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90. Hollow Knight
Entwickler: Team Cherry
Genre: Metroidvania
Release: Februar 2017
1:35
Hollow Knight auf der Nintendo Switch verspricht mobilen Metroidvania-Genuss
Sören Diedrich: Es gibt Leute, die behaupten steif und fest, Hollow Knight habe keine gute Story. Die würde man nicht verstehen und sowieso und überhaupt. Ich sage: Papperlapapp! Hollow Knight besitzt sogar eine unvergesslich schöne und traurige Geschichte zugleich. Man muss sich aber mit Haut und Haaren auf die Spielwelt einlassen, genau hinschauen und zu guter Letzt auch nach dem Ende des Spiels noch über das Erlebte sinnieren, um das Story-Erlebnis zu begreifen.
Denn Hollow Knight erzählt euch nicht, was genau in Heilandsnest passiert ist, wer die Guten sind und wer die Bösen, was ihr zu tun habt und wohin ihr gehen müsst. Stattdessen liegt die Story-Faszination darin, dass ihr euch das große Ganze auf eigene Faust Stück für Stück erschließt, indem ihr euch tiefer und tiefer in die unbekannten Weiten hinein wagt.
Dann lernt ihr Zeke kennen, den mächtigsten Ritter aller Zeiten (behauptet er). Und ihr erfahrt, weshalb die rastlose Kriegerin Hornet euch gleich mehrfach prüfen möchte, bevor sie euch in die Stadt der Tränen eintreten lässt. Ach, nicht zu vergessen: Die traurige Wahrheit hinter dem Schnellreise-Käfer. Die erfahrt ihr aber nur, wenn ihr fleißig Schnellreisepunkte freischaltet.
Ich habe noch keinen Hollow-Knight-Fan kennengelernt, der nach dem Endboss nicht völlig baff war, was er in den vergangenen Stunden alles erlebt hat. Die vielen kleinen Geschichten aus Heilandsnest werden euch noch weit, weit über das Ende des Spiels hinaus beschäftigen.
Trivia:
- Hollow Knight ist größtenteils ein Zwei-Personen-Projekt. Umso beeindruckender, was Ari Gibson und William Pellen hier auf die Beine gestellt haben.
- Der Hauptcharakter des Spiels stammt ursprünglich aus einem anderen Spiel von Team Cherry, das im Rahmen eines Wettbewerbs entstanden ist. Der Name: Hungry Knight.
- Der Nachfolger von Hollow Knight war über Jahre hinweg das meistgewünschte Steam-Spiel der Welt: Silksong.
89. Kingdom Come: Deliverance
Entwickler: Warhorse Studios
Genre: Rollenspiel
Release: Februar 2018
André Baumgartner: Heinrichs Reise durch die meiner Meinung nach besten Wälder und mittelalterlichen Dörfer der Spielegeschichte war eine der prägendsten Rollenspiel-Erfahrungen, die ich je machen durfte. Bild und Ton harmonieren in Kingdom Come: Deliverance dermaßen gut, dass man den Matsch regelrecht zwischen seinen Zehen spüren kann und sich gelegentlich fragt, ob man das »Simulator« im Namen überlesen hat.
Das Nest, in das der Werdegang des leicht introvertierten Schmiedesohns Heinrich eingebettet ist, trieft vor Atmosphäre und wertet so jedes kleine wie große Abenteuer, das wir mit ihm erleben, auf. Hier kann man den Alltag vergessen und einfach mal Mittelalter leben und atmen. Dankenswerterweise lässt einem die Handlung auch genau dafür genug Raum.
Sie nimmt uns mit auf ausgiebige Jagdausflüge zu Ross und Fuß, lässt uns Turniere bestreiten, unser eigenes Dörfchen aufbauen, einem Mönchsorden beitreten, alte Freunde retten oder verraten, Liebe finden und natürlich Adelige beeindrucken, um so im archaischen Ständesystem vom Aufstieg zu träumen.
Natürlich könnte man die Rahmenhandlung auf ein simples »vom Tellerwäscher zum Millionär«-Märchen reduzieren, aber das wird dem Effekt, den sie auf den Spieler hat, nicht gerecht. Sie entführt uns in eine andere Zeit und erzeugt eine starke Sehnsucht nach der Welt, ihren Charakteren und dem sympathischen Dickschädel Heinrich. So stark, dass man bereits kurz nach Ende des Abspanns wieder Lust bekommt, sich erneut in den Sattel zu schwingen.
Trivia:
- Wenn ihr im Prolog beim Schleichen versagt, landet Heinrich im Gefängnis und fällt beim Überfall auf Skalitz den Flammen zum Opfer. Eine Nummer härter als der Bär in Skyrim, oder?
- Im vierten und letzten Story-DLC »Das Los einer Frau« könnt ihr mit dessen Protagonistin Theresa eine versteckte Polaroidkamera finden, die ein unfreiwilliges Selfie von euch schießt.
88. Marvel’s Spider-Man
Entwickler: Insomniac
Genre: Open-World-Action
Release: September 2018
7:33
Marvel's Spider-Man - Video: Warum meckert ihr nicht über die alten Ubisoft-Tricks?
Dimitry Halley: Über Insonmniacs Spider-Man wurde schon so viel geredet. Wie unvergesslich sich das Schwingen durch die Open World anfühlt, wie magisch das Spiel das Superhelden-Feeling einfängt, wie pompös der Soundtrack die Tobey-Maguire-Ära von Spidey wiederbelebt und, und, und. Aber über die Story? Über die wird viel zu wenig geredet! Trotz der ausufernden Open World verfolgt Spider-Man nämlich ein ziemlich striktes Konzept, das sich durch fast jeden Story-Strang zieht und Vin Diesel ein Tränchen aus dem Äuglein drücken würde: Familie.
Fast jeder Charakter in Marvel’s Spider-Man durchlebt irgendeine Form von Eltern-Kind-Drama. Spidey gerät mit seinem Ersatzvater und Mentor Otto Octavius mehr und mehr aneinander, MJ leidet (nur angedeutet) unter ihrem Vater, Black Cat will einer Legende gerecht werden, mit der sie blutsverwandt ist. Noch mehr gefällig? Einer der Schurken hat versehentlich seine Eltern getötet, ein anderer will seinen kranken Sohn mit allen Mitteln heilen - und Miles Morales erlebt ebenfalls ein schreckliches Familiendrama.
Alles in Marvel’s Spider-Man dreht sich irgendwie um die schönen wie schattigen Ausmaße, die Familienbande für Eltern und Kinder annehmen können. Und dann interagieren alle Figuren ja noch untereinander, miteinander, gegeneinander - Insonmniac erschafft ein unglaublich dichtes … okay, Wortwitz … Netz aus persönlichen Dramen, die Marvel’s Spider-Man genau das geben, was vielen Open-World-Spielen fehlt: Herz.
Trivia:
- Am Startwochenende spülte das Spiel mehr Geld in die Kassen als der Kinofilm Spider-Man: Homecoming.
- Der Insomniac-Spidey hat in den Comics übrigens Crossover mit anderen Spider-Men und -Women.
87. That Dragon, Cancer
Entwickler: Numinous Games
Genre: Adventure
Release: Januar 2016
Steffi Schlottag: Ich halte That Dragon, Cancer für eins der wichtigsten Story-Spiele überhaupt. Aber trotzdem würde ich vielen Menschen davon abraten, es zu spielen. Wenn euch Themen wie Krebs, sterbende Kinder und Trauer triggern, überspringt bitte diesen Titel komplett und wandert einfach zum nächsten Platz auf unserer Liste.
Game Designer Ryan Green erzählt hier die wahre Geschichte seines Sohns Joel, der mit zwölf Monaten eine Krebsdiagnose bekam und nach vier Jahren schwerer Krankheit starb. Es geht nicht nur um das Leid von Joel, sondern auch darum, wie der Stress und die Angst seine Familie fast auseinander reißt. Seine Mutter Amy hadert zum Beispiel mit ihrer Religion – wie kann Gott zulassen, dass ein unschuldiges Kind so fürchterliche Schmerzen erleiden muss und niemals erwachsen werden wird? That Dragon, Cancer konfrontiert uns mit einigen der schlimmsten und schwierigsten Themen überhaupt.
Mich persönlich hat eine Szene emotional überwältigt, in der echte Tonaufnahmen von Joels Weinen eingespielt werden und sein Vater verzweifelt versucht, ihn zu beruhigen. Ich höre das heute noch in meiner Erinnerung. That Dragon, Cancer ist ein unheimlich mutiges und intimes Projekt, das zeigt, wie man auch solche Geschichten im Medium Spiel erzählen und verarbeiten kann. Die simple Block-Grafik verleiht dem Ganzen außerdem diesen Kinderbuch-Anstrich, der perfekt zum Erzählten passt.
Trivia:
- Es gibt einen Dokumentationsfilm über Joel und seine Eltern, die auch die Entwicklung von That Dragon, Cancer beleuchtet. Er heißt »Thank You für Playing«.
- Amy und Ryan arbeiten gemeinsam mit anderen Entwicklern an weiteren Spielen. Das Studio Numinous Games entwickelt gerade zum Beispiel Painted Waters, einem Spiel speziell für junge Kinder.
86. This War of Mine
Entwickler: 11 bit Studios
Genre: Taktikspiel
Release: November 2014
Steffi Schlottag: Über ein Spiel wie This War of Mine zu schreiben, fällt mir angesichts der Weltlage besonders schwer. Dieses Anti-Kriegsspiel stellt nicht »mutige Soldaten« in den Mittelpunkt, sondern zeigt auf, wie sich Krieg und Gewalt auf die Zivilbevölkerung einer belagerten Stadt auswirkt.
Wir lenken eine Gruppe Überlebender, weisen ihnen bestimmte Aufgaben zu (»halte Wache«, »filtere Wasser«) und treffen fürchterlich schwierige Entscheidungen. Wen schicken wir weg, wenn das Essen nicht für alle reicht? Geben wir unsere knappen Medikamente an jemanden, der kaum Überlebenschancen hat? Je nach Szenario erzählt This War of Mine eine andere Geschichte, die wir mit unseren Entscheidungen maßgeblich beeinflussen – zum Beispiel in der Episode The Little Ones, in dem es um ein Kind geht.
This War of Mine ist kein Spiel, das Spaß macht und es kann die wahren Schrecken des Krieges natürlich auch nicht vollständig wiedergeben. Trotzdem wurde es zu Recht vielfach für seine schonungslosen Erzählungen ausgezeichnet und hat eine starke und wichtige Botschaft zu vermitteln.
Trivia:
- Da viele Ereignisse im Spiel für Menschen in der Ukraine derzeit bittere Realität sind, hat Entwicklerstudio 11 bit Studios mit den Einnahmen aus Verkäufen Spenden gesammelt. Es kamen 850.000 Dollar zusammen, die an das ukrainische Rote Kreuz gingen.
- Das Spiel ist inspiriert von wahren Ereignissen während der Belagerung von Sarajevo (1992 – 1996). Augenzeugenberichte von Überlebenden wie Emir Cerimovic wurden als Grundlage verwendet.
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85. Pentiment
Entwickler: Obsidian
Genre: Adventure
Release: November 2022
9:46
Pentiment im Testvideo: Eines der besten Spiele des Jahres ist ein echtes Kunstwerk
Fabiano Uslenghi: Es ist immer noch ein kleines Wunder, dass Pentiment überhaupt existiert. Dass irgendjemand bei Microsoft vermutlich gesagt hat: »Na klar, Josh Swayer! Entwickel gerne ein extrem uriges 2D-Adventure in dem es um einen Kriminalfall in einem abgelegenen bayerischen Dorf des Spätmittelalters direkt an der Grenze zur frühen Neuzeit geht und wo du deine ganzen germanischen und historischen Kenntnisse zur Gänze einbringen kannst. Was? Statt Vertonung hat jeder Charakter eine zum Stand passenden Schriftstil, der mit dem Geräusch einer Feder auf Pergament in den Sprechblasen auftaucht? Ich höre das Geld schon regnen!«
Diesen offensichtlich sarkastisch gesagten Satz eines fiktiven Microsoft-Chefs hat Josh Sawyer aber offenbar für voll genommen und genau das getan. Zu unserem Glück! Denn das Ergebnis ist eines der ungewöhnlichsten Spiele aus dem Hause Obsidian, mit einer ihrer interessantesten Geschichten überhaupt. Und das heißt einiges bei solchen Story-Experten.
Pentiment ist wirklich eine ganz außergewöhnliche Reise. Man kommt für den Mordfall in einem Kloster und bleibt für die Menschen. Nein, für die Geschichte eines ganzen Dorfs. Denn um nicht weniger geht es in diesem Spiel. Es geht darum, wie historische Umstände und Einzelpersonen zusammenkommen, um einen im größeren Kontext unbedeutenden Ort nachhaltig zu prägen. Was das für seine Bewohner bedeutet und wie sich Nachkommen daran erinnern? Das bekommen wir hier so effektiv vor Augen geführt, wie nirgendwo sonst. Entscheidungen, Konsequenzen, Menschlichkeit – all das zelebriert Pentiment wie kaum ein anderes Spiel.
Trivia:
- In einer Traumsequenz reist der Protagonist Andreas Maler auf einem Schiff voller feixender Narren über das Meer. Diese Sequenz ist eine Anspielung auf das berühmte Narrenschiff von Sebastian Brant – eines der erfolgreichsten satirischen Bücher des Spätmittelalters.
- Der Zeichenstil von Pentiment wurde von dem im Mittelalter üblichen Manuskript-Stil inspiriert. Eines der wichtigsten Referenzwerke für Art Director Hannah Kennedy war die Schedelsche Weltchronik von 1493.
84. Persona 5
Entwickler: Atlus P Studio
Genre: JRPG
Release: September 2016
Heiko Klinge: Es gibt wohl kaum ein Story-Spiel mit krasseren erzählerischen Gegensätzen als Persona 5. Einerseits verwandelt sich meine Katze in einen Bus, mit dem ich eine verzerrte Version der der Ubahn-Schächte Tokios erkunde. Andererseits überführe ich einen perversen Sportlehrer, der seinen Schülerinnen nachstellt.
Einerseits durchlebe ich tagsüber den Alltag eines Schülers – samt Hausaufgaben, Prüfungen, aber auch ersten Nebenjobs und der einen oder anderen Flirterei. Andererseits stürze ich mich nachts als Phantomdieb in die als Dungeon umgesetzte Gedankenpaläste meiner Widersacher und tauche so in ihre menschlichen Abgründe – egal ob Sadismus, Spielsucht oder Eitelkeit.
Auch erzählerisch pendelt Persona 5 permanent zwischen bewusst überzeichneter Anime-Leichtigkeit und schweren Themen, ohne dass es dabei die Balance verliert. So haben auch die Phantomdiebe mit inneren Dämonen zu kämpfen, teils sogar wortwörtlich.
Diese Mischung aus Highschool-Lebenssimulation, klassischem JRPG-Storytelling und erwachsenen Themen gab es so oder so ähnlich auch schon in den ebenfalls hervorragenden Vorgängern. Aber noch nie griffen diese Elemente so logisch, motivierend und virtuos ineinander wie im fünften Serienteil. Ein Metacritic-Schnitt von 93 spricht für sich. Also lasst euch nicht vom Katzenbus abschrecken und gebt diesem Spiel eine Chance – ihr werdet es nicht bereuen!
Trivia:
- Persona 5 wurde bis dato ausschließlich für die PlayStation veröffentlicht. Da 2020 aber das ebenfalls hervorragende Persona 4 zwölf Jahre nach Release plötzlich auf Steam erschien, besteht auch für den fünften Serienteil noch Hoffnung.
- Die animierten Zwischensequenzen des Spiels wurden von Production I.G. erstellte – Co-Produzenten der legendären Animes Ghost in the Shell und Neon Genesis Evangelion.
83. Monkey Island 3: Der Fluch von Monkey Island
Entwickler: LucasArts
Genre: Point & Click
Release: Oktober 1997
Fabiano Uslenghi: Monkey Island 3 wird für immer einen ganz besonderen Ehrenplatz in meinem Regal einnehmen. Denn es ist das erste Spiel, das ich in meinem Leben aktiv und bewusst gespielt habe. Damals noch gemeinsam mit meiner Schwester und meinem Vater, da ich im Alter von fünf Jahren eben noch etwas überfordert war. Woher soll ein Fünfjähriger denn auch wissen, wie man einen Kompass baut!
Doch das Rätseldesign war es auch gar nicht, was mich damals für das Spiel begeistert hat. Sondern seine Geschichte und der unverwechselbare Monkey-Island-Humor. Für mich fühlte sich dieses Spiel an wie eine abenteuerliche Zeichentrickserie, weil es eben genau danach aussah. Mal im ernst, schaut euch jetzt Spielszenen von Monkey Island 3 an - das sieht bis heute wundervoll aus! Und das, obwohl das Spiel aus einer Zeit stammt, als man den Begriff Faxmodem noch für etwas Modernes gehalten hat.
Die Geschichte von Monkey Island 3 dreht sich dabei komplett um Guybrushs Suche nach seiner Liebsten. Eine Suche, zu der ich ganz besonders motiviert war, denn ich bin überhaupt erst Schuld an ihrem Verschwinden. Guybrush ist es schließlich, der seine liebe Elaine erst in diese ungünstige Lage bringt. Aber das passiert nun einmal, wenn man mit einem verfluchten Diamantring um die Hand einer Frau anhält.
Vom ersten Augenblick stolpert der tollpatschige Pirat von einer selbstverschuldeten Misere in die nächste und schafft es am Ende des Tages trotzdem, einen untoten Zombiepiraten mit einem Pfefferstreuer zu besiegen. Das sind die Heldengeschichte, die diese Welt braucht!
Trivia:
- In der deutschen Fassung fehlt eine grandioses Passage, in dem Guybrush seine singende Crew dazu bringen muss, mit dem Singen aufzuhören. Das viele englische Reimen war hier den Übersetzern wohl zu viel des Guten. Der Song ist aber ein echter Ohrwurm!
- Monkey-Island-Erfinder Ron Gilbert war an der Entwicklung des dritten Teils nicht mehr beteiligt, hatte aber eine eigene Vision. Eine Vision, die wir wohl bald mit Return to Monkey Island zu sehen bekommen.
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82. Shin Megami Tensei 3 Nocturne
Entwickler: Atlus
Genre: Rollenspiel
Release: Mai 2021
Marie-Lena Höftmann: Eigentlich ist es fast schon eine Frechheit, dass wir Shin Megami Tensei 3: Nocturne erst jetzt in diese Liste aufnehmen. Schließlich erschien das Original bereits 2003 und hat die Latte in Sachen Storystelling für JRPGs ziemlich hoch gehängt.
Die Welt von Nocturne kollabiert schon in den ersten Spielminuten und hinterlässt Spielerinnen und Spielern ein wahres Trümmerfeld. Zwar kämpfen nach der Apokalypse Götter gegen Dämonen, die Story ruht sich aber nicht auf plumpem Schwarz-Weiß-Denken aus. Stattdessen liegt der Fokus auf philosophischen Fragen. Was ist eine ideale Welt? Was bedeutet Existenz? Welche Rolle spielen Wille und Freiheit?
Die Antworten, die man auf diese Fragen gibt, bestimmen den Ausgang der Geschichte. Im Verlauf des Spiels kristallisieren sich nämlich verschiedene »Reasons« heraus - Weltanschauungen, denen man sich anschließen oder ablehnen kann. Dabei ist keine von ihnen die »Richtige« oder die »Gute« und Spielerinnen und Spielern müssen ganz schön grübeln. Beim Spielen von Nocturne dürfte man nicht nur etwas über philosophische Thesen, sondern auch einiges über sich selbst lernen.
Trivia:
- Das originale Nocturne von 2003 gehört neben Shin Megami Tensei: Nine zu den ersten Megami-Tensei-Titeln mit 3D-Grafik und entstand aus einer 3D-Testdemo auf der PS2.
- Das HD Remaster hübscht nicht nur die Grafik auf, sondern kommt auch mit einem neuen, leichteren Schwierigkeitsgrad als Zugeständnis für Spielerinnen und Spieler die die Geschichten unkompliziert erleben möchten. Auch Zwischenspeicherstände machen das Spiel etwas zugänglicher.
81. Ori and the Will of the Wisps
Entwickler: Moon Studios
Genre: Metroidvania
Release: März 2020
Heiko Klinge: Einerseits überrascht mich die hohe Platzierung von Ori and the Will of the Wisps in unserem Ranking, denn die eigentliche Geschichte des Metroidvanias passt auf einen Bierdeckel. Der niedliche Ori wird bei einem Erkundungsflug von seiner nicht minder niedlichen Eulenfreundin Ku getrennt, will sie erst finden und muss sie dann – logisch – retten. Das war’s, das ist die Story.
Andererseits geht’s bei einem Ranking der besten Story-Spiele nicht nur um das »Was« einer Geschichte, sondern auch ums »Wie«. Und hier hat Ori and the Will of the Wisps zumindest im Genre der Metroidvanias zweifellos neue Maßstäbe gesetzt.
Es entführt uns in eine zauberhafte handgemalte Märchenwelt, die in Sachen Animationsqualität so manchen Zeichentrickfilm ziemlich alt aussehen lässt. Deshalb muss Ori auch nicht viel erzählen, Mimik und Gestik transportieren hier mehr Emotionen als bei den meisten Dialogmonstern. Und das Ende gehört definitiv zum Bittersüßesten, was ich in Computer- und Videospielen je erlebt habe. Vielleicht musste ich sogar die eine oder andere Träne wegwischen. Ganz vielleicht.
Ergänzungen:
- So großartig das Spiel ist, so schwierig waren offenbar für viel Teammitglieder die Arbeitsbedingungen während der Entwicklung.
- Weil die spektakulär inszenierten Fluchtsequenzen im ersten Teil vielen zu schwierig war, lassen sich diese in Ori and the Will of the Wisps einfach überspringen.
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