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Inhaltsverzeichnis

Seite 15: Von Evil Dead bis Psycho - Die 75 besten Horrorfilme aller Zeiten

Platz 5: Die Nacht der lebenden Toten

(George A. Romero, USA 1968)

Mit seinem 1968er Klassiker des Zombie-Films versetzte George A. Romero dem Genre eine Kehrtwende, deren Kurs bis heute eingehalten wird. Bevor er die lebenden Toten hier durchs Herzland von Amerika wandeln ließ, galten die lahmen Schergen als kolonialismuskritische Metaphern, die meist auf afrikanischer oder karibischer Folklore basierten und in frühen Horrorfilmen wie "Das Cabinet des Dr. Caligari", Victor Halperins Klassiker White Zombie oder I Walked with a Zombie als willenlose Helfer skrupelloser gehirnwaschender Gurus oder Strippenzieher ihre Dienste verrichteten. Mit Romero kam ein neuer, eher virologischer Aspekt hinzu, der den Zombie-Mythos mit Vampir-, Kannibalismus- und Werwolf-Versatzstücken vermischte. Wer von einem Untoten - früher mussten Zombies auch nicht zwangsläufig tot sein - gebissen wurde, wurde über kurz oder lang selbst zum fleischfressenden Monstrum, das auf seine Mitmenschen losgeht. Während er sich in Zombie der Konsumhörigkeit zuwandte und in Zombie 2 dem aufkommenden und auf der Armut der Massen bauenden Reagan-Kapitalismus der 80er widmete, brandmarkt er in seinem Trilogie-Auftakt den Krieg des Staates gegen die eigenen Bürger und die Bürgerrechtsbewegung. Nicht zu Unrecht sind die Helden von Romeros Trilogie stets Frauen oder Afroamerikaner, jene Gruppen also, die im vergangenen Jahrhundert am stärksten um ihre Rechte kämpfen mussten. Zusammen mit seinen Fortsetzungen ist Romeros kämpferische und offen politische Zombie-Trilogie eine düstere und zivilisationskritische Bestandsaufnahme der westlichen Welt.

Platz 4: Die Teuflischen

(Henri-Georges Clouzot, Frankreich 1955)

Ein Horrorfilm ist nicht auf Mumien, Monster und Mutationen angewiesen, um sein Publikum an der Hand zu ergreifen und ins Reich der Albträume zu entführen. Der wahre Horror hier ist die menschliche Natur, die auf Gier, Lust, Hass und Angst gebaut ist und deren dunkle Seiten immer wieder ausbrechen. Regielegende Henri-Georges Clouzot (Lohn der Angst) fand schon im Jahre 1955 bedrückende Bilder für einen Höllenritt ins Herz der Paranoia und des Wahnsinns. Er brauchte weder übersinnliches Hokuspokus, noch graphische Extreme, um dem Publikum eisige Schauer über den Rücken zu jagen. Hier reichen schon zwei Frauen, die Gattin und die Geliebte eines sadistisch veranlagten Internatsdirektors, die gemeinsame Sache machen, um den Tyrannen zu ermorden. Als die Leiche jedoch verschwindet und beide Frauen mit anonymen Briefen terrorisiert werden, weben der Wahnsinn, die Schuld und die nackte Panik ein Spinnennetz um sie, dem sie nicht mehr entkommen können. Clouzots Klassiker ist ein Meilenstein des leisen Horrors.

Platz 3: Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

(Ridley Scott, Großbritannien/USA 1979)

Es existieren zwei Möglichkeiten: Entweder sind wir allein im Universum oder wir sind es nicht. Beide Vorstellungen sind beängstigend, erkannte der Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke. Ridley Scott entschied sich mit Alien für die zweite Möglichkeit und macht seinem Publikum eindrucksvoll deutlich, wie furchteinflößend diese sein kann. Die Besatzung des Raumschiffs Nostromo wird durch ein SOS-Signal auf einen unbekannten Planeten gelockt. Dort angekommen krallt sich ein aus einem Ei geschlüpftes Wesen ans Gesicht eines Crewmitglieds - ein sogenannter Facehugger. Für die Aliens erdachte man sich aber nicht nur diese unangenehme Gesichtsmaske. Das fremde Wesen wächst, durchläuft eine komplette Evolutionsstufe und macht fortan Jagd auf die Besatzung. In der Fortsetzung erfährt man, jedes Alien könne zur brütenden Königin werden, was den sogenannten Xenomorphs eine gewisse Weiblichkeit verleiht. Frauenpower ist ohnehin eines der Hauptthemen der Filmreihe, Sigourney Weaver als toughe Ripley ist das Paradebeispiel einer wehrhaften Actionheldin. Und nebenbei werden sogar noch philosophischen Fragen aufgeworfen. Somit bietet das bahnbrechende Meisterwerk Alien nicht nur tiefsinnigen Mehrwert, sondern macht ein wiederholtes Ansehen auch ratsam.

Platz 2: Psycho

(Alfred Hitchcock, USA 1960)

Der beste Freund eines Jungen ist seine Mutter. Als die junge flüchtige Diebin Marion Crane (Janet Leigh), die ihrem aussichtslosen Leben mit einer Unterschlagung von Firmengeldern und einer Flucht ins Ungewisse entrinnen möchte, diesen Satz aus dem Mund des schüchternen, zur Einsiedelei neigenden Motelbesitzers Norman Bates (Anthony Perkins) hörte, hätte sie lieber gleich das Weite gesucht. Stattdessen entschloss sie sich, eine Dusche zu nehmen, was filmgeschichtlich bekannte Konsequenzen hatte. Was soll man zu Alfred Hitchcocks brillantem Thriller noch schreiben, was nicht schon tausendfach geschrieben wurde und noch heute das Blut in den Adern gefrieren lässt? Vielleicht, dass alle Hymnen und Heiligsprechungen dieses gewitzten und doppelbödigen, lose auf den Taten des echten Serienkillers Ed Gein basierenden Schockers vollends gerechtfertigt sind und dass der voluminöse Thriller-Maestro Hitchcock mit diesem mutigen Klassiker nicht nur die Blaupause für das Slasher-Genre, sondern auch einen frühen Meilenstein in Sachen Twist gesetzt hat. Vor einem Mann, der den Mut oder den Wahnsinn besitzt, zur Halbzeit seine Hauptdarstellerin über die Klinge springen zu lassen, sollte man sich in Acht nehmen. Das gleiche gilt für diesen Film.

Platz 1: Shining

(Stanley Kubrick, Großbritannien/USA 1980)

Wenn man Stephen King fragt, mit welcher der gefühlt zahllosen, beileibe nicht immer gelungenen Verfilmungen seiner Werke er am wenigsten anfangen kann, nennt er bis heute Stanley Kubricks The Shining als seinen persönlichen Hassfilm. Eine Meinung, mit der er wohl gänzlich allein dasteht. Von der Ansicht Kings abgesehen, wird Kubricks Trip ins Herz des Wahnsinns eines manisch-depressiven Schriftstellers, der mitsamt seiner Familie über die Wintermonate ein verschneites Hotel in Schuss halten soll und dabei endgültig dem Irrsinn anheimfällt, zurecht als eine der unerreichten Kronen des Horror-Kinos angesehen. Kings Unmut basiert darauf, dass Kubrick seinerzeit keinerlei Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller hegte und stattdessen eine ganz eigene Vision des Stoffes umsetzte ... und mit seinem Riecher (wie immer) vollkommen Recht behielt. Mit der ihm eigenen Perfektion sponn der legendäre Bilderstürmer hier ein faszinierendes Garn schleichender Bedrohung, das sich langsam um den Hals des Zuschauers legt, um dann mit voller, gnadenlosen Wucht zugezogen zu werden. Mit chirurgischer Präzision wird hier eine Atmosphäre der Gefangenschaft und des stückweisen Abdriftens in Wahnvorstellungen, Panik und schließlich nackten Terror kreiert.

Bei Shining stimmt jedes Detail - vom brillanten Score, zu dem neben Wendy Carlos (Tron) auch der polnische Avantgarde-Komponist Krzysztof Penderecki mit düsteren Sounds beigetragen hat, über die schwebende Kamera John Alcotts, die wie ein böser Geist durch die Hallen und Hotelflure schwebt, bis zu den Darstellern wie Jack "Heeeeeere's Johnny!" Nicholson und der in Schrecken aufgelösten Shelley Duvall als terrorisierte Ehefrau. Noch heute ist die Wucht, mit der das Nervenkostüm des Publikums hier in Fetzen gerissen wird, beeindruckend. Stephen King darf über "Shining" lästern, da er die Romanvorlage geliefert hat - alle anderen müssen Kubricks grenzgenialen Schocker als das Meisterwerk anerkennen, das es ist!

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