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Seite 11: Die 150 besten Story-Spiele aller Zeiten: Von Alan Wake bis Zero Dawn

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Inhaltsverzeichnis

50. Half-Life 2

Entwickler: Valve
Genre: Ego-Shooter
Release: November 2004

Sören Diedrich: Munter ans Werk, Mister Diedrich. Munter ans Werk. So ein Loblied schreibt sich schließlich nicht von selbst, vor allem dann nicht, wenn es um einen der besten Shooter aller Zeiten geht. Nichts anderes ist Half-Life 2, und vor allem im Bereich des Storytellings war der Titel seiner Zeit weit voraus.

Die eigentliche Handlung von Half-Life 2 ist spannend, aber gar nicht mal so besonders. Nach den Geschehnissen im ersten Teil haben die außerirdischen Combine die Erde in einem Blitzkrieg erobert und pferchen die Menschheit in riesigen Städten zusammen. Eine davon, City 17, ist der Schauplatz für Gordon Freemans zweiten Auftritt.

Das Besondere an Half-Life 2 ist die Tatsache, dass ich von Anfang bis Ende das Gefühl habe, ein ununterbrochenes Abenteuer zu erleben. Dafür sorgt eine ausgeklügelte Ladetechnik der damals brandneuen Source Engine. Denn statt langer Ladebildschirme, die mich aus dem Geschehen reißen, bekomme ich ab und zu nur ein kurzes »Laden…« angezeigt, während das Spielgeschehen stillsteht. Dann geht’s aber auch schon weiter – und das bis zum Abspann, irre!

Auch die Figuren, denen ich begegne, gehören für mich zur oberen Liga im Shooter-Genre. Die taffe Alyx ist mittlerweile Kult, aber auch mein treuer Kumpane Barney oder der mechanische Dog sind unvergesslich. Gepaart mit dem genialen Leveldesign entsteht so ein fesselndes Erlebnis, das definitiv ein Höhepunkt meiner Zockerjugend darstellt.

Wenn ihr zur jüngeren Generation gehört, ist es sehr schwer zu beschreiben, wie revolutionär Half-Life 2 anno 2004 war. Nicht nur technisch, nicht nur im Bereich der Story, sondern auch in anderer Hinsicht: Der Titel gilt allgemein als der Startschuss für die Steam-Plattform, was damals zu einem Aufschrei unter Spielern führte: Wie? Online-Aktivierung? Und dann muss ich auch noch während des Spielens mit dem Internet verbunden bleiben? Diese Plattform wird keine Zukunft haben!

Trivia:

  • 2003, ein ganzes Jahr vor dem Release, wurde der Source Code von Half-Life 2 von einem Hacker geklaut. Valve lockte den jungen Mann damals unter dem Vorwand eines Jobangebots in die USA, wo er noch am Flughafen vom FBI festgenommen wurde.
  • Kommt euch die Gravity-Gun im Film Spider-Man: Homecoming bekannt vor? Kein Wunder, diese Waffe wurde dem gleichnamigen Original aus Half-Life 2 nachempfunden!
  • Die zwar angekündigte aber nie erschienene Episode 3 für den Shooter hatte auch Folgen für Valve-Gründer Gabe Newell. Der leidet seitdem an einer seltenen Krankheit und kann deshalb nicht mehr bis drei zählen. Das ist auch der einzige Grund, weshalb wir bis heute kein Half-Life 3, Portal 3 und Left4Dead 3 haben. Versprochen. Glaubt einfach daran.


NEU

49. Undertale

Entwickler: tobyfox
Genre: Rollenspiel
Release: September 2015

Fabiano Uslenghi: Um zu begreifen, wie prägend die Geschichte von Undertale für extrem viele Menschen auf unserem Planeten war, reicht ein Blick auf YouTube und in die Communitys rund um das Spiel. Millionen an Menschen erstellen eigene Inhalte zu diesem Spiel, feiern es gemeinsam, halten die Welt am Leben und vertiefen ihre Charaktere. Undertale ist Kult und das liegt in allererster Linie an seiner einzigartigen Art, Geschichten zu erzählen. 

Undertale ist darüber hinaus allerdings auch ein Spiel mit Herz, und das sage ich nicht nur, weil wir in den Kämpfen die meiste Zeit über ein Herz kontrollieren und die für die Story so wichtigen Seelen von Menschen immer als Herzen dargestellt werden. Undertale versteht, das menschliche Herz und seine Sehnsüchte. Das zeigt es ein seinen unzähligen, liebevollen Charakteren und damit, wie es das Medium Spiel zu seinem Vorteil nutzt. 

Denn nur wer wirklich Herz zeigt und Mitgefühl, für wen diese Ansammlungen an Pixeln auf dem Bildschirm nicht einfach nur Hindernisse, Questgeber oder NPCs sind, sondern reale, denkende, fühlende Wesen, der wird wirklich erkennen, worum es in Undertale geht und wieso es so viele Menschen grundlegend begeistern konnte. 

Trivia:

  • Undertale wurde fast komplett alleine von Solo-Entwickler Toby Fox erschaffen. Sogar der Soundtrack mit 101 unterschiedlichen Songs stammt komplett aus seiner Feder und gehört zu den beliebtesten Soundtracks aller Zeiten. 
  • Jedes Mal, wenn ihr in Undertale ein neues Spiel startet, wird eurem Durchgang ein Fun-Wert zugewiesen. Der Wert zwischen 1 und 100 entscheidet darüber, welche zufälligen Ereignisse vorkommen können. Einige davon sind so selten, dass sie kaum ein Mensch auf normalem Wege je gesehen hat.


NEU

48. Persona 3

Entwickler: Atlus
Genre: JRPG
Release: März 2008 (in Europa)

Mary Marx: Manchmal wünschen wir uns, dass der Tag mehr als 24 Stunden hat. In Persona 3 ist das Realität. Das ist der Persona-Teil, den vermutlich die wenigsten von euch auf dem Schirm haben. Und doch solltet ihr euch überlegen, das hervorragende JRPG nochmal anzufassen, denn allein seine Geschichte und Atmosphäre sind überwältigend. 

Persona-typisch wechseln wir immer wieder zwischen unserem Schulaltag und dem Tartarus, in den sich unsere Schule in der ominösen 25. Stunde des Tages verwandelt. Hier werden alle normalen Menschen in Särge eingeschlossen während die, die über eine Manifestation ihrer Psyche (Persona) verfügen gegen die Monster des Dungeons kämpfen müssen. 

Dabei steht der Tod und das Wissen um die eigene Sterblichkeit jederzeit im Vordergrund. Er ist kein Gegner, den man einfach so umholzen kann, sondern eine Notwendigkeit, die uns alle am Ende des Weges erwartet. In Kombination mit den Freundschaften die man bis zum Ende der Geschichte von Persona 3 aufbaut, wird aus dem JRPG ein melancholisches und emotionales Gesamtkonstrukt, was nicht umsonst von vielen als tiefgründigste Persona-Geschichte aller Zeiten gefeiert wird.

Trivia

  • Der Name des Protagonisten ist je nach Medium anders. Makoto Yuki heißt er im Spiel und in den Anime-Filmen. Im Manga wurde er Minato Arisato genannt und seitdem mit Persona 3 Portable auch ein weiblicher Hauptcharakter eingeführt wurde, nennt sie sich auch Hamuko/Kotone Shiomi.
  • Es gibt zu Persona 3 ein japanisches Musical. Das ist fantastisch.


47. Hades

Entwickler: Supergiant Games
Genre: Action-Rollenspiel
Release: Dezember 2018

Géraldine Hohmann: Wie erzählt man eine Geschichte, die schon tausendfach erzählt wurde? Wie wird aus einer altbekannten Mythologie eine der spannendsten Action-Rollenspiel-Stories, die ich je erleben durfte? Die Antwort darauf ist Hades!

Die Geschichte um die Unterwelt, Hades und seinen Sohn Zagreus, der sich nichts mehr wünscht, als mit den Göttern im Olymp zu leben, wird durch die Roguelite-Struktur absolut außergewöhnlich erzählt. Mit jedem neuen Durchgang entfaltet sich Schritt für Schritt eine Story um Lügen, Verrat und überraschende Wendungen. In der Unterwelt hat jeder ein Geheimnis - sogar ich selbst. 

Hades packt wunderbar frische, humorvolle und eigene Ideen in den altbekannten griechischen Götterkosmos und erzählt seine ganz eigene Version der Geschichte. Die ist auch nicht mal eben über das Gameplay geklebt, sondern ich erlebe sie ganz organisch durch meine Erfolge und mein Scheitern in den Kämpfen.

Die Beziehungen, die ich mit Göttern und Bewohnern der Unterwelt eingehe, wird durch jedes kleine Detail unseres Spieldurchlaufs beeinflusst. Mal ist Eifersucht im Spiel, mal tiefe Freundschaft, mal sogar eine Romanze. Und selten bin ich mit so schwerem Herzen in einen Bosskampf gestartet wie in Hades. Immerhin lernen wir nicht nur unsere Freunde mit jedem Durchgang besser kennen - sondern auch unsere Feinde. Und das sorgt für so manchen Gänsehautmoment.

Trivia:

  • You can pet the Dog: Natürlich könnt ihr euren flauschigen dreiköpfigen Höllenhund Kerberus streicheln. 
  • Solltet ihr euch je entscheiden, den freundlichen Ladenbesitzer und Fährmann Charon zu bestehlen, erwartet euch eine gewaltige Überraschung. 


46. Half-Life

Entwickler: Valve
Genre: Ego-Shooter
Release: November 1998

Petra Schmitz: 1998, was für ein Spielejahr! Und das nicht zuletzt wegen Half-Life. Valves erstes Spiel (erstes! Spiel!) hat die Shooter damals revolutioniert. Den Begriff »environmental storytelling« gab es damals noch nicht, aber die Reviews waren voll von Umschreibungen, die genau das in Worte gefasst haben. Während andere Spiele (und nicht nur Shooter) auf Zwischensequenzen setzten und die Handlung auf diese Art vorantrieben, ging Valve einen anderen Weg.

Das Studio erzählte die (zugegeben eher dünne) Story um Gordon und das Experiment und die Aliens hauptsächlich in den Levels. Während des Spiels. Und nicht davon losgelöst. Wir fuhren mit der Bahn in die Black-Mesa-Forschungsstation (oh Gott, wie das beim zweiten und dritten und vierten Durchlauf genervt hat), sahen dabei schon Abschnitte, die wir später durchqueren sollten. Wir erlebten, wie Aliens vor unseren Augen Wissenschaftler verspeisten beziehungsweise in Monster verwandelten. Wir interagierten mit Schaltern, Rohren, Forschern.

 Wir erzählten nicht unsere eigene Geschichte, aber wir fühlten uns in unserer, weil die Umgebung auch dann auf uns reagierte, wenn wir nicht gerade Kugeln in irgendwelche Gegner pumpten. Valve hat damit das Rad nicht neu erfunden, Valve hat nur einen logischen Schritt in der Spieleentwicklung weiter gedacht, bevor es andere tun konnten. Und trotzdem muss man das sehr hoch anrechnen.

Trivia:

  • Half-Life hätte eigentlich auch auf dem/der Dreamcast erscheinen sollen. Der Port war schon fertig. Ist aber nie auf den Markt gekommen. Angeblich, weil Sega angekündigt hatte, die Produktion neuer Dreamcasts einzustellen.
  • In der ursprünglichen Story von Half-Life hätte Gordon eine Frau haben sollen: Gina Freeman.


45. Telltale’s The Walking Dead

Entwickler: Telltale Games
Genre: Adventure
Release: Mai 2013

Valentin Aschenbrenner: Es gab eine Zeit, da habe ich so gut wie alles zu The Walking Dead aufgesogen, wie ein Schwamm. Das ist aber jetzt schon ein paar Jahre her. Denn Robert Kirkman hat seinen fantastischen Comic mittlerweile zu einem semi-befriedigenden Finale geführt, die TV-Serie hat ihren Zenit längst überschritten und der Hype um das Zombie-Franchise ist längst abgeflaut. An das gleichnamige Telltale-Adventure denke ich aber noch immer gerne zurück.

Selten habe ich auf den nächsten Teil eines Videospiels so sehr gefiebert, wie bei Telltale's The Walking Dead. Denn ganz ähnlich zur Struktur einer TV-Serie oder neuen Comic-Ausgabe wurde das Adventure häppchenweise veröffentlicht. Das angespannte Warten darauf, wie die Geschichte um Protagonist Lee und seinem Schützling Clementine weitergeht, bereitete mir mehr schlaflose Nächte, als es die beiden großen Vorlagen je konnten. Und auch Telltale selbst hat nach Season 1 nie wieder dieselbe Genialität erreicht. (Außer vielleicht mit Tales from the Borderlands - aber das ist Geschmackssache.)

Ihr merkt schon, in den ersten beiden Absätzen meines Textes bin ich relativ erfolgreich drum herum geeiert, um was genau es in Season 1 von The Walking Dead überhaupt geht. Und das aus gutem Grund. Denn je weniger ihr über die gemeinsame Odyssee von Lee und Clem durch die Zombie-Apokalypse wisst, desto besser.

So viel sei jedoch verraten: Stellt euch darauf ein, eine überraschend enge Bindung zu gar nicht mal so ansehnlichen Spielfiguren im Celshading-Look einzugehen, herzzerreissende Entscheidungen zu treffen und zum Abspann erbärmlicher zu heulen, als ein vernachlässigter Schoßhund. Zumindest ging es mir so - und offensichtlich auch vielen meiner Kollegen. Denn sonst hätte es die vielleicht beste Variante von The Walking Dead auf dieser Liste nicht so weit nach oben geschafft.

Trivia:

  • Robert Kirkman, der Schöpfer der The Walking Dead-Comics, ist sich der Popularität unter Fans seines Franchises natürlich bewusst. Deswegen gab es jahrelang Spekulationen, dass Clem in den Comics irgendwann auf Rick, Carl und Co. treffen würde. Dazu kam es aber nie. Mittlerweile hat Clem aber ein eigenes Abenteuer spendiert bekommen: Clementine Lives setzte den Grundstein für ihren Comic, der im Juli 2021 erschien.


NEU

44. Kingdom Come: Deliverance 2

Entwickler: Warhorse Studios
Genre: Rollenspiel
Release: 4. Februar 2025

Video starten 11:43 Kingdom Come Deliverance 2 wird endgültig zum Meisterwerk | Nachtest

Steffi Schlottag: Kingdom Come: Deliverance 2 vereint in seiner Story Gegensätze: Kruder, manchmal zum Fremdschämen alberner Humor trifft auf packende Momente tiefster Emotionen; eine sechzig Stunden lange Hauptgeschichte um Krieg, Rache und Pflicht wird von dutzenden kleineren Missionen durchbrochen. Und das alles ergänzt sich zu einem wunderbaren Gesamtkunstwerk, statt voneinander abzulenken.

Heinrichs Reise erreicht nach dem kompakteren ersten Teil eine neue Dimension, was Umfang und Komplexität angeht. Gemeinsam mit seinem Lord Hans Capon reitet der Schmiedesohn los, um eine wichtige Botschaft zu überbringen. Als die Mission in einem Blutbad endet, müssen sie sich neue Verbündete im Kampf gegen den Usurpator Sigismund suchen, darunter einen versoffenen (und dennoch überraschend kompetenten) Haufen Söldner, die alle einen festen Platz in meinem Herzen erobert haben.

Das atemberaubend detaillierte Mittelalter-Setting ist viel mehr als nur die Kulisse, vor der die Charaktere miteinander tanzen. Themen wie Religion oder die Gräben der böhmischen Gesellschaft im frühen 15. Jahrhundert sind für die Story ebenso zentral wie sie für das Leben der echten Menschen damals eben auch waren. Das hat mich am meisten beeindruckt, wie lebensnah sich viele Momente dadurch anfühlen. Mein Traum, eine Weile ins Leben vor hunderten Jahren einzutauchen, wurde hier so wahr wie es in einem Spiel nur möglich ist.

Nicht nur die vorgefertigten Quests sind unterhaltsam - Kingdom Come 2 erzählt auch herrliche dynamische Geschichten, die sich aus der lebendigen Welt ergeben. Ich erinnere mich an so viele Anekdoten, die die Kollegen und ich während des Tests geteilt haben. Wie Heiko aus Geldnot ein Kamillentee-Imperium errichtet hat. Wie ich eine Quest in der falschen Reihenfolge anging und dafür mit einem speziellen Dialog belohnt wurde. Das fühlt sich unheimlich lebendig an.

Wie in jeder fiktiven Geschichte müssen wir über ein wenig schräge Logik hinwegsehen. Heinrich wird etwa innerhalb weniger Wochen zum Schwertkünstler und Meisterschmied. Das Potenzial mancher Momente und Figuren wird nicht voll ausgenutzt – ach, Katherina, was für eine komplexe Rolle dir zugestanden hätte. Alles in allem ist Kingdom Come 2 aber trotz dieser kleinen Stolperer ein einmaliges Story-Erlebnis geworden, das mich geprägt hat wie kaum ein anderes Spiel je zuvor.

Trivia:

  • KCD2 steckt voller historisch belegter Figuren. Eine kleine Auswahl, wen es in Echt gab: Hans Capon, Jan Zizka, Hynek der Knochenteufel, Hanush von Leipa, Radzig Kobyla, John von Liechtenstein, Otto von Bergow, Markvart von Aulitz…
  • Dass alle Schweine im Spiel aussehen wie borstige, braune Wildschweine ist keine Faulheit der Entwickler, sondern ebenfalls historischer Fakt. Damals waren die Grunznasen noch nicht haarlos und rosa wie heute.


43. Portal

Entwickler: Valve
Genre: Action
Release: Oktober 2007

Markus Schwerdtel: Es war die Game Developers Conference 2010, wo ich eher zufällig in einen Vortrag von Harvey Smith (Deus Ex, Dishonored 2) und Matthias Worch (Dead Space 2, jetzt Design Lead bei Epic Games) gestolpert bin. Der Titel der Veranstaltung damals: »What Happened Here? – Environmental Storytelling«. Es ging also darum, wie es Leveldesigner schaffen können, allein durch ihre Kulissen Geschichten zu erzählen. Heutzutage ist dieses Konzept ein alter Hut, aber damals hat mir der Vortrag sozusagen im Nachhinein erklärt, warum ich Portal so gut finde.

Denn in Valves Action-Knobelei gibt es bekanntlich keinen Erzähler, keine Audiologs, keine endlosen Erklärtexte. Die einzige Sprecherin im Spiel ist die irre KI GlaDOS, und die sorgt zusammen mit dem Leveldesign für viel Atmosphäre und bringt die Story voran. 

Bei der Flucht durch die 19 Testkammern stoße ich als Heldin Chell immer wieder auf Hinweise, dass in den Labors von Aperture Science etwas ganz gewaltig schief gelaufen ist. Schmierereien an den Wänden, zerbrochene Scheiben und unzählige Details erzählen  sozusagen die Geschichte von Portal. Immer meisterhaft kommentiert von GlaDOS, die unsere Rätselei begleitet.

Am Ende hat man das Gefühl, ein mitreißend-mysteriöses SciFi-Abenteuer mit interessanten Figuren erlebt zu haben. Dabei ist man unterm Strich »nur« zu lustigen Sprüchen durch leere Levels gelaufen. Aber wenn die Leveldesigner Könner im »Environmental Storytelling« sind, reicht das eben auch für ein erstklassiges Spiel.

Trivia:

  • Die GlaDOS-Sprecherin Ellen McLain ist studierte Musikerin, sie singt etwa auch das Lied »Cara Mia Addio« aus dem Soundtrack von Portal 2.
  • Ellen McLain ist auch in anderen Spielen zu hören. In Cyberpunk 2077 spricht sie eine der Persönlichkeiten des Robotaxis Delamain.


NEU

42. Final Fantasy 7 + Remakes

Entwickler: Square
Genre: Rollenspiel
Release: Januar 1997

Video starten 2:31 Final Fantasy 7: Rebirth startet in wenigen Tagen auf dem PC und zeigt seine Grafik-Features

Heiko Klinge: Final Fantasy 7 und meine Wenigkeit pflegen eine sehr intensive Hassliebe, die nun schon seit 25 Jahren anhält. Alles begann in meiner Grundwehrdienstzeit, als Kameraden in der dauerqualmenden Nachbarstube jeden Feierabend dieses Spiel in ihre PlayStation warfen. Eigentlich wollte ich keinen Fuß in diese Nikotinhölle setzen, aber Final Fantasy 7 sah mit seiner Rendergrafik einfach zu umwerfend aus, als dass ich meine Nichtraucher-Prinzipien durchhalten konnte.

Im Juni 1998 erschien dieses Story-Meisterwerk, über das gefühlt wirklich alle redeten, endlich auch für meinen geliebten PC. Voller Euphorie stürzte ich mich ins JRPG-Abenteuer, bis ich nach rund 30 Stunden auf ein Bug stieß, der meinen Spielstand immer an der gleichen Stelle abstürzen ließ.

Seitdem versuche ich immer wieder, diesen Meilenstein des Storytellings endlich zu beenden. Auf dem iPad, auf der Xbox, zuletzt auf der Switch. Aber nunja, Final Fantasy 7 ist nicht wirklich gut gealtert, weshalb ich jedes Mal früher oder später abgebrochen habe. Die statischen Render-Hintergründe und klobigen Polygon-Figuren waren 1997 technisch wegweisend, wirken heutzutage aber weitaus mehr aus der Zeit gefallen als die Pixeloptik des zwei Jahre älteren Chrono Trigger.

Ehrensache, dass die Hassliebe auch für die Remakes gilt. Einerseits freue ich mich über das grandiose Rebirth und die Möglichkeit, die zeitlos gute Geschichte in einem modernen Gewand erleben zu können. Andererseits hat mich der erste Teil der Trilogie mit seinen Schlauch-Leveln böse enttäuscht. Und noch ist nicht absehbar, wann ich endlich das Finale spielen darf. Aber gut, wenn man seit 1997 darauf wartet, machen ein paar Jährchen mehr den Kohl auch nicht mehr fett.

Trivia:

  • Final Fantasy 7 wurde seinerzeit auf drei PlayStation-CD-ROMs ausgeliefert. Dabei befand sich technisch gesehen das komplette Spiel auf jeder einzelnen CD-ROM, den zusätzlichen Speicherplatz benötigten ausschließlich die Zwischensequenzen.
  • Mittlerweile tragen 12 Filme und Spiele den Namen »Final Fantasy 7« im Titel, einschließlich eines Snowboard-Spiels fürs Handy.


41. To The Moon

Entwickler: Freebird Games
Genre: Adventure
Release: November 2011

Steffi Schlottag: To The Moon (und die Nachfolger) hat sich seine eigene, kleine Fan-Nische eingerichtet. Das kleine Adventure stammt aus der kreativen Feder von Entwickler Kan Gao und besteht eigentlich nur aus pixeligen Szenen, simplen Rätseln und Dialogen in Textform. Und trotzdem erzeugt die Story einen gewaltigen Sog, sodass ich To The Moon an einem Stück durchspielen musste. Und den Rest des Tages habe ich dann mit Weinen verbracht, weil es so ein bittersüßes Erlebnis war.

Es geht um zwei Wissenschaftler, die einen ganz besonderen Service anbieten: Sie verändern die Erinnerungen von Sterbenden, damit sie glauben, ihre größte Hoffnung wäre in Erfüllung gegangen. Ihr Einsatz führt sie zu Johnny, der zum Mond fliegen will – aber selbst nicht mehr weiß, warum. Um das herauszufinden und ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen, reisen wir durch seine Erinnerungen bis in seine Kindheit. Natürlich will ich euch nicht genau verraten, was wir dort finden, aber es wird sich garantiert in euer Gedächtnis einbrennen.

To The Moon stellt uns vor schwierige Fragen: Wo genau liegt die Grenze zwischen Realität und unseren Gedanken – und ist das wirklich wichtig? Muss die wahre Liebe perfekt sein? Was macht ein glückliches Leben aus? Wenn ihr gerne über solche Themen philosophiert, dann holt euch das bitte Spiel unbedingt. Und wenn ihr fertig seid, schreibt mir, ob ihr den Mondhasen jetzt auch am Nachthimmel seht.

Trivia:

  • To The Moon soll zum Animationsfilm werden, wie 2018 verkündet wurde. Allerdings gab es seitdem nur wenige Lebenszeichen zu dem Projekt – und kein Release-Datum ist in Sicht.
  • Kan Gao wurde zu To The Moon inspiriert, als sein Großvater schwer erkrankte und er viel über das Sterben und verpasste Gelegenheiten nachdachte.


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