Toter Singleplayer und Holodecks: So stellte man sich 2011 das Gaming von heute vor

2012 hatte man seine ganze eigenen Ideen von Gaming im Jahr 2021. Doch sind die eingetroffen? Wir gehen der Frage in einem Rückblick nach.

von Mathias Dietrich,
09.03.2021 15:41 Uhr

Seit dem Release von Skyrim im Jahr 2011 hat sich in Sachen Gaming einiges getan. Aber passt es auch zu den Prognosen von damals? Seit dem Release von Skyrim im Jahr 2011 hat sich in Sachen Gaming einiges getan. Aber passt es auch zu den Prognosen von damals?

Den Zukunftsvisionen aus den 50er Jahren zufolge sollten wir bereits seit dem Jahr 2000 regelmäßige Reisen ins Weltall unternehmen und fliegende Autos besitzen. Die Realität sieht jedoch ein wenig anders aus. Im Bereich des Gaming muss man jedoch gar nicht so weit zurückblicken, um ganz ähnlich abgedrehte Vorhersagen zu finden.

Im Jahr 2011 veranstaltete Sony ein Panel mit Spieleentwicklern, die erklärten, was sie von der Gaming Welt im Jahr 2021 erwarten. Einmal auf die Uhr geguckt ist es nun so weit: Wir sind im prophezeiten Jahr angekommen. Doch sind alle Erwartungen eingetroffen?

Vorhersagen für das Jahr 2021

1. Holodeck im eigenen Wohnzimmer

Hologramm-Monitore gibt es. Holodecks jedoch noch nicht. Hologramm-Monitore gibt es. Holodecks jedoch noch nicht.

Mick Hocking, Director des 3D Teams der Sony Worldwide Studios, erklärte seinerzeit, dass bis 2021 holografische Darstellungen möglich sein werden. Die Annahme basierte darauf, dass er bereits 2012 in seinem R&D-Studio Objekte außerhalb eines Bildschirms ansehen konnte.

Wie ist der aktuelle Stand? Im Juni 2021 sollen holografische Bildschirme erscheinen. Die funktionieren jedoch eher wie das Studio von Hocking. Spiele, die explizit von dieser Technik Gebrauch machen, gibt es hingegen noch nicht.

Der Nintendo 3DS geht mit seinem 3D-Bildschirm zumindest ganz grob in die Richtung holografischer Spiele. Augmented Reality-Brillen wie die Hololens von Microsoft ermöglichen es außerdem, virtuelle Objekte in unserer realen Umgebung zu betrachten. Wirklich auf diese Art gespielt wird aber noch nicht.

2. Virtual Reality wird groß

VR-Spiele wie etwa Half-Life: Alyx konnten sich durchaus etablieren. VR-Spiele wie etwa Half-Life: Alyx konnten sich durchaus etablieren.

Hocking erklärte ebenfalls, dass die große VR-Vision aus den 80er Jahren endlich erfüllt wird. Dafür sollen vor allem Head-Tracking und Performance-Capturing sorgen. Ihm zufolge nach werden wir mit unseren Händen holografische Objekte erschaffen. Auch die KI soll besser werden und NPC-Charaktere werden direkt mit uns Spielern reden können.

Wie ist der aktuelle Stand? VR-Spiele und die passende Hardware haben ohne Frage riesige Schritte nach vorne gemacht. Das zeigt sich auch an Titeln wie Beat Saber, die sich blendend verkaufen. Insgesamt ist VR aber eher noch eine Nische und auch die Prognose in Sachen KI trifft nicht ganz zu.

Zwar macht auch diese Technik Fortschritte und mit AI Dungeon 2 versuchen sie sich bereits als Erzähler von Spielen. Allerdings stößt man hier nach wie vor schnell an ihre Grenzen. Immerhin haben wir aber bereits eine schriftliche Garantie, dass sie die Menschheit nicht unterjochen werden.

3. Always On

Death Stranding dreht sich um die Verbindung zwischen den Spielern und spiegelt das auch im Gameplay wieder. Death Stranding dreht sich um die Verbindung zwischen den Spielern und spiegelt das auch im Gameplay wieder.

Kellee Santiago von ThatGameCompany (Journey) prophezeite, dass Videospiele im Jahr 2021 vollkommen neue Spielerfahrungen hervorbringen werden, die Menschen noch mehr miteinander verbinden als je zuvor. Diese neuen Genres sollte man damals noch gar nicht verstehen können.

Wie ist der aktuelle Stand? Online-Modi sind 2021 durchaus populär geworden. Selbst viele Spiele, die sich vorrangig auf den Singleplayer konzentrieren, bieten häufig integrierte Online-Komponenten.

In Death Stranding können etwa von anderen Nutzern gebaute Gebäude in eurer Welt auftauchen. Entsprechende Gameplay-Mechaniken gab es allerdings auch bereits 2009. In Demon's Souls konntet ihr anderen Spielern etwa Nachrichten in der Spielwelt hinterlassen.

4. Der Tod der Einzelspieler-Modi

Star Wars Jedi: Fallen Order ist ein beweis dafür, dass Singleplayer alles andere als tot ist. Star Wars Jedi: Fallen Order ist ein beweis dafür, dass Singleplayer alles andere als tot ist.

Mark Cerny, der an Titeln wie Death Stranding und The Last Guardian mitwirkte, war sich damals sicher: Singleplayer-Spiele sind dem Untergang geweiht. Die Zukunft gehört dem Multiplayer und Online-Gaming. Als Beispiele nennt er dabei Spiele wie Demon's Souls, die Einzel- und Mehrspieler-Modi miteinander verschmelzen.

Wie ist der aktuelle Stand? Auch wenn integrierte Online-Modi in der Tat populär sind, erfreuen sich Singleplayer-Titel nach wie vor großer Beliebtheit.

Auf Konsolen erhalten Spiele wie etwa God of War oder Spider-Man Bestwertungen. Und auch auf dem PC gibt es Spiele wie Star Wars Jedi: Fallen Order, die komplett ohne Mehrspielermodus auskommen und gar EA dazu bewegten, wieder Spiele ohne Service zu entwickeln.

5. Stereoskopisches 3D setzt sich durch

Brillen für stereoskopisches 3D sieht man zwar noch in Kinos, aber weniger im Bereich des Gaming. Brillen für stereoskopisches 3D sieht man zwar noch in Kinos, aber weniger im Bereich des Gaming.

Man war sich ziemlich einig, dass stereoskopisches 3D nicht verschwinden wird. Shuhei Yoshida, dem damaligen Präsidenten der Sony Studios Worldwide, zufolge werden Entwickler Spiele erschaffen und jemand anders kümmert sich um die 3D-Umsetzung. Normale 3D-Titel sollten hingegen zum neuen Retro-Trend werden und hauptsächlich von Independent Entwicklern stammen.

Wie ist der aktuelle Stand? Stereoskopisches 3D spielt im Gaming-Bereich praktisch keine Rolle mehr. Heutzutage erscheinen nur noch wenige bis gar keine Titel mit diesem Feature. Die erst am 16. Dezember 2020 aktualisierte Liste entsprechender Spiele auf Wikipedia gibt Shadow of the Tomb Raider aus dem Jahr 2018 als das jüngste Spiel mit stereoskopischen 3D an.

6. Spiele machen glücklich

Der DUalshock-Controller von Sony könnte in Zukunft in der Tat euren Herzschlag messen. Der DUalshock-Controller von Sony könnte in Zukunft in der Tat euren Herzschlag messen.

Hocking glaubt, dass das eigene Spielsystem viel mehr über die Spieler lernen wird. Es soll Dinge wie die Gesichtsausdrücke und die Herzfrequenz messen können, um das Gameplay an den Gemütszustand des Spielers anzupassen.

Wie ist der aktuelle Stand? Sony patentierte 2020 einen Roboter, der mit den genannten Methoden zu eurem Gaming-Companion werden soll. Ob daraus jemals ein echtes Produkt wird, ist allerdings fragwürdig. Und auch sonst gibt es noch keine Spiele, die euren Gemütszustand in Betracht ziehen. Patente für die Grundlagen dafür existieren allerdings durchaus.

7. Bewegungssteuerung

Damit VR funktioniert, braucht es eine gute Bewegungssteuerung. Damit VR funktioniert, braucht es eine gute Bewegungssteuerung.

Bewegungssteuerungen wie der Playstation Move Controller sollten Shuhei Yoshida zufolge viel besser werden. So gut, dass die Entwickler Spielerfahrungen erschaffen können, die beinahe gefährlich sind. Dabei sollen vor allem Echtzeitdaten zum Spieler helfen.

Wie ist der aktuelle Stand? In Verbindung mit VR wurde Bewegungssteuerung in der Tat wesentlich besser. Geräte wie die Valve Index oder die Oculus Quest können etwa eure Fingerstellung erkennen und korrekt in das Spiel übertragen. Letztere gar nur durch Einsatz ihrer Kameras.

Sieht man sich die durch VR entstandenen Schäden im Wohnzimmer mancher Spieler an, ist wohl auch die Aussage »beinahe gefährlich« nicht ganz unbegründet. Wenn auch nicht in der Art und Weise, wie Yoshida sich das wohl vorgestellt hat.

Abseits von VRR spielt das Thema aber keine nennenswerte Rolle. Ob VR an sich schädlich sein kann, untersuchten wir im Gespräch mit Psychologen und Medizinern im Jahr 2016.

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8. Ende des Uncanny Valley

Die Charakter-Modelle des MetaHuman Creator sehen extrem realistisch aus 1:15 Die Charakter-Modelle des MetaHuman Creator sehen extrem realistisch aus

Auch in Sachen Grafik erwartete man große Fortschritte. Gerade bei der Darstellung von Menschen. Virtuelle Personen sollen so echten zum Verwechseln ähnlich sehen und nicht den Effekt des Uncanny Valley hervorrufen.

Wie ist der aktuelle Stand? Die Grafik hat seit 2012 in der Tat starke Sprünge gemacht. Erst 2021 präsentierte Epic Games mit dem MetaHuman Creator ein Programm, das die Erstellung virtueller und dennoch realistisch aussehender Charaktere ganz einfach gestalten soll.

In den meisten Spielen dürfte es uns aber immer noch nicht schwer fallen, die virtuellen Figuren von echten Menschen zu unterscheiden.

9. Unterricht mit Spielen

In Half-Life: Alyx lässt sich Mathe unterrichten. In Half-Life: Alyx lässt sich Mathe unterrichten.

Serious Games, also Spiele, die sich auf das Vermitteln von Wissen konzentrieren, sollen viel präsenter werden. Hocking erklärt, dass dabei gerade die Möglichkeit von Augmented Reality wichtig werden wird. 3D-Objekte erschaffen, um sie dann dank perfekter Kollisionsabfrage und Okklusion genauer zu untersuchen.

Wie ist der aktuelle Stand? Die Corona Pandemie sorgte zumindest dafür, das virtueller Unterricht für die Gesellschaft wichtig wurde. Manch Lehrer nutzt gar die Chance und verwendete etwa Half-Life: Alyx um Mathe zu unterrichten.

Ein Uni-Professor hingegen greift auf Red Dead Redemption 2 zurück, um US-Geschichte zu unterrichten. Und Assassin's Creed etwa bietet einen speziellen Discovery-Modus, der euch mehr über die antike Welt erzählt. Der Vision von Serious Games entspricht das aber nicht wirklich.

10. Bewegungsaufnahmen besser als Hollywood

Schon in Uncharted 3 war Motion Capturing wichtig. Daran hat sich nichts geändert. Schon in Uncharted 3 war Motion Capturing wichtig. Daran hat sich nichts geändert.

Seinerzeit legten Heavy Rain und Uncharted 3 bereits vor, für 2021 erwartete Mark Cerny noch viel mehr: Virtuelle Charaktere sollen durch bessere Aufnahmen der Bewegung in Zukunft mit Hollywood konkurrieren.

Wie ist der aktuelle Stand? Motion Capturing ist nach wie vor ein wichtiger Aspekt für die Produktion vieler AAA-Spiele. Ob die Zwischensequenzen jedoch mit Hollywood mithalten können, ist aber fraglich und zudem von Spiel zu Spiel unterschiedlich. Titel wie etwa Metal Gear Solid 5, Death Stranding oder auch die Yakuza-Reihe zeichnen sich so etwa durch ihre filmreife Inszenierung aus.

Auch Ingame stechen viele Charaktere durch die Art ihrer Bewegung hervor. In den neueren Tomb-Raider-Titeln reagiert Lara etwa auf Umwelteinflüsse wie Kälte oder Nasse Haare, indem sie sichtbar zittert oder das Wasser aus ihren Haaren wringt.

Was bringt die Zukunft?

Auch heutzutage haben einige Personen in der Branche große Vorstellungen von der Zukunft des Gaming. Darunter etwa Gabe Newell, der 2020 erklärte, dass wir in zehn Jahren eine wie aus dem Film mit Keanu Reeves bekannte Matrix erschaffen:

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Auch sonst denken viele Firmen sehr visionär. Besonders populär ist im Jahr 2021 der Gedanke, ein Interface zu erschaffen, dass die Bedienung eines Spiels mithilfe von Gedanken ermöglicht. Maus und Tastatur sollen damit der Vergangenheit angehören.

Die Steuerung von Spielen per Gedanken ist grundsätzlich nicht neu. Bereits im Jahr 2008 sorgte OCZ mit dem Neural Impulse Actuator für Aufsehen. Wirklich durchgesetzt hat sich die Idee aber nicht, was in Anbetracht der schlechten Wertung in der GameStar-Ausgabe 11/2008 nicht verwundert.

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