PewDiePie-Fans wollen The Division 2 boykottieren - Ubisoft-Entwicklerin kritisierte Youtuber wegen kontroverser Kanal-Werbung

PewDiePie warb für einen Youtuber mit antisemitischen Inhalten. Eine Ubisoft-Mitarbeiterin prangerte dies an und wurde daraufhin online massiv angegriffen.

von Martin Dietrich,
19.12.2018 17:23 Uhr

PewDiePie warb für einen Kanal mit antisemitischen Videos, weil er ein Anime-Review mochte. Er wusste angeblich nicht, welche Inhalte dort sonst noch zu sehen waren.PewDiePie warb für einen Kanal mit antisemitischen Videos, weil er ein Anime-Review mochte. Er wusste angeblich nicht, welche Inhalte dort sonst noch zu sehen waren.

Die Ubisoft-Mitarbeiterin Dianna Lora stand in den letzten Tagen im Fadenkreuz von verärgerten PewDiePie-Fans, weil sie den äußerst reichweitenstarken Youtuber öffentlich auf Twitter kritisierte und einige Anhänger diese Nachricht als Aufruf zum Mord missverstanden.

Es folgten Boykottaufrufe der Fans, alle kommenden Ubisoft-Spiele und insbesondere The Division 2, an dem die Entwicklerin zurzeit arbeitet, nicht zu kaufen. PewDiePie, mit bürgerlichen Namen Felix Kjellberg, hatte zuvor einen Youtuber mit hasserfüllten und antisemitischen Inhalten beworben.

Es standen später Gerüchte im Raum, dass Lora aufgrund ihrer Äußerung von Ubisoft gekündigt worden wäre. Diese Meldungen stellten sich jedoch als unwahr heraus. Lora ist immer noch bei Ubisoft tätig.

Was war passiert?

Die Geschichte begann mit einem Video von PewDiePie vom 9. Dezember 2018. Dort machte Kjellberg für insgesamt 28 kleinere Kanäle Werbung, die er für unterstützenswert hielt. Unter diesen 28 Kanälen befand sich auch der Youtuber »E;R«, der PewDiePie mit einem Anime-Review überzeugte. In diesem Video macht »E;R« unter anderem Witze über Selbstmord und spielt einen Clip über das Charlottesville-Attentat ein, bei dem ein rechtsextremer US-Amerikaner eine 32-jährige Demonstrantin tötete.

In anderen Videos von »E;R«, die mittlerweile von YouTube gelöscht wurden, finden sich Reden von Adolf Hitler und antisemitische Beleidigungen. Zudem war der Youtuber eine Zeit lang auf der Plattform Gab unterwegs, die als Sammelbecken für Rechtsextreme und Verschwörungstheoretiker gilt.

»E;R« hatte nach der Empfehlung etwa 15.000 neue Abonnenten dazugewonnen. Das Video von PewDiePie wurden von einschlägigen Webseiten aufgegriffen und teils deutlich kritisiert. Kjellberg hat mittlerweile die entsprechende Stelle im Video herausgenommen und in einem neuen Video angegeben, dass er nichts über diesen äußerst problematischen Hintergrund von »E;R«-Videos wusste.

Ubisoft-Mitarbeiterin erlebt Shitstorm

Dianna Lora kritisierte ebenfalls das Verhalten von PewDiePie. In einem Tweet schrieb sie:

"»Genug ist genug. Gaming-Industrie: Ich brauche euch, um dem Typen ein Ende zu bereiten. Du weißt GENAU, wer du bist. Beendet die Verbindungen mit ihm... JETZT.« "

Dieser Tweet ist mittlerweile von ihr gelöscht worden. Einige Fans von Kjellberg haben diese Nachricht als Morddrohung missverstanden und diverse Ubisoft-Kanäle mit entrüsteten Botschaften überhäuft, darunter auch die Accounts von The Divison 2. Es scheint jedoch sehr unwahrscheinlich, dass eine Ubisoft-Mitarbeiterin zum Mord an einen Youtuber aufruft. Vielmehr wollte sie erreichen, dass kein Entwicklerstudio mehr PewDiePie unterstützt.

In der Vergangenheit hatte der mit 77 Millionen Abonnenten weltweit größte Youtuber immer wieder für Skandale gesorgt. Dabei ging es häufig um rassistische Witze und antisemitische Inhalte. Campo Santo, die Entwickler von Firewatch, erreichten die Löschung eines Let`s Play von PewDiePie, nachdem dieser eine rassistische Beleidigung während eines Livestreams benutzte.

Die PewDiePie-Fans riefen zum Boykott von The Division 2 auf, nachdem sie eine Nachricht einer Ubisoft-Mitarbeiterin missverstanden. Die PewDiePie-Fans riefen zum Boykott von The Division 2 auf, nachdem sie eine Nachricht einer Ubisoft-Mitarbeiterin missverstanden.

Ubisoft stellt sich hinter die Entwicklerin

Gegenüber Segmentnext bestätigte Ubisoft, dass sie Dianna Lora nicht gefeuert hätten, wie einige Gerüchte besagten:

"Wir respektieren und unterstützen das Recht unserer Mitarbeiter, ihre Meinung zu Problemen innerhalb unserer Industrie zu äußern. Das ist eine interne Angelegenheit und wir werden das nicht weiter kommentieren."

Auf Twitter hat sich Lora auch selbst wieder gemeldet und nochmal einmal klar gestellt, dass sie ihre eigene Meinung kundgetan hätte:

"Hey ihr alle. Es war eine ziemlich wilde Woche. Eins sollte klar sein, ich bin kein ComDev und meine Social-Media-Profile spiegeln meine persönlichen Meinungen wider, nicht die von Massive oder Ubisoft. Ich bin gerade mit der Auslieferung eines Spiels beschäftigt, und bald kommen die Feiertage. Daher nehme ich mir eine Auszeit von den sozialen Medien und konzentriere mich auf meine Arbeit, meine Familie und meine Katze. Frohe Feiertage, euch allen!"

Der Fall erinnert ein wenig an die Entlassung einer ArenaNet-Mitarbeiterin vom Sommer 2018. Hier kam es auch zu einem Streit auf Twitter, was zur Folge hatte, dass das Guild-Wars-Studio die betreffende Entwicklerin feuerte. ArenaNet stand daraufhin in der Kritik, einem toxischen Teil der Community Recht zu geben.

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Ubisoft-Entwicklerin kritisierte PewDiePie wegen kontroverser Kanal-Werbung

Quellen:The Verge, Segmentnext, Spiegel

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