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Deathloop wird im Test mit jeder Sekunde besser

Deathloop entpuppt sich im Test als Singleplayer-Shooter mit genialer Zeitschleife, die durch enorme spielerische Freiheit fesselt. Aber nicht jede Idee zündet.

von Elena Schulz,
13.09.2021 15:12 Uhr

Deathloop-Testvideo - Der beste Singleplayer-Shooter des Jahres! 14:17 Deathloop-Testvideo - Der beste Singleplayer-Shooter des Jahres!

Update vom 17. September 2021: Aktuell wird ein Hotfix getestet, der die technischen Probleme bei uns behoben hat. Deshalb werden wir Deathloop nicht abwerten. Mehr dazu lest ihr im Technikkasten.

Sprecht uns nach: Turritopsis dohrnii. Was wie ein Harry-Potter-Zauberspruch klingt, ist eine Quallenart. Und zwar eine ganz besondere: Aus ihren Zellen kann eine identische Qualle entwachsen, der Lebenszyklus beginnt ohne Tod von neuem und die glibberigen Unterwasserwesen sind theoretisch unsterblich. Wenig überraschend, dass wir Menschen da neidisch auf den Ozean schielen und noch weniger überraschend, dass die Wissenschaft im Arkane-Shooter Deathloop schon eine Lösung für das lästige Problem mit dem Sterben gefunden hat.

Allerdings ohne Quallen-DNA: Die Polarmeerinsel Blackreef taugt durch eine Anomalie zum perfekten Spielplatz für stinkreiche Egozentriker, die dort einen einzigen Tag in endloser Zeitschleife erleben. Sie altern nicht und stehen am Morgen wieder auf, wenn sie einen Unfall hatten oder vor Langeweile gestorben sind. Wir sind einer von ihnen und haben die Nase gestrichen voll vom ewigen Leben.

Also gehen wir auf die Jagd und entlocken den vier weitläufigen Bereichen der Insel ihre Geheimnisse während wir einen Visionär nach dem anderen erledigen. Denn nur, wenn alle tot sind, bricht der Loop und wir sind frei. Eine spannende Prämisse, die spielerisch von Hitman, Dishonored und Deus Ex lernt, ihren innovativen Ideen aber nicht immer gerecht wird.

Deathloop - Screenshots aus der PC-Version ansehen

Wer nicht erkundet, bleibt dumm

Spulen wir erstmal zurück: Held Colt wird ermordet und erwacht danach allein und ahnungslos am Strand. Off-Kommentare wabern in leuchtender Schrift um uns herum: »Hier entlang!«, »Brich den Loop!«. Irgendwas ist hier faul, aber weil Colt Amnesie hat und wir keine Ahnung, können wir das nur vermuten.

Der Anfang weckt unsere Neugierde, protzt aber nicht mit einer genialen Enthüllung im Stil von Prey. Über das ganze Tutorial hinweg werden wir mit Hinweisen zum Kämpfen, Fähigkeiten und mehr zugeschüttet, klarer wird die Ausgangslage dadurch aber nicht. Hier hätten wir gerne einen friedlichen Einstieg erlebt, der sich Zeit nimmt, Colt und die Visionäre vorzustellen, bevor wir uns gegen sie wenden.

Öhm, was machen wir denn hier? Wie die Zeitschleife funktioniert und was dahinter steckt, finden wir erst nach und nach heraus. Aber nur, wenn wir aufmerksam erkunden. Öhm, was machen wir denn hier? Wie die Zeitschleife funktioniert und was dahinter steckt, finden wir erst nach und nach heraus. Aber nur, wenn wir aufmerksam erkunden.

Statt Antworten finden wir aber eine Waffe und überlegen kurz, ob wir sie Colt Junior oder doch Kathi Knarrenbauer nennen - humorvolle Selbstgespräche kann Deathloop schonmal und die sarkastischen Wortgefechte mit Gegenspielerin Julianna über Funk legen noch eine Schippe drauf. Die wirklich nützlichen Infos verstecken sich aber in alternativen Routen, Dokumenten oder Audiofiles. Nur wer neugierig ist und die Insel erkundet, findet heraus, was sich hinter Blackreef, Colt oder Julianna wirklich verbirgt.

Gleichzeitig muss man sich damit abfinden, dass nicht alles Sinn ergibt, wenn man etwas übersieht. Theoretisch lässt sich Deathloop in 15, 20 oder 30 Stunden beenden. Selbst dann blieben bei den zwei möglichen Enden für uns jedoch noch einige Fragen offen.

Deathloop - Launch-Trailer zieht uns mit in die Loop-Action 2:49 Deathloop - Launch-Trailer zieht uns mit in die Loop-Action

Tolle Welt, lahme Bewohner

Der Weg wird zum Ziel: Beinahe makelloses Leveldesign wie man es von Arkane kennt, eingebettet in eine fantasievolle Erzählwelt, führt uns durch das Küstenörtchen Updaam. Das ist wie alle Schauplätze kreativ gestaltet, mischt alte Gemäuer mit beengten Bunkern und quietschbunten 70er-Jahre-Möbeln. Nur wenn man genau hinschaut, fallen sterile Bereiche oder verwaschene Texturen auf. Das Gesamtbild stört das durch das fulminante Design kaum, von Next-Gen-Grafik erwarten wir allerdings mehr.

Meisterhaftes Leveldesign können die Deathloop-Entwickler. Nur Next-Gen-Stimmung will nicht so recht aufkommen. Meisterhaftes Leveldesign können die Deathloop-Entwickler. Nur Next-Gen-Stimmung will nicht so recht aufkommen.

Deathloop kommt in den Nutzer-Reviews auf Steam deutlich schlechter davon als in unserem Test. So beschreiben etliche Spieler Probleme mit der Performance, allem voran soll es zu unangenehmen Mikrorucklern und Bildrateneinbrüchen kommen. Wir sehen uns die finale Version von Deathloop daher noch einmal an und versuchen, die Probleme nachzustellen. In unserer Testversion konnten wir derartige Probleme jedenfalls nicht dokumentieren.

Was können wir verifizieren?

  • Bildrateneinbrüche: Auf unserem Testsystem mit Nvidia Geforce RTX 2060 Super und Intel Core i7 9700K kommt es unter Full-HD-Auflösung samt Preset Ultra gelegentlich zu spürbaren Framedrops. So fallen die FPS bei aktiviertem Vsync (60 Hertz respektive 60 FPS) teils auf knapp über 50 FPS, was wir im Spiel als deutlichen Ruckler wahrnehmen.
  • Mikroruckler: Besonders interessant ist der Blick auf die minimalen FPS, die für Mikroruckler verantwortlich sein können. Bis zu den 99th Percentile sehen wir konstant gute Bildraten. Bei den 99,1th Percentile, also den 0,1 Prozent der langsamsten FPS, fällt der Wert teilweise von 60 auf rund 11 FPS.
Mikroruckler werden jedoch unterschiedlich und stark subjektiv wahrgenommen. Sie können dem einen Spieler gar nicht auffallen, ein anderer hingegen bekommt buchstäblich Kopfschmerzen.

Wir werfen noch einen Blick auf die Speicher- und CPU-Auslastung:
  • Speicherauslastung: In Full HD und maximalen Detaileinstellungen schwankt die Speicherauslastung in der gewählten Testsequenz zwischen 6,8 und 7,0 GByte. In WQHD steigt der Speicherbedarf auf rund 7,2, in 4K auf rund 7,5 GByte.
  • CPU-Auslastung: Völlig unverdächtig ist die Auslastung unseres Prozessors. Alle acht Kerne respektive Threads werden in etwa gleich stark beansprucht (circa 40 bis 50 Prozent).
Was sind die möglichen Gründe für die Probleme?

Über die möglichen Gründe können wir im Moment nur spekulieren. Einige Nutzer geben dem umstrittenen Kopierschutz Denuvo, andere der Spiele-Engine selbst die Schuld. Beides ist denkbar, grundsätzlich gibt es jedoch auch andere Möglichkeiten, etwa schlecht optimierte Grafiktreiber.

Gibt es Lösungen?

Die einfachste Lösung kann in vielen Fällen das Aktualisieren der Treiber sein, allen voran des Grafiktreibers. Von AMD gibt es den Radeon-Treiber 21.9.1, der bereits für Deathloop optimiert ist. Der aktuelle Geforce-Treiber (471.96) ist ebenfalls darauf ausgelegt.

Auf unserem Testsystem mit Nvidia-GPU erzielen wir die besten Ergebnisse mit dem manuellen Limitieren der Bildrate auf 58 FPS im Grafiktreiber, wie das oben eingebundene Diagramm belegt.

Die minimalen FPS (99,1th Percentile) liegen nur knapp unterhalb der durchschnittlichen Bildrate, was einen flüssigen Spieleindruck hinterlässt. Probiert einfach verschieden Einstellungen aus: Für 120-Hz-Monitore bieten sich zum Beispiel 118 FPS an, und so weiter.

Warum werten wir nicht ab?

Update vom 17. September: Bethesda hat via Twitter nun mitgeteilt, dass bereits an einer Lösung gearbeitet wird. Aktuell befindet sich ein entsprechender Hotfix noch in der Überprüfung. Wir haben uns die Vorabversion schon einmal angesehen und können bestätigen, dass es zumindest auf unserem Testsystem nun nicht mehr zu Mikrorucklern kommt. Auch die oben genannten Bildrateneinbrüchen und Probleme mit den minimalen FPS können wir nicht mehr nachstellen. Deshalb haben wir uns entschieden, auf eine Abwertung aus technischen Gründen zu verzichten

Ihr könnt euch den Hotfix auch selbst besorgen. Dafür müsst ihr Deathloop allerdings mit einem Bethesda-Konto verknüpfen und ein Support-Ticket erstellen. Ob sich das überhaupt noch lohnt, können wir nicht beantworten. Wir vermuten allerdings, dass der offizielle Patch nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.

Die Bewohner von Updaam lenken sich vom gleichförmigen Alltag ab, indem sie riesige Partys mit Feuerwerk schmeißen oder per Live Action Roleplaying ein SciFi-Abenteuer erleben. Wir haben ein anderes Ziel, bewundern aber trotzdem die mit Pappmaché ausstaffierte Planetenoberfläche in einem extra präparierten Haus, wo zwischen ausgeschnittenen Astronauten und Aliens eine Computerstimme unseren Weg begleitet. Dahinter verbirgt sich der Halbhirn-Rechner 2Bit, den wir so nennen, weil er mit einem Stückchen Gehirn läuft. Ewwh.

Computer 2Bit hat Gehirn und Herz am rechten Fleck.

Rollenspielfestung Hier spielen wir ein Weltraumabenteuer und erledigen nebenbei Charlie.

Der Kerl ist aber sehr freundlich und hilft uns dabei, ein echtes Raketentriebwerk zu starten, um alle im Gebäude umzubringen, oder erzählt uns begeistert mehr über seinen Erbauer Charlie, seines Zeichens technisches Genie und Entertainer. Alle sieben Visionäre sind schillernde Gestalten, legendäre Sänger wie Plappermaul Frank oder brillante Wissenschaftler wie Wenjie Evans.

Während unser Herz beim unbedarften 2Bit aufgeht, bleiben die eigentlichen Stars auf Distanz. Sie begegnen uns im Loop fast nur als überzeichnete Karikaturen. Frank zum Beispiel hat seine engelsgleiche Stimme einfach weggesoffen. Eigentlich sollte das Mitleid erregen. Weil der Musiker so ein Arsch ist, zucken wir aber nur mit den Schultern. Allein Colt und Julianna erreichen durch ihre philosophischen Gespräche über Sinn und Unsinn der Zeitschleife eine gewisse Tiefe.

Ihr wählt vor jeder Mission Tageszeit, Ausrüstung und Ort aus, dann geht es weiter im Loop. Ihr wählt vor jeder Mission Tageszeit, Ausrüstung und Ort aus, dann geht es weiter im Loop.


Wie funktioniert der Loop?
Deathloop orientiert sich an Roguelikes. Ihr erlebt einen Tag immer wieder von vorne und verliert am Ende zumindest anfangs eure komplette Ausrüstung. Ihr könnt die Visionäre von Beginn an töten, sammelt zunächst aber Informationen. Nur wenn ihr die Ziele zu einer bestimmten Zeit an den passenden Ort lockt und dort auf die richtige Weise tötet, lassen sich alle in einem Durchlauf erledigen.

  • Jeder Tag unterteilt sich in Morgen, Mittag, Nachmittag und Abend
  • Pro Zeitabschnitt besucht ihr einen der vier Bereiche auf der Insel: die Forschungseinrichtung der Komplex, die Amüsiermeile Karlsbucht, den militärischen Fristad Rock oder die Wohngegend Updaam.
  • Die Sektoren verändern sich, es fällt gegen Abend Schnee und wird dunkel. Vorher freie Durchgänge sind dann zum Beispiel durch Laserschranken versperrt, Türen offen statt zu oder schärfer bewacht. Und auch Visionäre wechseln ihren Standort.
  • Vor jedem Besuch legt ihr Waffen und Kräfte fest. Gadgets wie ein Hacking-Werkzeug und eine Granate habt ihr immer im Gepäck.
  • Speichern ist während einer Mission nicht möglich. Colt hat aber drei Leben. Erst nach dem dritten Tod müsst ihr die gesamte Zeitschleife von vorne beginnen.
  • Gefundene Ausrüstung und Kräfte dürft ihr in den nächsten Loop mitnehmen, wenn ihr eine Ressource investiert. Wie das klappt, erklären wir im Kasten »Anreichern«.
  • Gegen Ende kommt ihr in einer Stunde durch eine Zeitschleife. Kennt ihr euch noch nicht aus, braucht ihr auch mal drei Stunden und mehr.

Updaam - Nacht Updaam - Nacht
Updaam - Tag Updaam - Tag

Es gibt kein Richtig oder Falsch

Wissen ist Macht und deshalb neben besserer Ausrüstung unser wichtigstes Ziel in Deathloop. Bei der ersten Mission in Updaam treibt uns das Katz-und-Maus-Spiel noch die Schweißperlen auf die Stirn. Nur mit Machete und lautloser Nagelpistole bewaffnet, huschen und meucheln wir angespannt durch streng bewachte Gassen in unser Appartement, nur damit Ich-habe-mein-halbes-Gehirn-in-einen-Computer-gepflanzt-Charlie plötzlich den Alarm auslöst und uns die ganze Nachbarschaft auf den Hals hetzt. Nichts wie weg!

Beim Erkunden entdecken wir dann aber Schleichwege über die Dächer oder durch Höhlen. Wir merken, dass wir Geschütze und Kameras per Hacking-Werkzeug umprogrammieren und Feinde mit Flaschen ablenken können, um sie dann in einer dunklen Ecke mit der Machete abzumurksen und ihre Waffe mit mehr Wumms an uns zu nehmen. Außerdem finden wir überall Residium, eine wertvolle Ressource, die unsere Ausrüstung über Loops hinweg erhält.

Habt ihr genug Residium gesammelt, dürft ihr so wertvolle Ausrüstung dauerhaft behalten. Habt ihr genug Residium gesammelt, dürft ihr so wertvolle Ausrüstung dauerhaft behalten.


Anreichern: So behaltet ihr eure Ausrüstung
Für besondere Waffen und neue Fähigkeiten nehmt ihr viel Arbeit auf euch. Ihr tötet Visionäre oder stellt hochkompliziert in Bunkern die Energieversorgung wieder her. Damit das neue Spielzeug dann am nächsten Tag nicht weg ist, braucht ihr Residium:

  • Die Ressource findet ihr überall in den Leveln und bei getöteten Zielen. Ihr erkennt sie als bunt wabernden Schleier über Objekten, den ihr per Tastendruck einsaugt.
  • Sterbt ihr, verliert ihr euer Residium und müsst es am Todesort wieder aufheben.
  • Nach jeder Mission könnt ihr die Substanz nutzen, um eure Ausrüstung anzureichern. Ihr investiert zum Beispiel 8.000 davon in die neue Waffe und dürft sie über Loops hinweg behalten. Mit der Zeit baut ihr so ein beeindruckendes Arsenal auf, das euch niemand mehr nehmen kann.

Den Nebel um unsere eigentliche Aufgabe lichten dann aber die versteckten Hinweise. Haben wir uns endlich Zutritt zum großen Dorsey-Anwesen im Stadtzentrum verschafft, sollen wir dort Aleksis ausschalten. Blöd nur, dass er eine Masken-Mottoparty veranstaltet, auf der alle gleich aussehen. Also erstmal weitersuchen und siehe da - eine Notiz, dass Partylöwe Aleksis gerne zu seiner eigenen Musik tanzt. Aber wo finden wir seine Noten? Vielleicht nehmen wir lieber ein wenig Ärger in Kauf und werfen eine Granate auf die Tanzfläche. Für jedes Attentat existieren zig Wege und Möglichkeiten: Habt ihr den Teleport-Skill im Gepäck, sind etwa Laserschranken kein Hindernis mehr für euch.

Partygäste Wer von denen ist nun Aleksis?

Hinweis Sein Lieblingslied soll ihn hervorlocken. Mal schauen, ob wir das irgendwo finden.

Sonst müsst ihr nah ran, um sie zu hacken oder ihr lasst per Granate einfach Giftgas in einer Lagerhalle explodieren, öffnet unten schnell ein Tor und schlüpft hindurch, bevor die tödlichen Dämpfe zurückkehren. So viel Freiheit treibt uns solche Freudentränen in die Augen, wie wir sie zuletzt bei Deus Ex wegblinzeln mussten.

Weitere Tipps findet ihr übrigens in unserem Einsteiger-Guide zu Deathloop:

Deathloop Guide: 11 Tipps, die wir gerne vor Spielstart gewusst hätten   2     5

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