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100. Call of Duty: Black Ops
Entwickler: Treyarch
Genre: Ego-Shooter
Release: November 2010
Phil Elsner: Bevor Black Ops kam, passte die Story eines Call of Dutys typischerweise auf eine Serviette: Irgendwo ist Krieg, wir sind der Held und müssen ihn gewinnen, hurra USA. Doch 2010 wird plötzlich alles anders. Statt klarer Gut-Böse-Trennlinie verwischen die Grenzen. Was real ist, scheint nicht mehr eindeutig. Eine neue Art des Storytellings für die Marke ist geboren.
Das soll nicht heißen, dass sich Black Ops von der typisch pompösen Inszenierung, lächerlich vielen Explosionen und Verfolgungsjagden á la Hollywood entfernt hätte: Die Hauptbeschäftigung bleibt nach wie vor, Horden von semi-intelligenten KI-Gegnern wegzuballern. Aber das Geheimdienst-Szenario verwebt nun historische Ereignisse wie die Kuba-Krise und den Anschlag auf US-Präsident Kennedy mit wilden Verschwörungen und Intrigen zu einem Cocktail, der selbst einige der besten Agentenfilme alt aussehen lässt.
In Black Ops geht es um dubiose Machenschaften der CIA, geheime Biowaffen und Gehirnwäsche. Viele Wendungen kommen dabei überraschend und spielen immer wieder sehr geschickt mit der Wahrnehmung der Spieler. Das Konzept zündet: Der immense Erfolg zementiert schließlich die Zukunft der Black-Ops-Reihe als festes CoD-Label neben Modern Warfare. Charaktere wie Frank Woods oder Alex Mason haben heute Legenden-Status in der Shooter-Community, weil Back Ops 1 es wagte, CoD-Geschichten neu zu denken.
Trivia:
- Die mit Black Ops eingeführte Map Nuketown gilt heute als Meilenstein, als Inspiration diente den Entwicklern das Kernwaffentestgelände aus Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels.
- Mit 5,6 Millionen Verkäufen war Black Ops 1 seinerzeit der erfolgreichste Entertainment-Launch der Geschichte und wurde erst Jahre später von GTA 5 überholt.
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99. Gamedec
Entwickler: Anshar Studios
Genre: Rollenspiel
Release: September 2021
André Baumgartner: Gamedec ist eine dieser kleinen Storyperlen, die weniger Aufmerksamkeit bekommen haben, als ihnen eigentlich zusteht. Denn der Rollenspiel-Krimi gehört zur seltenen Gattung derer, die eure Entscheidungen kompromisslos hinnehmen und in denen zahllose Abzweigungen dafür sorgen, dass sich euer Weg wirklich einzigartig anfühlt.
Es ist das Jahr 2199. In der futuristischen Cyberpunk-Metropole Warschau-Stadt verdient ihr eure Brötchen als Gamedec, also Spieledetektiv. Dabei stöbert ihr nicht etwa 200 Jahre alten Nintendo-Klassikern nach, sondern untersucht verstörende Vorkommnisse in einer Vielzahl virtueller Welten, in denen der Großteil der Bevölkerung seine Freizeit verbringt. Jedes VR-Spiel präsentiert sich mit anderer Optik, Spielmechanik sowie Benutzeroberfläche, und ihr entscheidet, ob ihr euch an seine Regeln haltet oder sie mit eurem individuellen Mix von Talenten zu umgehen versucht.
Was sich anfangs wie unzusammenhängende Fälle von Cheating und Spielerausbeutung anfühlt, zieht euch schon bald in ein Netz finsterer Machenschaften. Ein Lösen aller Rätsel ist weder garantiert noch notwendig und jede Entscheidung zieht einen Schmetterlingseffekt nach sich. Denn neben euren bis zu 16 Fähigkeiten wirken sich auch vergangene Geschehnisse auf die verfügbaren Dialogoptionen aus. Zwischendrin verbindet ihr die erspielten Hinweise in einem Schlussfolgerungsbaum zu einer für euch plausiblen Lösung des Falls. Ob ihr richtig lagt, müsst ihr dann später selbst herausfinden. Schließlich seid ihr die Detektive hier.
Trivia:
- Gamedec basiert auf dem Kurzgeschichten-Universum des polnischen Science-Fiction-Autors Marcin Przybyłek, der auch beim Schreiben der Dialoge half. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Witcher-3-Komponisten Marcin Przybyłowicz.
- Als Inspiration für die scheinbar bodenlosen Häuserschluchten von Warschau-Stadt dienten sowohl das Spiel »Project Eden« als auch der Film »Das fünfte Element«. Tatsächlich befinden sich am Boden der Stadt die Ruinen von Alt-Warschau.
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98. Final Fantasy 14
Entwickler: Square Enix
Genre: MMORPG
Release: September 2010
Mary Marx: Final Fantasy 14 ist eine langsame Liebesgeschichte. Die Story des MMO läuft, trotzt bereits vorgenommenen Kürzungen im Basisspiel, sehr schleppend an. Spätestens ab der ersten Erweiterung namens Heavensward
werdet ihr aber verstehen, warum dieses MMO so viele Herzen gebrochen und wieder zusammengeflickt hat.
Dass ein MMO es so herausragend schafft, eine Geschichte über 10 Jahre hinweg zu erzählen, die trotz der Addon-Struktur konsistent und spannend bleibt, hätte ich vor FF14 niemals für möglich gehalten. Über die hunderte Spielstunden hinweg wird der Bund der Morgenröte und seine Verbündeten zu meiner Familie. Und während ich mit ihnen Siege feiere und um Verluste trauere, schafft es die übergeordnete Handlung immer wieder, mich mit einem Plottwist zu überraschen.
Jetzt braucht Final Fantasy 14 eigentlich nur noch die Zwischensequenz- und Cinematic-Magie eines World of Warcraft, um noch mehr Storyfans in seinen Bann zu ziehen.
Trivia:
- Um den Übergang zwischen der gescheiterten Version 1.0 und dem Neuanfang 2.0 (A Realm Reborn) zu erklären, ließen die Entwickler einen gigantischen Meteor auf die Welt Eorzea einschlagen.
- Final Fantasy 14 hält den Guinness-Weltrekord für die längsten End Credits eines MMOs.
97. A Way Out
Entwickler: Hazlelight Studios
Genre: Action
Release: März 2018
Sören Diedrich: Ich weiß noch ganz genau, was mir durch den Kopf ging, als ich auf der E3 (oder war es die gamescom?) 2017 den ersten Trailer zu A Way Out gesehen habe: »Nett!« Dieser Eindruck sollte sich bis zum Release auch nicht ändern. Alles, was ich von dem Spiel zu sehen bekam, war einfach »nett«, mehr aber auch nicht.
Oh, wie sehr ich mich getäuscht habe! Erst 2019 ergab sich eine prima Gelegenheit, mit dem Titel endlich mal anzufangen. Damals übernachtete ein Freund bei mir und wir schlossen kurzerhand einen zweiten Controller an, völlig ahnungslos, was uns erwarten würde.
In den folgenden Stunden kamen wir zu mehreren Erkenntnissen: Wir sind die miserabelsten Ausbrecher aller Zeiten. Wirklich! An der Stelle, wo wir in unseren Zellen mit einer Feile hinter der Toilette werkeln müssen, sahen wir uns aufgrund heftiger Lachanfälle gezwungen, das Spiel zu pausieren. Wir haben uns so dilettantisch aufgeführt, dass darf man niemandem erzählen. Und das war nur eine Stelle, die wir kolossal in den Sand gesetzt haben.
Die zweite Erkenntnis: A Way Out beschreitet völlig neue Pfade des Storytellings. Das betrifft nicht nur die sehr gut gelungenen Koop-Mechanismen, sondern auch die Handlung an sich. Beide Protagonisten sind auf ihre Weise sympathisch, glaubwürdig und wir fühlen mit ihnen. Das Ende trifft einen dann umso mehr in die Magengrube und stellt so manche Freundschaft vor eine harte Prüfung.
Zwischen meinem Freund und mir lief aber alles wie am Schnürchen, was nicht nur daran liegt, dass wir bei der finalen Entscheidung sogar einer Meinung waren, sondern auch daran, dass wir bis zu diesem traurigen Moment eine wunderbare gemeinsame Zeit mit A Way Out hatten!
Trivia:
- Die Tankstelle, die Leo und Vincent ausrauben, heißt Roy & Rogers, was eine Anspielung auf die schwedische TV-Serie »Macken« sein dürfte, in der eine Tankstelle namens Roy & Roger vorkommt.
- Der Voice-Actor von Leo ist ein echter Könner. Denn Fares Fares ist ein schwedisch-libanesischer Schauspieler, der für die Aufnahme in einem italienisch-amerikanischen Akzent sprechen muss – Respekt!
96. Night in the Woods
Entwickler: Infinite Fall
Genre: Adventure
Release: Februar 2017
Steffi Schlottag: Als ich gesehen habe, auf welchem Platz das fantastische Night in the Woods gelandet ist, habe ich direkt empört Kollegin Géraldine angeschrieben und wir haben gemeinsam unsere Wut ins Universum gebrüllt. Natürlich nur spaßhaft, mir ist schon klar, dass das recht unbekannte 2D-Adventure neben den Story-Giganten der Spielewelt erstmal unscheinbar wirkt. Aber nur so lange, bis ihr es selber spielt. Denn hier versteckt sich eine unheimlich berührende Geschichte, die ich mindestens einmal in Jahr von neuem anfange. Natürlich im Herbst, ganz passend zum Setting.
Teenagerin Mae kehrt in ihre verarmte Heimatstadt Possum Springs zurück, nachdem sie das College geschmissen hat. Dort trifft sie ihre engsten Freunde aus Kindheitstagen, die inzwischen ihr eigenes Leben führen: Das ungleiche Pärchen Gregg und Angus, die lieber in eine große Stadt ziehen wollen, wo Homosexuelle eher akzeptiert werden. Bea, deren Mutter gestorben ist und die sich jetzt um ihren Vater kümmern muss, statt eigenen Träumen nachzugehen. Mit ihnen verbringen wir die Herbsttage, können aber in einem Spieldurchgang nicht alles erleben. Wie im echten Leben halt auch.
Fast jede Figur aus Night in the Woods kämpft mit sehr realen Problemen – und das Adventure geht meisterhaft damit um, schonungslos, aber trotzdem feinfühlig und immer mal wieder mit einem aufmunternden Augenzwinkern.
Wenn ihr wie ich eine Schwäche für melancholische Geschichten à la Life is Strange habt, dann lasst euch Night in the Woods bitte nicht entgehen. Einige Momente werden euch nicht mehr loslassen, da bin ich mir sicher. Bei mir war es das Sternbildersuchen mit Angus, bei dem er etwas sagt, das meine eigene Lebensphilosophie perfekt zusammenfasst: »I believe in a universe that doesn’t care, and in people who do.«
Trivia:
- Alle Charaktere in Night in the Woods sind anthropomorphische Tiere, aber es gibt auch Ratten, Eichhörnchen und Vögel, die offenbar »normal« sind. Wahrscheinlich sind die Einwohner von Possum Springs also eher zoomorphische Menschen.
- Es gibt gleich zwei (kurze) Prequels zu Night in the Woods: Lost Constellation und Longest Night. Beide könnt ihr entweder via Steam spielen oder euch über itch.io für eine kleine Spende holen.
95. Valiant Hearts: The Great War
Entwickler: Ubisoft Montpellier
Genre: Adventure
Release: Juni 2014
Steffi Schlottag: Der Erste Weltkrieg wird in Spielen nicht besonders oft thematisiert. Valiant Hearts: The Great War hat sich an diesen fürchterlichen Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte herangewagt und erzählt von vier Menschen, die in die Kriegsmaschinerie geraten und erleben, wie Europa in Chaos und Zerstörung versinkt.
Dabei verzichtet das Adventure auf brutale Gewaltdarstellungen, sondern setzt auf eine bewusst simple Comic-Grafik – das macht einige Szenen aber nicht weniger verstörend. Etwa, wenn wir den französischen Soldaten Emille steuern, der mit seinen Kameraden immer weiter, von Graben zu Graben vor die Flinten der Deutschen getrieben wird. Oder wenn wir als Sanitäterin Anna Verletzte in Sicherheit ziehen, während um uns Bomben einschlagen.
Valiant Hearts erzählt sehr feinfühlige, persönliche Geschichten und gibt uns immer wieder auch den historischen Kontext der Szenen. Lediglich bei der Darstellung des deutschen Oberbösewichts wird es ziemlich klischeehaft: Der Baron sitzt in seinem Flieger, lacht oberbösewichtig vor sich hin und wirft Rohrbomben auf uns runter. Das kann man kritisieren, wie Heiko in unserem Test von Valiant Hearts. Oder man kann es als bewusstes Stilmittel ganz passend finden, so wie ich persönlich. Egal, auf welcher Seite ihr in dieser Diskussion landet, Valiant Hearts wird euch auf jeden Fall noch lange nach dem Abspann beschäftigen.
Trivia:
- In Valiant Hearts habt ihr gelegentlich einen treuen Sanitätshund an eurer Seite. Das ist keine Fiktion, im Ersten Weltkrieg gab es zehntausende solcher tierischer Helfer, die verwundete Soldaten aufspürten.
- Der bewegende Soundtrack stammt von Musiker Ian Livingstone, der auch den ikonischen Nokia-Klingelton erschaffen hat.
94. Metro Exodus
Entwickler: 4A Games
Genre: Ego-Shooter
Release: Februar 2019
10:27
Metro: Exodus - Unser Test-Video zum Ego-Shooter
Sören Diedrich: Ich kannte das Metro-Universum durch die Bücher schon bestens, noch bevor 2010 die erste Videospielumsetzung von 4A Games erschien. Entsprechend kritisch habe ich immer darauf geachtet, wie gut die Entwickler sich an die Vorlage halten und ob die Geschehnisse im Gesamtkontext glaubwürdig sind.
Metro: Exodus war aber ein Novum für das gesamte Franchise: Erstmals hat das Spiel die Bücher überholt und betrat damit eine Spielwiese, die Chance und Risiko zugleich war. Einerseits konnte das Entwicklerteam damit seine eigene Vision von Artjoms Reise besser umsetzen, frei von irgendeiner Vorlage. Dadurch hätte es aber auch passieren können, dass sich Exodus im Vergleich zu den Vorgängern seltsam anfühlt und die von Fans geliebte Metro-Atmosphäre vermissen lässt.
Diesen Spagat zwischen Freiheit und Glaubwürdigkeit im Serien-Kosmos hat 4A Games aber astrein hinbekommen. Abgesehen von ein, zwei Ausnahmen hatte ich während meiner Reise stets das Gefühl, die Welt zu Gesicht zu bekommen, die ich mir beim Lesen der Bücher so viele Jahre in meinem Kopf vorgestellt habe.
Mein persönliches Story-Highlight hat aber nichts mit Artjom selbst zu tun, sondern mit seiner Mannschaft. Denn die einzelnen Figuren, egal ob Anna, Damir, Sam, Duke und wie sie alle heißen, sind mir echt ans Herz gewachsen und fühlten sich wie echte Individuen an, die ihren eigenen Part auf diesem lebensfeindlichen Planeten zu spielen hatten. Ich kann es kaum erwarten herauszufinden, wie die Geschichte weitergeht!
Trivia:
- Erinnert ihr euch noch an Pavel Morozov aus Metro: Last Light? Gerüchten zufolge sollte der Soldat von der Roten Linie in Exodus ebenfalls ein Reisebegleiter von Artjom werden. Im Taiga-Abschnitte hätte er das Grab seines Großvaters gefunden.
- In den Spieldateien existiert ein fertig animierter, funktionaler Flammenwerfer, der aber im finalen Spiel nicht vorkommt. Erst mit dem Story-DLC The Two Colonels wurde diese Waffe nachgeliefert.
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93. Trails in the Sky 1st Chapter
Entwickler: Nihon Falcom
Genre: Rollenspiel
Release: September 2025
10:40
"So gut kann kein anderes Spiel Geschichten erzählen!"
Dimitry Halley: Seit Jahren rennen Jonas Gössling und ich hier durch die Redaktionsflure und posaunen jedem und jeder ins Ohr, wie unfassbar gut die Trails-Serie ist. Beste Gaming-Story aller Zeiten, ihr müsst das spielen, unbedingt, bitte bitte. Problem an der Sache: Der allererste Teil - Trails in the Sky - sieht heutzutage aus wie Gemüsebrühe. 2004 ist halt auch schon ein Weilchen her. Doch seit 2025 gibt’s endlich die Erlösung: Trails in the Sky: First Chapter kehrt als glorreiches Remake zurück mit komplett neuer Grafik, einem feschen Action-Kampfsystem und all den Stärken, die die Trails-Serie seit 20 Jahren zu einem absoluten Rollenspiel-Geheimtipp machen.
Fast jeder NPC in dieser Spielwelt hat eine Geschichte zu erzählen, die Welt lebt auch jenseits von euch selbst, als Azubi-Helden Estelle und Joshua bereist ihr einen der faszinierendsten Schauplätze, die zumindest Dimi und Jonas je in einem Spiel erlebt haben. Es gibt Intrigen zwischen Nationen, Fraktionen, zwischen einzelnen Charakteren, Geheimnisse, Verrat, Romanzen; falls ihr ein Faible für gute Rollenspiele gibt, dann gebt 1st Chapter eine Chance, ihr werdet es nicht bereuen. Und wahrscheinlich für Monate nichts anderes mehr spielen.
Trivia:
- Der männliche Hauptcharakter Joshua wird im Japanischen von einer weiblichen Sprecherin vertont (Mitsuki Saiga im Original, Natsumi Fujiwara im Remake).
- Trails in the Sky hat mittlerweile zwölf Fortsetzungen, die die Geschichte allesamt in irgendeiner Form fortsetzen. Damit ihr was zu tun habt.
92. Monkey Island 2: LeChucks Revenge
Entwickler: LucasArts
Genre: Adventure
Release: Dezember 1991
Gloria H. Manderfeld: Als vor wenigen Tagen ein neuer Monkey Island-Teil angekündigt wurde und im Trailer dazu die altbekannte Musik lief, wurde ich sofort direkt in meine Kindheit katapultiert. Monkey Island 2 war eines der ersten Adventures, das ich gemeinsam mit meinem Papa am PC gespielt habe. Und da es damals weder Internet noch bequem erreichbare Lösungshefte gab, mussten wir alle Puzzles selber ausknobeln. Das war beim Rätseldesign von Chaospirat Guybrush Threepwoods zweitem Abenteuer gar nicht so leicht, da wir einige Male so richtig um die Ecke denken mussten. Aber dafür fühlte sich dann ein gelöstes Rätsel mindestens so belohnend an wie ein umgeklatschter Elden Ring-Boss!
Damals musste man zudem noch mit einer zweiteiligen Papp-Drehscheibe krude Voodoo-Zutaten zusammen bringen, um die richtige Anzahl der Ingredienzien herauszufinden - die wurden zwecks Kopierschutz im Spiel abgefragt. Entsprechend groß war der Schock, als uns dieses Teil irgendwann verloren ging! Glücklicherweise hatten wir das Spiel rings um die Wiederbelebung des Geisterpiraten LeChuck als Zombie und die Suche nach dem Schatz Big Whoop zu diesem Zeitpunkt schon einmal durchgespielt, sodass lediglich ein weiterer Spieldurchgang verhindert wurde.
Gerade die bissigen Sprüche von Guybrushs Love Interest, der Gouverneurin Elaine Marley, sind mir bis heute positiv im Gedächtnis geblieben - und natürlich der unverkennbare, durchgeknallte Piratenhumor samt liebevoll gestalteten und total abgedrehten NPCs. Noch nie gespielt? Dann holt es dringend nach, dieses LucasArts-Kleinod solltet ihr echt nicht verpassen. Und heutzutage braucht ihr auch keine Kopierschutz-Pappscheiben mehr…
Trivia:
- Monkey Island 2 war eines der ersten Adventures, bei denen Spielende den Schwierigkeitsgrad (leicht oder schwer) aussuchen konnten. Im schweren Modus müsst ihr nicht nur mehr Rätsel lösen, sondern auch mehr Schauplätze dafür abgrasen.
- Während Guybrush an einem Seil hängend zum Schatz schwingt, ist kurz die Indiana Jones-Titelmelodie zu hören.
91. The Elder Scrolls 3: Morrowind
Entwickler: Bethesda
Genre: Rollenspiel
Release: Mai 2002
Sören Diedrich: Morrowind wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben. Denn es war eines der ersten großen Rollenspiele, an das ich mich als zartes Redakteurspflänzchen von 12 Jahren getraut habe. Und wisst ihr was? Ich hatte absolut keinen Plan, was ich auf der Insel Vvardenfell eigentlich mache.
Dazu trug nicht nur die offene Spielwelt bei, sondern auch die Story. Die ist nämlich vorhanden (doch, wirklich!), man muss sie aber zunächst finden. Oder besser gesagt, man muss sie wie ein 1000-Teile-Puzzle in Form von unzähligen Büchern, Schriftstücken und Gesprächsfetzen zusammensetzen. Dann wird man aber mit einer umfangreichen, tiefen Lore belohnt, die heutigen Elder-Scrolls-Spielen in nichts nachsteht.
Im Zentrum steht der gefallene Adlige Dagoth Ur, der gemeinsam mit seiner Anhängerschaft, dem Sechsten Haus, für Unruhe auf der Halbinsel des Reiches Morrowind sorgt. Sein Sitz: der allgegenwärtige Vulkan im Zentrum Vvardenfells. Allein diese Entscheidung halte ich bereits für genial, denn egal, was wir im Laufe des Spiels anstellen, wir fühlen uns dem Bösen immer irgendwie nahe. Stets haben wir den feuerspeienden Berg im Blick, der uns an den bevorstehenden Kampf (der letzten Endes dann doch eher unspektakulär ist) erinnert.
Abseits der Hauptstory rund um Dagoth Ur waren es aber die serientypisch noch besseren Nebenquests, die mich mit ihren vielen kleinen Geschichten schon damals herrlich unterhalten haben. Kein Wunder also, dass ich vier Jahre später dem Release von Oblivion entgegengefiebert habe!
Trivia:
- Morrowind war ein Schicksalsspiel für das wirtschaftlich bereits kurz vor dem Aus stehende Team von Bethesda. Wäre das Spiel erfolglos geblieben, gäbe es heute kein Skyrim, kein Fallout 4 und kein Starfield. Die Spielelandschaft sähe deutlich anders aus.
- Wenn ihr an der Bitterküste von Vvardenfell entlanglauft, werft unbedingt einen Blick in die Baumstümpfe. Dort haben die Entwickler oftmals Items versteckt, als Belohnung für neugierige Entdecker.
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