Der Käsedungeon in The Witcher 3: So entstand die verrückteste Quest

CD Projekt erzählt uns, wie die Quest »Von Milch und Finsternis« in The Witcher 3 erfolgreich eine tragische Geschichte mit Humor und Stinkekäse verbindet.

von Elena Schulz,
25.04.2020 12:00 Uhr

Stinkt's hier? Wir sprechen mit CD Projekt über die seltsame Entwicklung des Käsedungeons. Stinkt's hier? Wir sprechen mit CD Projekt über die seltsame Entwicklung des Käsedungeons.

Als Geralt öffnen wir gespannt die Schatztruhe vor uns. Was für eine Belohnung wartet dort? »Ich taufe dich... Emmentaler!«, tönt der Hexer und steckt die neue Klinge sogleich in die Tasche.» Ursprünglich sollte sie Löcher wie ein Käse bekommen«, erzählt uns Questdesigner Danisz Markiewicz im Interview, »aber das war uns in den Kämpfen dann zu wenig... funktional«.

Löchrig oder nicht, hinter Geralts absurder Käseklinge steckt mehr als nur ein alberner Gag. Denn der Käsedungeon, den Danisz für The Witcher 3 gestaltet hat, gehört zu den spannendsten Quests im ganzen Spiel. Wir haben hier vielleicht keinen Blutigen Baron vor uns, der auch 2020 noch ein Leuchfeuer der Questlandschaft darstellt, sondern, naja... ziemlich viel Käse. Der auch noch stinkt.

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Aber genau das macht die Faszination der Mission »Von Milch und Finsternis« (»Of Dairy and Darkness«) aus. Denn die zeigt wunderbar, dass eine gute Geschichte Quatsch verträgt und trotzdem berührend sein kann - auch wenn man nicht immer alles ganz ernst nimmt.

Wollt ihr noch mehr über den Käsedungeons und andere Details aus der Entwicklung von The Witcher 3 erfahren, solltet ihr übrigens unbedingt unseren Jubiläums-Podcast mit CD Projekt anhören, in dem es um diese Mission und noch viel mehr geht. Außerdem dreht sich auch der aktuelle Plus-Podcast um die Witcher-Reihe:

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Worum geht es in der käsigen Quest?

Der Auftrag startet, wenn Geralt ein niedergebranntes Anwesen östlich von Oxenfurt entdeckt oder ganz im Norden von Novigrad unterhalb der Tempelinsel bei einem Händler ein Artefakt kauft, das Magier Aeramas gehörte. Dessen heruntergekommenes Haus haben wir nämlich vor uns - genauso wie seine tragische Geschichte, die wir vom Händler und aus verstreuten Dokumenten erfahren. Aeramas wurde von Hexenjägern geschnappt und bereits hingerichtet.

Allerdings bleibt von ihm mehr als ein zerstörtes Gebäude: Dort lässt sich über das Artefakt nämlich ein Portal aktivieren, dass uns in seinen persönlichen Dungeon katapultiert. Der ist an Eigenartigkeit kaum zu überbieten: Wir durchqueren ein Labyrinth voller Stinkekäse, dessen Odeur Geralt sogar vergiftet, entdecken ein Labor, in dem brutale Käseexperimente an Unschuldigen durchgeführt wurden, kämpfen gegen einen gelben Gouda-Nebling und erbeuten schließlich die Emmentaler-Klinge als Lohn für unsere Mühen.

Käsestatuen Beim Dungeoneingang begrüßen uns Statuen, die etwas sehr Wichtiges zu tragen scheinen... Moment, ist das Käse?

Käselabyrinth Was riecht denn hier so? Wenn Geralt den müffligen Milcherzeugnissen zu nah kommt, schadet das sogar seiner Gesundheit. Wir müssen drumherum navigieren.

Emmentaler-Klinge Geralt selbst sucht den passenden Namen für sein neues Schwert aus. »Geralt hat eigentlich ziemlich viel Humor.«, erklärt uns der Entwickler. »Er spricht oft aus, was die Spieler denken.«

»Es gab sogar Discolichter!«

»Was soll der Käse?« - möchten wir die Entwickler fragen und tun es dann einfach, weil wir sie ohnehin in der Leitung haben. Danisz erklärt uns, dass man während der Arbeit an der Quest einfach nach einer möglichst originellen Art von Magie für Aeramas suchte. Dabei stieß das Team auf Tyromantie, die Kunst, die Zukunft aus Käse vorherzusagen - ja, das gibt es wirklich. Der Magier ist also ein Tyromant und nimmt die Sache mit seinen Milchprodukten sehr ernst.

Ursprünglich war der Käsedungeon gar kein Dungeon, sondern hätte nur ein kleines Easter Egg werden sollen - ganz ähnlich wie wir sie euch in unserem Reiseführer zur Witcher-Welt vorstellen. Aus einem kleinen Schrein irgendwo auf einem Feld wurde dann zumindest ein einzelner Raum mit einer Schatztruhe und ein paar Interaktionsmöglichkeiten. Die Questdesigner spielten hier einfach mit abgedrehten Ideen - an einem Punkt in der Entwicklung flackerten sogar Discolichter durch die Kammer und Käse regnete von der Decke.

Zu diesem Zeitpunkt kam Leveldesigner Miles Tost dazu - sichtlich überracht darüber, dass die Quest so ihr »Okay« von oben bekommen hatte. Beide Entwickler waren begeistert vom absurden Ansatz und entschieden, dass sie mehr daraus machen wollten, so wie es auch schon beim Vegelbud-Anwesen war, das durch die Detailverliebtheit der Designer immer weiter wuchs. Um in der Witcher-Welt zu funktionieren, musste der Käsedungeon aber mehr als ein Witz werden.

Habt ihr versucht, den Hebel umzulegen? Habt ihr versucht, den Hebel umzulegen?

Die Sache mit dem Lichtschalter: Teil der Käsequest ist übrigens auch ein besonders absurdes Easter Egg, das ihr heute noch in The Witcher 3 findet. In der Häuserruine des Magiers versteckt sich ein Hebel. Legt Geralt in um, wird für einige Sekunden die komplette Spielwelt verdunkelt. Die Entwickler wollten gerne so ein »Bühnenlicht« für die Open World als Scherz einbauen, es fühlte sich aber immer deplatziert an - außer in der Mission, die ohnehin schon über alle Maßen verrückt war.

Warum Kontraste so wichtig sind

Ein kleiner Gag ist schließlich schnell gemacht. Die Designer wollten aber mehr als ein paar Lacher: Die Quest sollte innerhalb des eigentlich düsteren und vielschichtigen Universums funktionieren und sich nicht deplatziert anfühlen. Also erschufen sie für den Magier eine Hintergrundgeschichte, die die Käsequest in den Kontext der Welt setzt, die die Spieler zu diesem Zeitpunkt bereits kennengelernt haben. Wer Novigrad besucht oder mit Zauberin Keira Metz gesprochen hat, weiß schließlich über die gnadenlose Hexenverfolgung im Land Bescheid.

Die Hexenjäger haben Aeramas hingerichtet, aber er versuchte selbst, über Experimente schaurige Käsekreaturen zu erschaffen. Die Hexenjäger haben Aeramas hingerichtet, aber er versuchte selbst, über Experimente schaurige Käsekreaturen zu erschaffen.

Aeramas' tragisches Schicksal kann den Spieler also durchaus berühren. Weil fast nichts in der Hexerwelt schwarz-weiß sein darf, ist er aber kein unschuldiges Opfer. Der Käsemagier entführte immerhin Menschen und führte die grausigen Experimente an ihnen durch, auf die wir beim Erkunden des Dungeons stoßen. Der Nebling im Käsegewand ist womöglich das Ergebnis dieser Bemühungen.

Für den Denker haben die Entwickler einfach einen Käse mit Steintextur versehen und zur Statue gepackt. Für den Denker haben die Entwickler einfach einen Käse mit Steintextur versehen und zur Statue gepackt.

Auch im Dungeon-Design selbst steckt ein interessanter Kontrast: Das Gemäuer wirkt elfisch und hochherrschaftlich, wie ein wichtiges Relikt aus der Vergangenheit. Die Statuen tragen den Käse, als er etwas Besonderes, ein magisches Artefakt. Das zeigt, wie wichtig der Käse für Aeramas und die Tyromanten ist - obwohl es eben nur stinkiger Käse ist.

Mit einer Mischung aus Environmental Storytelling und Hintergrundinformationen aus Dokumenten und Dialogen zeichnen die Entwickler so ein Bild von Aeramas in unserem Kopf, das spannend mit den absurden Käse-Elementen und Geralts humorvoll trockenen Kommentaren dazu kontrastiert. Diese Reibung macht den Reiz der ungewöhnlichen Quest aus.

Denn darüber entstehen Emotionen beim Spieler, die ein einfacher Witz niemals erzeugen könnte. Die sorgen wiederum dafür, dass der ungewöhnliche Käsemagier und seine Geschichte uns auch nach dem Spielen noch im Gedächtnis bleiben.

Bekommt ihr gar nicht genug von unseren Witcher-Wochen? Dann werft doch mal ein Blick auf die Geheimnisse zu The Witcher 3, die die Entwickler uns verraten haben. Oder lernt in Plus-Artikeln mehr über verrückte Bugs während der Entwicklung oder darüber, warum es ohne Ciri vielleicht nie einen dritten Teil gegeben hätte.

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Um die Fragen beantworten zu können, müsst ihr euch allerdings nicht nur mit The Witcher 3 auskennen, sondern auch unsere Artikel der Themenwoche aufmerksam lesen.

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