Rainbow Six: Siege - Ubisoft verteidigt Grind wie einst EA in Battlefront 2

"Stolz und Errungenschaft" nannten EA einst als Grund für den langen Grind in Battlefront 2. Nun nahm Ubisofts Community Manager sehr ähnliche Worte in den Mund. Die Reaktion der Community folgte prompt.

von Mathias Dietrich,
10.10.2018 09:30 Uhr

Ein Mitarbeiter von Ubisoft wählte seine Worte etwas ungeschickt und verfasste einen Beitrag der EAs Verteidigung von Battlefront 2 stark ähnelt.Ein Mitarbeiter von Ubisoft wählte seine Worte etwas ungeschickt und verfasste einen Beitrag der EAs Verteidigung von Battlefront 2 stark ähnelt.

Neue Helden oder Operatoren in Multiplayer-Shootern freizuschalten kann ein ganz schön langes Unterfangen sein. In Rainbow Six: Siege zum Beispiel braucht man offenbar bis zu einem Jahr, um alle Operator freizuschalten, zumindest solange man sie nur mit erspielter Ingame-Währung und nicht gegen Echtgeld erwirbt.

Was sich für manch einen nach monatelangem Grind anhören mag, ist in den Augen von Ubisoft offenbar nichts Verwerfliches. Ganz im Gegenteil: Ein PR-Mitarbeiter des Publishers erklärt jetzt auf Reddit, dass das langwierige Freischalten von Operatoren in den Spielern ein Gefühl von Stolz erwecken solle, weil sie etwas errungen haben. Mit seiner Wortwahl erinnert er dabei sehr an die Aussagen von EA zum Thema Grind in Star Wars: Battlefront 2 und die Community ist dementsprechend auch nicht besonders begeistert von dem Aussagen von Ubisoft.

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»Es ist eine Errungenschaft, auf die er stolz sein sollte«

Hier der komplette Hintergrund: Auf Reddit postete ein Spieler von Rainbow Six: Siege einen Beitrag mit dem Titel »Nach ungefähr einem Jahr habe ich endlich alle Operatoren mit Ansehen freigeschaltet.« Eine stolze Leistung. Mit Reddits-Voting-Funktion drückte die Community auch direkt ihre Anerkennung aus. Damit wird der Beitrag prominenter und mehr Leute können ihn sehen. Eine dieser Personen war Ubisofts Community Manager UbiNoty, der auch eine Antwort hinterließ:

"Es ist eine Errungenschaft und er/sie sollte stolz darüber sein, was er/sie erreicht haben.

Fortschritt ist eine elementare Mechanik in allen Spielen und das Freischalten von Operatoren ist Teil von Siege's Gameplay-Rahmen. Progression, Ziele, Erfolge sind das tägliche Leben von Videospielen und sie sorgen dafür, dass es etwas gibt, auf das man hinarbeiten kann. Während es in PvP Spielen wie Siege weniger relevant ist, wäre es sehr viel weniger erfüllend, wenn wir einfach jedem Spieler alle Operatoren geben würden (und es wäre auch unfair gegenüber Season-Pass-Besitzern)."

Vergleiche mit EAs berüchtigten »Pride and Accomplishment«-Kommentar zu Battlefront 2 liesen nicht lange auf sich warten. Immerhin bietet auch Rainbow Six: Siege die Möglichkeit die neuen Operatoren nicht zu ergrinden, sondern einfach zu kaufen. Reddit-Nutzer »workingishard« beispielsweise antwortete:

"Eine aktualisierte Version des bewährten »Stolz und Errungenschaft« Arguments! Du hast alle Hände voll zu tun um -667k Votes zu bekommen und den Rekord zu brechen. Viel Glück!"

Gleichzeitig verlinkte er EAs berüchtigten Beitrag, der bis heute insgesamte 667.820 Downvotes der Community kassiert hat und damit der unbeliebteste Beitrag auf der gesamten Plattform ist. UbiNoty's Worte waren also nicht gerade Weise gewählt, zumal die Spieler auch in Rainbow Six: Siege einige Stunden benötigen um neue Charaktere freizuschalten.

Wie funktioniert der Grind in Rainbow Six: Siege?

Rainbow Six: Siege gibt es einmal als Starter-Edition, mit der ihr 6 Operatoren bekommt. Die werden zufällig aus dem Pool der 20 Operatoren gewählt, mit denen das Spiel im Jahr 2015 erschien. Jeder weitere Basis-Operator kostet 12.500 Ansehen (Renown). Einen DLC-Operator gibt es für 25.000 Ansehen. Diese Edition ist die Ausnahme. Bei allen anderen startet ihr direkt mit allen 20 Basis-Operatoren. Die DLC-Ops kosten auch hier 25.000 Ansehen.

Ansehen wiederum bekommt ihr nach jedem Match. Ganz grob gerechnet gibt euch ein Sieg 250-300 und eine Niederlage immerhin noch 100-150. Die Werte schwanken je nach Matchdauer und wie viele Punkte ihr persönlich erreichen konntet. Wenn ihr ein sehr langes Match gewinnt und entsprechend viele Punkte einheimsen konntet, dann bekommt ihr bei einem Sieg auch mal 400 Ansehen.

Wer in Rainbow Six: Siege gut ist, kommt schneller an neue Operatoren.Wer in Rainbow Six: Siege gut ist, kommt schneller an neue Operatoren.

Als Alternative könnt ihr den Grind, wie sollte es auch anders sein, einfach mit der Echtgeldwährung R6-Credits abkürzen. 300 (Basis-Operatoren) bzw. 600 (DLC-Operatoren) will Ubisoft sehen. Umgerechnet sind das 5,00 Euro und 10,00 Euro.

Mit der Standard-Edition seid ihr allerdings für die meisten Situationen ziemlich gut ausgerüstet, weswegen Rainbow Six: Siege bisher nicht in der Kritik für ein Pay2Win-System stand. Auch in unserem Test empfanden wir das System als fair. Unsere gesamte Argumentation könnt ihr in unserem Nachtest mit einem Klick auf die folgende blaue Schaltfläche lesen:

Rainbow Six: Siege im Test - Taktik in Bestform

Sind die DLC-Ops zu stark?

Die Community beschwert sich bei neuen Charakteren häufiger, dass sie zu stark sind. Zuletzt war das zum Beispiel bei Clash der Fall. Davor standen unter anderem bereits Blackbeard, Ela und Lion in der Kritik. Ubisoft reagierte aber stets nach einiger Zeit mit einem Nerf.

Auch wer nur die 20 Standard-Operatoren nutzt, kann also gewinnen. Zudem unterteilen sich die Charaktere in Angreifer und Verteidiger. Auch einem zu starken Charakter begegnet ihr maximal nur in jeder zweiten Runde.

Wie lang ist der Grind für einen Charakter?

Die Grind-Dauer kann sich von Spieler zu Spieler stark unterscheiden. Es kommt darauf an, wie viele Matches ihr gewinnt und wie viele der optionalen täglichen sowie wöchentlichen Herausforderungen ihr abschließt. Zwei der wöchentlichen Challenges verlangen allerdings stets von euch bestimmte DLC-Operatoren zu nutzen. Je mehr Charaktere ihr besitzt, umso einfacher kommt ihr also an Ansehen.

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Weiterhin habt ihr nach jedem Sieg die Chance eine Alpha-Pack genannte Lootbox mit kosmetischen Gegenständen zu bekommen. Duplikate wandelt Rainbow Six: Siege in die Spielwährung um. Erfolgreiche Veteranen können sich so eine Menge Ansehen anhäufen.

Ubisoft selbst sprechen in ihrer FAQ zur Starter-Edition von 15 Stunden Grind für einen der Basis-Operatoren. Mit ein bisschen Rechnerei ergeben sich dann 30 Stunden Spielzeit um einen der DLC-Charaktere freizuschalten. Bei 22 Zusatz-Operatoren könnt ihr also mit grob 660 Stunden Spielzeit rechnen, um alle freizuschalten.

Diskrepanz zwischen Veteranen und Neulingen

Veteranen haben also wesentlich weniger Probleme an neue Charaktere zu kommen. Sie haben mehr Quellen um Ansehen zu bekommen und außerdem Erfahrung: Sie gewinnen durch größere Map-Kenntnisse und ähnliches häufiger. 50.000 Ansehen in 3 Monaten (in diesem Abstand veröffentlicht Ubisoft stets zwei neue Operatoren) sind für sie kein Problem.

Veteranen haben es aus vielen Gründen einfacher, an Ansehen zu kommen.Veteranen haben es aus vielen Gründen einfacher, an Ansehen zu kommen.

Neulinge hingegen beschweren sich zumindest auf Reddit häufiger über den Grind. Immerhin gibt es seit dem Release von Maverick und Clash ganze 22 DLC-Charaktere und damit mehr als Basis-Operatoren. Wer jetzt mit dem Spiel anfängt muss 550.000 Renown für alle Mitglieder der Spezialeinheit farmen. Das dürfte einen etwas länger als drei Monate beschäftigen. Und wenn ihr dieses Ziel erreicht habt, sind höchstwahrschienlich schon die nächsten Charaktere im Spiel.

Erst kürzlich reagierte Ubisoft mit einem Sale und senkte alle Operatoren des ersten Jahres kurzzeitig um 40%. Noch bis zum 9. März 2019 bekommt ihr die Operatoren aus dem ersten Season-Pass für 15.000 Ansehen oder 360 R6-Credits.

Ubisoft reagierte bereits

UbiNoty hat seinen Beitrag bereits um eine Erklärung erweitert, die ihm aber nicht weniger Kritik einbringt. In seinem Nachtrag sieht er ein, dass sein Beitrag dem von EA etwas zu ähnlich ist. Weiterhin betont er, dass wohl niemand dem Poster des Threads seine erreichte Leistung absprechen kann. Auch sei Grind an sich kein Erfolg und Ubisoft arbeitet daran diesen Faktor abzuschwächen.

Der Post hat zum aktuellen Zeitpunkt 90 Downvotes erreicht. Die Antworten kritisieren Ubisoft dennoch dafür eine Methode anzubieten, den Grind mit Geldeinsatz zu umgehen.

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