Steams Rückgaberecht gilt zu Recht als eines der fairsten der Branche: Wer ein Spiel weniger als zwei Stunden gespielt und es vor weniger als 14 Tagen gekauft hat, bekommt sein Geld ohne großes Nachfragen zurück.
Für die allermeisten Spiele ist das ein sinnvoller Käuferschutz und für Valve sogar keine reine Kulanz, sondern seit einer verlorenen Klage in Australien auch rechtlich abgesichertes Pflichtprogramm. Genau diese Kulanz nutzen aber offenbar immer mehr Spieler gezielt aus, um kurze Indie-Titel komplett gratis durchzuspielen.
Ein deutscher Solo-Entwickler hat jetzt vorgerechnet, wie teuer ihn das zu stehen kommt – und damit eine Debatte losgetreten, die weit über sein eigenes Spiel hinausreicht.
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Der Fall Paddle Paddle Paddle
Der Duisburger Mateo Covic, unter dem Namen Zoroarts bekannt, hat mit Paddle Paddle Paddle einen kleinen Überraschungserfolg gelandet: Das physikbasierte Koop-Rage-Game, in dem ihr euch mit einem Kanu über eine Hindernisbahn quält, entstand nach eigener Aussage in weniger als einem Monat und verkaufte sich seit dem Release im Juli 2025 nach Angaben des Entwicklers über 260.000 Mal.
Auf Steam steht das Spiel aktuell bei »Sehr positiv«, 89 Prozent der rund 1.400 Reviews fallen positiv aus. Trotzdem hat Covic am 5. Juli auf X Alarm geschlagen. Sein Vorwurf: Ein wachsender Teil der Spieler kauft das Spiel gezielt, spielt es in unter zwei Stunden durch und holt sich anschließend über die Steam-Rückgabefunktion sein Geld zurück. Manche brüsten sich damit sogar in ihren eigenen Reviews.
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Nach seinen Angaben kommt Paddle Paddle Paddle auf eine Rückgabequote von 21 Prozent. Das macht laut seinen Zahlen über 55.000 Rückgaben. Beim aktuellen Rabattpreis von 3 Euro wären das rund 165.000 Euro, die dem Entwickler durch die Lappen gegangen sind – natürlich abzüglich der 30 Prozent Steam-Gebühr. Da der reguläre Preis des Spiels bei 5 Euro liegt, dürfte die tatsächliche Summe je nachdem, wann gekauft wurde, noch höher liegen.
Eine gespaltene Community
So ein Vorwurf bleibt auf Reddit natürlich nicht unwidersprochen, und tatsächlich zieht sich unter dem Thread zum Fall schnell ein Graben mitten durch die Kommentarspalte. Auf der einen Seite steht das Lager, das Covic recht gibt und im Verhalten der Refunder schlicht unfaire Ausnutzung sieht:
- Delicious-Pepper23: »Es gibt viele Wege, etwas zu stehlen.«
- Mogura56: »Ja, die Leute haben kein Problem damit, milliardenschwere Spielehersteller und Walmarts zu bestehlen, weil diese ja Milliarden von Dollar haben. Wenn es sich aber um einen Indie-Titel handelt, der wahrscheinlich von 1 bis 5 Leuten entwickelt wurde, dann trifft das diese Leute tatsächlich hart – auf eine Weise, die keiner dieser Konzerne jemals zu spüren bekommen wird.«
- too_many_nights: »Für den Typen, der 55.000 Verkäufe verloren hat, nur weil Steam es zugelassen hat, ist es sehr wohl ein Problem.«
Auf der anderen Seite häufen sich Stimmen, die dem Entwickler selbst die Verantwortung zuschieben, wenn er ein Spiel so kurz und für so wenig Geld verkauft:
- Bestialman: »Entwickler kennen Steams Rückgaberichtlinien. Wer ein sehr kurzes Spiel auf Steam veröffentlicht, weiß, worauf er sich einlässt.«
- UniverseGlory7866: »Wenn ein Spiel wirklich zu 100 Prozent in unter zwei Stunden durchspielbar ist, ohne Anreiz zum Wiederspielen, verkauft man wahrscheinlich ein Spiel, das kaum mehr als ein Mobile-Game ist.«
- clothanger: »Der Entwickler ignoriert praktischerweise die 79 Prozent, die das Spiel behalten. Mit dieser Einstellung schaufelt er sich sein eigenes Grab.«
Zudem bringen mehrere Nutzer dieselbe Idee ins Spiel: ein Achievement, das automatisch vergeben wird, sobald ein Spiel komplett durchgespielt wurde, und das Rückgaben ab diesem Zeitpunkt technisch sperrt.
Der Haken daran wird gleich mitdiskutiert: Genau ein solches System ließe sich von unseriösen Entwicklern umgekehrt missbrauchen, indem sie das Achievement einfach direkt zu Spielbeginn vergeben und Rückgaben so von Anfang an unmöglich machen.
Eine wirklich überzeugende Lösung hat also auch die Community nicht parat, nur die Erkenntnis, dass Steams pauschale Zwei-Stunden-Grenze nicht für besonders kurze Spiele richtig gebaut ist.
Was haltet ihr von der Debatte: Ist das für euch dreiste Ausnutzung eines Systems, das eigentlich für ehrliche Fälle gedacht ist? Und habt ihr vielleicht Vorschläge, wie Valve das System für kurze Spiele anpassen könnte? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!
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