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Seite 4: Assassin's Creed Valhalla im Test: Eine großartige Open World - und viele Enttäuschungen

Die erste große Schwäche: Die Open-World-Aktivitäten

Fangen wir positiv an: Es gibt genau viereinhalb Open-World-Aktivitäten, die in Valhalla Spaß machen.

  1. Die optionalen Bosskämpfe, die uns (anders als die Kampagne) wirklich viel abverlangen, weil wir beispielsweise gegen eine komplett gepanzerte Ritterin antreten, die uns mit drei Schlägen nach Walhall schickt.
  2. Flyting, also mittelalterliche Rap-Battles, in der ihr Kontrahenten mit den richtigen Reimen rhetorisch aufs Kreuz legt. Das erinnert ans Beleidigungsfechten in Monkey Island. Außerdem steigert Eivor dadurch einen Charisma-Wert, der bestimmte Dialoge erleichtert.
  3. Das Würfelspiel, das ihr wahrscheinlich nur einmal spielen werdet, weil es zu viel Zeit frisst. Aber trotzdem: Das Spiel ist gut gemacht.
  4. Animus-Rätsel, in denen ihr als Layla Hassan in der Open World kleine Geschicklichkeitsrätsel lösen müsst. Die fordern angenehm viel Köpfchen und spielen sich flott.

4 ½. Das Erklettern von Türmen und Bergen als Aussichtspunkt. Extrem atmosphärisch, aber nur eine halbwegs gute Aktivität, weil sich das Parkour-System recht fummelig spielt.

Nur als Einwurf: Valhallas Bedienung ist immer dann ein Problem, wenn ihr präzise sein müsst. Das Parkour-System spielt sich ähnlich träge und grob wie in Odyssey. Bei jedem Sprung herrscht Nervenkitzel, was genau Eivor jetzt tut. Von Ast zu Ast hüpfen? Den Baum hochlaufen? Ins Leere springen?

Das Doppelattentat funktioniert beim Schleichen ab und an nicht. Feinde lassen sich zudem nicht von oben meucheln, wenn sie im Schneidersitz hocken. Logisch. Und erwartet in den Kämpfen nicht die Präzision eines Ghost of Tsushima. Ihr müsst euch gedanklich darauf einstellen, dass Valhalla gelegentlich euren Tastendruck eher als losen Vorschlag interpretiert. Aber da das Spiel selten Präzision fordert, geht das meist schon in Ordnung. Außer beim Nachjagen von Zetteln.

Das Einsammeln von Zetteln ist eine von zig Open-World-Aktivitäten, die sich entweder fummelig, belanglos oder spaßbefreit spielen. Steine stapeln, Codes in der Landschaft suchen, verfluchte Amulette vom Baum schießen, fischen, saufen, kleine Pilz-Drogenrausch-Rätsel - keine dieser Aktivitäten macht in irgendeiner Form Spaß, aber zumindest kommen sie zu selten vor, um wirklich zu nerven. In einer ganz anderen Liga spielen hingegen die sogenannten World Events. Denn die sind fast durch die Bank eine Katastrophe.

Open-World-Rätsel wie dieses Symbol zu vervollständigen kommen zum Glück nicht allzu oft vor. Wirklich viel Spaß machen sie nämlich nicht. Open-World-Rätsel wie dieses Symbol zu vervollständigen kommen zum Glück nicht allzu oft vor. Wirklich viel Spaß machen sie nämlich nicht.

Die zweite große Schwäche: Die World Events

Erinnert ihr euch an die Sidequests in Odyssey? Komplette Story-Stränge mit Sokrates, Alkibiades und Co., in denen ihr Entscheidungen treffen und Festungen infiltrieren musstet? Quests, in denen es wirklich um was geht?

Sowas gibt es in Assassin's Creed Valhalla nur noch in stark reduzierter Form. Stattdessen findet ihr überall in der Welt sogenannte World Events. Dutzende kleine Geschichten am Wegesrand, die sich in zwei, drei Minuten erledigen lassen. Um zu illustrieren, wie flächendeckend problematisch die sind, liefern wir euch hier eine ausführliche und dafür repräsentative Liste, was ihr dort in puncto Story und Gameplay erlebt:

  • Eivor sammelt für eine Frau Schlangeneier, damit sie den härtesten Furz der ganzen Stadt ausstoßen kann.
  • Eivor schaufelt den Stuhlgang eines Mannes aus dessen Haus und unterzieht ihn einer Zwangswäsche, weil der Typ sich seit Monaten vergammeln lässt, damit er selbst den räuberischen Wikingern zu sehr stinkt.
  • Ein Wikinger-Pärchen kann keinen Sex mehr haben, weil sie es immer nur auf Raubzügen getrieben haben. Eivor muss deren Wohnung verwüsten, bis der Mann "Ich bin wieder hart" posaunt.
  • Eivor trägt Äpfel für einen Priester von A nach B.
  • Eivor spielt Verstecken mit drei Kindern und versteckt sich fünf Minuten auf dem Dach. Dann ist die Quest vorbei.
  • Eine Frau trauert um ihren toten Kater Sphinxi. Wir holen Sphinxis Sachen aus ihrem Haus, damit sie einen Schrein bauen kann.
  • Wir folgen einigen Hirschen durch den Wald.
  • Ein Typ hat eine Axt im Kopf. Wir ziehen sie raus und beenden damit sein Leben.
  • Wir trinken aus einem vergifteten Fass, um mit einem Schwein zu reden.
  • Wir holen ein Kamm aus einem Teich, um mit einer Frau Sex zu haben.
  • Wir verprügeln einen Priester, damit ein paar Musikanten "Smack my bishop" singen können.
  • Wir zählen Steine.
  • Wir bringen einem Mädchen ein Pferd, das zehn Meter entfernt rumsteht.
  • Wir verfolgen mit einem Jungen eine Katze durch die Stadt.

Bei diesem Event ziehen wir einem Mann eine Axt aus dem Kopf - und damit ist die Geschichte auch schon rum. Bei diesem Event ziehen wir einem Mann eine Axt aus dem Kopf - und damit ist die Geschichte auch schon rum.

In unseren knapp 60 Stunden mit Valhalla haben wir genau zwei World Events gefunden, in denen wir auch nur im Ansatz das machen müssen, was Assassin's Creed ausmacht: schleichen, infiltrieren, gegen ernsthafte Gegner kämpfen. Ubisoft verlässt sich darauf, dass diese belanglosen Quests interessant erzählt oder witzig sind. Sind sie nicht. So lustig Pipi-Kacka-Humor manchmal sein kann - Valhallas Events würden nicht mal einen 14-jährigen Teenager giggeln lassen und wirken vor allem fast immer deplatziert.

Diese World Events wiegen so schwer, weil sie quasi den kompletten optionalen Story-Content abseits einiger weniger Siedlungs-Quests darstellen. Trotzdem sind sie bloß die zweitschlimmste Sünde von Valhalla.

Auch Plus-Redakteur Peter Bathge hat die Schwächen von Assassin's Creed Valhalla bemerkt. In seinem Essay beschreibt er, was nach der Kritik folgen muss und wie sich die AC-Serie in der Zukunft ändern sollte:

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Die dritte große Schwäche: Die Jagd nach Schätzen

Die Frage, die ihr euch in Assassin's Creed Valhalla am häufigsten stellen werdet, lautet »Wo?!« Irgendwer bei Ubisoft muss sich gedacht haben:» Hey, diese ganzen feindlichen Festungen in Odyssey, wo man alles wegmeuchelt und dann Truhen einkassiert … ist alles nett, aber wäre es nicht super, wenn wir diese Truhen verflucht schwer auffindbar machen und dafür die ganze Sache mit den Feinden, Festungen und so einfach streichen?« Wer immer diese Frage mit »Ja« beantwortet hat, war ein richtiger fieser Loki.

Fast jeder Schatz in Assassin's Creed Valhalla verbirgt sich jetzt hinter einer verschlossenen Tür oder unter der Erde. Klingt nach keiner großen Sache, ruiniert aber einen Großteil der Open-World-Erkundung. Ein Beispiel.

Eivor steht auf einem Brückenkopf und entdeckt unter sich eine Rüstung. Wir suchen mit dem nutzlosen Raben, der nichts mehr markieren kann, einen Eingang. Keine Spur. Also laufen wir zehnmal um diesen Brückenkopf rum. Irgendwann sehen wir: Aha, hier ist eine brüchige Wand. Da brauchen wir Sprengstoff. Also suchen wir überall nach einer explosiven Vase. Nach fünf Minuten: keine Spur. Wir erweitern unseren Radius, in der Nähe steht ein Haus. Da wird Sprengstoff drin sein! Wir laufen hin, suchen den Eingang. Verriegelt.

Das Suchen nach Schätzen lohnt sich zum Beispiel für neue Fähigkeiten, die sich in Büchern verstecken. Der Weg dahin ist oft aber lästig und langamtig. Das Suchen nach Schätzen lohnt sich zum Beispiel für neue Fähigkeiten, die sich in Büchern verstecken. Der Weg dahin ist oft aber lästig und langamtig.

Also läuft Eivor zehnmal um das Haus rum, um diesen einen winzigen Schlitz zu finden, durch den er/sie die Verriegelung der Tür aufschießen kann. Jetzt stellt euch vor, wie toll es sich anfühlt, wenn da kein Sprengstoff drin ist. Irgendwann haben wir diese verfluchte Vase gefunden, sprengen die elende Wand, greifen gierig nach der Truhe … verschlossen. Eivor braucht einen Schlüssel. Es gibt übrigens auch Truhen mit zwei Schlössern. Oder drei.

Das klingt jetzt nach einem Extrembeispiel, aber so einen Quatsch müssen wir uns - falls wir die Open-World-Beute nicht liegen lassen wollen - andauernd antun. Auch nach erfolgreichen Überfällen auf Klöster. Oder nach Story-Missionen. Statt in der Open World zu kämpfen, zu schleichen, zu ringen, verbringen wir einen viel zu großen Teil der Spielzeit damit, Eingänge, Schlüssel, Sprengvasen und noch mehr Schlüssel zu suchen.

Der Echtgeld-Shop

Assassin's Creed Valhalla setzt auf die gleichen Mikrotransaktionen wie Odyssey. Ihr könnt euch also kosmetische Goodies kaufen - neue Segel fürs Schiff oder Outfits für Eivor. Spielmechanisch relevant sind nur die Ressourcen-Pakete, die euch vor allem Zeit in der Open World sparen. Für 10 Euro gibt's auch eine Map aller Schätze in der Welt. All das ist aber optional und nicht notwendig, zumal die Karte euch auch nicht das nervtötende Suchen nach Schlüsseln oder Sprengvasen abnimmt. Wir werten gemäß unserer Pay2Win-Richtlinien nicht ab.

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