20. Warcraft 3
Entwickler: Blizzard Entertainment
Genre: Echtzeit-Strategie
Release: Juli 2002
Michael Graf: Warcraft ist für Videospiele, was »Der Herr der Ringe« für Filme und »Game of Thrones« für Serien waren: das bestimmende Fantasy-Universum des ganzen Mediums. Und welches Spiel hat Warcraft dazu gemacht? World of Warcraft natürlich, dank seines weltweiten Erfolgs. Allerdings hat sich World of Warcraft über die Jahrzehnte erzählerisch arg verheddert - raumfahrende Draenei, Zeitreisen, wiederkehrende Tote, man kommt kaum noch mit. Wer eine klare, wendungsreiche und - ich weiß, dass das Wort eigentlich nicht stimmt und verwende es trotzdem - wahrhaft epische Fantasy-Geschichte erleben möchte, kommt um Warcraft 3 nicht herum.
Nachdem Starcraft mit Kerrigans Auferstehung und Tassadars Opfer schon gut vorgelegt hatte, wechselte Warcraft 3 nämlich vollends auf die erzählerische Überholspur. Die Kampagne jagt mich von einem denkwürdigen Moment zum nächsten: die Auslöschung Stratholmes, Arthas’ Verrat, der Kampf gegen den orcischen Dämonenfluch, die Zerstörung des Sonnenbrunnens, die Belagerung des Weltbaums! Getragen wird die dramatische Sory von den Charakteren - denn die Heldinnen und Helden spielen nicht nur mechanisch (Stichwort Rollenspiel-Elemente) größere Rollen als in handelsüblicher Echtzeit-Strategie, sondern auch erzählerisch. Ich fiebere mit Jaina, bin entsetzt über Arthas, grinse boshaft mit Kel’Thuzad, weine um Sylvanas. Kaum zu glauben, dass Warcraft 3 der direkte Nachfolger eines Spiels ist, dessen dramaturgischer Höhepunkt darin bestand, dass ein Ritter-Sprite (Lothar) von Oger-Sprites umgekloppt wurde.
Und dann folgt mit Frozen Throne noch ein Addon, das nicht nur eine Rollenspiel-Kampagne für Orcboss Thrall nachliefert, sondern auch noch mehr Drama rund um Arthas und den gefallenen Dämonenjäger Illidan, das schließlich die Bühne bereitet für World of Warcraft. Wenn also World of Warcraft der Herr der Ringe der Videospiel-Fantasy ist, dann war Warcraft 3 mindestens das Silmarillion: der epische Grundpfeiler, ohne den dieses Setting niemals so tief und detailliert hätte werden können.
Trivia:
- Helden-Einheiten mit spezielles Fähigkeiten hatte Blizzard schon fürs erste Warcraft angedacht, damals aber verworfen.
- Ursprünglich sollten die Helden in Warcraft 3 sogar noch wichtiger werden. Basis- und Truppenbau wurden aufs Nötigste reduziert, die Kamera klebte dicht am Geschehen. Das war dann aber doch zu viel des Guten, Blizzard ruderte zurück zum klassischen Echtzeit-Strategiegefühl.
19. Mafia
Entwickler: Illusion Softworks
Genre: Action-Adventure
Release: September 2002
Wolfgang Rabenstein: Hach, Mafia. 30er-Jahre-Flair, angesiedelt in einer stimmungsvollen Kulisse mit spannenden Charakteren, coolen Wagen und einem Soundtrack, der mir selbst heute noch einen Schauer über den Rücken jagt. Doch war es vor allem dessen Story, die den damals völlig zu Unrecht bezeichneten »GTA-Klon« zu einem der besten Actionspiele aller Zeiten werden ließ. Denn anders als heutige Open Worlds ist Mafia ein lineares, storygetriebenes Actiondrama, das seine Open World lediglich als Kulisse nutzt.
Auch die Definitive-Edition von 2020 blieb dieser Linie treu und zeigte, dass eine Open World, die gänzlich ohne Sidequests auskommt und seinen Fokus auf die Story und Entwicklung seiner Charaktere legt, überaus erfrischend sein kann.
So gelang und gelingt es den Entwicklern mit der Geschichte aus Freundschaft, Liebe, Intrigen, Hass und Verrat nach wie vor, in mir das Gefühl zu erwecken, als befände ich mich inmitten eines Scorsese-Films im New York oder Chicago der 1930er-Jahre – dem Zeitalter der Prohibition. Für einen Gangsterfilm-Liebhaber wie mich ist das pures Gold: Ich leide mit dem Protagonisten Tommy Angelo und seinem Wunsch, aus der Cosa Nostra wieder auszusteigen, jede Sekunde mit, freue mich für ihn, als er seine künftige Frau Sarah kennenlernt, und kämpfe wie er mit inneren Konflikten, als er seine Geschichte Detective Norman anvertraut.
Dieses Gefühlschaos, mit dem mich schon die Originalversion am Ende des Spiels zurückließ, war damals gänzlich neu für mich und ist mir bis heute sehr gut in Erinnerung geblieben. Mein Kollege Jonas hat auch recht eindrucksvoll geschildert, warum ihm dieses Ende sogar noch einen kleinen Tick besser gefallen hat. Selbst 20 Jahre nach seinem Erscheinen und auch dank der hervorragend umgesetzten Definitive Edition hat Mafia nichts von seiner Atmosphäre und seinem Charme verloren und ist das Referenzspiel für jeden Scorsese- oder »Der Pate«-Film-Liebhaber.
Trivia:
- Die deutsche Stimme von Pauli stammt in der Originalversion von »Mogens von Gadow«, der auch der Synchronsprecher von Joe Pesci (»Kevin allein zu Haus, »The Irishman«, »Goodfellas«, »Casino« uvm.) ist.
- Das Museum der letzten Mission (Der Tod der Kunst) ist ein direkter Nachbau des Kunsthistorischen Museums in Wien.
18. Red Dead Redemption
Entwickler: Rockstar San Diego
Genre: Action-Adventure
Release: Mai 2010
Valentin Aschenbrenner: Was für ein Ritt. Vor dem ersten Red Dead Redemption, welches Rockstar vor mittlerweile über zehn Jahren veröffentlichte, war mir nie bewusst, wie wenig Western-Spiele es eigentlich gibt. Und dann auch noch welche, die eine richtig gute Story erzählen! John Marstons tragische Odyssee werde ich nie vergessen. Der (unfreiwillige) Rachefeldzug gegen die Mitglieder seiner früheren Bande zählt nicht nur aufgrund seines unvergesslichen Abschluss zu den besten Videospielgeschichten aller Zeiten.
Ich muss mir nur den ersten Ritt nach Mexiko mit den den Klängen von Joses Gonzales Far Away, den unzähligen Showdowns am Wegesrand (von denen es mir in Teil 2 definitiv einen Ticken zu wenig gab) oder den Abschluss von Johns Bigfoot-Jagd denken, von der ich mir immer noch wünschte, ich hätte sie nie zu Ende gespielt. Aber klar, wenn es um Red Dead Redemption geht, darf man das markerschütternde Finale natürlich nicht zu kurz kommen lassen. Und ohne hier zu viel zu verraten - denn das sollte jeder Spieler für sich selbst erleben: so konsequente Enden würden einer ganzen Palette an konkurrierenden Titeln durchaus gut tun.
Außerdem darf man an dieser Stelle nicht vergessen, was Red Dead Redemption mit Undead Nightmare für einen fantastischen Singleplayer-DLC spendiert bekommen hat! Hach, waren das noch Zeiten, als sich Rockstar um neue Inhalte für die Story-Kampagne bemühte … Was mit einer Zombie-Apokalypse im Wilden Westen nach unfreiwillig komischen Trash klingt, stellte sich letztendlich als eine unerwartet kreative Vertiefung von liebgewonnenen Charakteren der Haupthandlung heraus. Mit Zombies wird zwar nicht immer alles automatisch besser, aber manchmal eben schon.
Trivia:
- Das erste Red Dead Redemption spielt nach den Ereignissen von Red Dead Redemption 2. Der Nachfolger erzählt also die Vorgeschichte zu dem ersten Teil.
- Für die Rolle von John Marston hatte Rockstar ursprünglich die Filmlegende Clint Eastwood ins Auge gefasst. Der Western-Darsteller verkörperte Marston letztendlich (offensichtlich) nicht, dafür lieferte Rob Wiethoff eine unvergessliche Performance ab.
- In Red Dead Redemption könnt ihr dem Tod oder Teufel begegnen. Was genau es damit auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen. Seid aber vor Spoilern gewarnt!
NEU
17. Silent Hill 2 + Remake
Entwickler: Konami, Team Silent / Blober Team
Genre: Horror-Adventure
Release: November 2001 / Oktober 2024
16:22
Silent Hill 2 ist ein tolles Spiel, aber nur ein ganz okayes Remake
Fabiano Uslenghi: Für mich gibt es kein Ranking der besten Story-Spiele ohne Silent Hill 2. Denn es existiert eigentlich kaum ein anderes Spiel da draußen, das so sehr von seiner Geschichte geprägt wird. Hier haben wir ein Horrorspiel, dessen komplette Philosophie seiner Story unterworfen ist. Denn nahezu alles, was ihr hier macht oder seht, wurde in irgendeiner Form von der Erzählung geformt. Während euch andere Horrorspiel nur möglichst widerliche, coole oder groteske Monster vorsetzen, hat in Silent Hill 2 alles eine tiefergehende Bedeutung.
Dabei werdet ihr in den ersten Spielstunden gar nicht das Gefühl haben, hier eine sonderlich durchdachte Geschichte zu erleben. Immerhin wirkt unsere Spielfigur James seltsam unberührt davon, dass er gerade durch eine von Monstern verseuchten und dichtem Nebel verhangenen Stadt läuft. Außerdem führt James sehr viele äußerst verwirrende Dialoge mit Charakteren, deren Motivationen und Hintergründe noch nebulöser erscheinen als Silent Hill selbst.
Doch wer sich davon nicht abschrecken lässt und stattdessen versucht, die Zeichen zu lesen, wird sehr bald erkennen, was in dieser Stadt eigentlich los ist und welche Dämonen James in Wirklichkeit plagen. Silent Hill 2 kann interpretiert werden, fordert uns heraus und bietet so viele Schichten, unter denen mehr steckt als ein hohles Mysterium. Das ist ein Spiel, bei dem ihr euch noch Stunden nach dem Abspann mit dem eben Erlebten auseinandersetzen könnt und immer wieder erstaunliche Verknüpfungen zwischen Designs oder Rätseln entdeckt, die schließlich ein deutlich klareres Bild erlauben und euch erkennen lassen, was die ganze Zeit vor eurer Nase lag.
Ganz große Erzählkunst – auch noch im Remake, das die Geschichte kompetent aufbereitet, wenn auch dabei ein wenig, was der Atmosphäre des Originals auf der Strecke bleibt. Wer dieses Meisterwerk aber ganz neu und für moderne Bedürfnisse optimiert erleben will, macht auch mit der Neuauflage nichts falsch.
Trivia:
- In Silent Hill 2 gibt es unterschiedliche Enden. In einem geheimen Ende stellt sich heraus, dass ein süßer Hund namens Mira in Wahrheit hinter allem steckt.
- James kann kleine Hürden hinunterfallen und dadurch beispielsweise äußerst ungelenk in einen leeren Swimmingpool stolpern.
16. Hellblade: Senua’s Sacrifice
Entwickler: Ninja Theory
Genre: Action-Adventure
Release: August 2017
Petra Schmitz: Mythologie geht bekanntlich immer. Aber selten war sie in einem Spiel so bizarr, verstörend und gleichzeitig faszinierend verpackt wie im ersten Hellblade. Statt einen mächtigen Krieger oder extracoolen Hexer (ich meine natürlich Kratos und Geralt) zu spielen, verkörpern wir eine junge Frau, nämlich Senua. Sie reist nach Helheim ins Reich der Toten, um dort die Seele ihres Geliebten von Hel höchstselbst zurückzufordern.
Als sei das nicht schon Aufgabe genug, wird Senua in Helheim nicht nur von Monstern, sondern auch von Halluzinationen und den Geistern ihrer (wenig schönen) Vergangenheit gemartert, im Grunde geht es nämlich um psychische Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie in Hellblade.
Die Geschichte als solche ist schon eine intensive (der Anfang nachgerade grandios, auch wenn es sich im Grunde nur um eine Bootsfahrt handelt), sie gewinnt aber noch mehr durch die brillante Darstellung der Senua. Ursprünglich sollte Melina Jürgens (damals noch Video Editor bei Ninja Theory) nur mal flott für einen Test des Motion-Capture-Set-ups vor die Kamera treten, daraus wurde dann eine zweite Karriere. Denn Melina war aus dem Stand so gut als Senua, dass Ninja Theory die Suche nach einer professionellen Schauspielerin einstellen konnte.
Zwischen all den Blicken in Senuas Vergangenheit, in ihre Gefühlswelt (was alles auch ein bisschen Interpretationsarbeit von euch verlangt) ist Hellblade ein gefälliges Action-Adventure, das jedoch manchmal mit seinen Rätseln nervt. Wer das abkann, der wird mit einem fantastischen Einblick in die Innenwelt einer gemarterten Frau belohnt.
Trivia:
- Melina Jürgens hat 2017 den Game Award für die beste Performance gewonnen.
- Auch bei den BAFTAS 2018 (British Academy Video Games Awards) gewann Melina in dieser Kategorie.
15. Deus Ex
Entwickler: Ion Storm
Genre: Rollenspiel
Release: Juni 2000
Dimitry Halley: Deus Ex ist alles, was ich an Cyberpunk liebe. Konzernverschwörungen, Hightech-Experimente, große philosophische Fragen, knallharte moralische Entscheidungen, politische Gedankenspiele, Intrigen, hach … ich liebe neben Monkey Island kein Spiel so sehr wie Deus Ex. Klar, das liegt auch zu großen Teilen an der fantastischen spielerischen Freiheit, aber um die soll’s heute nicht gehen, wir reden hier schließlich über die besten Spiele-Storys.
Und die von Deus Ex ist großartig, obwohl sie absolut lahm anfängt. Ich bin Hightech-Superpolizist JC Denton und muss Liberty Island von Terroristen befreien. Gähn. Zusammen mit meinem Hightech-Superpolizisten-Bruder Paul Denton strahlen die beiden Hauptfiguren am Anfang so viel Charisma und Charaktertiefe wie zwei Salatgurken aus. Aber der Schein trügt. Deus Ex ist eh das Spiel der trügenden … äh … Scheine? Es zwingt mich, selbst zu denken, Figuren und Geschehnisse selbst einzuordnen, jeden Satz zu hinterfragen und jede Entscheidung sorgsam abzuwägen.
Aber auch die Welt drum herum erzählt unvergessliche kleine Geschichten. Von den Süßigkeitenautomaten-Intrigen rund um Gunther Hermann bis hin zu den Nachrichten, Zeitungsausschnitten und Gesprächen, die eine der faszinierendsten Cyberpunk-Welten überhaupt erschaffen. Ich will hier überhaupt nichts spoilern. Auch 25 Jahre später sage ich: Lasst euch selbst auf Deus Ex ein, denn bis heute müssen sich Spiele zurecht daran messen.
Trivia:
- In Area 51 gibt’s einen Klon-Container mit der Aufschrift Alex Denton. Wer den Nachfolger gespielt hat, weiß, dass Ion Storm hier weit gedacht hat.
- Deus Ex lässt sich komplett durchspielen, ohne eine Schusswaffe zu ziehen.
14. Knights of the Old Republic
Entwickler: Bioware
Genre: Rollenspiel
Release: Juli 2003
Fabiano Uslenghi: Was Knights of the Old Republic geschafft hat, wäre zuvor undenkbar gewesen. Das erste Videospiel, das uns in eine komplett andere Zeitepoche des Star-Wars-Universums führt. Das war ein großes Ding! Denn plötzlich musste Bioware eine Geschichte erzählen und ein Universum ausarbeiten, ohne sich allzu sehr auf bekannte Bilder und Figuren stützen zu können. Das ist selbst bei einem so populären Fandom wie Star Wars keine leichte Aufgabe. Vielleicht sogar ganz besonders schwer, da viele Fans mit einem Franchise sehr spezifische Dinge verbinden.
Es ist kein Zufall, das Star Wars immer wieder Eindrücke aufgreift, die unser Bild davon geprägt haben. Da wären Soldaten in weißen Rüstungen, übermächtig erscheinende Kriegswaffen und Schlachtkreuzer, die wie große Dreiecke aussehen. Und ja, auch KotOR bedient sich daran (maskierte Sith, ein Jedi, der aussieht wie Meister Yoda), doch über weite Strecken zeigt es eben auch eine Welt, die vollkommen anders wirkt ohne den typischen Star-Wars-Charme zu verlieren. Gleichzeitig kam Bioware in den Genuss, eine Galaxie-umfassende Geschichte zu erzählen, in der unser ganz eigener Held über das Schicksal vieler Welten bestimmt, ohne auch nur ansatzweise an der hochheiligen Story der Kinofilme anzuecken.
Denn wenn es schon ein richtiges Rollenspiel im Star-Wars-Universum wird, dann muss ich auch einfach zwischen gut und böse entscheiden können! Darüber hinaus ist KotOR für seinen wunderbar herbeigeführten Twist berühmt. Der nicht für einen billigen Schockeffekt ganz am Ende sorgt, sondern unserer Spielfigur eine ganz neue Richtung gibt, und uns viele Dinge, über die wir nachdenken können. Beispielsweise, was das für unsere Beziehung zu verschiedenen Begleitern bedeutet. Die in KotOR Bioware-typisch übrigens ebenfalls herausragend gelungen sind. Über den blutrünstigen Humor des Killerdroiden HK-47 wurde ja schon mehr als genug geschwärmt. Ich persönlich mochte aber auch ambivalente Charakter wie den grauen Jedi Jolee Bindo oder dem gewissenlosen Mandalorianer Canderous Ordo.
KotOR erzählt eine der spannendsten Geschichten im Star Wars Universum und hat gezeigt, wie viel Potenzial abseits der bekannten Filmepochen auf der Hyperraumroute liegt.
Trivia:
- Eine Folge der Hitserie The Mandalorian wurde sehr offensichtlich von einer Quest aus KotOR inspiriert. In beiden Fällen müssen die Helden einen gefährlichen Kraytdrachen aus seiner Höhle locken und diesen dann mit Hilfe von Sprengsätzen angreifbar machen.
- Obwohl Disney nach der Übernahme den alten Kanon auflöste und damit auch die Ereignisse aus KotOR, können die Spiele seit »Der Aufstieg Skywalkers« wieder teilweise dazugezählt werden. Dass Darth Revan als Sith-Lord existierte, ist seitdem nämlich wieder offiziell bestätigt.
13. Horizon Zero Dawn
Entwickler: Guerrilla
Genre: Action-Adventure
Release: März 2017
Heiko Klinge: Auf die Frage, was ein gutes Story-Spiel braucht, gibt es unzählige legitime Antworten. Werft einfach mal einen Blick in die Kommentare unter diesem Artikel. Das liegt auch daran, dass Geschichten auf die unterschiedlichsten Weisen erzählt und gefühlt werden können. Manche von uns schätzen eine stringent erzählte Geschichte, manche verlangen nach spektakulären Plot-Twists, andere wollen sympathische Charaktere oder auch ein interessantes Environmental Storytelling.
Der Trick von Horizon Zero Dawn: Es liefert einfach alles auf einmal! Die Idee einer postapokalyptischen Steinzeit, die von dinosauerierartigen Maschinenwesen bevölkert wird, ist nicht nur für sich gesehen schon genial, sondern liefert auch die perfekte Kulisse für einen Storytelling-Alleskönner.
Denn natürlich entdecke ich beim Erkunden der Open World überall die Hinterlassenschaften einer untergegangenen Zivilisation, die mir verdächtig bekannt vorkommt, für Heldin Aloy anfangs aber ein großes Mysterium darstellt. Völlig anders sieht es bei den Maschinensauriern aus: Für Aloy sind sie gefährlicher Alltag, für mich ein Faszinosum, das ich mir erst erschließen muss. Umgekehrte Vorzeichen, gleicher Effekt.
Das alles wird zusammengehalten von einer Heldin, die ich im wahrsten Sinne des Wortes von Kindesbeinen an kennenlerne und die ihrem harten Schicksal mit einer solch positiven und mutigen Ausstrahlung ins Auge blickt, dass ich gar keine andere Chance habe, als sie in Rekordzeit ins Herz zu schließen.
Das alles funktioniert natürlich auch deshalb so gut, weil Entwickler Guerrilla es mit einer Blockbuster-Kompetenz umsetzt, die wir in den letzten Jahren in dieser Perfektion nur bei ganz wenigen Titeln gesehen haben. Angefangen beim motivierenden Open-World-Design über spektakulär inszenierte Zwischensequenzen bis hin zu perfekt choreographierten Kämpfen mit den Maschinen.
Seine hohe Platzierung verdankt Horizon aber meiner Meinung nach vor allem, wie es all diese Zutaten logisch zusammenfügt. Die meisten Mysterien in Spielen haben eine enttäuschend profane Auflösung. Horizon hingegen fügt alles in einer ebenso schlüssigen wie faszinierenden Story zusammen, die ich mir Schicht für Schicht erschließe und die im Kern einen der besten Plot-Twists der Gaming-Geschichte verbirgt. Und wer den noch nicht erlebt hat, sollte es dringend nachholen!
Trivia:
- Horizon Zero Dawn war seinerzeit mit einem Budget von 47 Millionen Euro die teuerste Medienproduktion aller Zeiten aus den Niederlanden. Entwickler Guerrilla sitzt in Amsterdam.
- Horizons Grafik-Engine hört auf den Namen »Decima«, wurde von Guerrilla selbst entwickelt und auch in Hideo Koijimas Death Stranding verwendet.
12. Spec Ops: The Line
Entwickler: Yager
Genre: Shooter
Release: Juni 2012
10:02
Spec Ops: The Line - Die ersten 10 Minuten - Die ersten 10 Minuten
Dimitry Halley: Manchen Spielen siehst du direkt an, was sie sein wollen. Call of Duty? Ballern, ballern, ballern, bisschen Pathos, ballern, ballern, ballern. Life is Strange? Schreibt sich völlig zurecht überall »Fantastische Story« auf die Fahnen. Aber Spec Ops: The Line hat mich eiskalt erwischt - trotz heißem Dubai-Szenario. Als Konsument (vor meiner Zeit bei GameStar) bekam ich damals bloß mit: Da erscheint ein ziemlicher schicker Third-Person-Shooter aus Deutschland mit ganz viel zerstörbarem Krempel und jeder Menge Sand.
Spec Ops setzte im Marketing vor allem auf Gameplay. Ich würde im verwüsteten Dubai als knallharter US-Soldat ganze Glasfassaden aufschießen können, um meine Feinde clever unter Sand zu begraben. Deckungsmechaniken, moderne Schießeisen, rudimentäre Squad-Befehle – Spec Ops war 2012 ein Malen-nach-Zahlen all der Zutaten, die im Shooter-Genre in jeden Topf gehörten. Und genau das war das Problem: Spec Ops ist in puncto Gameplay so unerheblich. Nichts daran setzte neue Maßstäbe - ganz im Gegenteil. Geschützturmpassagen, Hitscan-Gefechte, automatische Regeneration, bisschen Multiplayer wie in CoD, das war damals alles schon ausgelatschter als alte Turnschuhe.
Aber genau deshalb schnappt die Spec-Ops-Falle zu! Die Story des Spiels weiß ganz genau, welche Militär-Allmachtsfantasie sie mir in den Schoß wirft. Sie weiß ganz genau, dass ich die Art Shooter schon rauf- und runtergespielt hat. Denn nur so kann sie die große Frage aufwerfen: Weißt du eigentlich wirklich, was du hier tust?
Über Spec Ops wurde schon so viel gesprochen. Ich muss euch nicht nochmal erzählen, wie fassungslos mich die berühmte Phosphorszene gemacht hat. Ja, ich kann die kritischen Stimmen nachvollziehen, die sich mehr Entscheidungsspielraum innerhalb der Story gewünscht hätten, aber uff … diese Phosphorszene. Der ganze Tag war danach gelaufen. Spec Ops hat mich damals bewegt wie kaum ein anderer Shooter. Und das gilt auch so viele Jahre später noch.
Trivia:
- Spec Ops sollte ursprünglich einen Story-DLC bekommen, in dem Adams überlebt und sich aus Dubai rauskämpft.
- Ursprünglich sollte die Phosphor-Szene euch mehr Entscheidungsfreiraum lassen, aber kein Testspieler hat sich freiwillig für den blutigen Pfad entschieden.
11. Mass Effect 2
Entwickler: Bioware
Genre: Action-Rollenspiel
Release: 28. Januar 2010
Steffi Schlottag: Damit steht es also fest: Mass Effect 2 ist der beste Teil der Reihe! Okay, packt die Carnifex wieder ein, das lässt sich so natürlich nicht sagen. Aber was die Story angeht, hat uns der zweite Teil der Reihe einfach am meisten begeistert. Und das liegt vor allem an den fantastisch geschriebenen Charakteren.
Denn die eigentliche Hauptgeschichte von Mass Effect 2 passt auf ein ziemlich kleines Stück Papier: Kollektoren entführen Kolonisten und irgendwas haben die Reaper damit zu tun. Also müssen wir die Kakerlaken-Aliens stoppen und uns außerdem mit den Fanatikern von Cerberus rumschlagen. Solide Story-Kost eben – wenn da nicht unsere Crew wäre! In keinem anderen Mass Effect lernen wir so viele spannende Figuren kennen, die wir für die Normandy rekrutieren dürfen. Und die tragischen, lustigen und manchmal verstörenden Momente, die wir mit ihnen gemeinsam durchleben, machen Mass Effect 2 zu einem herausragenden Story-Spiel.
Wer sich - wie ich – gerne und viel mit dem Team beschäftigt, wird nicht nur mit tollen Geschichten belohnt, sondern auch mit handfesten Boni. Immerhin kämpft es sich besser, wenn man einander vertraut und den Rücken freihält! Gar nicht so leicht, sich auf einen Lieblingsbegleiter festzulegen. Okay, Garrus ist natürlich unangefochten. Aber dann ist da ja noch der philosophische Assassine Thane oder die künstliche Intelligenz Legion. Und Jack! Und Mordin! Und und und …
Viele der Geschichten, die in Mass Effect 2 beginnen, werden erst im nächsten Teil aufgedröselt. Ohne die Grundlagenarbeit und die tiefen Verbindungen, die ich im 2. Teil mit meiner Crew knüpfe, wäre die Trilogie nicht halb so stark geworden. Für mich ist der Platz unter den Top 10 der besten Story-Spiele allein deswegen völlig gerechtfertigt.
Einziger Wermutstropfen: Die Suicide Mission am Ende war so verdammt gut, dass ich wünschte, Bioware hätte so was häufiger eingesetzt. Also eine Mission, bei der ich alles riskieren muss und nur dann alle lebend durchbringe, wenn ich die richtigen Entscheidungen treffe – und das geht nur, wenn ich mein Team genau kenne. Wer ist stark genug, eine biotische Barriere aufrecht zu halten? Wer hackt die verschlossene Tür? Im nächsten Mass Effect wünsche ich mir auf jeden Fall mehr davon! Und wenn ein paar bekannte Gesichter auftauchen, wie ein Teaser andeutet, dann sperre ich mich eine Woche lang ins PC-Zimmer und verschwinde zwischen den Sternen.
Trivia:
- Garrus und Tali sind die einzigen Begleiter, die in allen drei Mass-Effect-Spielen in unsere Crew eintreten können.
- In unserer GameStar-Umfrage kam raus, dass Liara die beliebteste Romanze in unserer Community ist. Sie taucht in Mass Effect 2 allerdings nur selten auf.
- Die Entwicklung von Mass Effect 2 wurde durch einige globale Ereignisse ausgebremst, zum Beispiel die Finanzkrise von 2008 und die Schweinegrippe-Pandemie 2009, die einen großen Teil des Teams in den letzten Entwicklungsmonaten außer Gefecht setzte.
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