Warum Mass Effect 1 unbedingt ein richtiges Remake braucht

Ein mögliches Remaster wird Mass Effect 1 heutzutage nicht gerecht, findet Elena. Ein Remake im Stil von Mafia muss her.

von Elena Schulz,
27.09.2020 15:43 Uhr

Ein Remaster zu Mass Effect ist keine gute Idee. Das beweist die geleakte Mass-Effect-Trilogie: Noch nicht einmal angekündigt, wurde sie schon wieder verschoben - auf Frühjahr 2021. Grund dafür soll das erste Mass Effect sein, das Ansprüchen nicht gerecht wird.

Kein Wunder, der Auftakt von 2007 ist heute ja auch schrecklich altbacken. Die Umgebungen sehen nach braunem Matsch aus und das fummelige Gameplay gewinnt keinen Blumentopf mehr. Wiedersehen Mako, bitte bleibe auf deinem pixelig-gleichförmigen Planeten, wo du gerade wieder steckengeblieben bist.

Das erste Mass Effect verdient heute so viel mehr: Nämlich ein waschechtes Remake im Stil von Mafia. Nur so können die Spieler heute wirklich verstehen, warum Mass Effect damals so großartig war und die für mich beste Story der Reihe in vollen Zügen genießen.


Die Autorin:
Elena würde jeden ohne zu zögern mit dem Mako überfahren, der schlecht über das erste Mass Effect redet. Für sie war das Rollenspiel nicht nur ein Tor zu einem schier magischen SciFi-Universum, das sie unbedingt erkunden wollte, sondern auch die erste Begegnung mit Figuren wie Garrus, Liara oder Commander Shepard, die bis sie heute ins Herz geschlossen hat. Aber auch sie muss zugeben: Leider ist das erste Mass Effect mittlerweile alt geworden.

Mafia macht's vor - mit Erfolg

Trotz vereinzelter Ausreißer nach unten hat sich bei der Mafia: Definitive Edition der Aufwand ziemlich sicher gelohnt: Das Remake erntete Top-Wertungen (unser GameStar-Test eingeschlossen) und kletterte zum Launch auf Platz 1 der Steam-Topseller. Kein Wunder, dass der Spielerhöchststand da fast an den 40.000 kratzt.

Mafia erschien zudem 2002 für den PC, also deutlich früher als die PC-Version von Mass Effect 2007 - Der Aufwand sollte also geringer ausfallen, wenn man das etwas modernere Ausgangsmaterial bedenkt. Mit über einer Million verkauften Einheiten schon drei Wochen nach Release und seinem guten Ruf heute (immerhin hat es Teil 1 bei uns in die Liste der besten 100 Rollenspiele und unter die 250 besten PC-Spiele geschafft), erscheint mir das erste Mass Effect aber ohnehin wie ein sehr vielverspechender Remake-Kandidat.

Remaster ungleich Remake?

  • Remaster = leicht überarbeitete Neuauflage, bei der normalerweise nur Grafik, Interface und so weiter modernisiert werden.
  • Remake = komplette Überarbeitung, die neben der Grafik auch Level, Gameplay, Story und mehr verändern kann.

Lieber ganz oder gar nicht

Auch ein gutes Spiel kann ein schlechtes Remaster nicht retten. Das beweist Crysis Remastered, das uns im Test technisch nicht überzeugen kann. Auch wenn ein Remaster im Vergleich zum Remake nach schnellgemachter Neuauflage klingt, kann es noch einen Rattenschwanz an zusätzlicher Arbeit und Kosten nach sich ziehen. Denn sind die Fans unzufrieden und die Wertung niedrig, werden Reparatur-Patches und Updates fällig. Oder man läuft Gefahr ein Schlachtfeld aus enttäuschenden Verkäufen und wütenden Fans zurückzulassen.

Das muss bei Mass Effect nicht der Fall sein. Gerade die Verschiebung soll dem schließlich entgegenwirken, wenn man den Gerüchten glauben kann (und bei der Fülle an Quellen kann man das vermutlich). Aber nach hinten verlegte Releases garantieren nicht immer einen reibungslosen Launch, was jüngst zum Beispiel Marvel's Avengers durch technische Schwierigkeiten und holprige Design-Entscheidungen belegte - auch wenn ich persönlich trotzdem viel Spaß damit habe.

Ein gelungenes Remake hingegen, könnte man sogar außerhalb der Trilogie verkaufen und so nutzen, um neue Fans an die Marke heranzuführen, die dann die ganze Geschichte bis hin zu Mass Effect: Andromeda erleben wollen - Alle Teile ab Mass Effect 2 sind heute schließlich längst nicht so altbacken.

Kollege Fabiano erhofft sich ebenfalls mehr von Remasters als nur ein paar Drehungen an den Grafik-Stellschrauben:

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Auch heute noch ein Meisterwerk - mit Abstrichen

Das stärkste Argument stellt für mich aber das Spiel selbst dar. Mass Effect sollte auch heute noch gespielt und erlebt werden. Denn das SciFi-Rollenspiel stellt für sich genommen ein erzählerisches Meisterwerk voller emotionaler Momente, einer packenden Story und den ersten Begegnungen mit bis heute unvergessenen Figuren wie Garrus, Wrex oder dem legendären Commander Shepard dar.

Bis heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an die Enthüllung am Ende des Spiels denke. Die führt mir schlagartig vor Augen, wie klein und unbedeutend ich bin und wie gewaltig die Bedrohung, die auf meine Heimat zurollt. Meinen ersten Besuch auf der Citadel habe ich auch immer noch genau vor Augen: Plötzlich begegnete ich wirklich sehr alienhaften Aliens wie den Elcor. Die sehen mit ihrem bulligen Elefantenkörperbau nicht nur ulkig aus, sondern kommunizieren auch so, indem sie ihre Gefühle stets beschreiben und Sätze mit »Sarkastisch:« beginnen (Würde dem Internet manchmal auch nicht schaden).

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Über die Citadel hinaus eröffnete sich mir damals ein gewaltiges, neues Universum, das voller fremder Planeten, Alienvölker und uralter Geheimnisse rund um Proteaner, Reaper und mehr steckt. Ich treffe schon im ersten Teil auf intelligente Maschinen wie die Geth oder die grimmigen Kroganern, was den Grundstein für die härtesten und weitreichendsten Entscheidungen der ganzen Reihe legt. All diese Momente leben von den gelungene Dialogen und der schon damals filmischen Inszenierung, die ich nur zu gerne in mordernem Gewand erleben will.

Am meisten würde aber das Gameplay von einem Remake profitieren: Kaum jemandem kann man heute mehr die öden Nebenmissionen zumuten, bei denen man die immer gleichen Raumstationen besucht oder mit dem Mako Ressourcen abgrast. Schussgefechte spielen sich fummelig und dadurch stellenweise nervig und auch sonst hat sich die Rollenspiel-Shooter-Hybridreihe später in vielen Punkten spielerisch verbessert. Überarbeiten BioWare und EA den ersten Teil hier von grundauf, können alte Fans und neue Spieler den Auftakt endlich so erleben, wie er es schon immer verdient hatte.

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