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Let's Plays verbieten - Ist das legal? Anwälte antworten!

PewDiePies Firewatch-Video ist von Youtube verschwunden, weil der Entwickler es so wollte. Gibt es überhaupt ein Recht auf Let's Plays? Wir haben Anwälte gefragt.

von Maurice Weber,
20.09.2017 15:58 Uhr

Let's Plays stehen auf wackeligem rechtlichen Boden. Let's Plays stehen auf wackeligem rechtlichen Boden.

Nach einer rassistischen Äußerung von PewDiePie will Firewatch-Entwickler Sean Vanaman nichts mehr mit dem Youtuber zu tun haben - und beantragt per Copyright-Strike bei Youtube, dessen Let's Plays zu seinem Spiel zu löschen. Mit Erfolg.

Das könnte selbst für große Kanäle schnell gefährlich werden: Nach nur drei solchen Strikes ist Schluss und Youtube sperrt den ganzen Channel. Aber dürfen Entwickler einfach so Let's Plays verbieten? Oder könnten Youtuber dagegen erfolgreich vor Gericht ziehen? Gibt es überhaupt ein Recht auf Let's Plays?

Bislang existiert dazu kein Urteil und damit kein Präzedenzfall. Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir zwei Anwälte befragt, wie die aktuelle Rechtslage aussieht.

Sebastian Schwiddessen, LL.M. ist bei der Kanzlei Baker & McKenzie im Bereich IT- und Medienrecht tätig. Er berät nationale und internationale Mandanten aus der Entertainment- und IT-Branche. Stephan Mathé ist Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz bei der Sozietät Poppe. Zu seinen Schwerpunkten gehören Medien- und Presserecht sowie Urheberrecht.

Was sagt das amerikanische Recht zu Let's Plays?

Sebastian Schwiddessen

Grundlegend herrscht laut Sebastian Schwiddessen weitgehend Einigkeit darüber, dass Let's Plays in den USA eine Urheberrechtsverletzung darstellen: "Schließlich liegt es auf der Hand, dass Let's Player urheberrechtlich geschützte Werke nutzen, verbreiten oder auswerten. Sofern der Let's Player sich also nicht auf eine Erlaubnis des Urhebers oder eine Ausnahme, wie etwa Fair Use, berufen kann, lässt sich daher durchaus sagen, dass Let's Play Videos in den USA 'verboten' sind."

Das sehen selbst einige prominente Youtuber so. Totalbiscuit etwa reagierte zornig, dass durch PewDiePies Fehltritte die Frage der Let's-Play-Rechtmäßigkeit wieder im Raum stand:

Youtube sei grundsätzlich verpflichtet, als Verstoß gemeldete Videos prompt zu entfernen, erklärt Schwiddessen. Sonst könnte die Plattform unter dem Digital Millennium Copyright Act selbst haftbar gemacht werden. Uploader haben aber die Möglichkeit, die Sperrung anzufechten. Dann wird das Video wieder online gestellt, es sei denn, der Entwickler reicht innerhalb von zehn Tagen eine formelle Klage ein. Erst dann landet der Fall vor Gericht. Aber wer hätte da die besseren Chancen - Let's Player oder Entwickler?

Dass Campo Santo auf der offiziellen Website eine Blanko-Erlaubnis zum Streaming erteilt, hat laut Schwiddessen wenig zu bedeuten: "In den USA kann eine solche Lizenz jederzeit widerrufen werden, wenn sich nicht ausdrücklich aus der Vereinbarung ergibt, dass die Lizenz unwiderruflich erteilt wurde." Nur Schadensersatz für bereits erfolgte Nutzung könnten Entwickler nicht rückwirkend gelten machen, selbst wenn sie die Lizenz zurücknehmen.

Die große Fair-Use-Frage

PewDiePie führt an, dass er sich auf das in Amerika geltende Fair-Use-Recht berufen könnte. Dies erlaubt die Verwendung von urheberrechtlich geschützten Material zu einem transformativen Zweck, beispielsweise Parodie oder Kritik.

Es gibt bislang allerdings kein Urteil, das definiert, ob das auch für Let's Plays gilt. Schwiddessen gibt außerdem zu bedenken, dass es sich bei Fair Use immer um Einzelfallentscheidungen handelt - es könnten also auch nur manche Let's Plays darunter fallen:

"Als Gradmesser lässt sich aber wohl sagen: Je mehr "eigene" Elemente der Let's Player dem Stream hinzufügt, etwa in Form einer Kommentierung, je wahrscheinlicher ist es, dass er sich auf die Fair Use-Ausnahme berufen kann. In dem Fall kann der Let's Player argumentieren, dass er den ursprünglichen Inhalt größtenteils im Rahmen einer umgestaltenden Nutzung verwendet hat.

Dennoch wäre es falsch, bloß aufgrund einer Kommentierung stets vom Vorliegen der Fair Use-Ausnahme auszugehen. So spricht etwa gegen die Anwendung von Fair Use, dass zumindest die großen Let's Player fast alle gewerbsmäßig handeln. Das schließt die Anwendung von Fair Use zwar nicht zwingend aus, ist aber nach US-Recht ein gewichtiges Gegenargument. Ein zentraler Punkt ist zudem der Umfang und die Bedeutung des verwendeten Auszugs aus dem Spiel im Verhältnis zum ganzen Werk. Je mehr der Let's Player zeigt, je kleiner ist die Chance, dass er sich auf Fair Use berufen kann."

Nun zeigen Let's Player in der Regel das komplette Spiel - laut Schwiddessen die "Achillesferse" der Fair-Use-Argumentation. Auch ein komplettes Buch könne man schließlich nicht einfach einscannen, kommentieren und sich dann auf Fair Use berufen. Allerdings ist es bei Spielen nicht so einfach, denn durch die interaktive Natur des Mediums erlebt es jeder Spieler potenziell anders.

Schwiddessen fasst die Argumente der Fair-Use-Befürworter damit zusammen, dass selbst ein komplettes Let's Play nur eine der zahlreichen Möglichkeiten eines Spiels zeigt und damit nicht als bedeutender Auszug im Verhältnis zum ganzen Spiel gewertet werden kann. Außerdem führten sie ins Feld, dass Spiele vom Selberspielen lebten und die Bedeutung des Live-Streams im Verhältnis zum Sinn des Werkes als Spielerlebnis gering sei.

"Letztendlich könnte aber nur ein Gerichtsverfahren Klarheit bringen. In den allermeisten Fällen haben daran aber weder die Streamer noch die Computerspiel-Industrie ein Interesse."

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