Epic Store - CEO Sweeney verspricht Ende der Exklusiv-Deals, wenn Steam Entwicklern mehr abgibt

CEO Tim Sweeney stellt erneut ein Ende der Exklusiv-Verträge des Epic Game Stores in Aussicht. Als Bedingung müsste Valve einfach weniger Abgaben verlangen.

von Mathias Dietrich,
26.04.2019 13:13 Uhr

Der Epic Games Store sicherte sich in den letzten Monaten eine breite Masse an Exklusivtiteln.Der Epic Games Store sicherte sich in den letzten Monaten eine breite Masse an Exklusivtiteln.

Der Epic Games Store macht derzeit Furore in der Welt der Videospiele. Grund dafür sind vor allem seine zahlreichen und hochwertigen Exklusivtitel, die manchen Spielern sauer aufstoßen.

Entwickler hingegen freuen sich über die Verträge, die ihnen einen Mindestumsatz garantieren und dazu auch über die niedrigeren Abgaben im Vergleich zu Steam. Epic CEO Tim Sweeney gab jetzt an, dass er die unbeliebte Praktik fallen lasse, wenn Valve den Entwicklern auf Steam ebenfalls mehr Geld zusichere.

Sollte Valve plötzlich nur noch 12 Prozent von den Entwicklern für den Verkauf ihrer Spiele verlangen, so würde Epic Games Tim Sweeney zufolge so schnell wie nur möglich mit den Exklusivverträgen aufhören. Und nicht nur das: Dann würde man auch die eigenen Spiele sofort bei Steam anbieten.

Daran knüpft er allerdings noch ein paar zusätzliche Bedingungen:

  • Spiele müssen Online-Systeme wie Freundeslisten nutzen können.
  • Sie müssen mit anderen Plattformen interagieren können.
  • Es gibt keine Zusatzkosten für den Verkauf in anderen Distributionsplattformen.
  • Wenn man auf mehreren Plattformen spielt, müssen Käufe auf einer auch auf den anderen verfügbar sein.

Diese neuen Aussagen von Tim Sweeney stehen erneut in Kontrast mit seinen früheren Behauptungen. So erklärte der CEO von Epic Games erst vor wenigen Monaten, dass die Exklusivverträge in Zukunft nur noch von den Entwicklern ausgehen werden.

Damit reagierte Sweeny wiederum auf eine frühere Aussage, die für Verwirrung gesorgt hatte: In einem Statement im März 2019 hießt es, man wolle einen Fall wie den kurzfritigen Exklusivdeal von Metro: Exodus nicht wiederholen. Nur wenige Tage darauf wurde jedoch Observation kurz vor Release zum Epic-Exklusivtitel.

Wieso gibt's bei Epic exakt 88 Prozent?

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte der Twitter-Nutzer Mortiel eine grobe Analyse über das Thema. Darin beantwortet er die Frage, wieso Epic Games exakt 12 Prozent vom Verkaufserlös der Spiele einbehält. Demnach soll Sweeneys Aussage nicht stimmen, wonach Entwickler auf Steam weniger Einnahmen als Valve selbst machen. Der Steam-Betreiber sehe Mortiel zufolge unterm Strich nur acht Prozent der Verkaufseinnahmen.

Mortiel betont jedoch, dass es sich nur um eine Schätzung handelt. Immerhin sind Valve und auch Epic privat geführte Firmen, die nicht dazu verpflichtet sind, ihre Einnahmen und Ausgaben öffentlich bekanntzugeben. Sweeneys eigene Aussagen bezüglich Valve und auch die Behauptungen von Mortiel basieren damit nicht auf Fakten, sondern auf ihren jeweiligen Erfahrungen im Gewerbe.

Wer ist Mortiel?

Zu seinem Hintergrund erklärte Mortiel uns gegenüber, dass er ein Unternehmensberater ist. Seit fast einem Jahrzehnt hilft er Firmen dabei, neue Technologien zu nutzen. Dafür stellt er Kosten-Nutzen-Rechnungen sowie Return-on-Investment-Analysen auf. Die Erfahrung dafür sammelte er in früheren Berufen. Unter anderem war er im Bereich Projekt Management, IT Sicherheit und Engineering unterwegs. Bei den Projekten, an denen er mitwirkte, ging es um Geldbeträge im sechsstelligen Bereich.

Folgendes rechnet er vor:

  • Valve verlangt 30 Prozent Abgaben für Spiele, die über den Steam-Store verkauft werden. Hierbei soll es sich um etwa 66 Prozent aller Verkäufe eines Spiels handeln.
  • Zieht man die 33 Prozent durch Key-Aktivierungen ab, erhält Valve nur noch 19,8 Prozent von den Einnahmen eines auf Steam angebotenen Spiels.
  • Tim Sweeney zufolge gibt es 7 Prozent Transaktionskosten. Dazu kommen 30 Prozent Betriebskosten, sowie 23 Prozent Investitionsausgaben. Bei diesen Zahlen handelt es sich um die jährlichen Durchschnittswerte größerer Firmen.
  • Von den 19,8 Prozent die Valve durch die Verkäufe bekommt, muss die Firma also noch einmal 60 Prozent anderweitig ausgeben. Letzten Endes erhalte Valve also nur 8 Prozent von den Verkäufen eines Steam-Spiels. Infrastrukturkosten sind hier nicht mit einberechnet, da Mortiel die Ausgaben von Valve nicht kennt. Auch die niedrigeren Abgaben von Spielen, die sich auf Steam sehr gut verkaufen, sind nicht Teil dieser Rechnung.
  • Sweeney, so Mortiel weiter, kenne diese Zahlen sehr gut. Und die höchste prozentuale Abgabe die Epic verlangen kann, welche Valve nicht ohne Verlustgeschäft übernehmen kann, seien die genannten 12 Prozent.

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Weiter erklärte uns Mortiel, dass er in Zukunft noch ein ausführlicheres Video zu diesem Thema machen und auf seinem Youtube-Kanal veröffentlichen will. Er benötige jedoch noch etwas mehr Zeit, um detaillierte Quellen zusammenzutragen.

Wie viel macht Epic Games? In weiteren Twitter-Beiträgen gibt der CEO des Fortnite-Entwicklers an, wie viel Prozent Epic letzten Endes von den Verkäufen in seinem Online-Store behält. Nach allen Ausgaben blieben lediglich fünf Prozent. Tim Sweeney selbst erklärte in der Vergangenheit bereits, dass man in einigen Ländern dazu gezwungen sei, Transaktionsgebühren für manche Zahlungsarten zu verlangen. 12 Prozent wären nicht genug, als dass Epic diese Ausgaben decken könne.

Discord hat indes die Gebühren seines ebenfalls neuen Stores gar auf nur 8 Prozent gesenkt und unterbietet Epic Games hierbei noch um ganze vier Prozentpunkte. Der Macher des beliebten Voicechat-Programms setzt dafür auf eine Art »Selbstbedienungsladen« für Entwickler und Publisher.

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