CS:GO - Wegen Kindesmissbrauch verhafteter CS-Erfinder spricht über seinen Fall

Jess Cliffe wurde vor über einem Jahr Kindesmissbrauch vorgeworfen. Nach einem komplizierten Verfahren ist der CS-Erfinder jetzt wieder frei. Und hat wenig Positives zu berichten.

von Dimitry Halley,
07.03.2019 12:03 Uhr

Jess Cliffe hat seinerzeit an der Seite von Minh Le Counter-Strike erfunden. Jess Cliffe hat seinerzeit an der Seite von Minh Le Counter-Strike erfunden.

Anfang 2018 wurde Jess Cliffe verhaftet. Der einstige Mit-Erfinder von Counter-Strike, der unter anderem den berühmten Spruch »Counter-Terrorists Win« vertont hat, soll eine 16-jährige sexuell missbraucht und das Geschehen gefilmt haben. Es folgte ein für Laien recht kompliziertes Rechtsverfahren inklusive kurzer Freiheitsstrafe. Mittlerweile hat Cliffe verbüßt und kommentiert auf Reddit das vergangene Jahr mit verbitterten Worten.

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Was wurde Cliffe vorgeworfen? Über eine Dating-Seite soll Cliffe Kontakt mit einer 16-jährigen aufgenommen haben, es folgten - so zumindest der Vorwurf - mehrere Treffen inklusive sexueller Aktivitäten. 300 US-Dollar habe Cliffe dem Mädchen stündlich gezahlt. Bei ihrem letzten Treffen filmte Cliffe ohne Zustimmung der jungen Frau den Geschlechtsverkehr.

Ein Großteil davon sei gelogen, beteuert Cliffe. Der 37-jährige weist jegliche Vorwürfe zurück, in irgendeiner Form übergriffig gehandelt zu haben:

"Ich habe diese Person niemals gefilmt. Das war von Anfang an eine Lüge. Die Polizei hatte kompletten Zugriff auf mein Handy, ich habe mich einem Test per Lügendetektor unterzogen - und nichts davon bestätigt den Vorwurf. Deshalb wurde ich auch nie für illegales Aufzeichnen von Pornographie angeklagt. Warum man wegen sowas lügen sollte? Das werde ich nie verstehen, aber zumindest kann man mal festhalten, dass diese Person schon andere Männer aufs Kreuz gelegt hat. Vielleicht hat sie mich verwechselt. Sie hat auch bezüglich der Anzahl an Treffen geschwindelt, was bei der Beweismittelprüfung offensichtlich wurde. Es frustriert mich jedes Mal, wenn Leute diesen Vorwurf von illegalem Filmen glauben, obwohl ich nie dafür angeklagt wurde."

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CS:GO - Wegen Kindesmissbrauch verhafteter CS-Erfinder ist wieder frei und gibt ein Statement ab

Warum wurde Cliffe trotzdem verurteilt?

Cliffe wurde Ende 2018 vom US-Gericht für »Assault in the 2nd degree« verurteilt, also schwere Körperverletzung. Nach seinen Angaben war dieser überraschende Schuldspruch Teil eines sogenannten »Alford Plea«. Im Fall eines Alford Plea hält sich der Angeklagte beim ursprünglich vorgeworfenen Verbrechen eigentlich für unschuldig, er fürchtet in der Regel aber, dass die Beweislast das Gericht von seiner Schuld überzeugen könnte.

Deshalb lassen sich die Angeklagten häufig auf einen Deal ein und plädieren in einem alternativen, weniger schlimmen Vorwurf auf »Schuldig«. Prominente Fälle gab es hier in der Vergangenheit, wo Angeklagte das Risiko einer Todesstrafe bei Unschuldsbekennung nicht in Kauf nehmen wollten und deshalb lieber auf »Schuldig« plädierten. Ganz ähnlich beschreibt Cliffe die Situation:

"Die Staatsanwaltschaft schlug mir quasi unmittelbar nach der Beweismitteldurchsicht einen Deal vor. Ich sollte mich der Körperverletzung schuldig erklären. Natürlich habe ich nie jemanden geschlagen, aber Staatsanwälte machen das häufig: Sie schlagen dir eine viel weniger schlimme Anklage vor, weil sie befürchten, vor Gericht zu verlieren. Auch mein Rechtsanwalt glaubte fest an meinen Sieg. [...] Aber da ich unserem Rechtssystem nicht traue und diese Sache einfach abschließen wollte, habe ich dem Deal zugestimmt. Dieser Deal war eine Form des sogenannten Alford Plea."

Cliffe wurde also rechtlich gesehen nie für sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen verurteilt, kann hier nach wie vor auf seine etwaige Unschuld plädieren. Stattdessen bekam er eine Strafe für Körperverletzung. Und die fiel vergleichsweise milde aus.

"Die Staatsanwaltschaft schlug das minimale Strafmaß für die neue, abgemilderte Anklage vor: drei Monate sogenannter Work Release. Der Richter stimmte dem zu. Work Release bedeutet im Prinzip, dass man tagsüber seiner normalen Arbeit nachgeht, aber nachts in einer staatlichen Sicherheitseinrichtung schläft. Da ich aber nicht mehr bei Valve arbeite, konnte diese Strafe nicht angewandt werden. Deshalb musste ich leider in ein ortsansässiges Regional Justice Center, um die Strafe abzusitzen. Durch gutes Verhalten kam ich allerdings schon nach 57 Tagen (also weniger als zwei Monaten) wieder frei. Diese 57 Tage verbrachte ich mit Kaffee Trinken, Blu-Ray Schauen und Aushilfstätigkeiten. Ganz ohne Aufsicht. Da kann man nicht mal im Ansatz von Gefängnis sprechen - für so eine kurze Zeitspanne kann man überhaupt nicht ins Gefängnis, das geht erst ab einem Jahr."

Cliffe wurde im Rahmen der Vorwürfe von Valve suspendiert. In seinem Reddit-Statement beklagt er sich abschließend noch einmal über die ungerechte Behandlung durch die Medien. Er sei das Opfer von »Catfishing« geworden, die Minderjährige habe ihm falsches Alter und falsche Bereitschaft kommuniziert. Und er zeigt sich erleichtert, dass die ganze Sache vorbei ist.

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