Manchmal weiß ich selbst nicht, was ich von Sales halten soll. Oft genug denk ich mir: »Ahjo, wie nett. Da spart man doch ein wenig Geld. Guck mal hier, Topflappen für 5 statt 10 Euro. Schön.« Kaufen will ich die Topflappen dann in der Regel trotzdem nicht.
Noch öfter ärgere ich mich aber auch maßlos über solcherlei »Events«. Vor allem ärgere ich mich dann über die Menschheit, die gefühlt aufgrund von ein paar Rabatten kollektiv den Verstand verliert und sich die Taschen mit Dingen vollstopft, die sie vielleicht, irgendwann, in der fernen Zukunft oder gar für die Nachkommen gebrauchen kann.
Aber ich will hier jetzt gar nicht groß die Faust gegen Himmel recken und eine Brandrede über das Konsumverhalten unserer Gesellschaft halten. Dafür bin ich selbst zu anfällig für Impulskäufe.
Doch während der Amazon Prime Day anscheinend in einigen Haushalt wie eine Art Feiertag begangen wird, lässt mich dieser Sale im Besonderen ganz schön kalt. Und zwar nicht, weil ich absolut vor jeder Verlockung gefeit bin. Die Steam Sales beweisen regelmäßig das Gegenteil.
Sondern weil dieser Sale viele Bedürfnisse erfüllt, aber meine eigenen nahezu komplett ignoriert.
Ich liebe und kaufe gerne Spiele
Für kaum etwas bin ich bei Sales anfälliger als für gute Videospiele. Im Grunde kann mich nichts anderes so richtig aus der Reserve locken, sofern ich nicht gerade in diesem Moment auch wirklich auf der Suche danach bin.
Und wenn ich gerade tatsächlich unbedingt einen neuen Staubsauger brauche, dann habe ich auch nicht die Geduld zu warten, bis eventuell der nächste Prime Day ansteht. Wäre auch in den meisten Situationen Nonsens – im Falle des Staubsaugers würde ich etwa ungern meine Wohnung auf unbestimmte Zeit verfallen lassen.
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Aber bei Spielen oder anderen Hobbys sieht das anders aus. Hier werde ich immer hellhörig, sobald auf Steam neue Angebote reinflattern, oder wenn das Humble Bundle wieder ein tolles Paket schnürt. Und das, obwohl ich schon Redakteur für ein Spiele-Magazin bin. Ich bekomme tatsächlich viele Spiele auch einfach überreicht, ganz frei von jeglichen Kosten.
Trotzdem aktiviert der Kauf eines Spiels in meinem Kopf noch immer diese kindliche Freude, die ich kenne, seit ich das erste Mal ein Spiel zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Ich liebe eben Videospiele und Sales sind für mich eher ein Anreiz, mal etwas Neues auszuprobieren. Gelegentlich nutze ich diese Chance aber auch, um in meinen Augen unvollständige Sammlungen zu vergrößern.
Beispielsweise habe ich mir letztens im Zuge eines Sales (Kollege Dimi war an diesem Kauf nicht ganz unschuldig) Total War: Thrones of Britannia zugelegt. Gar nicht, weil ich plante, dieses Spiel sofort zu zocken. Aber als Fan dieser Reihe wollte ich die Gelegenheit nutzen, diesen vakanten Platz in meiner Bibliothek noch zu füllen. Das hat sich für mich gut und richtig angefühlt und ich bereue den Kauf (bislang) nicht. Obwohl der Teil keine von Total Wars Glanzstunden darstellt:
11:31
Total War Saga: Thrones of Britannia - Test-Video: Glorreiche Rückkehr ins Mittelalter?
Natürlich bedeutet das oft auch, dass ich tatsächlich Geld für etwas ausgebe, was ich gerade gar nicht brauche. Etwas, das ich auch gar nicht plane in absehbarer Zeit zu spielen. Aber bei Spielen weiß ich meistens, dass ich mich früher oder später tatsächlich darum bemühe. Spiele zu besitzen, bietet mir zusätzlich durchaus eine Form von Sammelspaß. Selbst wenn sie nur digital irgendwo rumliegen.
Der Prime Day lohnt sich nicht für mich
Eventuell sehen das erfahrene Schnäppchenjäger anders als ich – aber meine Güte, ich fühle mich als Gamer von Amazon ganz schön allein gelassen. Gerade, weil ich vor allem für Spiele zu begeistern bin. All der andere Kram, den es bei Amazon aktuell abzugreifen gibt, interessiert mich nicht die Bohne. Und ich finde es erstaunlich, dass Amazon was Gaming angeht, hier im Vergleich extrem hinterherhinkt.
Vielleicht gibt es dafür konkrete Gründe, doch ein Blick in das Angebot lässt mich als erfahrenen Steam-Sale-Veteranen nur müde lächeln. Und ja, Amazon ist etwas anderes als Steam oder GOG, die ausschließlich PC-Spiele verkaufen. Aber irgendwie auch nicht, immerhin produziert dieses Unternehmen selbst Videospiele.
Da wäre es vielleicht zu erwarten, während eines global zelebrierten Sale-Events Rabatte für Spiele zu bekommen, die direkt von Amazon entwickelt wurden. Doch wenn ich mir jetzt auf Amazon einen Code für New World kaufen will (warum auch immer man das tun sollte), dann zahle ich dafür dieselben 40 Euro wie an jedem anderen Tag.
Als PC-Spieler bin ich beim Amazon Prime Day sowieso ziemlich arm dran. Wofür soll ich hier denn bitte mein Geld ausgeben? Für Das große Big Fish Abenteuer? Für Das große Jewel-Match-Paket? Oder doch lieber für den Landwirtschaft Simulator … 19? Ach ne, ich habs! Ich kauf mir den Euro Truck Simulator 2 von 2012. Oder doch lieber Spongebob SquarePants: Battle for Bikini Bottom Rehydrated – in der F.U.N-Edition! Das kam immerhin 2020 raus und kostet gerade nur … ah, 184 Euro.
Etwas besser sieht es aus, wenn man sich bei den Konsolen umsieht. Aber selbst hier sind die Preiskürzungen im besten Fall süß. Hier gibt es höchstens mal ein Spiel wie die Mafia: Definitive Edition für 13 Euro abzustauben. Allerdings auch nur für die PS4 und das sind auch eigentlich nur 15 Prozent Rabatt. Mehr als 30 Prozent werdet ihr kaum erspähen und dann auch nur für erstaunlich alte Spiele. Tiny Tina's Wonderland ist um 3 Prozent günstiger – episch.
All das herauszufinden wird euch recht viel Zeit kosten. Denn auf der offiziellen Landingpage zum aktuellen Prime Day gibt es nicht mal eine Kategorie für digitale Spiele. Ich habe verzweifelt nach einem Tab gesucht, der diese Angebote auflistet. Aber bei Software findet ihr nur Steuerprogramme und bei Gaming & Zubehör in erster Linie Mäuse oder Gamepads. Über Querverlinkungen konnten wir in der Redaktion dann schließlich diese Seite hier erspähen, wo euch die oben genannten »Angebote« erwarten.
Es bleibt also dabei, dass ich dem Prime Day eher fern bleibe. Es sei denn, ich will doch noch einen Staubsauger. Übrigens will ich niemandem absprechen, mit den Angeboten derzeit mächtig Spaß zu haben. Auch Gamer können hier auf ihre Kosten kommen – aber nur, wenn ihr gerade neue Hardware im Blick habt. Was das angeht, verweise ich aber lieber an unsere Experten bei GameStar Tech. Die werden euch sagen, was sich derzeit wirklich bei Amazon lohnt.
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