Chinas kuriose PUBG-Version - Statt zu sterben, wird gewunken

Nachdem PUBG in China eingestellt wurde, bietet Tencent jetzt eine gewaltlose Alternative namens Game for Peace an. Die lässt sich mit einem Wort beschreiben: Kurios.

von Mathias Dietrich,
10.05.2019 10:15 Uhr

PUBG wurde in China verboten. Stattdessen gibt es die fast inhaltsgleiche Version Game for Peace, die jedoch einige kuriose Anpassungen besitzt.PUBG wurde in China verboten. Stattdessen gibt es die fast inhaltsgleiche Version Game for Peace, die jedoch einige kuriose Anpassungen besitzt.

Weil Tencent keine Erlaubnis bekam, Playerunknown's Battlegrounds in China zu monetarisieren, haben sie die Tests des Battle-Royale-Spiels beendet. PUBG gibt es im Land der Mitte nicht mehr. Stattdessen veröffentlichte man jetzt das »Game for Peace« mit Zustimmung der Regierung. Und das lässt sich nur als bizarr beschreiben.

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Die Nachricht, dass PUBG in China eingestellt wurde, verbreitete sich schnell durch die sozialen Medien des Landes. Auf Chinas Twitter-Version Weibo wurde das Thema »PUBG ist weg« ganze 300 Millionen Mal angeklickt und 90.000 Mal kommentiert.

Obwohl Tencent behauptet, Game for Peace und PUBG seien fundamental »unterschiedliche Genres von Spielen«, berichten die Nutzer anderes. Das bekannte Battle-Royale-Spiel lud denen zufolge nach ein Update herunter, wodurch es zu »Game for Peace« wurde. Selbst die Accounts der Spieler soll man komplett übernommen haben: Level und ähnliches bleiben erhalten. Wer sich wieder einloggt, soll auf den exakt gleichen Karten an der identischen Position neu spawnen.

PUBG ohne Gewalt

Ein Vergleich mit den mittlerweile aufgetauchten Gameplay-Videos auf Youtube bestätigt diese Aussagen. Das Spiel wirkt wie eine Mod für PUBG. Es verwendet die selbe Grafik und das gleiche Design. Nur einige Modelle wurden ausgetauscht und das Gameplay gemäß den Vorstellungen von Chinas Regierung angepasst.

»Ähnlichkeiten« der Karte: Von den Inhalten her scheint es keinerlei Anpassungen zu geben. Gar die Map Erangel aus Playerunknown's Battlegrounds hat man auf den ersten Blick 1:1 übernommen. Von Sosnovka Island und seiner Militärbasis über Gatka bis hin zu Kameshki sind alle Orte aus dem »komplett anderem Spiel« vorhanden. Mit dem folgenden Vergleichs-Screenshot könnt ihr euch selbst ein Bild machen:

Erangel aus PUBG (links) und die Map aus »Game for Peace« (rechts).

Game for Peace bietet jedoch mehr als nur eine Karte. Insgesamt habt ihr die Wahl zwischen vier verschiedenen Maps. Neben der mit gemäßigten Klima gibt es noch eine Wüstenkarte, eine Eis-Map und eine tropische Insel.

Das macht das Spiel patriotisch: Schon in der Vorbereitungsphase seht ihr eine Staffel Kampfflugzeuge über euren Köpfen hinweg fliegen. Das Flugzeug, aus dem ihr abspringt, wird ebenfalls von zwei begleitet, die sich dann mit einem Kunststück verabschieden.

Im »Game for Peace« gibt es keine Toten: Weiter entfernte Tencent Gewalt komplett aus dem Spiel. Die Charaktere bluten und sterben nicht. Wer besiegt wurde, hockt sich stattdessen hin und winkt noch einmal ganz brav zum Abschied. Danach verschwindet der Avatar einfach.

Kuriose Zensuren gab es auch in Deutschland

Wer bei winkenden Charakteren die verschwinden ein Deja-Vu-Erlebnis hat, spielte seinerzeit womöglich die deutsche Version von Half-Life. Denn solch kuriose Beschneidungen gibt es nicht nur in China, sondern auch bei uns.

Kopfschütteln statt sterben, Roboter statt Menschen so lassen sich die Zensuren in Half-Life mit einem Satz beschreiben. Die NPCs sind hier nicht gestorben, sondern haben sich bei ihrem virtuellen Ableben hingesetzt und dabei mit dem Kopf geschüttelt. Das gilt aber nur für verbündete KI-Kameraden. Selbst gegen Menschen gekämpft habt ihr nämlich nicht. Die feindlich gesinnten Soldaten wurden hier allesamt durch Roboter ersetzt. Und von den geschwärzten Hakenkreuzen und anderen NS-Symbolen wollen wir gar nicht erst anfangen.

Mehr solcher Kuriositäten haben wir für euch in einem Plus-Video zusammengefasst:

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Der schwere Stand der Spiele in China

Seit März 2018 durften in China keine neuen Videospiele mehr veröffentlicht werden, wodurch selbst der Marktriese Tencent an Wert verlor. Im Dezember 2018 betrug der Einbruch bereits 200 Milliarden US-Dollar. Um wieder neue Spiele zulassen zu können, gründete man schließlich ein Ethik-Kommitee. Dieses lehnte unbestätigten Berichten zufolge auch bereits eine ganze Menge Titel ab. Unter denen soll sich unter anderem PUBG befunden haben.

Im April 2019 verabschiedete man zudem ein neues Gesetz, das sämtliche Gewaltdarstellung in Videospielen verbietet. Leichen oder Blut dürfen nicht mehr dargestellt werden. Darunter fällt auch andersweitig eingefärbtes Blut. Kein Wunder also, dass das Ableben in »Game for Peace« mit einer höflichen Verabschiedung stattfindet.

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Zudem sind die Hersteller dazu verpflichtet, Maßnahmen gegen Spielesucht zu implementieren. Mit Gesichtserkennung und Ausweis wird so die Zeit vorm Monitor von Minderjährigen stark reduziert. Kinder unter zwölf Jahren dürfen maximal eine Stunde spielen. Jugendlichen die älter als zwölf sind, dürfen sich hingegen zwei Stunden täglich mit Videospielen beschäftigen.

Der Markt in China bleibt dennoch stark. Gerade mit Mobile-Spielen wird hier ein sehr starker Umsatz erzielt. 61% sämtlicher Einnahmen durch Videospiele werden mit Titeln für Smartphones erzielt. Da ist es wenig verwunderlich, dass auch viele westliche Firmen mit Anpassungen ihrer Spiele versuchen in China Fuß zu fassen.

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