Meinung: Das Lootbox-Versprechen ist der richtige Weg für CoD Modern Warfare

Activision scheint den ebenso lukrativen wie umstrittenen Supply Drops den Rücken zu kehren. Für Phil hat Call of Duty damit einen Wendepunkt erreicht.

von Philipp Elsner,
23.10.2019 15:40 Uhr

Call of Duty: Modern Warfare setzt auf einen Battle Pass in einer kostenlosen und einer Premium-Variante. Call of Duty: Modern Warfare setzt auf einen Battle Pass in einer kostenlosen und einer Premium-Variante.

»Keine Lootboxen in Call of Duty« - dieses Versprechen gab Activision in einem offiziellen Blogeintrag. Statt den in der Community inzwischen verhassten Supply Drops, soll es im neuen Modern Warfare einen Battle Pass geben, der ausschließlich kosmetische Inhalte freischaltet.

Waffen, Attachments und andere Elemente, die das eigentliche Gameplay und die Balance beeinflussen, sollen zudem allesamt erspielbar sein, statt hinter der Paywall oder einem perfiden Glückspielsystem zu verschwinden. Für mich klingt das nach großartigen Neuigkeiten!

Ein Battle Pass wie in Apex Legends oder auch in Fortnite ist für mich eine faire Lösung. Denn erstens sieht man vor dem Kauf ganz genau, was man für sein Geld bekommt und zweitens handelt es sich ausschließlich um Skins oder andere kosmetische Items. Ob man dafür Geld ausgeben will oder sollte, steht zwar auf einem anderen Blatt - für mich ist aber folgende Aussage aus dem Blog wichtig:

"Wir führen ein Battle-Pass-System ein, kein Lootbox-System. Sämtlicher funktionaler Content wird freigeschaltet, indem man einfach nur das Spiel spielt. Dazu zählen Basis-Waffen oder Attachments."

Und mit Basis-Waffen sind hier offenbar alle Waffen im Spiel gemeint, auch die aus zukünftigen DLCs! Ausgenommen davon sind Waffen-Blaupausen - das sind Waffen-Varianten, die sich aber nur rein optisch von den anderen Knarren unterscheiden.

Kein Pay2Win-Alarm

Damit macht CoD: Modern Warfere endlich eine klare Trennung zwischen kosmetischen Veränderungen und tatsächlichen Ingame-Werten wie Schaden, Nachladegeschwindigkeit oder Reichweite. Wenn jemand für Ersteres Geld bezahlen will, nur zu. Bei Letzterem gehen bei mir aber alle Pay2Win-Alarmglocken los. Vor allem dann, wenn Waffen in einem Lootbox-System wie dem von Black Ops 4 verschwinden, das Käufer komplett abhängig vom Zufall (und verschwindend geringen Dropchancen) macht.

In Call of Duty: Modern Warfare lassen sich ausnahmslos alle Waffen im Spiel freischalten. Ihr braucht kein Echtgeld ausgeben, um an exklusive Schießeisen ranzukommen. In Call of Duty: Modern Warfare lassen sich ausnahmslos alle Waffen im Spiel freischalten. Ihr braucht kein Echtgeld ausgeben, um an exklusive Schießeisen ranzukommen.

Sowas darf nie wieder passieren, das hat die CoD-Community ausreichend klar gemacht. Große Youtuber wie TheXclusiveAce oder Drift0r haben angekündigt, sich für immer von der Marke zu verabschieden, sollten Supply Drops erneut zurückkehren. Und das kann ich komplett nachvollziehen.

Fans haben längst andere Monetarisierungs-Modelle akzeptiert, zum Beispiel die von Rainbow Six: Siege, Overwatch oder PUBG. Dort zahlt man für Skins, aber nie für neue Waffen, Maps oder anderen handfesten Content. Nur Call of Duty hielt noch an der veralteten Vorstellung fest, dass Lootboxen mit Ingame-Vorteilen eine gute Idee seien. Und endlich scheint diese alte Denkweise aufzuweichen.

Der Autor: Welches Call of Duty ist das beste? Für Phil ganz klar: CoD 4 Modern Warfare aus dem Jahr 2007! Die mitreißende Singleplayer-Kampagne hat sich mit ihren denkwürdigen Momenten vom SAS-Trainingsparcours bis zur berüchtigten Stealth-Mission All Ghillied Up für immer in sein Gamer-Gedächtnis gebrannt und den Multiplayer spielte er noch jahrelang online und auf LAN-Partys. Fast schon unrealistisch hoch sind dementsprechend seine Erwartungen an das neue Modern Warfare: Findet die Story ein gutes Gleichgewicht zwischen Spannung, Action und Kriegsdrama? Wird der Multiplayer wieder für Monate oder gar Jahre spannend bleiben? Eins steht für Phil jedenfalls schon nach der Beta fest: Crossplay ist die Zukunft.

Nicht der Release entscheidet

Nun ist es nicht das erste Mal, dass CoD-Spielern ein faires System ohne Lootboxen versprochen wird. Nach wie vor sind viele Spieler skeptisch, ob sie den Verheißungen glauben schenken sollen - oder ob nicht doch wieder Supply Drops ins Spiel zurückkehren, sobald die Testwertungen vergeben und ein paar Monate ins Land gezogen sind.

Warum sollte Activision auf ein so unverschämt lukratives System wie die Supply Drops freiwillig verzichten, wenn man doch jedes Jahr Milliarden mit Mikrotransaktionen macht? Was in Zukunft passieren wird, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Und klar ist auch, dass sich das Schicksal von Modern Warfare nicht zum Launch entscheiden wird - sondern in den Monaten danach. Mich stimmt aber folgender Absatz im Blogpost von Activision sehr hoffnungsvoll:

"Es ist verständlich, dass nach wie vor Fragen zur Wirtschaftlichkeit nach dem Release und in den Live-Seasons gibt. Es wird einige Zeit dauern, das zu demonstrieren. Seid versichert, dass wir uns zu einem fairen System nach den hier beschriebenen Prinzipien verpflichten. Wir werden weiterhin das Feedback der Community berücksichtigen, um dieses Ziel zu erreichen."

Für mich klingt diese Nachricht eher nach einem echten Paradigmenwechsel als nach typischen PR-Floskeln á la »Es wird zum Release keine Supply Drops geben«, wie damals vor dem Launch von Black Ops 4.

Activision beim Wort nehmen

Dafür spricht auch, dass mit Treyarch ein anderer CoD-Entwickler die Lootbox-Absage in einem Tweet aufgreift. »Das sind gute Nachrichten für Call of Duty, angefangen mit Modern Warfare«, heißt es dort.

Wird es also auch in künftigen Ablegern einen Battle Pass statt Supply Drops geben? Vieles deutet darauf hin, dass Lootboxen für immer verschwinden werden. Activision-Präsident Rob Kostich soll in einem internen Meeting gesagt haben, er wolle den Ruf seiner Firma als »Microtrans-Activision« endgültig loswerden.

Auch wenn eine große Portion Skepsis bleibt: Die Zeichen standen nie besser für ein gesundes und faires Finanzierungsmodell für Call of Duty. Ein Grund mehr für mich, Activision jetzt wirklich beim Wort zu nehmen und auch nach Release ganz genau hinzuschauen! Denn nach diesem Versprechen kann und darf es nur noch einen Weg für die Marke geben. Nämlich einen fairen.

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