Review-Bombing bei Total War: Rome 2 - Seit Update mehr weibliche Generäle? Stimmt gar nicht, sagen die Entwickler

Weil seit einem Update angeblich mehr weibliche Generäle in Rome 2 auftauchen, rasten Spieler auf Steam aus. Nur: Der Skandal entbehrt fast jeder Grundlage.

von Johannes Rohe,
25.09.2018 15:10 Uhr

Weibliche Generäle in Total War: Rome 2 sind neuerdings ein Problem.Weibliche Generäle in Total War: Rome 2 sind neuerdings ein Problem.

Wenn ein Spiel Jahre nach dem Release plötzlich jede Menge User-Reviews auf Steam bekommt, ist das meist kein gutes Zeichen. So auch bei Total War: Rome 2. Das Strategiespiel von 2013 wird derzeit Opfer eines Review-Bombings. In wenigen Tagen haben sich über 980 Reviews angesammelt, die das Spiel »äußerst negativ« bewerten. Der Grund sind vermeintliche Änderungen durch das kürzlich erschienene Stammbaum-Update, die es allerdings nie gegeben hat.

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Seit dem Update ist der Frauenanteil bei den zur Auswahl stehenden Generälen angeblich deutlich gestiegen, was den Usern zufolge der historischen Realität widerspricht. Oder um es mit den Worten eines Steam-Reviews zu sagen:

"Plötzlich wurde sich entschlossen, den historischen Kontext zugunsten von Diversität über den Haufen zu werfen. Über die HÄLFTE der Generäle sind weiblich und warum das historischer Blödsinn ist muss ich doch wohl nicht erläutern."

Den vermeintlichen Beweis liefert ein Screenshot den der Spielers erick mit dem Kommetar »Ha, the update is pc! Gotta make at least 1/2 the generals women!«, veröffentlichte. Auf dem Bild werden ihm scheinbar nur weibliche Generäle zu Wahl gestellt.

Augenscheinlich stehen nur weibliche Generäle zur Wahl, doch die Pfeile am Rand deuten auf weitere Kandidaten hin. Quelle: erickAugenscheinlich stehen nur weibliche Generäle zur Wahl, doch die Pfeile am Rand deuten auf weitere Kandidaten hin. Quelle: erick

Noch mehr Zündstoff im Forum

Prompt entzündete sich im Steam-Forum eine hitzige Diskussion darüber, ob Frauen das historische Setting des Spiels ruinieren. Die Community Managerin des Entwicklers Creative Assembly sah sich angesichts der zunehmend ausufernden Kommentare, gezwungen den Forenbeitrag zu schließen:

"Dieser Thread ist ein völliges Durcheinander, weshalb ich ihn schließe. Wir haben schon früher gesagt, dass Total-War-Spiele historisch authentisch, jedoch nicht komplett akkurat sind. Wenn euch weibliche Einheiten so sehr stören, dann könnt ihr sie mit Mods entfernen oder einfach nicht spielen. "

Diese Aussage sorgte für weitere Kontroversen. Viele Spieler fühlten sich an Patrick Söderlunds Statement erinnert, das er an Spieler richtete, die ein Problem mit Frauen in Battlefield 5 haben: »Entweder ihr akzeptiert es, oder ihr kauft das Spiel nicht. Ich kann mit beidem Leben.«

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Ein Skandal, der keiner ist

Die ganze Diskussion um zu viele Frauen in Rome 2 hat allerdings einen Großen Haken, sie entbehrt so ziemlich jeder faktischen Grundlage. Creative Assembly versicherte uns auf Anfrage, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der weibliche Charaktere im Spiel auftauchen, mit dem Update nicht geändert wurde.

Es sei nun lediglich möglich, durch Heirat mehr Frauen in die eigene Fraktion aufzunehmen, die dann als Generäle zur Verfügung stehen könnten. Wenn einem Spieler also mehr Frauen zur Wahl stehen, hat er selbst dafür gesorgt.

Die Chance, einen weiblichen Charakter als rekrutierbaren General vorgeschlagen zu bekommen, liegt genau wie vor dem Update bei den meisten Völkern zwischen 10 und 15 Prozent. Einige Fraktionen wie Römer, Griechen oder Karthago können weiterhin gar keine Frauen als Kämpfer rekrutieren. Creative Assembly bestätigte uns diese Daten, die bereits der YouTube-Kanal RepublicOfPlay herausgefunden hatte.

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Der Reddit-Nutzer AAABattery03 erklärt, wie der »entlarvende« Screenshot zustande gekommen sein könnte. Zum einen stehen dem Spieler neben den angezeigten fünf Frauen durchaus auch noch andere Kandidaten zur Verfügung, wie an den Pfeilen links und rechts neben den Portraits zu erkennen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort Männer verbergen, ist sehr groß.

Den Rest erklärt reine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Bei genug Spielern ist nur eine Frage der Zeit, bis der Zufall selbst die unwahrscheinlichste Kombination ausspuckt. Zum Beispiel einen weiblich dominierten Pool an Generälen.

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