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Total War: Warhammer 3 drei Monate später: Es hat sich viel getan, aber auch genug?

Warhammer 3 hat einen schweren Stand, obwohl es ein fantastisches Spiel ist. Wir blicken darauf, wie sich der Titel in den letzten Monaten entwickelt hat.

von Fabiano Uslenghi,
07.05.2022 14:30 Uhr

Total War: Warhammer 3 ist ein kurioses Biest. Denn eigentlich gibt es wenig Gründe, dieses Strategiespiel schlecht zu reden. Creative Assembly hat eine durchaus eindrucksvolle Fortsetzung abgeliefert. Das sag ich in dem vollen Bewusstsein, dass Warhammer 3 von Fans der Reihe aktuell verbal zerfleddert wird.

Auf Steam steht das Strategiespiel nach wie vor auf lediglich ausgeglichenen Bewertungen. Für solch ein ambitioniertes Projekt ist ausgeglichen aber eigentlich nicht der Maßstab. Seit der Ankündigung der Roadmap sind die kürzlichen Reviews sogar auf größtenteils negativ gefallen - was aber wenig mit dem tatsächlichen Zustand des Spiels zu tun hat, sondern mal wieder als Ventil für den Frust der Fans zweckentfremdet wurde.

Trotzdem ist nicht abzustreiten, dass Warhammer 3 überarbeitet werden muss. Nun hatten die Entwicklerinnen und Entwickler drei Monate Zeit, Scharten im Panzer auszuwetzen. Ich habe mich deshalb nach dem großen Update 1.1 wieder in die Schlachtreihe gewagt und verrate euch hier, welche Gefechte gewonnen wurden und wo der Schildwall noch Lücken hat.

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Fabiano Uslenghi
Fabiano Uslenghi

Auf GameStar.de ist Fabiano euer Mann für alles rund um Total War. Schon seit jungen Jahren lebt er in seinem persönlichen Feldherrenzelt und hat schon im ersten Rome seine Sporen verdient. Seitdem ist für ihn Total War nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Als studierter Historiker kann er sich kaum was Schöneres vorstellen, als sich durch die zahlreiche unterschiedlichen Epochen zu kämpfen, trägt aber auch sehr viele Liebe für Fantasy-Schlachten und damit den Warhammer-Ablegern im Herzen.

Wie war es zum Release?

Entgegen einiger Behauptungen lebe ich nicht einsam und vergrämt im obersten Turmzimmer der GameStar-Burg ohne Blick auf die Welt vor meinem Fenster. Natürlich weiß ich, dass Warhammer 3 gemeinhin schärfer kritisiert wird, als ich es in meinem Test getan habe. Doch nach wie vor stehe ich zu meiner Meinung. Ich halte Warhammer 3 für ein ausgezeichnetes Strategiespiel, das zum Release vieles besser machte als Beispielsweise seinerzeit Warhammer 2.

Was hat Fabiano nochmal zu Warhammer 3 gesagt? Das hier 12:49 Was hat Fabiano nochmal zu Warhammer 3 gesagt? Das hier

Seine Stärken sind kaum von der Hand zu weisen. Insbesondere die neuen Außenposten und das Anwerben ganzer Armeen verbündeter Fraktionen macht das Schließen von Bündnissen so viel lohnenswerter. Auch die Diplomatie sorgt für weniger Frust, wenn sie auch nach wie vor nicht wirklich zum Feilschen geeignet ist.

Gleichzeitig fuhr Warhammer 3 eine beachtenswerte Riege an unterschiedlichen Völkern direkt zum Release auf. Jedes davon spielt sich erfrischend anders, hat eigene Vor- und Nachteile und übertrumpft die Vorgänger dabei schon mit schierer Masse. Dass es hier zum Release noch einige Balanceschwierigkeiten gab, kann ich persönlich ganz gut verschmerzen. Perfekte Balance ist immerhin im Singleplayer nicht immer ein Garant für Spielspaß, sondern kann auch Abwechslung minimieren.

Noch eine tolle Neuerung: Es gibt fantastische Gefechte in Nebensiedlungen, auf die wir lange verzichten mussten. Noch eine tolle Neuerung: Es gibt fantastische Gefechte in Nebensiedlungen, auf die wir lange verzichten mussten.

Weshalb Warhammer 3 trotzdem so schlecht wegkommt, liegt am größten Kritikpunkt. Für mich war dieser entscheidend, um Warhammer 3 die 90 zu verwehren. Für viele ist er aber sogar ein kompletter Dealbreaker.

Warum wurde es trotzdem kritisiert?

Die Kritik an Warhammer 3 bezieht sich in den meisten Fällen auf die Kampagne. Klar, es sind immer wieder auch Stimmen zu hören, die sich über Bugs ärgern und das Spiel scheint auch nicht auf allen System komplett flüssig zu laufen. Doch Sätze wie: Das hätte so nicht erscheinen dürfen, halte ich persönlich für vollkommen überzogen. Ich wurde aber auch auf drei Test-Rechnern von Performance-Problemen verschont.

Ich bin davon überzeugt, dass Warhammer 3 selbst mit diesen technischen Hürden trotzdem besser wegkommen würde, gäbe es nicht so viel an der Kampagne zu meckern. Sehen wir von den Multiplayer-Kampagnen einmal ab, gibt es in Warhammer 3 nämlich nur einen einzigen Kampagnen-Modus. Darin geht es um die Chaosportale, die Reisen ins Reich der Chaosgötter und die Rettung des verwundeten Gottbären Ursun. Diese Kampagne kann Spaß machen, hat aber zwei große Macken:

  • Keine Sandbox: Die Kampagne hat keinen Sandbox-Charakter. Es ist also nicht wirklich möglich, die Story zu ignorieren und einfach nur das eigene Reich aufzubauen oder Nachbarn zu annektierten. Die Portale zwingen sogar dazu, das eigene Imperium möglichst klein zu halten. Fans fehlt hier die Möglichkeit zur individuellen Entfaltung.
  • Nervige Routine: Zwar sind die vier Chaosreiche beim ersten Durchgang noch spannende Orte, die uns vor vier recht unterschiedliche Herausforderungen stellen. Nur macht das schon ab dem zweiten Durchgang deutlich weniger Spaß. Eben da sich die Reiche zwar voneinander unterscheiden, aber für sich genommen in jeder Partie das selber Erlebnis bieten. Mit jeder neuen Kampagne werden die Reiche dadurch zu nerviger Routine und rauben vielen Spielerinnen und Spielern den Spaß.

Unter ganz ähnlichen Problemen litt schon die Kampagne von Warhammer 2. Trotzdem wird Warhammer 3 im Schatten des Vorgängers viel schärfer verurteilt.

Obwohl die Chaosreiche wunderbar die Eigenheiten der jeweiligen Götter herausheben, macht es auf Dauer keinen Spaß sie zu durchqueren. Obwohl die Chaosreiche wunderbar die Eigenheiten der jeweiligen Götter herausheben, macht es auf Dauer keinen Spaß sie zu durchqueren.

Und das hat folgenden Grund: Während Warhammer 2 sich nur mit dem direkten Vorgänger messen musste, der weit von Perfektion entfernt war, hat Warhammer 3 ein viel schwieriger Aufgabe. Warhammer 2 hat sich in den fünf Jahren seit seinem Release zu einem beachtlichen Monstrum gemausert, das vor allem dank der riesigen Mortal-Empires-Kampagne ein grandioses Total-War-Erlebnis anbietet.

Das erste Warhammer hatte damals im Vergleich zu Warhammer 2 wenig auf derselben Ebene vorzuweisen. Warhammer 2 hingegen fühlt sich aktuell wie das deutlich umfangreichere und rundere Spiel an, weil es eben bereits einen mehrjährigen Post-Release-Zyklus durchlaufen hat und genau die Sandbox-Abenteuer anbietet, die Warhammer 3 jetzt fehlen.

Creative Assembly scheint sich hier massiv verschätzt zu haben, wie wichtig diese Kräftemessen mit dem direkten Vorgänger werden könnte. Fans sind enttäuscht, da sich der neue Teil nach weniger anfühlt. Eine unglückliche Lage, die vermeidbar gewesen wäre.

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Was hat sich in 3 Monaten verändert?

In den drei Monaten seit dem Release von Warhammer 3 sind drei Updates erschienen. Das klingt nicht nach viel, bedenkt man die Patch-Frequenzen manch anderer großen Releases. Werfen wir einen Blick in die Patch-Notes der ersten beiden Updates, wurde dort auch nicht viel verändert. Patch 1.0.1 optimierte etwa lediglich ein wenig die Multiplayer-Lobby, während Patch 1.0.2 die Performance-Schwierigkeiten bei einigen Spielerinnen und Spielern ausbessern sollte.

Die automatischen Gefechte bleiben ein Problem. Hier verlieren wir im Kampf gegen zwei Helden ganze drei erfahrene Einheiten. Die automatischen Gefechte bleiben ein Problem. Hier verlieren wir im Kampf gegen zwei Helden ganze drei erfahrene Einheiten.

Das klingt ernüchternd, wäre nicht im April das große Update 1.1 erschienen. Mit diesem Patch ging Creative Assembly endlich in die Offensive und adressierte gleich mehrere Kritikpunkte. Wie bei großen Patches üblich, waren darunter natürlich zahlreiche Bugfixes und Stabilitäts-Verbesserungen.

Allerdings brachte Update 1.1 zudem einige neue Gameplay-Veränderungen sowie Balance-Updates für zahlreiche Fraktionen, Einheiten oder Zauber. Das alles werde ich nicht im Detail aufdröseln, hier findet ihr aber die kompletten Patch Notes. Eine Übersicht der wichtigsten Änderungen:

  • Negative Eigenschaften durch Chaoskorruption werden nun überall abgebaut, wo die Chaoskorruption ein niedrigeres Level hat. Zuvor musste das Land komplett frei von Chaos sein.
  • Automatische Gefechte gehen nicht länger davon aus, dass ein Angriff aus einer Stadt größere Vorteile bietet, als wenn die Stadt angegriffen wird.
  • Die Kampagne wurde teilweise überarbeitet und macht es leichter möglich, das Spawnen von Chaosportalen zu verhindern.
  • Nach dem Sieg über Be'Lakor kann sich nun dafür entschieden werden, den Charakter zu verbannen. Ihr verliert Be'Lakor als Kommandanten, aber bekommt dafür einige Boni spendiert.
  • Die Chaosdämonen und ihr legendärer Kommandant wurden erheblich verbessert.
  • Auf dem Schlachtfeld wurden Einheiten ein wenig überarbeitet und sollen so besser auf Befehle reagieren.
  • Zahlreiche Einheiten in allen Fraktionen wurden gebufft oder generft.

Wie spielt es sich jetzt?

Jetzt also zur großen Frage: Wie spielt sich Warhammer 3 inzwischen? Wurden die großen Kritikpunkte an der Kampagne nach Update 1.1 möglicherweise sogar ausgehoben? Die Antwort: Jein.

Die Kampagne bleibt ein Problem - aber ein kleineres

Nach wie vor scheint sich Creative Assembly dagegen zu sträuben, eine Alternative zur Kampagne mit den Chaosportalen anzubieten. Das Update brachte also keine zweite Kampagne ohne die Portal-Mechanik. Stattdessen wurden neue Features eingefügt, mit der ihr die Portale leichter ignorieren könnt.

Und das funktioniert tatsächlich ganz gut. Das Sicherheitsgebäude, das in jeder Stadt gebaut werden kann, hat nun einen neuen Effekt. Dadurch werden nämlich Chaosportale in der ganzen Provinz unmöglich. Eine sehr angenehme Verbesserung, zumal das Gebäude schon auf Bevölkerungsstufe drei gebaut werde kann und damit sowohl wenig Gold kostet, als auch sehr früh im Spiel schon verfügbar sein sollte.

Ohne die Portale im Rücken, konnte ich endlich nach Herzenslust mein Reich vergrößern und musste mich nicht darum sorgen, dass die Korruption und die Armeen im Hinterland meine Aufmerksamkeit binden. Wer sich also auf einen Eroberungsfeldzug begeben will, kann das jetzt richtig angehen!

Das Fackel-Gebäude hat seit Update 1.1 den Effekt, dass hier keine Portale mehr erscheinen können. Das "Fackel-Gebäude" hat seit Update 1.1 den Effekt, dass hier keine Portale mehr erscheinen können.

Aber ... nervig ist die Portal-Mechanik nach wie vor. Mal davon abgesehen, dass die Möglichkeit, eine Sieg-Bedingung zu ignorieren, nicht gerade für gutes Gamedesign spricht, bleibt das Ringen um die Seelen ein nerviger Nebenschauplatz. Zumindest, wenn ihr nicht gerade darauf Bock habt.

Denn obwohl Portale wahlweise nicht mehr spawnen können und es nun sogar möglich ist, einer Fraktion mit vielen Seelen diese wieder abzunehmen, bleibt das Chaos penetrant. Die KI baut nämlich nie die Sicherheitsgebäude, große Teile der Karte werden also zwangsläufig trotzdem verseucht und kleine Chaosarmeen gespawnt. Wer zudem immer alle Portale abschaltet, bekommt irgendwann Probleme. Denn ich muss mit den Portalen ja zur Schmiede der Seelen reisen, sollte eine andere Fraktion alle vier Seelen einsammeln. Sonst geht die Partie trotzdem verloren.

Mit dem neuen Update ist es also besser möglich, auf Eroberung zu spielen, es fühlt sich aber noch nicht nach der Sandbox an, die ich mir von Total War wünsche. Dafür bleiben Portale, Chaosreiche und Seelen eine zu präsente Gängelung.

Ein besserer Einstieg

Es ist tatsächlich nun ein wenig einfacher, unbeschwert in eine neue Kampagne zu starten. Einerseits hat Creative Assembly eingesehen, dass Kislev und Die Chaosdämonen wohl doch nicht die besten Fraktionen für Anfänger sind. Diese Auszeichnung geht nun richtigerweise an das Großkaiserreich Cathay. Gleichzeitig spielen sich die Chaosdämonen jetzt trotzdem effektiver.

Der kleine Hammer bei Cathay kennzeichnet das Volk als das beste für den Einstieg. Ursprünglich befand er sich bei Kislev und den Chaosdämonen. Der kleine Hammer bei Cathay kennzeichnet das Volk als das beste für den Einstieg. Ursprünglich befand er sich bei Kislev und den Chaosdämonen.

In meinem erneuten Durchgang mit meinem eigenen Dämonenlord namens Maurice konnte ich viel schneller im eisigen Ödland Fußfassen und wurde nicht all zu sehr von Norsca oder dem nervtötendem Kostaltyn beharkt. Zudem schlägt sich der Selbstbau-Kommandant in den Schlachten jetzt sehr viel besser und stinkt nicht mehr gegen die vorgefertigten legendären Kommandanten ab.

Allerdings bleibt Warhammer 3 auch auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad noch anspruchsvoll. Wobei die Härte teilweise sehr spürbar auf die unfairen Vorteile der KI zurückzuführen sind. Selbst kleine Reiche mit einer Stadt bauen da mal fröhlich Doomstacks aus Eliteeinheiten. Außerdem existiert nach wie vor ein nerviger Fokus auf mich als Spieler. Die KI zieht es also meistens vor, mich zu bedrängen, selbst wenn der Kampf gegen andere KI-Völker gerade sinnvoller wäre.

Es gibt Mods!

Eine der wichtigsten Neuerung seit Release steht in keinen Patch Notes. Mittlerweile gibt es nämlich Mod-Support für Warhammer 3. Und dieses Feature solltet ihr nicht unterschätzen. Denn einige Ärgernisse, die ihr mit Warhammer 3 haben könntet, werden von fleißigen Moddern ausgeräumt. Das heißt natürlich nicht, dass die Entwicklerinnen und Entwickler fein raus sind, aber es ist ein relevanter Punkt, wenn wir über den aktuellen Zustand sprechen.

Beispielsweise könnt ihr mithilfe der Mods dafür sorgen, dass die Kampagne viel weniger nervt. Und das ist eben der allergrößte Kritikpunkt. Haltet also die Augen nach ein paar Modifkationen offen, die euch das Leben leichter machen. Oder schaut in unserer Übersicht vorbei, die einige der besten vorstellt:

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Wie ist euere Meinung zum aktuellen Zustand von Total War: Warhammer 3? Seid ihr mit den Neuerungen zufrieden oder ärgert ihr euch darüber, dass es noch bis Q3 dauert, bevor das Immortal-Empires-Update kommt? Schreibt es in die Kommentare!

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