Ich fand alles an League of Legends doof, bis ich es selbst gespielt habe

Elena fand MOBAs aus der Ferne immer viel zu kompliziert, bis sie selbst mit LoL anfing. Manchmal lohnt es sich, über den eigenen Tellerrand zu blicken.

von Elena Schulz,
22.01.2022 09:14 Uhr

Als ich Kollege Phil im Büro mal über die Schulter schaute, wuselten aggressive kleine Zwerge über eine grün bewaldete Karte und Helden in übertrieben protzigen Outfits schlugen sich begleitet von blitzenden Effekten die Köpfe ein. Während er dabei begeistert von Lanes, Türmen und Champions berichtete, dachte ich nur still bei mir: Oh Gott, das will ich niemals spielen.

Aber weil bei mir offenbar Ja-Sager-Syndrom und Spiele-Masochismus zusammenkommen, zocke ich seit Ende 2021 jetzt doch begeistert League of Legends. Ein Glück! Denn gelehrt hat mich das vor allem eines: Lasst euch nicht von Spielen abschrecken, die scheinbar nichts für euch sind. Ihr könntet etwas Großartiges verpassen!

Die Autorin: Elena (@Ellie_Libelle) spielt inzwischen fast jeden Abend ein paar Runden LoL - sei es nun allein oder mit Freunden. Sie probiert begeistert neue Champions im KI-Modus aus, verteidigt als Ahri und Lux mit Magie die Mid-Lane gegen die Gegner oder versucht sich seit kurzem auch im Ranked-Modus, wenn sie nicht gerade den Rechner ausmacht, um das Kartenspiel Legends of Runeterra auf dem Smartphone zu spielen oder in den Geschichten aus dem großen Riot-Universum zu schmökern. LoL hat sie also ganz in seinen Bann gezogen, was beweist, dass der erste Eindruck täuschen kann.

Mehrspieler-Muffel trifft MOBA

Ich hatte aus mehreren Gründen keine Lust auf LoL. Das ging schon damit los, dass ich reine Multiplayer-Spiele eigentlich meide. Viel lieber verliere ich mich in persönlichen Singleplayer-Storys, sei es nun in linearen Abenteuern oder sich vor mir entfaltenden Open Worlds. Mit schwierigen Spielen habe ich an sich kein Problem, aber die Wechselwirkungen und Kombos der Charaktere im MOBA wirkten so verzahnt und arbeitsintensiv, dass mich auch das in die Flucht schlug. Wer will schon zig YouTube-Tutorials wälzen, bevor man Spaß haben kann?

Einfach drauf zu verzichten, klang allerdings ebenfalls nach keiner guten Idee. Dafür hatte ich schon zu viele Interviews mit LoL-Spielern für Artikel geführt und wusste, dass ein falscher Klick eine Welle an wüsten Beschimpfungen nach sich ziehen kann - oder auch nur eine Frau zu sein, die sich in den Voice Chat verirrt. Und dann kommt noch ein Free2Play-Echtgeld-Shop mit Skins und Lootboxen obendrauf, nein danke!

Eigentlich. Denn zum Job als Spielejournalistin gehört in meinem Fall eine gewisse Neugierde, was fast alle Spiele angeht und eine Faszination für alles, das Millionen vor den Bildschirm fesselt. Ich wollte League of Legends persönlich nicht spielen, aber verstehen, was es für andere spannend macht. Und als ich noch zögerte, kam auf einmal das fantastische Arcane und blies meine Bedenken weg.

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LoL mit anderen Augen sehen

Die Netflix-Serie ließ mich ganz anders an die über viele Jahre gereifte Mehrspieler-Erfahrung rangehen. Für mich war LoL zunächst eine Möglichkeit, mehr über die interessanten Charaktere, ihre Geschichten und ihre Herkunft zu erfahren. Ich wälzte Comics und Lore-Bücher, durchpflügte das Internet nach Cinematics und Kurzgeschichten und erkannte plötzlich durch ihre Voicelines mitten auf dem Spielfeld die Beziehungen zwischen ihnen. League of Legends ist kein Story-Spiel, aber die Geschichten sind trotzdem da.

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Spielerisch stand ich durch viele hilfsbereite Freunde auch nicht auf verlorenem Posten. Das würde ich neben den Tipps von Expertin Steffi auch jedem raten, der wie ich mal reinschnuppern möchte: Sucht euch Leute, die das Spiel in und auswendig kennen und euch an die Hand nehmen. So lernte ich die komplexen Mechaniken direkt in LoL kennen, ohne vorher ein Studium abzuschließen. Übrigens halfen mir sogar Fremde immer wieder, als sie merkten, dass ich noch neu war - zum Teil sogar aus dem Gegnerteam.

Das ändert nichts daran, dass Riot mit einer toxischen Community zu kämpfen hat. Aber es gibt auch viele nette Spieler, die sich dafür einsetzen, dass alle Spaß haben. Außerdem muss man nicht gleich provozieren, indem man sich als viel zu starker und schwer zu spielender Schwertkämpfer Yone in den Ranked-Modus stürzt und dann trotzdem ständig stirbt.

Als Anfängerin konnte ich das Spiel gemütlich in Bot-Matches gegen die KI kennelernen und dabei deutlich leichter zu beherrschende Champions wie Sona ausprobieren, die einfach in einem gewissen Radius heilt oder Schaden austeilt. So muss ich nicht mal treffen, um meinem Team zu helfen.

Yone Yone ist stark, aber schwierig zu meistern.

Sona Sona hingegen entfaltet ihre Stärke selbst bei kompletten Anfängern schon.

Selbst Skins sind plötzlich cool

Selbst für die Skins kann ich mich inzwischen erwärmen, was meinem Geldbeutel weniger gut gefällt. Aber hey, ich hatte jetzt schon viele Stunden Spaß in LoL, ohne einen Cent zahlen zu müssen. Außerdem muss ich sie nicht mal zwangsläufig kaufen. Denn mich fasziniert daran etwas, das ich auch schon an Arcane mochte: der künstlerische Aspekt.

Als Illustratorin und Digital Artist staune ich über die ausgefuchsten Technik und stilistisch brillante Inszenierung - sei es nun bei Charakterportraits, Trailern, neuen Skins oder eben der Serie im Riot-Universum mit ihren einzigartigen Animationen. Auch als Künstlerin hat League of Legends mir überraschend coole Perspektiven zu bieten. Wollt ihr wissen, was ich so vor mich hinpinsle, seid ihr bei GameStar TV richtig:

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League of Legends war für mich letztlich also eine ganz andere Erfahrung, die ich so niemals erwartet hätte. Umso mehr freue ich mich, dass mich weder meine Bedenken abgeschreckt haben, noch die mahnenden Worte anderer. Und genau so etwas erlebe ich immer wieder.

Liebe auf den zweiten Blick

Erst kürzlich habe ich zum Beispiel analysiert, warum Forza Horizon 5 mir so großen Spaß macht, obwohl ich Racing Games öde finde und auch die Rennen im Spiel mich nicht vom Hocker reißen. Und selbst zwei Reihen, die ich über alles liebe, hatten einen schweren Start bei mir: Dark Souls und Monster Hunter. Beide zeichnen sich durch knüppelharte Bosskämpfe aus, letzteres verzichtet sogar auf das Geplänkel dazwischen. Dafür gibt es massenweise Loot samt Dropchancen und Grind, alles etwas, mit dem man mich normalerweise jagen kann.

Trotzdem habe ich mich in beide verliebt und gerade mit Monster Hunter World schon fast 1.000 Stunden verbracht. Denn was mir daran Freude bereitet, überwiegt einfach den Hürden, die ich dafür überwinden muss. Ja, Dark Souls ist hart und frustriert oft. Dafür nimmt mich aber das herausragende Leveldesign an die Hand und führt mich durch eine so düstere und vielschichtige Welt, wie ich sie selten erlebt habe. From Softwares Spiele atmen tragische Geschichten aus jeder Pore und machen mich zum Teil einer faszinierenden, wunderschönen und mit dem Tod ringenden Realität.

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Monster Hunter wiederum bietet mir glaubhaft echte, vor Leben strotzende Biome, deren Kreaturen sich so natürlich und unberechenbar verhalten, dass ich mich wirklich wie eine Jägerin auf der Pirsch fühle. Jeder Kampf läuft anders ab und verlangt von mir so viel Kreativität und Können, dass mich die Beutejagd nie anödet.

Spiele sind nicht immer das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen oder was andere einem weismachen wollen. Manchmal findet man für sich ganz persönlich etwas in ihnen, das einen motiviert, begeistert - oder auch abschreckt. Aber das wisst ihr erst, wenn ihr dem Spiel eine Chance gebt und es ausprobiert.

So leicht wie jetzt, war das noch nie, sei es durch Free2Play, das Rückgaberecht bei Steam oder den Game Pass, mit seinem stetig wachsenden Angebot. Also traut euch mal an einen Titel ran, den ihr schon lange umtänzelt. Es kann sich wie in meinem Fall richtig lohnen!

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