Black Geyser: Eines der spannendsten kommenden Rollenspiele kennt fast keiner

Das Oldschool-Rollenspiel Black Geyser lässt sich von Klassikern wie Baldur's Gate inspirieren und will all ihre Stärken vereinen.

von Elena Schulz,
21.06.2020 09:14 Uhr

Genre: Rollenspiel | Entwickler: GrapeOcean Technologies | Plattform: PC | Release: 2020

Wer hätte gedacht, dass die nächsten Jahre so ein Fest für Fans klassischer Rollenspiele werden? Mit Wrath of the Righteous steht ein neues Pathfinder vor der Tür und sogar der Genre-Primus Baldur's Gate wird mit Teil 3 fortgesetzt.

Aber Black Geyser: Couriers of Darkness will nicht nur auf den Zug aufspringen. Das Erstlingswerk vom unabhängigen Studio GrapeOcean Technologies kopiert nicht nur das bewährte Spielprinzip, sondern möchte alle Stärken der beliebten Rollenspiel-Klassiker in sich vereinen. Magie, Crafting, Charaktererschaffung, Dialoge, Kämpfe und mehr werden laut Entwickler im Vergleich zu den alten Rollenspiel-Inspirationen ausgebaut und verbessert.

Von ihrem Spiel waren sie schon letztes Jahr überzeugt, als wir für GameStar Plus ein ausführliches Interview mit ihnen führten. Wir fassen euch hier die wichtigsten Infos zusammen und ergänzen alle neuen Details, die wir jetzt im Gespräch mit Studiochef David Zakal erfahren haben. Hier geht's zum Plus-Interview:

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Was macht Black Geyser besonders?

Oldschool hat nichts mit altbacken zu tun. Das bewiesen schon Pathfinder: Kingmaker und Pillars of Eternity mit ansprechender Grafik und deutlich mehr Komfort als früher. Auch die dienten neben den alten Klassikern als Inspiration. Black Geyser will sich aber genau wie die Vorbilder nicht nur mit moderner Optik schmücken. Story und Entscheidungen werden zum Beispiel durch »Gier« bestimmt, statt durch ein klassisches Moralsystem.

Die Gier als dunkle Macht der Göttin Zornilsa verändert das Fantasy-Königreich Isilmerald. Sie löst Korruption und Kriege aus, macht einst friedliche Bürger unberechenbar und lässt sie ihre Heimat nach und nach von innen zerstören - nur für ein paar Münzen.

Mit einer fünfköpfigen Rollenspiel-Party können wir uns der Gier entweder entgegenstellen oder uns selbst das größte Stück vom Kuchen sichern. Wer gierig ist, ist aber nicht zwangsläufig böse: Wenn ihr nur lukrative Quests annehmt und Tempeln kein Geld spendet, handelt ihr vielleicht nur wirtschaftlich klug und nicht moralisch verwerflich. Ob ihr der Gier nachgebt oder nicht, beeinflusst aber die Welt und die Geschichte.

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Auch bei konkreten Features wollen die Entwickler frischen Wind reinbringen. Beispielsweise dürfen Taschendiebe ihren Opfern Gegenstände in die Tasche stecken, statt nur etwas zu klauen. Damit könnt ihr zum Beispiel geschickt Wachen gegeneinander ausspielen, indem ihr den vorher präparierten Gesellen als Dieb beschuldigt.

Neben Tränken dürft ihr außerdem nützliche Pulver herstellen oder per Zauber je nach Kampfsituation automatisch in die Haut einer passenden Formwandler-Kreatur schlüpfen. Oder ihr müsst mächtige Items erst von einem lästigen Fluch befreien lassen, bevor ihr sie gefahrlos einsetzen könnt (was es allerdings auch schon in Baldur's Gate gab).

Trotz Iso-Perspektive bietet Black Geyser viel Liebe zum Detail. Trotz Iso-Perspektive bietet Black Geyser viel Liebe zum Detail.

Das Gameplay-Intro der Entwickler stellt die Mechaniken des Rollenspiels im Video vor:

Die wichtigsten Features von Black Geyser auf einen Blick:

  • Ihr steuert eine Party von bis zu fünf Charakteren (inklusive Held) aus der Iso-Perspektive, könnt aber auch allein losziehen. Gemeinsam absolviert ihr Quests, führt Dialoge und befreit Dungeons vom Einfluss der Gier.
  • Ihr dürft im Rollenspiel auch Romanzen eingehen. Darüber lernt ihr eure Mitstreiter in Gesprächen besser kennen, die sie untereinander während der Reise führen.
  • Kämpfe finden in Echtzeit mit Pausefunktion statt. Eure Charaktere leveln auf und erlernen dabei neue Fähigkeiten.
  • Ihr folgt einer tiefgreifenden Geschichte voller Dialoge und Figuren, dürft aber auch viele unterschiedliche Areale von friedlichen Dörfern bis hin zu Verließen tief im Untergrund erkunden.
  • Die »Gier« steht für das Moralsystem im Rollenspiel. Je nachdem, wie ihr handelt oder euch bewusst entscheidet, verändern sich Welt und Story. Mit der Gier wächst auch das Chaos, sodass zum Beispiel Waren teurer werden können oder NPCs feindseliger. Sie kann euch aber auch Vorteile verschaffen.
  • Das Spiel stellt 13 Klassen für euren Hauptcharakter zur Auswahl. Diese unterteilen sich noch weiter in Kategorien wie Krieger, Gesetzlose, Priester und Zauberer, die jeweils noch Unterkategorien wie Nekromanten oder Diebe mit eigenen Skills mitbringen.
  • Bei den Rassen wählt ihr zwar klassisch zwischen Menschen, Zwergen und Elfen, es gibt aber noch Varianten wie die weißen Elfen oder die Rillow mit einem besonderen Talent für Alchemie. Generell zeichnet sich jede Rasse durch ihre eigenen Stärken und Schwächen aus. Von den sechs vertretenen sind fünf auch spielbar.
  • Sogar Zauber verfügen über eigene Kategorien wie »Natürlich«, »Spirituell« oder »Rituell«, die jeweils eigene Anforderungen und Effekte mitbringen.

Einen Überblick zu den pausierbaren Echtzeit-Gefechten im Spiel liefert diese Video-Demo zum Kampfsystem:

Für wen ist Black Geyser interessant?

Zum Einen richtet sich Black Geyser natürlich an die Fans von Rollenspiel-Klassikern wie Baldur's Gate oder Icewind Dale, denen Pillars und Co. noch nicht genug an Nachschub waren. Fans von Baldur's Gate können sich laut Entwickler auf einen ähnlichen Fokus auf erinnerungswürdige Figuren freuen. Außerdem gibt es nicht nur ernste und epische Momente im Spiel, sondern eben auch leichte und humorvolle.

Durch die schicke Grafik und insgesamt komfortablere Aufbereitung als früher könnte Black Geyser zum Anderen aber auch Fans moderner Rollenspiele ansprechen, denen die Klassiker von damals zu sperrig und optisch veraltet daherkommen - ganz ähnlich, wie es auch ein Pathfinder 2 versucht.

Ihr solltet auf jeden Fall bereit sein, euch in komplexe RPG-Systeme einzuarbeiten und viel Zeit mitbringen: Auch wenn für Black Geyser noch keine konkrete Spielzeit bekannt ist, schlagen CRPGs in der Regel mit 100 Stunden und mehr zu Buche.

Black Geyser: Couriers of Darkness - Screenshots ansehen

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Stärken von Black Geyser

  • Weil Black Geyser komplett ohne Publisher entsteht, kann sich der Entwickler kreativ voll austoben und das Feedback der Community einarbeiten. Durch Investoren und die erfolgreiche Kickstarter-Kampagne herrscht aber trotzdem keine Geldnot.
  • Das Gier-System klingt spannend, weil es deutlich mehr Grauzonen ermöglicht als ein simples »Gut gegen Böse«. Es orientiert sich ein wenig an der klassischen »Chaotisch-Gut-Ausrichtung« in Dungeons & Dragons, ist aber stärker mit Welt und Story verknüpft.
  • Obwohl das Universum noch neu ist, wirkt die Hintergrundgeschichte rund um eine finstere Göttin und ein zerfallendes Land bereits sehr dicht und ausgereift - mehr dazu lest ihr auf der Webseite des Spiels.
  • Optisch erinnert Black Geyser stark an Pillars oder Pathfinder. Die Menüs wirken komplex, aber aufgeräumt. Trotz Draufsicht trumpfen die Umgebungen außerdem mit vielen Details und atmosphärischer Beleuchtung auf.
  • Die bisher gezeigten Dialoge wirken gut geschrieben und liefern unterschiedliche Antwortvarianten. Auch die Möglichkeit, Beziehungen einzugehen, Gespräche seiner Kameraden mitzuverfolgen oder die Story-Prämisse rund um eine von Gier zerfressene Welt bieten Potenzial für interessante Geschichten - selbst wenn es ohne Voll-Vertonung viel zu lesen gibt.
  • Die zahlreichen unterschiedlichen Klassen, Fähigkeiten und Zauber versprechen Flexibilität und viele spannende Kombinationen, die bei Entscheidungen und in den Echtzeit-Kämpfen zum Einsatz kommen.

Einen Eindruck von Dialog-System, unterschiedlichen Arealen und mehr liefert dieser rund 20-minütige Questausschnitt mit Material aus der kommenden Beta:

Schwächen von Black Geyser

  • Der fehlende Publisher kann nicht nur einen Vorteil, sondern auch ein Riskio darstellen: Durch Investoren und Kickstarter-Geld sind die Entwickler kreativ zwar deutlich freier und finanziell abgesichert, laufen aber vielleicht auch Gefahr, sich in zu vielen Ideen und Ambitionen zu verzetteln.
  • Ein so großes und komplexes Rollenspiel voller ineinandergreifender Systeme bugfrei zu veröffentlichen stellt außerdem eine große Herausforderung da, mit der sich das Studio bei seinem Erstlingswerk übernehmen könnte.
  • Immerhin musste Black Geyser nun schon mehrmals verschoben werden. Während ursprünglich der Release für April 2020 geplant war, soll im Juni jetzt überhaupt erst die Beta für Unterstützer an den Start gehen, weil noch Feinschliff betrieben werden musste. Schuld ist allerdings die aktuelle Pandemie, die das noch junge Studio vor viele Herausforderungen stellt. Die Beta für die Backer soll nun aber wirklich Ende Juni bei Steam und GOG starten.

Was steckt in der kommenden Beta?

In der Closed Beta für Backer steht euch die Minenstadt Deron-Guld offen. Sie liegt im Süden von Isilmerald und fungiert als Hauptstadt der Rebellion gegen den König. Wenn unsere Helden dort ankommen, soll es bereits sehr schlecht um die Anwohner stehen. Das Gier-System ist in der Beta noch limitiert, weil sich der Effekt vor allem im großen Ganzen und im Rahmen der Hauptgeschichte zeigt. Die Handlung der Beta beschränkt sich aber auf einen frühen Abschnitt aus dem zweiten Story-Kapitel.

Potenzial | Sehr gut

Elena Schulz
@Ellie_Libelle

Die oben genannten Schwächen sind eher potenzielle Risiken, die ein Problem für Black Geyser werden könnten. Insgesamt präsentiert sich das Rollenspiel von einem kleinen Indie-Studio beeindruckend komplex und umfangreich. So kann es, wenn alles so läuft wie geplant und die baldige Closed Beta überzeugt, durchaus ein echter Überraschungs-Hit für Fans von Baldur's Gate und Co. werden. Wie die Entwickler mir verraten haben, soll Black Geyser außerdem noch über den Launch hinaus durch zwei große DLCs unterstützt, weitererzählt und verbessert werden.

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