Marvel’s Avengers macht in seinen ersten Spielstunden nicht alles, aber vieles richtig

Wir sind gerade fleißig am Marvel's Avengers spielen und liefern euch einen konkreten Eindruck, was ihr nach der Beta und von der Story erwarten könnt.

von Vali Aschenbrenner,
02.09.2020 16:10 Uhr

Wie gut ist Marvel's Avengers? Wir liefern euch einen Ersteindruck zur Story. Wie gut ist Marvel's Avengers? Wir liefern euch einen Ersteindruck zur Story.

Das hätte ich nicht erwartet: In meinen ersten Spielstunden hatte ich mit Marvel's Avengers überraschend viel Spielspaß. Und das, obwohl sich in den vergangenen Wochen eine ordentliche Portion Skepsis und Kritik angehäuft hatte.

Schon zu seiner Enthüllung wurde Marvel's Avengers kritisiert, weil die Spielfiguren nicht wie die Superhelden aus dem Kino aussehen. Dann fielen erst vor wenigen Wochen die Beta-Eindrücke zahlreicher Spieler ziemlich durchwachsen aus. Und jetzt bereiten auch noch die Echtgeld-Shops meinem Kollegen und Marvel-Spezi Dimi Bauchschmerzen.

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Doch wie gut wird das finale Spiel tatsächlich? Diese Frage können wir euch erst in unserem ausführlichen und vollständigen Test beantworten, sobald wir uns in hautengen Kostümen ausgiebig durch Marvel's Avengers geprügelt haben.

Zumindest jetzt können wir aber schon mal sagen: In seinen ersten Spielstunden macht Avengers viel, wenn auch nicht alles, sehr richtig. Was genau, das erkläre ich euch im folgenden Text - natürlich ohne zu spoilern.

Über den Autor
Wenn Vali sich mit etwas auskennt, dann mit Comics. Dabei lässt nicht nur Marvel sein Herz höher schlagen, sondern auch die Konkurrenz von DC oder eben die Werke kleinerer Publisher abseits der »großen Zwei«. So unter anderem Preacher, Tank Girl, Scott Pilgrim oder Hellboy - nur um ein paar wenige Beispiele zu feiern. Entsprechend glücklich ist er damit, dass sein Hobby nicht nur im Mainstream angekommen ist, sondern mittlerweile eigentlich gar nicht mehr wegzudenken ist. Doch Vorsicht: Nicht alles, was in Bezug auf Comics adaptiert wird, ist automatisch aus Gold. Marvel's Avengers muss sich damit ebenfalls erst auf lange Sicht beweisen, bevor es sich einen Platz in Valis Herzen verdient.

Was die Story von Avengers richtig & falsch macht

Das kommt uns doch bekannt vor ...

Iron Man, Captain America, Thor, Black Widow, der Hulk - diese Namen dürften mittlerweile jedem ein Begriff sein, der sich nur ansatzweise für Kinofilme oder TV-Serien interessiert. Die Avengers sind aus der momentanen Medienwelt gar nicht mehr wegzudenken: Im Kino spielten sie bereits Milliarden ein, kleben an jeder Plakatwand und mischen aktuell sogar den Battle-Royale-Hit Fortnite auf.

Das wissen auch die Entwickler von Crystal Dynamics. Aus diesem Grund machen sie sich gar nicht erst die Mühe, detailliert aufzuschlüsseln, woher ein egozentrischer Multimillionär seine flugtaugliche Rüstung hat oder warum der bärtige Wikingerverschnitt mit einem beeindruckend großen Hammer so verschwurbelt redet.

Für die Dynamik der titelgebenden Avengers haben sich die Entwickler von Crystal Dynamics ordentlich von dem Marvel Cinematic Universe inspirieren lassen. Für die Dynamik der titelgebenden Avengers haben sich die Entwickler von Crystal Dynamics ordentlich von dem Marvel Cinematic Universe inspirieren lassen.

Da wir ihre Vorgeschichte bereits kennen, gibt es zumindest für mich auch keinen guten Grund, diese nochmal aufzudröseln. Vor allem, weil sich Marvel's Avengers trotz eigenem Kanon am großen Vorbild des Marvel Cinematic Universe orientiert. Die Parallelen sind offensichtlich, ein paar wenige Beispiele habe ich für euch wie folgt aufgelistet:

  • Die Team-Konstellation ist dieselbe wie in Joss Whedons Kinofilm von 2012. Nur Hawkeye fehlt - der wird aber per DLC nachgereicht.
  • Das Design von Nick Fury ist wie im Kino-Universum an das der Ultimate-Comics angelehnt, was wiederum von Samuel L. Jackson inspiriert wurde, der in den Filmen tatsächlich als Shield-Chef auftritt.
  • Als Tony Starks große Liebe wird Pepper Potts geoutet, die Romanze zwischen den beiden machte eigentlich erst Jon Favreaus Iron Man von 2008 salonfähig.
  • Jarvis ist wie im Kino-Vorbild eine künstliche Intelligenz und nicht Tony Starks Butler, wie er es noch in den ursprünglichen Iron-Man-Comics war.

Doch warum wird die Story für mich dadurch so spannend? Weil wir die Geschichten der Hauptfiguren von Marvel's Avengers bereits kennen, muss diese zu Beginn nicht nochmal aufgewärmt werden. In diese Falle traten ja bereits Batman oder Spider-Man mit ihren regelmäßigen Reboots: Wie oft müssen Bruce Waynes Eltern beziehungsweise Onkel Ben noch auf der Leinwand sterben, bis man sich von dem ausgeleierten Origin-Story-Konzept lossagt?

Stattdessen sind die Avengers von … Marvel's Avengers bereits jahrelang als Superhelden etabliert, werden als Rockstars und von der Öffentlichkeit gefeiert. Auf diesem Erfolg haben sich die Iron Man, Thor und sogar Captain America zu Beginn des Spiels ausgeruht und machen Fehler, die sie alles kosten. Und damit meine ich wirklich alles. Eine interessante Perspektive, müssen die einst geliebten und jetzt in Ungnade gefallenen Helden sich wieder in die Herzen der öffentlichen Wahrnehmung zurückkämpfen.

Und ja, Marvel's Avengers erzählt mit Kamala Khan ebenfalls eine Origin Story, die wird aber im Spiel immerhin mit den Geschichten der Charaktere verwoben, die wir bereits kennen und lieben. Nicht unähnlich also zu Peter Parker (Tom Holland) und Tony Stark (Robert Downey Jr.) in Spider-Man: Homecoming.

Kamala Khan ist das Dreh- und Angelpunkt der Story von Marvel's Avengers. Und in den ersten Spielstunden kann sie bereits als eine der Hauptfiguren und Newcomerin überzeugen. Kamala Khan ist das Dreh- und Angelpunkt der Story von Marvel's Avengers. Und in den ersten Spielstunden kann sie bereits als eine der Hauptfiguren und Newcomerin überzeugen.

Bühne frei für »die Neuen«

Marvel's Avengers hält sich also nicht mit dem Aufwärmen bereits etablierter Geschichten auf, sondern stellt stattdessen (zumindest im Mainstream) weniger bekannte Figuren in den Mittelpunkt. Allen voran: Superhelden-Newcomerin Kamala Khan a.k.a. Ms. Marvel und Bösewicht George Tarleton a.k.a. M.O.D.O.K.

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So schlüpfen Spieler von Marvel's Avengers von Anfang an in Kamalas Rolle, die die Superhelden ihrer Welt bewundert und verehrt. Ein geschickter Kniff, denn so tasten wir uns aus ihrer Perspektive an das Videospiel-Universum von Square Enix heran und lernen mit Kamala gleichzeitig eine Figur kennen, der auch im Marvel Cinematic Universe eine Zukunft blüht: Für den Streaming-Dienst Disney Plus ist bereits eine Ms. Marvel-Serie geplant.

Meinen zugegeben schlechten Eindruck von Kamala aus der Beta konnte Marvel's Avengers übrigens bereits in den ersten Spielminuten zerschlagen: Nervte mich das Fangirl-Getue noch zu Beginn, wird der Charakter von Kamala im fertigen Spiel um einiges nuancierter und facettenreicher.

In den ersten paar Spielstunden zeichnet sich die Nachwuchs-Heldin vor allem durch ihren Enthusiasmus, Tatendrang und ihre Gutherzigkeit aus - wie sich der Charakter weiterentwickelt, möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht vorwegnehmen.

Bösewicht M.O.D.O.K. hat es bisher nicht von den Comics auf die große Kinoleinwand geschafft. Bösewicht M.O.D.O.K. hat es bisher nicht von den Comics auf die große Kinoleinwand geschafft.

Nicht alles rosig bei den Avengers

Allerdings muss man an dieser Stelle auch erwähnen, dass es sich die Story-Autoren zumindest zu Beginn etwas arg leicht machen. Wie einfach Kamalas Ermittlungen gegen die böse Organisation A.I.M. von der Hand geht, hat mir nicht nur ein Stirnrunzeln entlockt und auch der ein oder andere Zeitsprung fällt eher holprig als nachvollziehbar aus. Außerdem wird auch sehr viel Exposition mit Standbildern und Voice-Over betrieben, die dann doch recht lieblos aneinandergereiht wirken.

Dennoch hat mich zumindest die Story von Marvel's Avengers neugierig auf mehr gemacht und damit viele spielerische Probleme vergessen lassen: Die schlauchigen Level, das überladene Bildschirmgeschehen, das lieblose sowie willkürliche Loot-Gesammel und das nicht ganz ausgereifte Kampfsystem sind schon in der Beta negativ ins Gewicht gefallen - daran wurde zwar merkbar geschraubt, völlig ausmerzen konnten die Entwickler diese Probleme jedoch nicht.

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Doch für ein abschließendes Fazit müsst ihr euch noch gedulden, bis unser Tester Dimi dem weiteren Handlungsverlauf, dem technischen Zustand der PC-Version und natürlich dem Endgame von Marvel's Avengers auf den Zahn gefühlt hat. Wer sich aber zumindest für eine neue Geschichte um altbekannte Charaktere und dem ein oder anderen sympathischen Neuzugang interessiert, der sollte Marvel's Avengers trotz (berechtigter) Kritik aktuell noch nicht abschreiben.

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