Lego hat mir in den letzten Monaten eine wahre Achterbahn der Gefühle beschert. Als ich 2025 erfuhr, dass die Pokémon-Lizenz bei Mega verschwindet und zu Lego wandert, hielt ich einen ausgedehnten Trauertag ab. Erst Anfang des Jahres veröffentlichte ich ein Loblied auf die fantastischen Modelle, die über die Klemmbaustein-Marke von Mattel erschienen sind. Lego habe ich das zu diesem Zeitpunkt nicht zugetraut.
Anfang 2026 wendete sich aber das Blatt und die ersten neuen Pokémon-Sets wurden präsentiert - und ich war positiv überrascht. Zumindest Evoli und das Starter-Trio machten optisch richtig was her. Doch die Erleichterung sollte nicht lange anhalten, denn nach der vielversprechenden Präsentation von Smart Play waren die Star-Wars-Sets preislich und designtechnisch kompletter Murks.
Und als ich mich endlich damit abgefunden hatte, kam Lego mit den Pokémon-Smart-Play-Sets um die Ecke. Und die haben mich mit Blick auf meine geringen Erwartungen in fast allen Belangen positiv überrascht. Ich erahne aber trotzdem ein Problem, das besonders bei Kindern für Ärger sorgen dürfte - und es ist nicht der Preis.
Überraschend coole Designs
Mega hat es meistens geschafft, die eigentümlichen Designs der Pokémon durch Formteile und Drucke originalgetreu nachzubilden, ohne den klassischen Klemmbaustein-Look zu verlieren. Die Messlatte lag weit oben. Mit Blick auf Lego-Brickbuilds wie bei Harry Potter, den Play-Sets von Super Mario, dem generellen Umgang mit manchen Lizenzen und der Vielzahl an Stickern leuchteten daher bei mir alle Lämpchen rot.
Doch bereits die ersten drei Pokémon-Sets haben gezeigt, dass auch Lego zumindest bei den Erwachsenen-Sets auf Drucke und Formteile setzt. Die Modelle erinnerten mich im besten Sinne stark an die von Mega. Seit letzter Woche wissen wir, dass Lego bei den Playsets vergleichbar nachzieht.
Besonders die simpleren Designs, etwa von Gengar und Tragosso, sind fantastisch gelungen. Aber auch filigranere Pokémon wie Glurak sehen für meinen Geschmack solide aus und stehen den Playsets von Mega in keiner Weise nach. Teilweise empfinde ich sie als sogar besser.
Auch Sticker gibt es wenige. Nur das Beiwerk hat den einen oder anderen Aufkleber. Das ist zwar ärgerlich, aber Hauptsache, die Pokémon sind frei davon. Eine Auswahl der zwölf neuen Sets seht ihr hier:
Weniger teuer als befürchtet
Mega hat hohe UVPs für die Pokémon-Sets aufgerufen, die sich meist in der Nähe von 10 Cent pro Teil bewegt haben. Doch dank des freien Handels mussten Fans selten mehr als zwei Drittel davon bezahlen, oft sogar weniger als die Hälfte. Mit Blick auf die Smart-Play-Sets von Lego befürchtete ich, für die neuen Pokémon-Sets um die 14 Cent pro Teil zu blechen. Auch diese Befürchtung stellte sich jetzt als falsch heraus.
Mit Ausnahme der beiden Sets, in denen ein Smart Brick enthalten ist und die zwischen 16 und 17,5 Cent verlangen, liegt auch hier die UVP meistens zwischen 10 und 11 Cent. Mit dem freien Handel rechne ich auch hier mit einem zeitnahen Preisnachlass von mindestens 25 Prozent. Im Rahmen der Möglichkeiten von Lego-Produkten halte ich das für in Ordnung.
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Lego hat bald Pokémon-Sets und der Trailer zeigt: Die sind vor allem für Erwachsene
Überraschend coole Smart Features
Lego hat sich für die Spielfunktionen einige coole Sachen ausgedacht, die ich nach den gewöhnungsbedürftigen Sound-Features der Star-Wars-Sets nicht mehr erwartet habe.
Je nachdem, wie ihr die Pokémon bewegt, können sie verschiedene Angriffe ausführen, die Geräusche machen und unterschiedlich hohen Schaden austeilen - inklusive Typ-Vorteilen und -Nachteilen. Gleichzeitig sorgt ein grün, gelb und rot leuchtender Stein für eine Lebensanzeige, die durch Items sogar wieder aufgeladen werden kann. Mit verschiedenen Pokébällen könnt ihr die Taschenmonster außerdem fangen
.
Als Kind, das sich früher selbst Pokémon aus Lego gebaut und damit eigene Spielkampagnen ausgedacht hat, wäre das die Erfüllung aller meiner Träume gewesen. Und ich freue mich, dass anstelle von mir jetzt andere Kinder die Chance haben, damit zu spielen.
Es ist wichtig, dass Kinder mit haptischem Spielzeug interagieren. Und wenn solche Features, so unsinnig sie für manche Menschen auch sein mögen, Kinder dazu bringen, das zu tun, dann ist das eine gute Sache.
Ich sehe nur ein unüberwindbares Problem
Lego-Steine sind ein so wunderbares Spielzeug, weil ihr sie immer wieder voneinander trennen könnt. Doch diese essenzielle Eigenschaft wird bei Smart Play zum Verhängnis. Denn während simplere Pokémon wie Gengar mehrfache Stürze auf den Boden unbeschadet überstehen, geraten andere schon bei der Ausführung ihrer Kampf-Features an ihre Stabilitätsgrenzen.
Während der Präsentationen auf dem Lego-Enthüllungsevent gab es mehrere Situationen, in denen bei den schnellen Angriffen Teile von den Modellen abgefallen sind. Darunter Pikachus Schweif oder Gluraks Flügel. GamePro-Redakteur Sebastian durfte auf einem Event schon mit den Sets interagieren und ihm ist etwa Tragossos Keule abgefallen.
Wer die Sets ernsthaft zum Spielen verwenden möchte, muss bei den filigraneren Modellen also einplanen, regelmäßig abgefallene Teile wieder anzubringen. Da sehe ich die Schuld aber nicht bei Lego. Denn ohne das Design maßgeblich zu verändern, ist das nur schwer zu verhindern. Da gerät das Spielzeug an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten.
Kleine Entwarnung: Wie bereits erwähnt, gilt das Problem nicht für alle Pokémon. So hat beispielsweise Gengar ein Smart-Play-Feature, bei dem es von einem Podest heruntergeworfen wird. Diesen Sturz hat es in den Präsentationen viele Male erlebt, Teile hat es beinahe nie verloren.
Außerdem hat Sebastian berichtet, dass die abgefallenen Teile nie in die Einzelsteine zersprungen sind. So ließ sich etwa Gluraks Flügel im Ganzen wieder anbringen, ohne erst die Kleinteile zusammenkratzen zu müssen.
Fazit
Ich habe das Gefühl, dass Lego sich bei der Entwicklung der Pokémon-Sets viele Gedanken gemacht hat. Die meisten Pokémon wurden im Rahmen der Möglichkeiten von Klemmbausteinen gut getroffen.
Ähnlich sehe ich das bei den Smart-Play-Features, in denen ich einen ernsthaften Mehrwert erkenne. Allein die Lebenspunkteanzeige bietet viele neue Spielmöglichkeiten. Ich musste früher immer mit meinen Freunden diskutieren, ob Flammenwurf jetzt die Hälfte der KP abzieht oder nur ein Drittel. Da könnte ich als Kind über die teilweise abfallenden Teile hinwegsehen, auch wenn sie wirklich ärgerlich sind. Mal sehen, ob Lego dafür langfristig vielleicht doch eine Lösung findet.
In den letzten Jahren habe ich bei großen Lizenzen vielfach Legos Herzblut vermisst, wegen dem ich mich einst in das Spielzeug verliebt habe. Ob es bei den Pokémon-Sets wieder da ist, kann ich noch nicht sicher sagen. Aber meine Hoffnung wurde entfacht.
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