Ich habe zahlreiche KI-Gadgets ausprobiert – in der Theorie klingen sie genial, doch in der Praxis sind sie zum Scheitern verurteilt

Notizen mit einem smarten KI-Begleiter zu machen und nebenbei nervige Aufgaben zu erledigen, klingt in der Theorie extrem praktisch – die Realität sieht oft jedoch ganz anders aus.

Es gibt zahlreiche KI-Notiz-Gadgets auf dem Markt. Alle mit dem Versprechen, euch im Alltag zu unterstützen. (Bildquelle: GameStar Tech; Comu; SwitchBot) Es gibt zahlreiche KI-Notiz-Gadgets auf dem Markt. Alle mit dem Versprechen, euch im Alltag zu unterstützen. (Bildquelle: GameStar Tech; Comu; SwitchBot)

Auf der IFA habe ich sie an jeder Ecke gesehen und selbst mittlerweile auch über 14 Stück ausprobiert: KI-Gadgets für Notizen. Zu einigen habe ich auch schon Artikel geschrieben, andere sind bei mir bereits im Hands-on durchgefallen. 

Dass es derartige Gadgets gerade wie Sand am Meer gibt, wundert mich mit Blick auf den anhaltenden KI-Hype nicht wirklich. Viel mehr überrascht bin ich davon, dass mich keines der Geräte bisher wirklich überzeugen konnte. 

Zu häufig ähneln sich die Funktionen und die dazugehörigen Apps wirken oft nahezu identisch und teilen sich ein gemeinsames Problem, das mir den Sinn der Gadgets infrage stellt.

Hinzu kommt ein weiteres Problem, für das die Geräte selbst tendenziell nichts können, das ihren Einsatz für mich aber in vielen Bereichen nahezu unmöglich macht. Dazu später mehr.

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Verschiedene Geräte, aber am Ende dieselbe Funktion

Ob ich nun einen Clip habe, den ich an meine Kleidung stecke, eine Smartbrille mit eingebautem Mikrofon verwende oder ein praktisches MagSafe-Gadget an mein Smartphone hefte: Am Ende drücke ich bei vielen KI-Gadgets immer auf einen Button, spreche etwas ein und bekomme meine Transkription in einer App.

Natürlich ist das stark heruntergebrochen und wird der Technik in den Geräten nicht immer gerecht. Oft stecken hochwertige Mikrofone, große Akkus oder zusätzliche Funktionen in den Geräten – etwa, wenn die Geräte mehrere Knöpfe verbaut haben, über die ich praktische KI-Features verwenden kann.

Dennoch bleibt für mich ein entscheidender Punkt: Die eigentliche Arbeit findet meistens in den dazugehörigen Apps und nicht auf den Geräten statt. Das hinterlässt einen faden Beigeschmack, wenn ich mir für Hunderte von Euro ein Gerät kaufe, das dann aus vereinfachter Sicht nicht mehr als ein schickes externes Mikrofon ist. 

Die eigentliche Arbeit erledigen App und Cloud

Statt der KI-Gadgets wird die meiste Arbeit also von den Apps erledigt. Ohne eine Verbindung zu meinem Handy können zahlreiche der smarten Gadgets also eigentlich gar nichts Smartes. Und vor allem nicht meine Daten verarbeiten. Diese werden allerhöchstens bis zur nächsten Verbindung zwischengespeichert, um anschließend in der KI oder Cloud zu landen.

Was mich wirklich überrascht hat, ist, dass die Apps nicht nur ähnlich funktionieren, sondern oft auch ähnlich aussehen. Klar ist das wegen der Funktionalität teilweise gegeben. Ein Beispiel dafür sind KI-Chatfenster, wobei eines häufig aussieht wie das andere.

Dennoch wirken viele der Anwendungen zu den smarten KI-Begleitern, als hätte sie der KI-Begleiter selbst mit Vibe Coding entwickelt. Das mag überspitzt klingen, aber wer schon häufiger auf mit Vibe Coding erstellten Webseiten unterwegs war oder mit KI programmiert hat, weiß vermutlich, was ich meine.

Ähnlich wie man KI-generierte Texte an bestimmten Formulierungen erkennen kann, gibt es auch bei Bildern typische Merkmale wie übertriebene Weichzeichnungen oder unlogische Fehler. So gibt es auch beim Vibecoden ähnliche Muster. Darunter: ähnliche Boxen, ähnliche Farben, Abstände und Schriftarten sowie die prägnanten kurzen Texte mit auffällig vielen Punkten.

Ob ein Programm wirklich mit KI erstellt wurde, kann ich nicht beweisen und macht am Ende auch keinen Unterschied. Eine Notizapp muss das Rad auch auf keinen Fall neu erfinden und eine übersichtliche Oberfläche ist auch nichts Schlechtes.

Vielmehr geht es mir darum, wie austauschbar die Apps wirken. Fast alle haben ihre Startseite für einen schnellen Zugriff, ein Untermenü für die aufgezeichneten Gespräche und verschiedene KI-Funktionen, die in der Regel an ein Abomodell geknüpft sind.

Comu Action Pro SwitchBot MindClip Comu Action Pro SwitchBot MindClip

Der MindClip von SwitchBot sowie der Action Pro von Comu zeigen deutliche Ähnlichkeiten in der App-Oberfläche. (Bildquelle: GameStar Tech)

Ein teures Gadget mit zusätzlichem Bezahlabo

Um eure Daten zu verarbeiten, setzen die Gadgets allesamt auf künstliche Intelligenz. Dabei fallen Server-, Wartungs- und Entwicklungskosten an, welche die Hersteller logischerweise auch gegenfinanzieren wollen. Dadurch erfordern viele der smarten Begleiter von euch ein kostenpflichtiges Abo, um alle Funktionen wirklich nutzen zu können.

Was aus einer wirtschaftlichen Sicht für mich vollkommen nachvollziehbar und richtig ist, ist aus der Sicht des Endverbrauchers, also uns Konsumenten, allerdings ein fetter Minuspunkt. 

Wenn ihr euch ein KI-Gadget für teilweise über 300 Euro kauft, wollt ihr anschließend wahrscheinlich nicht noch ein Abo abschließen, um auch wirklich alle Funktionen verwenden zu können.

Fairerweise muss ich hier allerdings betonen, dass es immer vom Gadget und den Herstellern abhängt, ob und wie viel ihr zusätzlich zahlen müsst. Beim MindClip von SwitchBot oder dem Comu Action Pro kann ich beispielsweise unbegrenzt und kostenfrei transkribieren sowie die Grundfeatures des Geräts verwenden.

Andere Hersteller verlangen hingegen zusätzliche Abos oder arbeiten mit begrenzten Kontingenten – etwa mit Credits, Token oder, unabhängig von der Größe, begrenzten Prompts. Der bald erscheinende Plaud-One-KI-Begleiter benötigt beispielsweise ein Abo, für das ihr 20 Euro im Monat blechen müsst.

Was auf den ersten Blick praktisch klingt, wird damit schnell zu einem ziemlich teuren Notizmikrofon. Einem zusätzlichen Gerät, das ich mit mir herumschleppen muss, während die eigentliche Software gar nicht darauf läuft.

Und genau da frage ich mich regelmäßig, wofür ich das zusätzliche Gerät eigentlich brauche.

Reicht nicht einfach das Smartphone aus?

Grundsätzlich verstehe ich den Gedanken, nicht alles am Handy machen zu wollen und spezielle Hardware nur für bestimmte Fälle zu verwenden. 

Ein Comu Action Pro setzt beispielsweise auf mehrere Mikrofone, die eine bessere Audioqualität und eine gezieltere Aufnahme ermöglichen. Auch bei Timekettle ergibt eine eigene Hardware Sinn, wenn mehrere Stimmen erkannt und Gespräche entsprechend verarbeitet werden können – bei manchen Geräten auch vollkommen ohne Smartphone.

Bei vielen anderen Geräten frage ich mich allerdings, ob es nicht genauso ausreichen würde, einfach eine App auf meinem Smartphone zu öffnen. ChatGPT, Claude und andere KI-Modelle bieten schließlich entsprechende Möglichkeiten.

Hinzu kommen klassische Diktier- und Notiz-Apps. Selbst Google hat solche Funktionen längst in seine Anwendungen integriert.

Auch Smartphone-Hersteller erkennen den Bedarf nach schnellen Notizen und KI-Funktionen. Nothing hat in seinem (4a) zum Beispiel direkt einen KI-Button integriert und auch andere Smartphone-Hersteller wie Samsung oder Apple bauen künstliche Intelligenz immer mehr in ihre Betriebssysteme ein. 

Da frage ich mich schon, welche Daseinsberechtigung manche dieser zusätzlichen Gadgets langfristig haben.

Denn wenn mein Smartphone ohnehin überall dabei ist und ich für das Gadget am Ende trotzdem eine Verbindung zu meinem Handy brauche, bleibt für mich nur die Frage, wozu ich ein weiteres Gerät mitnehmen sollte.

Lange Laufzeiten sind der größte Vorteil

Einen Vorteil, den ich den Geräten allerdings eingestehen muss, ist, dass sie alle mehr oder weniger zuverlässig funktioniert haben und das auch bei deutlich längeren Aufnahmen. 

Gerade in meinem beruflichen Umfeld ist das durchaus relevant. Viele KI-Modelle und Transkriptions-Tools haben zeitliche Begrenzungen. Bei Gemini beispielsweise habe ich die Erfahrung gemacht, dass nach ungefähr zehn Minuten Schluss ist. Danach muss ich erneut eine Aufnahme starten, den bisherigen Text verarbeiten lassen und gegebenenfalls mehrere Abschnitte zusammenführen.

Spezialisierte KI-Notiz-Gadgets können hier deutlich praktischer sein. Ein gutes Beispiel ist für mich der MindClip von SwitchBot. Das ist eines der wenigen Geräte, die ich wirklich über einen längeren Zeitraum am Stück verwendet habe.

Auf der IFA habe ich den Clip bei Pressekonferenzen teilweise zwei bis drei Stunden mitlaufen lassen. Anschließend hatte ich eine brauchbare Transkription des Gesprächs. Das hat gut funktioniert und war für meinen Einsatzzweck wirklich praktisch.

Gerade wenn ich auf einer Pressekonferenz sitze, mehrere Stunden einem Vortrag zuhöre oder mit verschiedenen Menschen spreche, möchte ich nicht ständig mein Smartphone herausholen und kontrollieren, ob die Aufnahme noch läuft.

Da ist es angenehm, einen kleinen Clip an der Kleidung zu befestigen, einen Button zu drücken und anschließend nicht mehr darüber nachdenken zu müssen.

Für Menschen im Journalismus, in kreativen Berufen, im Büro oder generell in Jobs, in denen viele Meetings, Gespräche und Konferenzen stattfinden, können solche Gadgets deshalb eine echte Erleichterung sein.

Das möchte ich den Geräten auch gar nicht absprechen. Allerdings müssen die KI-Gadgets dafür im jeweiligen Arbeitsumfeld überhaupt eingesetzt werden dürfen. Und genau hier sehe ich das nächste große Problem.

Das größte Hindernis ist oft der Datenschutz

Viele Hersteller werben damit, dass ihre KI-Gadgets einen sicheren und privaten Raum für Gespräche und Notizen bieten. Dass Aufnahmen geschützt sind, Daten nicht weitergegeben werden und sensible Informationen sicher verarbeitet werden. Und das glaube ich den Herstellern bei entsprechenden AGB und Datenschutzverordnungen auch.

Das Problem ist vielmehr, dass viele Unternehmen eigene Datenschutz- und Sicherheitsauflagen haben. Gerade in sensiblen Bereichen gelten teilweise extrem strenge Vorgaben, welche Geräte, Programme und externen Dienste überhaupt eingesetzt werden dürfen.

Ich habe Freunde, die in Berufen arbeiten, in denen sie nicht einmal ohne Weiteres externe Hardware an ihren Arbeitslaptop anschließen dürfen.

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Bei einem USB-Stick, auf dem Daten gespeichert sind, kann man das vielleicht noch nachvollziehen. Teilweise betrifft das aber sogar klassische kabelgebundene Tastaturen, die erst nach einer entsprechenden Freigabe angeschlossen werden dürfen.

Und bei solchen Vorgaben frage ich mich schon, wie es ankommen würde, wenn jemand im Büro auftaucht und sagt: »Hey, ich habe hier ein cooles KI-Gadget, das würde ich gerne für unsere Meetings nutzen.«

Schließlich geht es nicht nur um »dumme« / »unsmarte« Hardware, sondern um Geräte, die Gespräche aufzeichnen und je nach Funktionsweise an externe Server weiterleiten. Selbst wenn es überzeugende Datenschutzrichtlinien gibt, bedeutet das noch lange nicht, dass die Nutzung mit den internen Vorgaben eines Unternehmens vereinbar ist.

Gerade dort, wo es um vertrauliche Gespräche, Kundendaten, interne Strategien oder andere sensible Informationen geht, dürfte der Einsatz solcher Geräte deshalb schwierig sein. Auch wenn in derartigen Bereichen solche Gadgets oft besonders praktisch wären.

Die Geräte funktionieren – doch brauchen wir sie nun wirklich?

Bei all meiner Kritik möchte ich eines ausdrücklich festhalten: Die KI-Notiz-Gadgets, die ich bisher getestet habe, haben grundsätzlich funktioniert. Manche besser, manche schlechter. Gerade weil mir einige der Geräte auch bei Interviews, Pressekonferenzen, Meetings und Co. deutlich weitergeholfen haben.

Ich kann also absolut nachvollziehen, was derartige KI-Begleiter in der Theorie so attraktiv macht. Mein Problem liegt deshalb weniger darin, dass die Technik nicht funktioniert. Es liegt vielmehr in der Frage, wie sinnvoll sie im Alltag tatsächlich ist.

Wenn ich bereits ein Smartphone besitze, das ich ohnehin überallhin mitnehme, das ein Mikrofon besitzt und auf dem zahlreiche kostenlose oder kostenpflichtige Apps dieselben Aufgaben übernehmen können, fällt es mir schwer, den Kauf eines zusätzlichen Geräts zu rechtfertigen.

Erst recht, wenn ich dafür 100, 200 oder sogar 400 Euro ausgebe und anschließend womöglich noch ein Abo benötige. Hinzu kommen mögliche Datenschutzfragen und Einschränkungen im beruflichen Umfeld. 

Für mich sind KI-Notiz-Gadgets deshalb ein gutes Beispiel für Technik, die auf dem Papier unglaublich sinnvoll klingt und durchaus funktioniert, deren wirklicher Mehrwert im Alltag aber häufig überschaubar bleibt. Was sich mit der technischen Entwicklung von KI allerdings durchaus noch ändern kann.


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