Die Zeit des Season Pass ist abgelaufen - Warum Call of Duty & Co. aufhören müssen, Map Packs zu verkaufen

Wenn dieses Jahr CoD: Black Ops 4 und Battlefield 5 erscheinen, muss sich an ihrem Verkaufsmodell einiges ändern, behauptet Philipp Elsner.

von Philipp Elsner,
13.05.2018 09:00 Uhr

Verzichtet Call of Duty: Black Ops 4 auf ein Season-Pass-Modell? Für langfristigen Erfolg wäre das bitter nötig, meint GameStar-Redakteur Phil.Verzichtet Call of Duty: Black Ops 4 auf ein Season-Pass-Modell? Für langfristigen Erfolg wäre das bitter nötig, meint GameStar-Redakteur Phil.

Lange Zeit war es völlig normal, 50 Euro für ein Multiplayer-Spiel und dann noch einmal 50 Euro für die zugehörigen Map-Pakete hinzublättern. Bei Battlefield hieß das Modell Premium, bei Call of Duty war es der Season Pass mit durchschnittlich je vier DLCs. Ich sage ausdrücklich "hieß" und "war", weil dieses Modell endgültig am Ende ist. Es funktioniert einfach nicht mehr.

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Der klassische Season Pass ist Schnee von gestern. Die Branche, das Verhalten und auch die Erwartungen der Spieler haben sich verändert. Heute lautet das Stichwort: Games as a Service. Hinter dem allgegenwärtigen Begriff verbirgt sich letztlich die simple Idee, ein Spiel dauerhaft attraktiv zu machen und zu einem langlebigen Dienst auszubauen.

Die Spieler sind über einen längeren Zeitraum hinweg involviert, bleiben im besten Fall über viele Jahre hinweg einem einzigen Titel treu. Statt eines Nachfolgers zum Vollpreis gibt's ständig Updates, neue Inhalte, Maps, Waffen und vorübergehende Events. So wird es nicht langweilig, und die Community kann immer weiterwachsen.

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Das meiste Geld verdient man mit Gratis-Content

Für uns Spieler bedeutet das im Optimalfall, dass wir immer wieder neuen Content vorgesetzt bekommen, ohne uns dabei großartig umstellen zu müssen. Es bleibt alles beim Alten, wird aber trotzdem nicht fad. Wir müssen nicht im Freundeskreis diskutieren, ob wir den Nachfolger oder das neue Map-Pack kaufen, um weiterhin zusammen zu spielen. Und das Spiel kommt nie aus der Mode und stirbt langsam aus, sondern bleibt dauernd im Gespräch.

Damit das alles funktioniert, muss neuer Content aber zwangsläufig gratis sein. Moment, kostenlos? Aber welcher Hersteller verschenkt schon sein Produkt? Guckt man sich die heute erfolgreichsten Multiplayer-Shooter an, begreift man aber schnell, dass man mit kostenlosem Content die größten finanziellen Erfolge feiern kann. Spiele wie Fortnite, Rainbow Six: Siege, GTA Online oder Overwatch zeigen wie's geht.

Was haben diese Titel gemeinsam? Sie sind über einen relativ langen Zeitraum sehr erfolgreich, verzeichnen wachsende Spielerzahlen - und liefern stetig kostenlosen Nachschub an Karten, Helden, Waffen, Modi und Missionen. Statt für den eigentlich spielrelevanten Content zur Kasse zu bitten, setzen diese Spiele auf alternative Finanzierungsmethoden.

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Der Autor: Phil hat es schon lange satt, dass die Maps, die er für teures Geld per Premium oder Season Pass hinzugekauft hat, bereits nach ein paar Wochen völlig brach liegen und eigentlich nicht mehr gespielt werden. Rainbow Six: Siege oder Overwatch lösen das Problem da schon weitaus cleverer: Hier kann man mit Freunden und Kollegen jede Map, jeden Modus und jedes Event spielen. Wer gerne für Skins, Anhänger oder Emotes Geld draufzahlt, kann das gerne tun - aber es ist nicht essenziell. Weder für die Erfolgschancen im Match, noch für das gemeinsame Zocken. Wichtig ist dabei, dass die Preise fair bleiben und man sich alles in angemessener Zeit erspielen kann.

In Rainbow Six: Siege bekommt man gegen Echtgeld eine Woche vorab Zugriff auf die neuen Helden und muss sie nicht freispielen. GTA Online bietet GTA-Dollars, um die Ingame-Kasse aufzubessern. Overwatch verkauft Lootboxen mit kosmetischen Items. Und in Fortnite levelt man den kostenpflichtigen Battle Pass hoch und schaltet dadurch neue Emotes oder Outfits frei.

Zugleich ist die Einstiegshürde relativ gering: Overwatch kostet rund 40 Euro, die günstige Rainbow-Six-Edition gibt's bereits für 15 Euro und Fortnite ist sogar komplett kostenlos. Das lockt mehr potenzielle Kunden an, die später womöglich in Mikrotransaktionen investieren, als ein abschreckendes 60-Euro-Preisschild.

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Die große Gemeinsamkeit: Für die fürs Gameplay relevanten Inhalte muss man nicht bezahlen, sondern kann sie freispielen. Natürlich kommt es hier auf die richtige Balance an: Wenn ich ewig grinden muss, bis ich alles freigeschaltet habe und das Spiel mir währenddessen ständig die kostenpflichtige Abkürzung vor der Nase herumwedelt, ist das schlecht.

Stattdessen ist es sinnvoll, das Geschäft auf Skins und andere optischen Gimmicks zu verlagern - hier liegt nämlich eh das große Geld. Jetzt mag man von Lootboxen natürlich halten was man will, aber der Vorteil dieses Systems liegt auf der Hand: Es gibt keine Paywall, die die Community spaltet.

Gift für eine gesunde Community

Und genau das ist es, was der klassische Season Pass und Map-Packs machen: Sie sperren Spieler, die nicht bezahlen, von neuen Inhalten aus. Nur ein kleiner Anteil Kaufwilliger kommt überhaupt in den Genuss einer neuen Season oder einer neuen Mission. Premium-Inhalte werden dadurch von vornherein weniger gespielt und sterben schneller aus.

Das Season-Pass-Modell ist reines Gift für eine stabile oder sogar wachsende Spielerbasis, die jedoch Voraussetzung für dauerhaften Erfolg und das Games-as-a-Service-Modell ist. Entwickler und Publisher müssen umdenken, wenn sie an den Erfolg dieses neuen Multiplayer-Marktes anknüpfen wollen.

Wenn 2018 Call of Duty Black Ops 4 und Battlefield 5 auf den Markt kommen, brauchen sie deshalb neue Geschäftsmodelle, um konkurrenzfähig zu bleiben. Activision und EA haben keine andere Wahl, als sich den neuen Entwicklungen anpassen.

Multiplayer-Shooter sind heute längst keine Einwegprodukte mehr. Sie sind Prozesse, die immer weiter verfeinert werden und ein stetig wachsenden Publikum anlocken. Ich persönlich kann mir jedenfalls nicht mehr vorstellen, für eine Handvoll Map-Pakete jemals wieder 50 Euro auf den Tisch zu legen.

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