäre in einem Spiel? Und empfinde ich Wonne bei der Vorstellung, ein Stealth-Hacking-Ninja zu sein, der einen High-Tech-Komplex nach dem anderen infiltriert?

Falls ihr auf all das mit »Joah, schon ziemlich« antworten könnt, dann ist Cyberpunk 2077 genau das Meisterwerk, das ihr braucht. Falls nicht, dann sitzt noch ein, zwei Balancing-Patches aus - und denkt dann nochmal drüber nach.

Cyberpunk 2077 durchgespielt - Test-Fazit im Video 43:20 Cyberpunk 2077 durchgespielt - Test-Fazit im Video

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