8. Max Payne 2
Entwickler: Remedy
Publisher: Rockstar
Erschienen: Oktober 2003
Dimitry Halley: Max Payne 2 ist heute eigentlich relevanter denn je. Auf der einen Seite erleben wir nämlich ein wunderbares Action-Revival durch Pistolenpornos wie John Wick 4 oder Tyler Rake: Extraction 2, auf der anderen Seite herrscht im Gaming nach wie vor absoluter Mangel an Spielen, die diese ganz spezielle Stilrichtung von Action spielbar machen: die gute, alte John-Woo-Kugelhölle. Third-Person-Shooter gibt’s zwar hier und da immer wieder, aber da reden wir von Monsterballereien der Marke Gears oder einem Ghost Recon, wo es mehr Militärbumms und Loot geht.
Was ich aber vermisse, sind die guten alten Gangster-Ballereien! Raue Anti-Helden und -Heldinnen, die in Büroräumen, Spelunken, in abgeranzten Hotels und Mafia-Clubs die Blei regnen lassen, die über Tische hechten, während links und rechts Kugeln in PC-Bildschirme, Kartons und Ramschkisten einschlagen, Papierstapel fliegen durch den Raum, der Putz rieselt von den Wänden … eben John Woo. Und das natürlich noch garniert mit allerlei Bullet-Time-Stunts, die fast völlig aus dem Gaming verschwunden sind.
Seit Max Payne 2 hat es kein Spiel geschafft, das Meisterhafte dieser Schießereien würdig fortzusetzen - nicht mal Max Payne 3. Kein Stranglehold, kein Wet und, Gott bewahre, kein El Matador konnte je wieder das Actionhoch in mir entfachen, das Max Payne 2 hinterließ. Und bevor jetzt wer »Nostalgiebrille« johlt: Max Payne 2 ist auch aus heutiger Sicht noch ein verdammt guter Shooter, weil in den Schießereien einfach viele gute Ideen stecken. Dass jeder Kill die Bullet Time weiter verlangsamt, zum Beispiel. Oder dass Feinde physikalisch auf jede einzelne Kugel reagieren. Dass zerstörbare Deckungen eine große Rolle spielen.
Max Payne 2 erzählt außerdem eine fantastische Geschichte, stößt in eine ganz andere Richtung als der Vorgänger, ohne ihn zu entweihen. Max sucht keine Rache mehr für seine ermordete Familie, sondern verstrickt sich in Intrigen, Verrat, Verschwörungen, jede Figur kann Freund oder Feind sein, es bleibt bis zum Ende spannend. Und da reden wir vom Grundspiel - das Fass der Mods will ich gar nicht zu sehr aufmachen.
Ich habe als Teenager Tage damit verbracht, jede einzelne Actionszene des Spiels rauf- und runterzuspielen, mit Mods noch mehr Manöver zu aktivieren, den Matrix-Soundtrack reinzupatchen, ich konnte die Dialoge mitsprechen. Max Payne 2 ist bis heute ein absolutes Meisterwerk und sollte viel mehr Shootern als Vorbild dienen.
Trivia:
- Wenn ihr in einem Außenareal ein gespraytes M an der Wand dreimal aktiviert, erscheinen Feuerbälle aus Super Mario.
NEU
7. Rainbow Six: Siege
Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
Erschienen: Dezember 2015
Alexander Bernhardt: Wenn ein Shooter zehn Jahre nach Release noch immer täglich über 100.000 Spieler begeistert, dann macht er offensichtlich irgendetwas richtig. Im Falle von Rainbow Six: Siege lässt sich das auf einen Punkt herunterbrechen: Die taktische Vielfalt ist unerreicht.
Es ist kein Spiel, bei dem ständig der Schütze mit dem besten Aim gewinnt, sondern ein stetes Hin und Her zwischen Verteidiger und Angreifer, wer den klügeren Schachzug spielt.
Als Beispiel: Verstärken die Verteidiger eine relevante Wand, muss ein spezielles Gerät die Wand aufsprengen. Die Wand wird kurz davor aber unter Strom gestellt, wodurch das Gadget zerstört wird. Daraufhin geht ein Angreifer ein Stockwerk höher und schießt durch den Boden, um das Elektro-Gadget zu zerstören. Der isolierte Angreifer ist nun aber anfällig für den sogenannten Roamer, also die Verteidiger-Rolle, die die Angreifer flankieren soll.
Rainbow Six bietet dadurch intensive Runden, bei der die kleinste Entscheidung zwischen Sieg und Niederlage entscheiden kann, aber auch eine enorme Einstiegshürde bietet. Selbst nach Jahren wird man noch durch eine neue Taktik oder einen unbekannten Winkel überlistet und hat wieder etwas gelernt.
Gerade die Zerstörungsvielfalt bietet etliche Herangehensweisen und beeindruckt noch heute technisch. In anderen Bereichen hat Siege zwar etwas Staub angesammelt, mit Siege X steht aber eine technische Aufpolierung in den Startlöchern. Dazu kommen noch regelmäßige Seasons, die neue Maps hinzufügen, alte Karten werden Reworks umgebaut und mittlerweile gibt es über 60 Operator, die mit ihren einzigartigen Fähigkeiten immer wieder die Meta umwerfen.
Siege hat sich in den zehn Jahren massiv verändert. Der einst bodenständige und halbwegs realitätsnahe Shooter ist immer mehr zum Hero-Shooter mit Sci-Fi-Gadgets geworden und das mag nicht jedem gefallen. Hat das noch etwas mit Rainbow Six oder Tom Clancy zu tun, die man noch vor 20 Jahren kannte? Nicht wirklich. Aber es ist und bleibt ein einzigartiges Shooter-Erlebnis, das in seiner Nische unerreicht bleibt.
Trivia:
- Siege war ursprünglich unter dem Titel Rainbow 6 Patriots in Entwicklung und sollte eine aufwändige Story-Kampagne bieten. Das Projekt wurde wegen technischer Hürden eingestampft und als PvP-Shooter neu gestartet.
- Für die prozedurale Zerstörung von fast jedem Objekt wie Wände, Möbel, etc. wurde extra die Physik-Engine RealBlast geschrieben. Bis heute können bei dem Detailgrad nur wenige Spiele mithalten.
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