Spiele als echter Sport - Staat & Verbände gehen große Schritte in Richtung E-Sport

Der Deutsche Motorsportbund als auch das Auswärtige Amt erkennen E-Sport an und betonen den sportlichen Charakter des digitalen Kräftemessens. Noch gibt es aber Vorurteile.

von Martin Dietrich,
22.10.2018 18:08 Uhr

E-Sport gewinnt weiter an Zustimmung. Das Auswärtige Amt und der Deutsche Motorsportbund begreifen E-Sport als sportliche Tätigkeit.E-Sport gewinnt weiter an Zustimmung. Das Auswärtige Amt und der Deutsche Motorsportbund begreifen E-Sport als sportliche Tätigkeit.

Der Deutsche E-Sport konnte jüngst zwei Erfolge für sich verbuchen. Der Deutsche Motorsportbund (DMSB) erkennt Rennspiel-Simulationen mit Authentizitätsanspruch als Motorsport-Disziplin an und das Auswärtige Amt erleichtert ausländischen E-Sportlern aus Nicht-EU-Staaten die Einreise nach Deutschland. Beide Ereignisse vollzogen sich unabhängig voneinander.

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SimRacing als eigene Disziplin

In einer Sitzung des Deutschen Motorsportbundes beschloss das Präsidium am 4. Oktober 2018 die Öffnung für den E-Sport unter dem Begriff »SimRacing«. Gerd Ennser, Präsidiumsmitglied des DMSB, begründet die Entscheidung mit der mittlerweile wirklichkeitsnahen Umsetzung aktueller Rennsimulationen:

"Die Darstellung der Rennstrecken und die Einstellungsmöglichkeiten der Fahrzeuge sind so realistisch, dass viele Motorsportler SimRacing längst als Trainingsmöglichkeit und zur Vorbereitung etwa auf unbekannte Rennstrecken nutzen. Nun wollen wir den nächsten Schritt machen, indem wir SimRacing als vollwertige Motorsport-Disziplin anerkennen und damit den Einstieg in den Motorsport auch für jüngere Menschen erleichtern."

Der DMSB unterscheidet in seiner Erklärung zwischen Rennspielen für Smartphones und Konsolen, die sich an Hobbyspieler richten sowie komplexeren Fahrsimulationen mit Lenkrad, Gaspedal und Bremse. Nur Letztere seien geeignet, unter der Sammelbezeichnung SimRacing gefördert zu werden. Eine Arbeitsgruppe des DMSB soll nun den realen und simulierten Sport näher zusammenbringen und entsprechende Strukturen aufbauen. Rennleiter und Sportkommissare sollen ihre Erfahrungen teilen und auch bei E-Sport-Events tätig werden.

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Von der Zusammenrückung möchte der Verband aber ebenfalls erreichen, dass der reale Motorsport davon profitiert. Regeländerungen könnten vorab im Simulator erprobt werden. Andere Synergien sind ebenfalls denkbar. »Wir könnten mithilfe der SimRacing-Experten zum Beispiel die Videosequenzen unseres E-Learnings zum Erwerb der Nordschleifen-Lizenz überarbeiten und sie viel rascher als mit gestellten Szenen an aktuelle Erfordernisse anpassen«, sagt Ennser.

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Einfachere Einreise für ausländische E-Sportler

Daneben bestätigte das Auswärtige Amt die Umsetzung einer zuvor angekündigten Verfahrenserleichterung. Ausländische E-Sportler aus Nicht-EU-Staaten können nun in einem vereinfachten Prozess ein Visum für Deutschland erhalten, um an einzelnen Spielen oder Turnieren teilzunehmen. Allerdings gibt es auch eine zeitliche Einschränkung. Die Dauer der Tätigkeit darf nicht 90 Tage innerhalb eines Jahres überschreiten. Die Änderung gilt seit der Veröffentlichung der aktuellsten Ausgabe des Visumhandbuchs des Auswärtigen Amtes vom Juli 2018.

Zuvor war eine Zustimmung durch die Bundesagentur für Arbeit notwendig, diese Bestätigung entfällt nun durch den vereinfachten Vorgang. Im Visumhandbuch wird E-Sport aber nicht als Berufssport gewertet, sondern als »Veranstaltung mit sportlichem Charakter« in Abgrenzung zu internationalen Sportveranstaltungen und führt als Beispiel dafür die League-of-Legends-Entwickler Riot Games an. Das Auswärtige Amt begründet die Regeländerung mit dem sich wandelnden Sportbegriff und »entsprechenden Vereinbarungen im Koalitionsvertrag«.

Hans Jagnow, Präsident des E-Sport Bund Deutschland (ESBD), begrüßt die Entscheidung, fordert aber auch weitergehende Maßnahmen:

"Wir freuen uns über diese Öffnung und hoffen, dass wir zeitnah auch längerfristige Aufenthalte ohne komplizierte Verfahren in Deutschland ermöglichen können. Dafür müssen E-Sport-Athleten als Berufssportler anerkannt werden, das ist der nächste notwendige Schritt. Das erlaubt es, auch für den Liga- und Trainingsbetrieb ausländische Talente nach Deutschland zu holen und damit den Standort und die heimischen Teams im internationalen Wettbewerb zu stärken."

Im Koalitionsvertrag erkennen CDU, CSU und SPD E-Sport als eigenständige Sportart an und wollen dabei helfen, dass der digitale Wettkampf auch bei Olympia eine Perspektive hat.

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DFB und Olympischen Komitees gegen generelle Anerkennung

Die Vorbehalte einiger ranghoher, deutscher Sportfunktionäre gegenüber E-Sport sind allerdings nach wie vor gut sichtbar. DFB-Präsident Reinhard Grindel kritisierte die Förderungspläne der Bundesregierung und findet, dass E-Sport kein echter Sport sei. Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer bei Borussia Dortmund, hatte sich ebenfalls bereits gegen eine Anerkennung ausgesprochen.

Noch deutlicher wurde der Präsident des Olympischen Komitees, Thomas Bach. »Wir können im olympischen Programm kein Spiel haben, das Gewalt oder Diskriminierung befördert. Sogenannte Killerspiele«, sagte Bach im vergangenen September und sträubt sich gegen die Olympia-Ambitionen der E-Sport-Branche. »Aus unserer Sicht widersprechen sie den olympischen Werten und können deswegen nicht akzeptiert werden.«

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Eine ähnliche Wortwahl zeigte der DFB im April 2018. Um sich von »Kriegs- und Killerspielen« abzugrenzen, spricht der Deutsche Fußball-Bund bei FIFA und PES von E-Soccer statt von E-Sport. Die Werte des DFB seien nicht mit derartigen »Gewaltspielen« vereinbar, heißt es in der Erklärung.

Quellen: DMSB, Visumhandbuch des Auswärtiges Amtes, Seite 447

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