Die Skyrim Anniversary Edition zeigt, warum Elder Scrolls 6 es schwer haben wird

Meinung: Die angekündigte Skyrim Anniversary Edition ist mehr als nur die zigste Neuauflage des Kult-Rollenspiels. Sie ist eine Herausforderung für The Elder Scrolls 6.

von Géraldine Hohmann,
22.08.2021 15:22 Uhr

Als ich spät abends die Ankündigung der Skyrim Anniversary Edition auf meinem Handy las, musste ich erstmal laut auflachen. Denn auf den ersten Blick wirkt die zigste Neuauflage des Rollenspiels ja wie ein selbstironischer Scherz von Bethesda. Skyrim erschien seit seinem Release 2011 auf sämtlichen Konsolen, in VR, als Special Edition, auf Kühlschränken und als Alexa-Audiospiel. Und jetzt nochmal mit Next-Gen-Upgrade, neuen Inhalten und unser aller Lieblingsfeature in jedem Spiel jemals: dem Angeln.

Währenddessen liegt der Release von Elder Scrolls 6 noch in weiter Ferne. Aber die Anniversary Edition ist noch mehr als eine Überbrückung der Wartezeit: Sie steht für die gewaltige Herausforderung, die ein neuer Teil meistern muss.

Die Autorin
Keiner anderen Spielereihe ist Géraldine (@mighty_dinomite) so bedingungslos treu wie Elder Scrolls. Ob Morrowind, Oblivion, Skyrim oder sogar Arena und Daggerfall - in Tamriel ist sie zu Hause. Sie hat nach eigenen Schätzungen mehr Stunden in Elder-Scrolls-Rollenspielen verbracht als in der Uni. Und obwohl sie die Skyrim Anniversary Edition direkt auf die mentale Wunschliste gesetzt hat, als sie mit Lachen fertig war, sieht sie darin eines der großen Probleme von Elder Scrolls 6.

Skyrim ist mehr als noch vor 10 Jahren

Skyrim ist einfach nicht totzukriegen - sage ich mit aller Liebe. Auch ich habe mich oft genug für eine Runde in Himmelsrand entschieden, statt ein neues Rollenspiel anzufangen und während ich diese Zeilen schreibe, plane ich bereits, heute Abend doch nochmal ein paar Drachen zu fus-ro-dahn. Aber woran liegt das? Daran, dass es ein hervorragendes Open-World-Rollenspiel ist? Nicht nur.

Zu einem zehn Jahre andauernden Phänomen wie Skyrim gehört sehr viel mehr. Bethesda investiert nach all den Jahren immer noch Geld und Zeit, um eine neue Version ihres Evergreens rauszuhauen - und kann sich sicher sein, dass das auch gekauft wird. Skyrim ist nicht mehr nur noch die großartige Open-World-Sandbox, die es 2011 war: Es ist seine treue Community, seine abertausenden Mods, seine Bugs, seine Insider-Witze und seine Mysterien. Skyrim hatte ein Jahrzehnt Zeit, um mehr als die Summe seiner Teile zu werden.

Ein Youtube-Kanal, der sich nur damit auseinandersetzt, das Spiel auf unterhaltsame Art kaputt zu spielen und etwa alle Kreaturen Himmelsrands in einem Turnier gegeneinander antreten zu lassen? Enorm erfolgreich und enorm unterhaltsam! Ein Tweet, der erzählt, wie das legendäre Intro beinahe von übermächtigen Bienen zerstört wurde? Geht direkt viral! Eine gigantische Mod, die jede Provinz Tamriels mit eigenen Quests, Geschichten und Charakteren baut und damit größer ist als jedes Bethesda-Rollenspiel? Seht selbst!

Beyond Skyrim - Diese Open World ist siebenmal so groß wie bei Bethesda 10:00 Beyond Skyrim - Diese Open World ist siebenmal so groß wie bei Bethesda

Kann Elder Scrolls 6 das wiederholen?

Wenn Elder Scrolls 6 eines Tages erscheint - und glaubt mir, ich fiebere darauf hin - dann wird es all das nicht bieten. Das kann natürlich eine Stärke sein. Eine neue, unbekannte Welt, die es zu entdecken gilt. Eine weiße Leinwand für Modder, Fans und Content Creator. Aber es könnte auch zum Problem werden.

Das ist vergleichbar mit dem Erscheinen neuer MMOs: Sie treten an gegen Urgesteine wie WoW und Final Fantasy 14, die bereits einen jahrelangen Vorsprung hatten, zu dem zu werden, was sie heute sind. Ein unfairer Kampf. Und wenn ich mir so ansehe, wie viele Menschen sich die Hände reiben nach einer Anniversary Edition mit Angelfunktion eines 10 Jahre alten Rollenspiels - dann frage ich mich schon, ob Elder Scrolls 6 in 15 Jahren einmal den gleichen Kultstatus erreicht haben wird.

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Glaube ich deswegen, dass Elder Scrolls 6 sich nicht verkauft wie geschnitten Süßkuchen? Na, ich bin doch nicht verrückt. Aber die Entwickler wissen selbst, dass Skyrim ohne die unerschütterliche Liebe der Community in der Bedeutungslosigkeit verschwunden wäre. Zur Ankündigung der Anniversary Edition ehrten sie ihre Fans mit den Worten: »Nach zehn Jahren können wir mit Sicherheit sagen, dass es die Fans sind, die das Spiel strahlen lassen und sein Jubiläum feierwürdig machen.« Ganz zu schweigen davon, dass ein großer Teil der 500 in der Anniversary enthaltenen DLCs aus der Mod-Community selbst stammen.

Zu einem erfolgreichen Elder Scrolls 6 gehört also, dass die Entwickler mehr als je zuvor auf ihre Community hören, faire DLCs liefern (lasst uns nicht über die Pferderüstung sprechen) und Modding weiterhin zugänglich machen - und aktiv unterstützen.

Aber auch wir müssen unseren Hype, unsere Erwartungen an einen neuen modernen Klassiker etwas zurückschrauben, um Elder Scrolls 6 ganz unvoreingenommen zu spielen. Um es mit den glänzenden Augen einer Person zu sehen, die 2011 zum ersten Mal die Worte hörte: »Finally, you're awake.«

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