»Tolle Entwickler, mieses Management!« - Obsidian-Gründer Chris Avellone fordert Entlassung der Studio-Bosse

Seit April dieses Jahres kritisiert Chris Avellone seinen ehemaligen Arbeitgeber Obsidian Entertainment regelmäßig. Nach dem Kauf durch Microsoft rät Avellone letzteren jetzt, die Manager zu entlassen.

von Mathias Dietrich,
12.11.2018 15:49 Uhr

Chris Avellone, Mitbegründer des Pillars-of-Eternity-Machers Obsidian, rät Microsoft, die Führungsebene des Studios zu entlassen.Chris Avellone, Mitbegründer des Pillars-of-Eternity-Machers Obsidian, rät Microsoft, die Führungsebene des Studios zu entlassen.

Chris Avellone, Mitbegründer von Obsidian Entertainment und Entwickler von Pathfinder: Kingmaker, setzt den Feldzug gegen sein ehemaliges Studio fort. In einem Tweet fordert er nun, dass Microsoft doch die Bosse des kürzlich von ihnen erworbenen Studios feuern soll. Als Grund gibt er die eher mäßigen Verkäufe von Pillars of Eternity 2: Deadfire an.

Der Zwist von Avellone mit der Führungsebene von Obsidian Entertainment begann bereits im April dieses Jahres, als er sich offen über Vertragsbrüche und Knebelverträge bei den Machern von Pillars of Eternity äußerte.

Damit fing alles an

Nach über 12 Jahren verließ Chris Avellone Obsidian Entertainment im Jahr 2015. Seinerzeit schien es noch so, als sei die Trennung im Guten verlaufen. In einem Interview mit RPG Codex dieses Jahr sprach er jedoch über seinen Weggang und zeichnet ein ganz anderes Bild. Dem zufolge entzog ihm Mitgründer Feargus Urquhart die Besitzeranteile, als Avellone die Finanzen der Firma hinterfragte. Auf die Ansage, dass er nach wie vor an Tyranny arbeiten dürfe, antwortete Avellone, dass Obsidian das alleine machen kann.

Avellones Aussagen zufolge war der Weggang alles andere als einfach. So habe er weder Aktienanteile noch Kapitalauszahlungen erhalten und Obsidian habe zudem einfach Verträge gebrochen. Mit seinen Kollegen selbst hat er keine Probleme. Es ist nur die Führungsebene, auf die er schlecht zu sprechen ist.

Seine Ansichten werden nicht von allen Angestellten geteilt. Eric Fenstermaker, Lead Narrative Designer von Pillars of Eternity, widersprach ihm zum Beispiel und sagte, dass sich seine eigenen Erinnerungen an die Ereignisse stark von Avellones unterscheiden.

Unser Interview mit Avellone

Im Zuge dieser Anschuldigungen führten wir im Mai ein Interview mit Chris Avellone und befragten ihn noch einmal genauer zu der Thematik. Uns erzählte er, dass es bei manchen Projekten noch schlimmer zuging als bei Pillars of Eternity. Und diese Probleme zu ignorieren schade nicht nur den Entwicklern, sondern auch dem Management von Obsidian selbst.

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Von einer Versöhnung mit Feargus sieht Avellone ab. Es habe dafür genug Zeit gegeben, als er noch bei Obsidian arbeitete und die Probleme ansprach.

Aufkauf durch Microsoft

Vor Kurzem hat Microsoft bekanntgegeben, Obsidian Entertainment aufzukaufen. Obsidian zufolge erhofft man sich so finanzielle Stabilität und zudem, dass man sich mehr auf die Entwicklung der Spiele konzentrieren kann.

Das brachte Chris Avellone wieder auf den Plan, der sich am 6. November auf Twitter zu der Übernahme äußerte und Microsoft rät, sich die Verkaufszahlen von Pillars of Eternity anzusehen. Das, so die Annahme des Mitbegründers von Obsidian, soll aufzeigen, dass das Management des Studios schlecht sei.

Als er für diesen Beitrag von einigen Twitter-Nutzern kritisiert wurde, führte er die Situation aus und erzählte, wie die zwei Angestellten von Obsidian, die sich zur Situation äußerten, seine Aussagen aus dem Interview im April nie widerlegten. Im Gegenteil: Die Antwort von Eric Fenstermaker, so Avellone, stimmte ihm zu, nur um ihn dann anderweitig zu kritisieren.

Zudem ging er erneut darauf ein, wie die Angestellten nicht gleichberechtigt behandelt würden. So würden einige Mitarbeiter bevorzugt und es werde Vetternwirtschaft praktiziert. Als unabhängige Quelle nennt er die Reviews auf Glassdoor.

Ob Avellones Aussagen stimmen, oder er nur ein verärgerter Ex-Mitarbeiter ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. In letzter Zeit machten häufiger Kritiken über schlechte Arbeitsbedingungen in der Videospielentwicklung die Runde. Beispielsweise wurde Rockstar wegen seiner Crunch-Zeiten bei der RDR-2-Entwicklung kritisiert und bei League-of-Legends-Entwickler Riot Games gab es Sexismus-Vorwürfe.

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