Bei New World hat sich vieles verändert, aber nicht das Wichtigste

Seit seiner Verschiebung hat sich einiges getan bei Amazons MMO New World. Doch die Baustellen liegen eigentlich woanders.

von Géraldine Hohmann,
26.10.2020 18:10 Uhr

Das MMO New World köchelt seit mittlerweile mehreren Jahren in der Spiele-Küche der Amazon Game Studios vor sich hin. Nach diversen Neuorientierungen von PvP zu PvE und zwei Release-Verschiebungen stehen nun erneute Alpha-Tests vor der Tür.

Das nehmen die Entwickler zum Anlass, auf alle Änderungen seit dem Vorbesteller-Anspielevent im August zurückzuschauen. Dabei geht man allerdings bereits sehr ins Detail, was angesichts der tatsächlichen Baustellen von New World überrascht. Wir klären deshalb auf, was sich beim MMO verändert hat - und was es eigentlich bräuchte.

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Was hat sich verändert in New World?

  • Neue Nahkampfwaffe: Der Speer soll zwei mögliche Spielarten bieten. Entweder haltet ihr eure Gegner auf Distanz und nutzt ihn zusätzlich als Wurfspeer (Zonenbeherrschungs-Skilltree) oder ihr setzt Gegnern aus nächster Nähe mit schnellen Angriffen zu (Pfähler-Skilltree). Der Speer skaliert mit Geschick, wird aber auch durch Stärke beeinflusst.
  • Verbesserungen im Kampf: Ein Highlight von New World soll das Kampfsystem werden, in dem ihr schnell zwischen Waffen und Kampfstilen wechselt. Das funktionierte bisher nur bedingt, weil sich mehrere Spezialangriffe die gleiche Abklingzeit teilten. Das ist nun vorbei: Ihr könnt beispielsweise mit eurer Axt eine Fähigkeit auslösen, zum Schwert wechseln und ohne Wartezeit dessen Spezialattacke hinterher schicken. Auch der Waffenwechsel selbst wurde beschleunigt.
  • Klügere KI: Das Verhalten von KI-Gegnern war bisweilen ziemlich eintönig. Ein neues Bedrohungssystem soll jetzt für jeden einzelnen Spieler mehrere Faktoren bieten, warum sie als Ziel ausgewählt werden. Auch Heilung hat künftig einen Einfluss auf den Bedrohungswert jedes Spielers.
  • Angepasstes Balancing: Beispielsweise wurden die Seltenheiten und Mindeststufen für mächtige Ausrüstung angepasst, damit die Jagd nach besserem Equipment im Endgame interessanter wird. Außerdem wurden die Stufenaufstiege verlangsamt.
  • Mehr Ausrüstungseffekte: 16 neue Effekte beeinflussen unter anderem das Gewicht bestimmter Gegenstände oder euren Bedrohungswert.

Das Problem liegt woanders

Zwar ist vor allem die Anpassung des Kampfsystems eine sinnvolle Änderung, nach der Vorbesteller-Preview im August müsste Amazon aber an ganz anderen Stellen anpacken. Statt das wenig motivierende PvP, das recht eintönige Kriegs-Event und die immer noch unklare »PvE vs. PvP«-Ausrichtung anzugehen, suchen die Entwickler scheinbar den Teufel im Detail.

Die Autorin
Redakteurin Géraldine beschäftigt sich seit einem Jahr mit dem Thema New World und hat sich im Preview-Event bereits in die Massenschlachten gestürzt. Sie wünscht sich wie so viele Spieler frischen Wind in der MMO-Landschaft, in der partout niemand die Platzhirsch-Senioren à la World of Warcraft vom Thron stoßen kann. Aber je näher der Release von New World rückt, desto häufiger fragt sie sich, wer genau eigentlich die Zielgruppe ist.

Das Hauptproblem von New World ist, dass es alle Spielertypen glücklich machen möchte und sich in der Konsequenz niemand so richtig angesprochen fühlt. Die Frage ist: Für welches Feature sollte ich New World spielen?

Das PvP in der offenen Welt ist nur noch optional, die Massenschlachten finden auf separaten Schlachtfeldern statt. PvE-Fans fragen sich, ob die Quests und Berufe genügend Motivation bieten. Ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal hat New World also nicht mehr. Und genau diese Unklarheit kann sich Amazon nicht leisten.

Nach dem erfolglosen Release ihres Team-Shooters Crucible muss der nächste Treffer sitzen - sonst könnte auch New World neben seinen MMORPG-Konkurrenten und dem bevorstehenden Release von WoW Shadowlands schnell in Vergessenheit geraten. Klar, viele Online-Spiele leben von jahrelangem Service und Verbesserungen und wachsen oft mit dem Feedback ihrer Community - ohne eine treue Stamm-Spielerschaft funktioniert das aber nicht.

Von seiner ursprünglichen PvP-Ausrichtung sind nur noch die Massenschlachten geblieben, die allerdings auf separaten Karten stattfinden. Von seiner ursprünglichen PvP-Ausrichtung sind nur noch die Massenschlachten geblieben, die allerdings auf separaten Karten stattfinden.

Bis zum geplanten Release am 25. Mai 2021 scheinen grundlegende Veränderungen an der Ausrichtung nicht besonders realistisch, gerade wenn man sich anschaut, an welchen Details die Entwickler aktuell schrauben. Bleibt also abzuwarten, ob New World an seinem fehlenden Fokus scheitert, oder ob es uns doch überrascht.

Unser Kollege und Branchen-Experte Peter Bathge geht in seiner Kolumne der Frage auf den Grund, mit welchen Hürden New World aktuell zu kämpfen hat - und was in Sachen Entwicklung und Marketing schief gelaufen ist:

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Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann sich natürlich auch für die laufende Alpha-Phase anmelden und herausfinden, was New World derzeit für MMO-Fans bietet. Alternativ erklären wir euch in unserem Preview-Video alles, was ihr über New World wissen müsst in 10 Minuten.

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