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FIFA 22 im PC-Test: Die niedrigste Wertung der Seriengeschichte

FIFA 22 enthält PC-Spielern spannende Next-Gen-Features vor, entwickelt sich spielerisch kaum weiter und verliert sogar Teams. Dafür gibt's jetzt die Quittung.

von Matthias Schmid,
28.09.2021 12:34 Uhr

FIFA 22 ist auf dem PC weit entfernt vom Qualitätsanspruch vergangener Serienteile. Im Test wirkt sich das auch auf die Wertung aus. FIFA 22 ist auf dem PC weit entfernt vom Qualitätsanspruch vergangener Serienteile. Im Test wirkt sich das auch auf die Wertung aus.

Wäre die FIFA-Serie ein Bundesligaverein, wäre sie mit ziemlicher Sicherheit der FC Bayern München. Und dann müsste sich dessen Sportdirektor in dieser Saison ein paar unangenehme Fragen gefallen lassen: Warum wurden keine namhaften Neuzugänge verpflichtet, wo es doch Abgänge gab? Warum machen sich Liga-Konkurrenten mit einem radikalen Umbruch fit für die Zukunft oder ziehen die Clubs anderer Sportarten in puncto Attraktivität davon? Wohin fließen die vielen Merchandise- und TV-Millionen? Und was hat eigentlich die FIFA-22-Amateurmannschaft hier verloren?

Die fehlenden Neuzugänge wären in unserem Beispiel spannende, neue Spielmodi (Denkt euch welche aus, EA!) oder eine endlich mal konsequente Integration des Frauenfußballs. Die Abgänge wären die vielen Nationalmannschaften und die zwei italienischen Topclubs Lazio Rom und Atalanta Bergamo, die - wie Juventus Turin und AS Rom im Vorjahr - nicht länger im Lizenzpaket enthalten sind.

Der Konkurrenz-Club, mit der vielleicht umstrittenen, aber doch mutig-radikalen Neuausrichtung wäre Konamis eFootball-Marke. Und der Verein aus der anderen Sportart wäre die NBA-2K-Serie - denn hier hat sich auf Next-Gen-Konsolen zumindest grafisch einiges getan. Die Abermillionen aus den Vermarktungsrechten wären natürlich die horrenden Summen, die der Riesen-Publisher Electronic Arts alljährlich aus seinem Goldesel Ultimate Team presst und ganz offensichtlich nicht 1:1 in das nächste FIFA pumpt.

Fehlt noch die Amateurmannschaft - nun, dabei kann es sich offensichtlich nur um die aktuelle PC-Version handeln! Denn eigentlich wäre, analog zum Fußball, eine Bezeichnung wie "FIFA 22 Amateure" oder "FIFA 22 II" passend für das, was EA uns PC-Spielern dieses Jahr vorsetzt.

Eckball bei einem spanischen Liga-Spiel: Publikum und Banden sehen in der PC-Version ordentlich aus, der Rasen wirkt aus der Spielperspektive aber wie eine platte Textur. Eckball bei einem spanischen Liga-Spiel: Publikum und Banden sehen in der PC-Version ordentlich aus, der Rasen wirkt aus der Spielperspektive aber wie eine platte Textur.

Eignet sich für euch, wenn ...
  • ... ihr einfach nur Fußball mit aktuellen Lizenzen spielen wollt.
  • ... euch ein actionreiches, torgetriebenes Gameplay zusagt.
  • ... ihr nicht so viel Wert auf spielerische Neuerungen legt.
Eignet sich nicht für euch, wenn ...
  • ... ihr die gleiche Grafik wie bei den Versionen für PS5 und Xbox Series X erwartet.
  • ... bei euch bereits FIFA 21 auf der Festplatte schlummert.
  • ... euch das Kartensammeln in FIFA Ultimate Team auf die Nerven geht.

Der Autor
Matthias Schmid, Baujahr 1981, schreibt seit siebzehn Jahren hauptberuflich über Spiele - lange Jahre in Diensten des Print-Oldies M! Games (einst MAN!AC), danach bei 4Players. Er liebt pixelige Arcade-Action und Indie-Experimente ebenso sehr wie große Geschichten in offenen Welten, spielt besser virtuell Tennis als man es ihm ansieht und kann sich beim Thema Lieblingsspiel nicht zwischen Shenmue, Journey, Super Mario Galaxy und God of War entscheiden. Abseits des Bildschirms ist er leidenschaftlicher Energy-Drink-Sammler, Vogelbeobachter und Fußballfan - eine krude Hobby-Kombination, die ihn selbst überrascht.

Die gleiche alte Ausrede

Schon im Vorjahr schimpfte Heiko über EAs billige Downgrade-Ausrede bei FIFA 21 und Fabiano tut sich 2021 schwer, seine Enttäuschung über die fehlenden Next-Gen-Features zu verbergen. Auch mir als Tester stößt einiges sauer auf: Zum einen sieht das neue FIFA auf dem Rechner grafisch einfach überholt aus, die Spieler wirken blass und ähneln ihren realen Vorbildern nicht mehr als im Vorjahr. Wer den Blick zur PlayStation 5 richtet (was ich dank einer Testversion konnte), der staunt nicht schlecht, wie viel schärfer, plastischer, detaillierter und letztlich auch intensiver FIFA 22 dort rüberkommt.

Zum anderen bemüht EA dieselbe platte Ausrede wie zuvor, um PC-Spieler zu vertrösten: »Wenn wir die HyperMotion-Technologie und die Features des packenden Spieltags-Erlebnisses auf PC eingebaut hätten, wären die Mindest-Anforderungen gestiegen, sodass ein großer Teil der Spieler das Spiel nicht mehr hätte ausführen können.«

Gute Atmosphäre beim Frauen-Länderspiel zwischen USA und Deutschland - der Blick ins Stadionrund ist ganz ansehnlich. Gute Atmosphäre beim Frauen-Länderspiel zwischen USA und Deutschland - der Blick ins Stadionrund ist ganz ansehnlich.

Ist halt nur blöd, wenn zig andere Hersteller dieses altbekannte Problem besser lösen und das Spiel auf einer Engine läuft (Frostbite), die DICEs Patrick Bach in der Vergangenheit als besonders skalierbar bezeichnet hatte. Damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt, haben wir 20 Screenshots aus der PC-Fassung in unserer Bildergalerie für euch zusammengestellt:

FIFA 22 - PC-Screenshots ansehen

Kleine Schritte nach vorn

Zum Glück kommt die PC-Fassung von FIFA 22 aber nicht gänzlich ohne Neuerungen aus: Schon im Vorfeld gab EA bekannt, dass unter anderem verbesserte Torhüter, eine realistischere Ballphysik und neue Sprintfähigkeiten im Spiel stecken. Wie sich das auf dem Platz auswirkt, erkläre ich im nächsten Absatz. Vorher aber noch, der Vollständigkeit halber, ein (neidischer) Ausblick auf die Next-Gen-exklusiven Neuerungen, die EA unter dem Schlagwort »HyperMotion« gruppiert: Da wären zum Beispiel tausende neue Animationen, wuchtigere Zweikämpfe, menschlichere Interaktionen oder eine taktische bessere KI.

Doch wie spielt sich FIFA 22 auf dem PC nun? Immer noch richtig gut. Das klingt platt, aber spaßiger Spielablauf und klasse Spielgefühl werden binnen zwölf Monaten ja nicht plötzlich schlecht. Die »kreativen Läufe« und die »Spielerfestlegung« sind nach wie vor kluge, mächtige Tools für die Offensive, das »agile Dribbling« sorgt erneut für geschmeidige Tänzchen und Finten auf engstem Raum.

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