Anno 1800 – Exklusiv: Was die Entwickler aus 2 Jahren Season Pass und DLCs gelernt haben

Im April 2021 wird Anno 1800 zwei Jahre alt, und ist noch immer nicht am Ende. Wir haben mit den Entwicklern über das neue Season-Modell gesprochen.

von Fabiano Uslenghi,
04.02.2021 17:30 Uhr

Auch wenn die Anno-Serie mit Anno 1800 zu einer historischen Epoche zurückgekehrt ist, geht man doch trotzdem mit der Zeit. Das bedeutet: langanhaltende Unterstützung. Das Aufbauspiel wird seit seinem Release vor fast zwei Jahren regelmäßig mit neuen Updates und kostenpflichtigen DLCs unterstützt. Während Anno 1404 und Anno 2070 jeweils nur ein Addon und Anno 2205 gerade mal drei eher kleine DLCs spendiert bekamen, sind für Anno 1800 inzwischen zwei vollumfängliche Season Passes erschienen.

Doch die Reise ist damit immer noch nicht zu Ende, denn Mitte November überraschte uns Ubisoft Mainz mit der Ankündigung, dass man auch dieses Jahr wieder regelmäßig DLCs veröffentlicht und abermals drei davon in einem dritten Season Pass zusammenfasst.

Anno 1800 - Update: Season 3 bringt keine neue Region ins Spiel 1:40 Anno 1800 - Update: Season 3 bringt keine neue Region ins Spiel

Grund genug für uns, um mal bei den Entwicklern anzuklopfen. Im Zuge unserer Themenwochen zu den Spiele-Highlights 2021 haben wir noch vor dem kompletten Reveal der neuen DLCs mit den Entwicklern gesprochen und nachgefragt, was sie in den zwei Jahren dazugelernt haben und wie DLCs und Season Passes Anno 1800 seit seinem Release geprägt haben.

Unsere Gesprächspartner:


Andrea Fricke ist seit Januar 2018 bei Ubisoft Mainz als Game Designerin von Anno 1800 tätig. Sie hat an der Kampagne des Spiels und dem Diplomatiesystem gearbeitet. Nach dem Release hat sie vornehmlich die DLCs Der Anarchist und Die Passage betreut sowie bei der gesamten Season 2 mitgewirkt.

Marcel Hatam arbeitet seit 2017 als International Brand Manager bei Ubisoft Mainz. Davor war er unter anderem bei Electronic Arts, Crytek und Blizzard Entertainment. Zu seinen Aufgaben zählen Kommunikation und Marketing, aber auch die Beratung des Teams bei der Planung künftiger Anno-Entwicklungen.

Das Feedback der Spieler umgesetzt

Die erste Station unserer Anno-Reise war direkt im Release-Jahr 2019 der erste Season-Pass. Davor gab es mit Der Anarchist noch einen kleineren DLC, der jedoch ausnahmslos für Käufer der Deluxe-Edition verfügbar war. Zum großen Season Pass gehörten dann Gesunkene Schätze, Botanika und schließlich Die Passage.

Gerade die ersten beiden DLCs blieben jedoch nicht frei von Kritik. Botanika bleibt etwa bis heute der Anno-1800-DLC, mit der schlechtesten Wertung. Auch in unserer Leser-Umfrage konnten sich nur 1,46 Prozent aller Befragten für Botanika begeistern.

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Doch gerade die Kritik an den DLCs war etwas, mit dem die Entwickler arbeiten konnten. Hier zog man bereits die ersten Lehren, die dann direkt bei der Planung für die DLCs des zweiten Season Passes umgesetzt wurden. Andrea Fricke sagt dazu:

"Zwei der größten Kritikpunkte waren, dass sich Botanika nur an Schönbauer gerichtet hat und dass Die Passage nicht so stark mit der Alten Welt verknüpft war. Es gab zwar die Gaskraftwerke und die Luftschiffe, die man überall verwenden konnte, das war den Spielern aber nicht genug. Da haben wir vornehmlich in Land der Löwen drauf reagiert. Da gab es dann das Forschungsinstitut. Dafür kamen die Gelehrten, die es nur in der Alten Welt gab. Und diese neuen Bedürfnisse musste man dann mit Ressourcen aus allen Regionen erfüllen.

Und was den Schönbau anbelangt, das haben wir denke ich mit Paläste der Macht gut gemacht. Das ist einerseits für Schönbauer optimal, weil sie einen schicken Palast bauen können, aber andererseits war der Palast für die Leute was gutes, die handfeste Effekte sehen und was optimieren wollen. Weil es ja diese Richtlinien gab. Und der Palast war trotzdem stärker, je attraktiver deine Insel war. Das war glaube ich eine ganz gute Kombination. "

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Die zweite Season würden jedoch weder Marcel Hatam noch Andrea Fricke als grundsätzlich besser als die erste Season bezeichnen. Da einerseits Die Passage trotz mangelnder Verknüpfung sehr gut ankam und auch Gesunkene Schätze vielen Spielern empfohlen wird.

"Wenn Spieler online fragen, welchen DLC sie sich kaufen sollen, dann antworten viele Anno-Fans Gesunkene Schätze, wegen der kontinentalen Insel. Das wird von vielen Spielern als Must-Have angesehen. Für sich allein ist der beliebteste DLC aber Land der Löwen. "

Auch wenn Gesunkene Schätze nicht alles richtig macht, die riesige Kontinentalinsel bietet einfach zu viele Vorteile, um darauf verzichten zu wollen. Auch wenn Gesunkene Schätze nicht alles richtig macht, die riesige Kontinentalinsel bietet einfach zu viele Vorteile, um darauf verzichten zu wollen.

Kommen mehr mechanische DLCs?

Nun bleibt es aber nicht bei den bisherigen Season Passes. 2021 folgt, wie gesagt, die dritte Season. Hier wissen wir bislang nur, dass es wieder drei neue Inhalte gibt und man diesmal keine neue Session einführen wird. Vermutlich werden auch hier wieder einige Erfahrungswerte einfließen. Am wichtigsten war laut Fricke aber die Erkenntnis, dass die Leute immer noch Lust auf Anno 1800 haben. Und auch auf welche Inhalte.

"Zum einen haben wir auf jeden Fall gemerkt, dass die Leute immer noch mehr Lust auf Anno haben. [...] Wo wir uns aber zum Beispiel unsicher waren bei Season 2, war beim DLC Reiche Ernte. Wo es die Silos und die Traktoren für die Tierfarmen und Pflanzenfarmen gab und ob so ein rein systemischer DLC gut ankommt. Aber es hat sich herausgestellt - ja, doch, kam auch gut an. Es war halt was, das dich nicht nur einen Teil des Spiels lang begleitet, sondern eben in der gesamten Sandbox Verwendung findet, weil man Traktoren und Silos immer wieder benutzt. "

Das klingt auf jeden Fall, als würde man so einen ähnlichen DLC auch wieder für die dritte Season planen. Zumal es in Season 3 ohnehin stärker darum gehen soll, bereits bestehende Sessions wie die Alte Welt mit neuen Mechaniken zu bereichern.

Reiche Ernte war ein kleines Risiko für Ubisoft Mainz. Niemand hat explizit nach Traktoren gefragt, als der DLC dann aber da war, hat er viele Spieler überzeugt. Reiche Ernte war ein kleines Risiko für Ubisoft Mainz. Niemand hat explizit nach Traktoren gefragt, als der DLC dann aber da war, hat er viele Spieler überzeugt.

Was das Season-Modell klassischen Addons voraus hat

Während Anno 1404 und Anno 2070 noch mit großen Addons erweitert wurden, setzte Ubisoft bereits bei Anno 2205 auf DLCs. Doch erst Anno 1800 ging hier die Extrameile, fasste die DLCs als Season Pass zusammen und veröffentlichte sogar noch unabhängig von den Season Passes einzelne DLCs mit kosmetischen Ornamenten für eure Stadt.

Games as a Service hat sich inzwischen auch bei Aufbauspielen als Geschäftsmodell durchgesetzt, das wissen wir spätestens seit Cities: Skylines. Für Andrea Fricke sind Season Passes immer dann sinnvoll, wenn Spiele sehr lang und intensiv erlebt werden. Ein Anno wird bereits ohne DLCs hunderte Stunden gespielt und ein Season Pass sei eine gute Gelegenheit, den Spielern viel regelmäßiger etwas Neues zu bieten.

"Die letzten zwei Seasons haben gezeigt, wie schnell die Leute gern etwas Neues hätten und das passt besser zu einem Season Pass mit mehreren DLCs als zu einem einzigen Addon im Jahr. "

Marcel Hatam bestärkt das nochmal und erklärt, dass sie in den Pausen zwischen den DLCs Unmengen an Nachfragen erhalten, wann es denn weitergeht.

"Wir haben damals im Dezember 2019 gesagt, es geht mit Anno nach Die Passage weiter, wir wussten damals aber noch nichts Konkretes. Und obwohl wir damals schon gesagt haben, es wird ein bisschen dauern, hat es nach gefühlt zwei, drei Wochen in der Anno-Union wieder angefangen im Forum: Wann kommt denn endlich was Neues, wann gibt es Neuigkeiten, es passiert ja gar nichts mehr. Das ist die Spielerseite.

Für uns als Entwickler ist es aber auch sehr viel einfacher, auf Wünsche einzugehen, wenn man öfter mal was released als nur einmal im Jahr. Im alten Modell haben die Spieler Feedback gegeben und du hast gedacht: Okay, entweder wir können das Feedback in einem Jahr mit einem Addon oder in drei, vier Jahren mit einem neuen Spiel umsetzen."

Dabei wird aber nicht jedes Feedback und jeder Wunsch der Spieler kostenpflichtig. Zum etablierten Rhythmus gehören bei Anno 1800 eben auch die großen Content-Updates, die allen Spielern sowohl allgemeine Verbesserungen als auch neue Inhalte wie den Statistikbildschirm bescheren.

Sollte Ubisoft übrigens gerade schon darüber nachdenken, wann das nächste Anno spielen sollte, dann haben wir da ein paar Vorschläge zu machen:

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Kein Ende in Sicht?

Wie es mit Anno 1800 nach der dritten Season weitergeht, das wird sich erst mit der Zeit zeigen. Die Entwickler hoffen zumindest darauf, dass die Community auch die neuen DLCs wieder positiv aufnimmt und sollten sie sich danach noch mehr wünschen - dann wäre das zumindest schon mal »ein mega Kompliment« so Andrea Fricke.

Der Entschluss für eine dritte Season fiel erst kurz nach dem Release von Land der Löwen. Folglich weiß man zum Beginn der dritten Season noch gar nicht, ob und wie es danach weitergeht. Der Entschluss für eine dritte Season fiel erst kurz nach dem Release von Land der Löwen. Folglich weiß man zum Beginn der dritten Season noch gar nicht, ob und wie es danach weitergeht.

Probleme bei der Ideenfindung für neue DLCs habe man fürs erste nicht. Die Community tauscht sich laut Hatam nach wie vor sehr lebhaft aus und das historische Setting von Anno 1800 gäbe so viel her, dass man sicherlich noch viel mehr umsetzen könnte.

"Ich glaube, bei jedem DLC haben die Inhalte entweder komplett auf Community-Wünschen basiert oder es sind Ideen mit eingeflossen. Allein wenn wir alle Vorschläge in unseren Foren oder den GameStar-Kommentaren umsetzen würden, dann könnten wir uns noch die nächsten 15 Jahre mit Anno 1800 beschäftigen. "

Dass man mit dem Season-Modell und den regelmäßigen Updates seine Spieler bei der Stange hält, das zeigt sich im übrigen auch an der Zahl der aktiven Spielern. Laut Hatam hatte Anno einen seiner größten Spielerpeaks erst im Oktober 2020. Eineinhalb Jahre nach seinem Erscheinen. Einen großen Teil trug dazu der Release von Land der Löwen bei, dem bisherigen Vorzeige-DLC schlechthin für Anno 1800.

Anno 1800: Land der Löwen - Test-Video zum finalen DLC 11:47 Anno 1800: Land der Löwen - Test-Video zum finalen DLC

Anno 1800 bleibt ein Ausnahmespiel. Ein Aufbaukoloss, den wir nicht ohne Grund als das mittlerweile beste Anno der ganzen Reihe ansehen. Und ob man Service-Games nun gut findet oder nicht, es hat im Falle von Anno zumindest einen großen Teil zu diesem Erfolg beigetragen.

Ob der Erfolg das Aufbauspiel dann wirklich noch durch eine vierte, fünfte oder sechse Season trägt, das wagen wir momentan noch zu bezweifeln. Aber gleichzeitig werden wir sicherlich nicht wieder so leichtfertig von einem großen Finale sprechen, wie am Ende von Season 2 noch geschehen. Denn solange die Spieler nach mehr Anno 1800 verlangen, solange gibt es für die Entwickler offenbar auch keinen Grund, die DLC-Fabrik komplett dicht zu machen.

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