2. Call of Duty 4: Modern Warfare
Entwickler: Infinity Ward
Publisher: Activision
Erschienen: November 2007
Peter Bathge: Das erste (und für mich auch einzige!) Modern Warfare ist eine Aneinanderreihung von genialen Momenten und für mich ein Kunstwerk, eine Meisterklasse in Sachen Spieldesign. Vordergründig ist die Kampagne von Modern Warfare vor allem Tempo, Bombast und Explosionen. Aber: Zwischendrin ist auch Platz für vergleichsweise ruhige Momente, etwa den bis heute legendären Prypjat-Level mit seiner geisterhaften Stimmung oder den eindrucksvoll in Szene gesetzten Tod einer Spielfigur.
Der Spannungsaufbau sucht seinesgleichen, vom schockierenden Prolog aus der Perspektive eines zur Hinrichtung chauffierten Landesvaters über den ikonischen Trainings-Level (»Was für ein bescheuerter Name ist Soap?«) bis hin zur Jagd auf den fehlenden Nuklearsprengkopf, die in der atemberaubenden Invasion eines fiktiven Landes im Mittleren Osten mündet. Mit Modern Warfare wurde Call of Duty größer, intensiver, moderner.
Auch in Sachen Szenario: Moderne Kriegsführung und Terrorismus-Thematik trafen 2007 den Nerv der Zeit und läuteten die vorübergehende Abkehr vom Zweiten Weltkrieg in Ego-Shootern ein. Und der Multiplayer-Modus kombinierte das Beste aus zwei Welten: motivierende Levelaufstiege und spaßige Killstreaks mit bewährter Serverliste am PC (und Mods!) ohne die mit Teil 2 eingeführte Peer-2-Peer-Technik. Was hatte ich damals für einen Spaß mit meiner Maschinenpistole und der (damals noch neuen) Spray-&-Pray-Methode!
Heute steht Modern Warfare im Gedächtnis der Spielerschaft oft nur noch für den Trend zu linearen Levels inklusive penetranter »Kehre zum Missionsgebiet zurück!«-Warnungen und ewig nach strömenden Schießbuden-Gegnern. Oder es wird zusammen mit Halo für fragwürdige Neuerungen wie automatisch regenerierende Gesundheit und eine Beschränkung auf zwei Waffen gleichzeitig verantwortlich gemacht. Leider.
Jährliche Fortsetzungen haben das in Modern Warfare eingeführte Konzept weiter gesponnen, aber in meinen Augen die falschen Lehren gezogen: mehr Tempo, mehr Bombast, mehr Explosionen, selbst die Spielertode aus der Ego-Perspektive wurden im Nachfolger einfach multipliziert. Aber dieses nahezu perfekte Leveldesign des Erstlings? Das ist zwischen all der Krach-Bumm-Action ein bisschen verloren gegangen. Und deshalb war Call of Duty nie wieder so gut wie im ersten Modern Warfare.
Trivia
- Von wegen linear: Im Prypjat-Level müsst ihr nicht unbedingt schleichen, sondern könnt auch die Gegnerhorden niederballern, einen Raketenwerfer klauen und Helikopter abschießen.
- Für die Wii-Version wurde das düstere Level rund um das ehemalige Atomkraftwerk von Tschernobyl grafisch angepasst: Statt grauer Farben gab’s mehr Herbsttöne mit viel Laub.
1. Half-Life
Entwickler: Valve
Publisher: Sierra
Erschienen: November 1998
Heiko Klinge: Ich mag keine Shooter! Davon war ich felsenfest überzeugt. Bis ich im Winter 1998 Half-Life ausprobiert habe. Ab diesem Zeitpunkt war alles anders, und genau deshalb steht Half-Life für mich auch völlig zu Recht an der Spitze dieses Rankings.
Bis Half-Life waren Shooter für mich eintönige Reaktionstests, gepaart mit ständigem Verlaufen und dem Suchen nach Schlüsselkarten. Die Story passte in der Regel auf einen Bierdeckel und diente lediglich als Alibi, einen muskulösen Superhelden tonnenweise Feinde über den Haufen schießen zu lassen.
Adventure-, Strategie-, Weltraum- und Rollenspiele waren da in den 90ern für mich auf einem ganz anderen Level unterwegs. Und so beschränkte sich mein Shooter-Konsum darauf, dem Kumpel über die Schulter zu schauen und mir die technischen Innovationen von Wolfenstein, Doom, Quake und Dark Forces erklären zu lassen. Schick fand ich das ja schon, aber spielerisch eben total langweilig.
Der GameStar-Test in der Ausgabe 12/98 machte mich jedoch neugierig. »Dramatische Handlung«, hieß es da, oder »lebende, atmende Welt«. Das machte mich dann doch neugierig, also bestellte ich bei einem Importhändler die US-Version.
Womit wir beim entscheidenden Unterschied angekommen wären, weshalb ich Shooter nach Half-Life im wahrsten Sinne des Wortes mit anderen Augen sah: der Atmosphäre. Aus einem Schießbuden-Labyrinth wurde plötzlich eine ebenso lebendige wie atmosphärische Welt. Wie oft habe ich allein die Zugfahrt zum Arbeitsplatz genossen, oder anderen gezeigt!
Das, was mir in anderen Spielen wichtig war und was sich hauptsächlich in Pixeloptik, Textboxen oder in meinem Kopf abspielte, konnte ich erstmals aus der Egoperspektive erleben. Und ich verstand plötzlich, wie mächtig das sein kann. Nicht zuletzt, weil Protagonist Gordon Freeman eben kein muskelbepackter Superheld war, sondern ein nerdiger Typ mit Brille. Keine Ahnung, warum ausgerechnet ich mich damit identifizieren konnte.
Das bis dahin Undenkbare passierte: Ich ignorierte alle anderen Spiele auf meiner Festplatte und verlor mich fortan jeden Abend in der Forschungsstation Black Mesa. Ich erzählte meinen Freunden mit leuchtenden Augen, was ich dort alles erlebte. Ja, ich! Schließlich erlebte ich all das aus der Egoperspektive, mit meinen eigenen Augen. Sei es das gescheiterte Experiment, den Überfall der Aliens, das Eingreifen des Militärs, meinen Kampf gegen das riesige Tentakelwesen und wie ich anfangs nur mit einer Brechstange bewaffnet ums Überleben gekämpft habe.
Half-Life ermöglichte aber nicht nur mir eine neue Perspektive, sondern einem ganzen Genre. Denn ohne dieses Spiel und seine mod-freundliche Source Engine hätte es auch viele andere Titel auf dieser Liste nicht gegeben – egal ob Team Fortress, Day of Defeat und allen voran Counter-Strike. Muss ich anerkennen, auch wenn ich nach wie vor keine Multiplayer-Shooter mag. Aber jede Liebe hat nun mal ihre Grenzen, selbst wenn es um Platz 1 in einem GameStar-Ranking geht.
Trivia:
- In der grotesk geschnittenen deutschen Version kämpft man gegen Roboter statt gegen Soldaten, und Zivilisten können nicht sterben, sondern setzen sich traurig kopfschüttelnd auf den Boden.
- Statt Half-Life präsentierte die GameStar in der Ausgabe 12/98 tatsächlich Populous 3 auf dem Titel, und Half-Life selbst wurde als »Unreal-Konkurrent« verkauft. Es waren andere Zeiten.
Das war es mit unserem Ranking der Top 150 besten Shooter aller Zeiten. Diese Liste ist natürlich zu 100 Prozent wissenschaftlich korrekt, durch und durch objektiv und unfehlbar! Späßle! Schreibt uns gerne in die Kommentare, wie eure persönliche Top 10 ausgesehen hätte – und lasst uns auch unbedingt wissen, welches Spiel wir in der Liste eurer Meinung nach vergessen haben!
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