Wieso sich Call of Duty: Warzone aktuell in der Krise befindet

Meinung: Hohe Spielerzahlen können nicht über die massiven Probleme des Battle Royales hinwegtäuschen. Wir erklären, warum viele Spieler so frustriert sind.

von Stephanie Schlottag,
08.04.2021 13:43 Uhr

Es tut weh, diesen Artikel zu schreiben. Denn eigentlich würde ich viel lieber Loblieder auf Call of Duty: Warzone anstimmen, das Spiel, das mir Battle Royale zum ersten Mal nahe gebracht hat. Aber dazu müsste ich eine bittere Wahrheit ausblenden: Warzone steckt zur Zeit in einer tiefen Krise. Und die Entwickler scheinen sich kaum dafür zu interessieren.

Was in CoD zur Zeit passiert, macht die Community stinksauer. Inzwischen starteten Spieler sogar eine große Protestaktion unter #FixWarzone: Es geht um ständig wiederkehrende Stim-Bugs, Horden von Cheatern, das völlig verkorkste Balancing - kaum zu glauben, dass die Entwickler diese Probleme seit Monaten nicht in den Griff bekommen. Kollege Phil hat die wichtigsten Baustellen für euch zusammengefasst:

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Aber meiner Meinung nach sind das gar nicht die größten Probleme von Warzone, sondern nur die sichtbaren Auswüchse von viel tiefergehenden Schwierigkeiten. Es sind drei Fronten, an denen das Battle Royale gerade scheitert. Und die Entwickler müssen das Ruder schleunigst herumreißen, bevor die Spieler genug haben und zur Konkurrenz abwandern. Battlefield 6 scharrt ja schon mit den Kampfstiefeln.

Die Autorin: Steffi (@ThePumpkini) ist für Call of Duty: Warzone extra zur Shooter-Expertin im GameStar-Newsroom geworden und hat zig Abende im Battle Royale versenkt. Weil ihr Verdansk das Genre erst nähergebracht hat, hat sie eine besondere Beziehung zu Warzone. In der kriselt es momentan nur leider gewaltig. Wie zahlreiche andere Spieler ist Steffi frustriert von den vielen unbedachten Änderungen und den Baustellen, die dafür brachliegen. Denn an sich ist Warzone immer noch ein fantastischer Shooter, der so ein Schicksal nicht verdient hat.

Front 1: Warzone hetzt ohne Plan voran

Die Zusammenführung mit dem aktuellen Call of Duty war der größte Einschnitt, den Warzone bisher erlebte. Und es lief, nett ausgedrückt, holprig. Seit der Integration von Cold War im Dezember 2020 ist die Warzone-Meta ein Scherbenhaufen, kein Wunder bei 30 neuen Waffen auf einen Schlag. Die Entwickler drücken trotzdem weiter unbeirrt auf Gas und fügen zig neue Inhalte, Skin-Pakete, Events, Modi und mehr hinzu, ohne sich darum zu scheren, ob Warzone als Gesamtprodukt so überhaupt noch funktioniert.

Klar, frischer Content kam schon immer dazu, aber der Zug oder das Stadion änderten nichts am Kern von Warzone. Während sich das Spiel innerhalb der ersten sechs Seasons konsistent anfühlte, hat sich das Spielgefühl in kurzer Zeit stark gewandelt: Hier erscheinen plötzlich Zombies, dort die nächste Ladung neuer Waffen. Und eine Atombombe, die die komplette Karte zerstören soll, steht wohl schon kurz bevor. Ein weiterer fataler Fehler, wie ich finde:

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Wo es früher viel Freiheit bei der Waffenwahl gab, bestimmen jetzt drei oder vier übermächtige Knarren das Spiel. Experimente beim Gunsmith ergeben wenig Sinn, wenn eh alles der M16 unterlegen ist. Dadurch geht viel von dem verloren, was ich bei Warzone so geschätzt habe. Dieser Spaß am Ausprobieren, das Gefühl, selbst die Kontrolle über meinen Spielstil zu haben, weil mehrere Wege zum Ziel führten. Inzwischen muss ich mich stupide der Meta unterordnen, sonst wird es unheimlich frustrierend.

Ein Spiel wie Warzone braucht Veränderungen, die Abwechslung bringen. Deswegen setzt es ja auf sein Season-Modell. Aber diese Änderungen müssen sich nahtlos einfügen und vor allem dem Großteil der Spieler gefallen. Wenn jedes Update einfach nur mehr Content in die Arena wirft, ohne sich darum zu kümmern, dass das grundlegende Spiel rund läuft, ist das einfach miese Planung.

Das Ganze wirkt nicht wie eine bewusste Neuausrichtung oder eine konkrete Vision der neuen Entwickler Raven Software. Warzone prescht aktuell wie ein führerloser Zug durch die Landschaft, ohne Halt oder Weiche in Sicht. Die Wünsche der Spieler spielen offenbar keine Rolle, wichtig ist nur mehr Inhalt. Und jedes neue Update macht das deutlicher.

Front 2: Jeder Patch macht die Probleme schlimmer

Wenn neue Inhalts-Updates wenigstens nur überflüssig wären, aber sie machen das Spiel auch noch aktiv schlechter über neue Bugs oder umstrittene Pay2Win-Bundles. Aktuell läuft Season 2 Reloaded in Warzone und Cold War. Die hatte zwar jede Menge GB im Feldgepäck, ignorierte aber die großen Baustellen von Warzone völlig - kein Nerf für die zu starken Waffen, keine strengeren Anti-Cheat-Maßnahmen, keine Verbesserungen an der bisherigen Karte. Kein Wunder, dass viele Spieler Updates inzwischen eher mit Skepsis als echter Vorfreude begegnen.

Jede Season werden neue Waffen ins ohnehin überladene Arsenal geworfen. Der Shop bekommt noch mehr Bezahl-Bundles, die sogar spielerische Vorteile bringen können. Und jeder Patch vergrößert die Zahl der schweren Bugs, statt sie auszumerzen. In Season 2 Reloaded ist zum Beispiel der verhasste Stim-Glitch plötzlich wieder da. Das sind genau die Funken, die die ohnehin genervte Community zum Explodieren bringen. So etwas darf einfach nicht passieren.

CoD Cold War & Warzone - Neuerungen von Season 2 Reloaded im Trailer 3:41 CoD Cold War & Warzone - Neuerungen von Season 2 Reloaded im Trailer

Zwischen den Erwartungen der Community und dem, was die regelmäßigen Updates liefern, klafft also eine tiefe Lücke. Und damit kommen wir zum dritten Problem, das die Entwickler sogar einfach lösen könnten - wenn sie nur wollten.

Front 3: Die Kommunikation klappt nicht

Das für mich sogar größte Problem von Warzone ist, dass nicht über die Probleme gesprochen wird. Zumindest nicht von Seiten Activisions oder der Entwickler. Die Spieler äußern sich darüber lautstark unter jedem einzelnen Tweet und machen ihren Frust deutlich. Klingt zum Beispiel so:

"Es sind fünf Monate (seit der Integration von Cold War) und Hacker sind immer noch ein Problem (sam nooted)"

"- Weil Activision und RavenSoftware egal ist, was die Spieler wollen. Sie interessieren sich nur dafür, was zu ihrem Profit beiträgt. (…) (crgroodw1n)"

»Activision sind die Spieler egal« - diesen Satz liest man immer und immer wieder. Und dieses Gefühl entsteht leider aus gutem Grund. Die meisten wirklich großen Probleme, also Cheater, Bugs, kaputte Meta, werden von den offiziellen Stellen nicht nur nicht behoben, sondern auch totgeschwiegen. Alle paar Monate wird ein Schlag gegen ein paar Zehntausend Hacker verkündet, dann herrscht wieder Funkstille.

Dabei wäre es so einfach, das zu lösen! Regelmäßige Statements wie zum Beispiel »Wir hören eure Kritik und arbeiten am Balancing« würden die Stimmung schon deutlich heben. Dann müssen natürlich auch Taten folgen und deutliche Verbesserungen kommen, bevor die nächste Content-Welle anrollt. Wird gerade hinter den Kulissen an genau diesen Problemen gefeilt (und die Entwickler wissen sicher, dass sie existieren), bekommen wir es so zumindest nicht mit.

Dass Fehler passieren, ist ja nicht dramatisch. Aber wenn diese Fehler augenscheinlich komplett ignoriert und unter neuem Content begraben werden, dann verstehe ich vollkommen, warum sich die enttäuschte Community immer mehr gegen Warzone wendet.

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Activision und Raven Software müssen dringend einen besseren Umgang mit ihren Spielern finden und die anhaltende Kritik endlich ernst nehmen. Und zwar sehr bald, bevor Call of Duty 2021 ansteht und Fragen zur nächsten Integration aufwirft! Ein erster Schritt ist bereits getan, im offiziellen Trello werden zumindest ein paar bekannte Bugs gelistet. Aber das allein wird längst nicht reichen, um Warzone aus der Krise zu ziehen.

Wie seht ihr das? Hat sich Warzone für euch zum Besseren oder Schlechteren verändert? Seid ihr optimistisch, was die Zukunft angeht? Diskutiert darüber gerne mit uns in den Kommentaren.

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